Ostermärsche 2010 – mein Antikriegstagebuch

Vor ein paar Tagen wieder Ostermarsch.

 

ostermarsch-2010-a.jpg

 

Es waren nur die alten Gesichter da, wenige Junge, viele aus meiner Generation. Und dabei wie immer viele Ausgestoßene, viele Aussteiger, viele radikale Heißsporne, viele eingebunkerte Altkommunisten. Sie sind die Getreuen im Kampf um Frieden. Ich will sie nicht schmähen. Sie bleiben dabei und sind unbeirrbar. Das ist gut. Sie retten wirklich die Ehre unseres Volkes, finde ich.

 

ostermarsch-2010-b.jpg

 

Aber es fehlen mir die anderen, die ganz normalen Leute, die begriffen haben, dass wir gerade dabei sind, das Kriegführen, das Militär in diesem Lande wieder salon- und hoffähig zu machen.

Es gibt mindestens 30 Bekannte von uns beiden aus Berlin, die von ihren Einstellungen her auch in die Demonstration gehört hätten. Sie alle haben es vorgezogen, uns wohlwollend von Ferne zuzusehen.

Vom Zusehen wird sich nicht ändern.

 

Ich habe mich gewundert, wieso Ostermontag in den Nachrichten ständig und oft an erster Stelle über die kleinen Ostermärsche berichtet wurde. Was sind ein paar Tausend in Berlin und bundesweit 40 Tausend?

Man hätte sie auch totschweigen können. Vielleicht gibt es in den Redaktionen doch noch Leute, die so was für wichtig halten? Oder ging es darum, dem Volk die Botschaft zu überbringen: „Seht, da gibt es noch immer ein paar Spinner, aber von denen geht keine Gefahr mehr für das Ansehen unseres Volkes aus?

 

ostermarsch-2010-c.jpg

.

Veröffentlicht unter mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik | Hinterlasse einen Kommentar

wir sollen uns dran gewöhnen -mein Antikriegstagebuch


Es ist nicht zu fassen: Ich habe heute früh in den Nachrichten einmal ausgezählt, in wie vielen der Nachrichten Militär, Krieg, Soldaten, Waffen eine Rolle spielten: Es waren 50%! Wir sollen uns an die Allgegenwart dieses Themas, an seine Alltäglichkeit, „Natürlichkeit“, sein einfach Dazugehören“ gewöhnen.

Der Bericht über das Ausbildungslager der Bundeswehr, das unsere Landesmutter besucht hat, um ihre Unterstützung für unsere Soldaten zu demonstrieren.
Hier wird an echten Waffen geübt – freilich ohne Munition, erzählt der Sprecher. Dann kann man einen Stabsfeldwebel über „den Afgahnen an sich“, fachsimpeln hören. Unsere Soldaten scheinen ethnologische Fachkräfte zu werden, die kultursensibel mit einem fremden Volk verhandeln.
Und dann die Übung, von der berichtet wird: Taliban haben wieder mal einen Selbstmordanschlag ausgeübt. AmBoden liegt die zerfetzte Puppe des Attentäters. Uund nun geht es darum für die deutschen Soldaten darum, die verletzten Personen aus der Zivilbevölkerung zu retten. Nachtigall, ich hör dir trabsen!
Frage ich mich nur: Wenn sie nun keine Brunnen bauen, sondern in Wirklichkeit die Zivilbevölkerung nach Anschlägen ins Krankenhaus bringen – wozu üben sie dann an echten Waffen?

Veröffentlicht unter geh, mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Schlafstörungen – mein Antikriegstagebuch


Ich kann nicht mehr ruhig schlafen.

 

Mitunter frage ich mich, ob ich vielleicht Flöhe husten höre. Es kann doch gar nicht sein, das solche Ungeheuerlichkeiten die Menschen kalt lassen.

