zwei oder drei Dinge
Als ich ein kleines Mädchen war, ging ich davon aus, später einmal eine große Erfinderin zu werden. Und da ich gerne Geschichten erfand, dachte ich mir eine Aufschreibemaschine dafür aus.
Zwar ist mein PC, den ich heute vor mir stehen habe, noch immer nicht die Maschine, die ich mir als 8Jährige vorgenommen hatte zu erfinden: eine Maschine, die du anschließt wie ein EEG, und die dann einfach deine Gedanken aufschreibt, in lesbarem Layout und auf Rechtschreibung geprüft…
Aber sie kommt dieser Visison schon ganz schön nahe.
Einige Jahre später, mit 21 Jahren wurde ich von unserem Kustos am Psychologischen Institut in Münster an der Combitron ausgebildet, damit ich die Untersuchungsergebnisse meines Professors eingeben und damit meine Brötchen als studentische Hilfskraft verdienen konnte. Die Combitron war eine Tisch große Rechenmaschine, die mit ihren Speichern für uns die Zukunft bedeutete, da sie die Ablösung der leidigen Lochkarten versprach …
Danach verlief mein Leben lange Zeit ganz ohne jede Berührung mit Computern und Rechnern. Heute muss ich mich darüber wundern, wie das überhaupt möglich war.
Am Rande bekam ich nur mit, dass neuerdings Computer die Schreibmaschinen zu ersetzen begannen. Erleichternd fand ich es, als ich keine Skrupel mehr haben musste, wenn ich jetzt der Sekretärin sagen wollte, sie solle den Text noch mal neu schreiben - und dass nur, weil ich einen bestimmten Satz umstellen wollte, der sich meiner Meinung so besser las.
Als ich dann schließlich, vor etwa 20 Jahren, von meinem Arbeitgeber dazu verdonnert wurde, einen dieser Computerfortbildungskurse des Personalamtes mitzumachen, hatte ich keine Ahnung, was da auf mich zu kam.
Ich leckte Blut. Kurz nach diesem Lehrgang kaufte ich mir meinen ersten Schneider. Den Geschäftsinhaber fragte ich, wie viel Text denn in so einem PC gespeichert werden könne. Er holte ein dünnes Buch aus einer Ladenecke und versicherte mir, das alles könnte ich ohne Weiteres speichern. Und ich war zu tiefst beeindruckt.
Später kam dann das ganze Abenteuer, das ja bis heute nicht aufgehört hat:
Das Begreifen, was Dateien und was Ordner sind, kapieren, dass am Ende einer Zeile nicht die Umstelltaste gedrückt werden muss. Irgendwann schrieb ich meine erste e.mail, endlich entdeckte ich das Internet.
Immer blieb mein technisches Verständnis und Vermögen weit hinter den neuesten Möglichkeiten zurück. Immer wieder musste ich mich sputen, den Anschluss an die Möglichkeiten meiner jeweils neuen PC’s und der neuen Software-Varianten zu bekommen. Vielleicht würde ich noch heute mit “works” schreiben und nicht wissen, was im WorldWideWeb alles auf mich wartet, wenn die Zeit und die Computerentwicklung nicht über mich hinweg gegangen wäre wie ein Wirbelsturm.
Am Anfang hatte ich lange Angst, mit einem falschen Knopfdruck den ganzen schönen Computer kaputt zu machen. Diese Scheu ist nun Vergangenheit. Obwohl ich noch immer mit einem gewissen Neid konstatiere, dass ich - im Unterschied zu meinen Kindern - viel weniger neugierig und wagemutig mit den weißen oder schwarzen Tasten umgehe.
Und dann, gegen Ende meines 6. Jahrzehnts wagte ich mich mit einem Blog in dieses WWW. Unter all die Millionen Blogs. Eine verrückte Vorstellung, das Gegenteil von Einsamkeit sozusagen und doch Einsamkeit hoch drei. Wer von Milliarden Menschen wird Kenntnis nehmen von dem, was ich dem www anvertrauen möchte und wer wird Lust haben, durch die Scheiben meines Glashause zu blicken?
Zunächst war mir nach Inventur. Das ist soweit erst mal abgeschlossen. Das Ergebnis ist hier unter “Inventur” zu lesen.
Jetzt mit 60 frage ich mich erneut, warum ich das hier eigentlich mache. Ich habe einige Monate gezögert, ob ich nicht jetzt aufhören soll. Aber es gibt noch immer noch zwei oder drei Dinge, die ich von mir weiß, und die ich auch anderen zur Kenntnis geben möchte.
Ich lade also weiter dazu ein, bei mir vorbeizuschauen, durch die Scheiben zu gucken oder einfach reinzukommen.Und ich werde mich freuen, wenn der eine oder die andere sich die Zeit nimmt, um bei mir Platz zu nehmen um teilzunehmen an meiner Inventur mit bösen oder netten Kommentaren, mit eigenen Gedanken oder einfach nur, um guten Tag zu sagen.