über mich

Dies ist die Webseite von Mechthild Seithe.

Ich betreibe diesen Blog bzw. diese Webseite seit 2018.
Ich bin 70 Jahre alt und von Beruf Sozialarbeiterin und Psychologin. 

     

Warum schreibe ich diesen Blog?
Es geht mir nicht darum, gesehen, bekannt, publik zu werden. Aber ich habe noch immer oder vielleicht auch gerade jetzt noch so einiges zu sagen, zu erzählen, zu fragen und zu überdenken. Das möchte ich nicht ganz alleine tun.
Wer sich angesprochen fühlt, darf gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Ich gebe mich zufrieden damit, dass einige Menschen mich lesen und vielleicht dadurch selbst zu nachdenken oder zum  sprechen angeregt werden. „In Köln liest mich eine und auch in Meinerzhagen ist da wer. Das sind schon zwei.“ (frei nach         )

Ich bin inzwischen fast 70 und schon seit Jahren in Rente. Inzwischen habe ich es sogar geschafft, mich von dem Workholismus zu verabschieden, der mich mein Berufsleben lang begleitet hat und mich am Beginn der Rente dazu verführte, noch einmal richtig aktiv zu werden. Das habe ich gemacht, erfolgreich und mit großer Befriedigung – bis ich gemerkt habe, dass ich inzwischen aus vielen Gründen nicht mehr zu denen zählen  kann, die versuchen, in dieser Welt aktiv zu sein,  mit ihr zurecht zu kommen und auch, sie zu verändern und ihr die Zähne zu zeigen.

Ich ziehe mich auf die Rolle des weisen Beobachters der Gegenwart zurück.

 

Meine Berufsjahre waren durchgehend bestimmt von den Problemen der Kinder- und Jugendhilfe. 

1968 war ich 20 Jahre alt und wurde von der politischen Bewegung – damals an der Uni Münster – erfasst. Das Berufsleben hat mich für lange Jahre dazu gebracht, mich mehr oder weniger angepasst-kritisch zu verhalten und über vieles hinwegzusehen: in meinem Arbeitsfeld und in der Welt.

Wenige Jahre vor Beendigung meiner Professur an der FH Jena begann ich, mir der Lage bewusst zu werden und fing an, ein Buch zu schreiben, dass Praktikerinnen und Wissenschaftlerinnen helfen sollte, die Wirklichkeit zu erkennen, sie kritisch zu sehen und den Mut entwickeln, sich nicht einfach damit abzufinden.

Das alles bezog sich vordergründig auf die Soziale Arbeit (Schwarzbuch Soziale Arbeit, 2011, 2013). Aber diese war für mich ein Brennglas, in dem man glasklar die neoliberalen Entwicklungen und Tendenzen unserer gegenwärtigen Gesellschaft erkennen konnte und kann.

Die nächsten fünf Jahre, nach Renteneintritt wurde ich endlich politisch in der kritischen Sozialen Arbeit, habe unzählige Vorträge und Artikel zur Lage der Sozialen Arbeit geschrieben, habe mich im Unabhängigen Forum kritische Soziale Arbeit, im AKS Berlin  und im Berufsverband (DBSH). Ich war Gründungsmitglied des Bündnis Kinder- und Jugendhilfe für Professionalität und Parteilichkeit. Hier ist es uns mit sehr viel Geduld und Ausdauer gelungen, zu einer politischen Sensibilisierung innerhalb der Berufsgruppe für die neoliberalen Fehlentwicklungen beizutragen, die im Novellierungsversuch des SGB VIII (KJHG) eskalierten.

Dieser Kampf ist – obwohl auch die letzte Vorlage für die Novellierung  am Bundesrat gescheitert ist – wurde keineswegs gewonnen. Er wird, er sollte weitergehen. Ich hoffe, dass meine Buchbeiträge und die Texte, die ich in diesem Kontext veröffentlicht habe, die Bewegung weiterhin stärken wird.

Seit 2017 habe ich mich aus der aktiven Politik zurückgezogen. Das hatte vershiedene Gründe, die ich nicht verschweigen will.

  1. Ich fühle  mich inzwischen zu alt um mich in der aktuellen Tagespolitik einzumischen.
  2. Es hat mich enttäuscht, dass alle, aber auch alle, die mit uns auf die Kritik der möglichen Novellierung eingeschwenkt sind, jede Systemkritik mieden wie der Teufel das Weihwasser. Ich habe keine Lust mehr, diese Tabus zu bedienen.
  3. Schließlich hat mich auch betroffen gemacht, wie immun unsere Profession und ihre Mitglieder sind, wenn es um die ethischen und fachlichen Widersprüche geht.
  4. Ich habe begriffen, das all diese Widersprüche unvermeidbar sind bei dem gegenwärtigen Kräfteverhältnissen. Und dass eine Änderung grundsätzlicher gedacht und erkämpft werden muss.

All das hindert mich daran, weiter aktiv mitzumischen. Aber es hindert mich nicht daran, weiter darüber nachzudenken und meine Schlüsse zu ziehen.