Aber es ist so. Selbst mit meinen Freunden  und meinen Kindern kann ich nicht darüber reden. Für sie scheint das alles gar nicht wirklich zu existieren. Zumindest scheint es  nicht weiter wichtig für sie zu sein.

Es ist mir peinlich, sie durch meine Befürchtungen und Bemerkungen zu stören in ihrem mehr oder weniger gelingenden Alltag. (Gerade ist doch scheinbar die Krise überwunden. Es geht vielen noch immer gut. Nur die paar zigtausend mehr Arbeitslosen. Pech gehabt.) Da wollen sie sich jetzt nicht verrückt machen mit diesem Gedanken an den Krieg und ob er überhaupt nötig ist.

 

Aber darum geht es nicht. Was heißt schon nötig, für wen nötig? Für die Waffenindustrie? Für unsere Rohstoffhoffnungen?

Ob er erlaubt ist, darum geht es mir. Ob er nicht ein Verbrechen ist gegen die Menschheit.

 

Es beunruhigt mich, dass außer mir keiner unruhig zu sein scheint. Das macht mir fast so viel Angst wie die Sache selber. Ich entfremde und entferne mich von meiner Umwelt. Ich fühle mich wie Kassandra.
Aber bisher habe ich noch geschwiegen. Irgendwann kann man es nicht mehr. Irgendwann muss man sprechen, um nicht zu ersticken.

Wiewohl man weiß, dass einen das von den anderen noch mehr entfremden kann.

Aber ich bin zuversichtlich. Ganz alleine werde ich nicht sein im world wide web!

.

Veröffentlicht unter mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik | Hinterlasse einen Kommentar

mein Antikriegstagebuch – mir platzt der Kragen

 geplatzter Kragen und die gelbe Schleife


Heute ist bei mir irgendein Fass übergelaufen:

im Radio interviewt ein Journalist eine Frau, die mit frisch fröhlicher Stimme von ihrer tollen Idee berichtet: Sie hat die gelbe Schleife als Patent angemeldet, als Symbol für die Solidarität mit unseren kämpfenden Truppen in Afghanistan.

Sie erinnert sich an die Zeit, als ihr Vater aus der Kriegsgefangenschaft kam und wie alleine er gewesen ist mit seinem Schicksal. Und dann die Zeit, als ihr Sohn Zeitsoldat war. Das hat sie beschäftigt. Und sie hat festgestellt, dass die Bevölkerung nicht wirklich hinter den Soldaten steht. Und dann fällt dieser Mutter so was ein: sie entwickelt die Idee der bekennenden Solidarität mit unseren kämpfenden Truppen. Statt sich zu fragen, wieso in Afghanistan Söhne und Töchter kämpfen müssen. – Und wollen. Mir wurde schlecht und regelrecht schwarz vor Augen. Da entwickelt sich mitten in unserer Gesellschaft eine neue Normalität des Militarismus. Die wartenden Frauen und klagenden Mütter finden alles in Ordnung. Aber sie  möchten mehr Anerkennung.

.

 

Ich weiß nicht, ob die Soldaten in Afghanistan  mehrheitlich diesen Krieg wollen. Immerhin sind sie freiwillig dort. Aber die Bevölkerung in Deutschland will ihn offenbar neuerdings: Sie will leiden und über die Toten weinen, wie immer schon gelitten und geweint wurde über die Ofper und Helden von Kriegen und dabei endlich das Gefühl haben, wieder ein richtiges Volk zu sein, das natürlich (!) auch Kriege führt, führen muss. Schließlich muss die Sicherheit unseres Volkes durch diesen Krieg verteidigt werden. Hat gestern wieder mal die Kanzlerin gesagt. Und Landesmutter weiß, was für uns gut ist.  

Heute war die Trauerfeier für die drei getöteten (es wurde wahrhaftig jetzt gesagt „gefallenen“) Soldaten. Die Merkel war diesmal auch dabei. Und sie findet Worte dazu, die machen mich einfach sprachlos vor Schreck. Sie empfindet tiefste Trauer für die Angehörigen, sagt sie. (Warum lässt sie es denn zu, dass dieser sinnlose und unfaire Krieg geführt wird?) Und sie kann verstehen, dass mancher zu alledem “Krieg” sagt. Und sie trägt mit uns allen das schwere Schicksal, dass wir diesen Krieg führen müssen. Seufz!

Bei der monatelangen Diskussion um die Tötung von Zivilisten im September bei dem von einem deutschen Offizier angeforderten Luftangriff ging ohnehin nur um die Frage: Wer hatte Informationen  und hat sie verschwiegen? Als die Nachricht vor Monaten zum ersten Mal im Radio kam, spürte ich noch ein gewisses Entsetzen in der Stimme des Sprechers, angesichts der Tatsache, dass inzwischen wieder deutsche Soldaten Zivilisten umbringen.
Dann wurde wochenlang getüftelt: waren es nun einige oder viele oder sogar sehr viele tote Zivilisten? Um die Sache selber ging es immer weniger, je länger darüber debakelt wurde. Immer mehr wurden Fragen und Entsetzen um diesen Akt von fahrlässiger Tötung verdrängt von dem Streit darum, wer was wusste und nicht gesagt hat. Als würde das, was geschehen ist, dadurch irgendwie besser. Es sieht so aus, als sei alles o.k., wenn nur erst die Verantwortlichkeiten geklärt und die Informationswege bereinigt wurden. Wenn klar ist, wer was eher gewusst, dann aber verschwiegen oder nicht verschwiegen hat, ist das ganze Problem vermutlich schon gegessen.

Und schließlich hat der Auftritt des verantwortlichen Militärs vor dem Bundesstag der deutschen staunenden Bevölkerung endlich wieder einmal gezeigt, was Ehre bedeuten kann und welche Tugenden unsere hohen Soldaten pflegen und hüten. Der Reporter stand hörbar vor Bewunderung innerlich stramm, als er davon berichtete.
Und dann kam schließlich unserer militärischster Zivilist, der Herr von und zu, und brachte die Erlösung für das gequälte und irritierte Volk: ‚Was da stattfindet, liebe Leute, das ist eben Krieg. Punkt.
„Jetzt bist du reif genug, liebes Volk, diese Wahrheit zu wissen. Erweise dich gefälligst würdig!“, so könnte man die Botschaften von Gutenberg und Merkel und all den anderen Gelben und Schwarzen ergänzen. „So ist eben der Krieg“.

 

Jetzt dürfen wir das Geschehen in Afghanistan also Krieg nennen.
Ich dachte in meiner Naivität vor wenigen Wochen noch, dass dieser Begriff die Leute alarmieren könnte, aufrütteln. Dass sie anfangen könnten, danach zu fragen, warum dieser Krieg überhaupt geführt werden muss, danach zu fragen, was wir da unten eigentlich zu suchen haben, daran zu zweifeln, dass dieses Mittel je ein Mittel sein kann, Demokratie und Frieden zu bringen.
Aber es ist ganz anders. Nein, es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung: „Was, einen Krieg sollen wir führen? Warum denn? Gegen wen denn?“, sondern eine gewisse Genugtuung darüber, dass wir nun endlich dazu gehören.
Man darf sich jetzt wirklich und endlich öffentlich Sorgen machen wegen des Krieges. (Natürlich nicht darum, ob dieser Krieg gerecht ist oder menschenrechtlich vertretbar.) Man macht sich vielmehr darüber Sorgen, ob unsere Jungs und Mädels dahinten auch richtig ausgestattet wurden. Ob sie die notwendige Unterstützung bekommen (siehe gelbe Schleife) und ob sie nicht doch schwere Panzer brauchen.
Die Bevölkerung ist, fürchte ich, froh, dass endlich beim Namen genannt wird, was schon lange so ist. Und damit ist sie dann vollauf zufrieden, etwa in diesen Sinn:

„Wir bauen also gar keinen Brunnen in Afghanistan. Na so was! Warum haben Sie uns das immer erzählt? Das war nun mal nicht in Ordnung. Wir sind das Volk und wir werden uns schon würdig erweisen, wenn man uns die Wahrheit sagt. Und außerdem: eigentlich ist das sogar eine frohe Botschaft: Wir sind also doch nicht die Weicheier und Drückeberger, als die wir uns selber immer versucht haben zu verstehen, wir kämpfen ganz normal und richtig und da gibt es eben nun mal Tote. Kollateralschaden. Die anderen haben schon viel mehr Tote zu verzeichnen. Da haben schon viel mehr ihr „junges Leben für ihr Vaterland gegeben“ (so ähnlich Merkel heute). Na, jetzt müssen wir uns also endlich nicht mehr verstecken. Jetzt werden wir auch dazu gehören.
Und wenn es wirklich Krieg ist, dann war das ja auch kein Verbrechen im September, dann ist das normal, dass eben auch Zivilisten sterben müssen. Das gehört dann dazu und wir müssen uns nicht mehr schämen und uns nichts vorwerfen.

Da verlangen doch wahrhaftig die Angehörigen der getöteten Zivilisten Schadensersatz von Deutschland. Das ist ein Witz. Im Krieg gibt es keinen Schadensersatz. Da herrschen andere Gesetze. Und die sollen mal ganz still sein. Wer verteidigt sie denn gegen ihre Talibans?
Dass sich die Generäle gegen den Panzervorschlag gewehrt haben, verwundert ein wenig. Sie wollen nicht wie Besatzer auftreten, sagen sie. Na ja, ist ja nett gemeint. Aber was anderes bleibt uns ja wohl nicht übrig. Sonst wird eben dort doch wieder die furchtbare Taliban alles besetzen. Und das wollen wir verhindern. Das ist sozusagen unsere Aufgabe als fortschrittlicher, moderner Staat, der einer humanistischen Philosophie verpflichtet ist. Alleine kriegen die die Demokratie doch nie hin. Da muss man schon ein wenig nachhelfen.

Manches sieht also  jetzt viel besser aus. Da wird  alles viel klarer.
Wenn z.B. unser neuer Entwicklungshilfeminister klarstellt, dass Entwicklungshilfe hier nur Hand in Hand mit den militärischen Operationen funktionieren kann, dann hat er Recht. Entweder wir wollen da was durchsetzen oder nicht. Was nutzt es, denen Schulen hinzustellen, wenn dann die Talibans diese Schulen übernehmen könnten?

Ich kann nicht länger solche Sachen in mich hineinfressen. Mir ist hiermit der Kragen geplatzt.

Veröffentlicht unter mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik | 1 Kommentar

stell dir vor, es gäbe Krieg, und keiner ginge hin…

Heute muss man träumen: ‘Stell dir vor, es gibt eine Demo gegen den Afghanistankrieg und alle kommen….’

3 Tausend sollen es gestern in Berlin gewesen sein. Auf dem August Bebel Platz wäre Platz für die 10fache Menge Menschen gewesen….

leerer-platz-klein-2.jpgda hätten noch massenhaft Demonstranten Platz gehabt…

Mit der großen Menschenkette eine Woche früher in Dresden gegen die Nazis ist das alleine nicht zu erklären. Es ist anders: Keiner interessiert sich dafür, keiner hält es für seine Sache.

am-rande-der-demoklein.jpg

Am Rande der Demo: Berlin kehrt den Winter raus und kümmert sich einen Dreck für den Krieg in Afghanistan

Überall kann man es hören, sogar in unserem Radio: der militärische Einsatz behindert die  humanitären Hilfseinsätze in Afghanistan. Aber das kümmert die offizielle Politik der USA und auch unserer schwarz-gelb gestreiften Regierung samt SPD und Grüne nicht im Geringsten. 40% der von westlichen Soldaten ausgebildeten afghanischen Soldaten desertieren. Na so was? Wollen die vielleicht gar nicht, was der Westen für sie vorgesehen hat? Die Informationen über Afganistan waren umwerfend, allein wegen des Geldes, das im Spiel ist. Der Krieg kostet soviel, dass von diesem Geld locker die Gesundheitsreform in den USA bezahlt werden könnte, dazu die Slums der Welt zu anständigen Wohnorten umgebaut werden könnten,  von einer Verbesserung der deutschen Bildungslandschaft und einer Sicherung der Mindestlöhne und einer Steigerung der Sozialhilfesätze im Sinne des Bundesverfassungsgerichtes ganz zu schweigen.
Aber die Kassen sind bekanntlich leer. Die Soziale Arbeit kämpft um jeden Cent, das Sozialsystem, auch im heutigen maroden Zustand, gilt als unbezahlbar. Ei, wo ist das ganze Geld denn hin? Alles in die Schweiz abgewandert, der Rest verzockt auf höchster Ebene der Finanzwelt? Nein, es ist noch immer viel Geld da, aber es wurde einfach mal anders verteilt. Der Bundeswehrhaushalt ist größer als je zuvor, viel größer, als zu Zeiten des kalten Krieges.

studentische-rednerin-klein.jpg

Studentin aus Berlin zog Verbindungen zwischen dem Bildungsstreik und dem Krieg in Afghanistan

Aber es scheint niemanden weiter aufzuregen. So wie es eben in der Sozialen Arbeit auch niemanden weiter aufzuregen scheint, wenn wir auf einmal Menschen an den Rand drängen sollen, wenn wir nur noch für die Zeit und Geld bekommen, die sich lohnen? Ein merkwürdiger Fatalismus hat sich in diesem Land ausgebreitet. “So ist es eben. Man kann doch nichts machen ….”

Der letzte Redner auf dem Bebelplatz, Herr Dr. Drewermann
rednerklein.jpg

deutliche Worte kamen von Dr. Drewermann

zitierte Wolfgang Borcherts Appell gegen den Krieg, den er 1946 – tot krank –  unter dem Eindruck des zerstörten Deutschland und der Verbrechen und des Elends des 2. Weltkrieges geschrieben hat:
“Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst kleine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins: Sag  NEIN!! ” ….

images14.jpg

Borchert zählt hier alle möglichen Berufe und gesellschaftliche Stellungen auf. Alle beschwört er, nein zu sagen. Hinzufügen sollte man auch:
“Sozialarbeitende, wenn es heißt, erzieht die Menschen zu solchen, die, allein gelassen, für sich selber verantwortlich sind und zu solchen, die nicht mehr danach fragen (dürfen und können), woher die Probleme kommen, unter denen sie zu leiden haben und zu solchen, die bereit sind, die  Interessen der sie am Leben erhaltenden Wirtschaft und der Mächtigen dieser Gesellschaft am Hindukusch zu verteidigen, sagt nein!”

Veröffentlicht unter Politik, Soziale Arbeit, Turbokapitalismus | Hinterlasse einen Kommentar

Brandenburg an der Havel – zwischen den Jahren

Unser diesjähriger kleiner Zwischenjahresurlaub (wir feiern so unseren Hochzeitstag) führte uns dieses Mal nach Brandenburg an der Havel.

1. Tag, Sonntag, den 27.12.2009

der-erste-blick-vor-unserer.jpg

Kaum am Ziel auf der Altstädtischen großen Heidestraße angekommen,  haben wir einen wunderschönen Blick auf ein Stück Havel in der Wintersonne – direkt vor unserer Tür.

stadt-im-wasser-und-am-wass.jpg

2. Tag, Montag, 28. 12. 2009

Bei schönem hellem und klarem Wetter machten wir uns auf einen Spaziergang durch die Altstadt und die Neustadt – beides sind Altstadtzentren. Brandenburg wurde vor längerer Zeit aus zwei eigenständigen Städten zusammen gelegt.

st-gothardt.jpg

Nur ein paar Schritte entfernt von unserer Pension die frühgotische Kirche Sant Gotthardt, die behäbig, freundlich und doch majäestatisch auf einem schönen, ruhigen Platz tront wie eine Glucke auf dem Nest.

gotische-kirchen-wo-man-hinsieht.jpg

Sie bleibt nicht das einzige Stück Backsteingotik, dass wir in dieser Stadt finden und bewundern.

die-steinschlaegerin15.jpg

In einer kleineren Parkanlage finden wir das Denkmal der Steinschlägerin , 1927 aus Bronze gegossen. Vor ein paar Tagen sah ich solche Frauen mit ihren kleinen Kindern noch in Ostafrika. Also mussten Frauenauch bei uns vor noch nicht langer Zeit unter solchen Bedingungen ihr Brot verdienen.

ruineam-muehlendamm.jpg

Viel ist in Brandenburg saniert, überall gibt es großzügige Park- und Uferanlagen. Die Stadt wirkt auf uns frisch und freundlich, aber keineswegs aus dem Ei gepellt und wie im Museum. Es gibt nach wie vor Ruinen aus dem 2. Weltkrieg und auch sehr viele leer stenede Häuser. Heute hat Brandenburg 77 000 Einwohner, es waren einmal fast 100 000.

wohnungen-mit-anlegestelle.jpg

Hier haben die Wohnungen ihre eigene Anlegestelle.

Diese Stadt lebt vom Wasser. Es ist allgegenwärtig und man stellt sich bei 2 Grad minus vor, wie schön es hier im Sommer sein muss!

Kleines Maleur am Rande: Kranich lehnt sich an eeeine Hauswand, um eine Kirche besser auf den Sucher zu bekommen – und oh Schreck, diese war ganz frisch gestrichen. Es fehlte jedes Hinweisschild. Aber die neue Jacke war auf der ganzen Seite mit weißer Faorbe verschmiert.  Einer netten Dame in einer Drogerie verdanken wir den Rat, zur Reinigung zu gehen und dort gaben wird ann die Corpus delicti auch ab – und konnten es am nächsten Tag sauber und von Farbspuren befreit wieder abholen.

die-freundliche-reinigung.jpg

Nur in Strickjacke war es nun freilich noch ein bischen kälter. Aber wir ließen uns die Laune nicht verderben.

blick-auf-die-havel43b.jpg

Ein einladender Blick von der Hauptstraße aus.

Nach 4 Stunden, leicht durchfroren aber voller Begeisterung machten wir uns bei Abendlicht auf dem Heimweg.

3. Tag, Dienstag, den  29.12.2009 (unser 5. Hochzeitstag, paierne Hochzeit, oder nicht?)

es-regenet-an-der-havel2b.jpg

Vom Morgen an regnete es leicht.  Mit Schirm war das aber gut zu ertragen.  Immer, wenn wir zu kalt waren, besuchten wir ein Café oder eine Kneipe, tranken Kaffee oder Kakao und wärmten uns auf. Die Stadt ist voller kleiner Gaststätten und Cafés.

hinter-dem-stadttor0021b.jpg

Hier am Stadttor fand ich auch den Rosenstrauch, der die Kälte der vergangenen Wochen überlebt hat und noch immer blühte!

spaete-rosen.jpg

das-rathaus-mit-roland.jpgHeute führte uns unser Spaziergang zum Rathaus, vor dem ein Roland aus dem 12. Jahrhundert steht.

Dort sollte jede Minute eine pompöse Hochzeit einlaufen. Wir machten uns schnell auf den Weg.

im-konsumtempel.jpg

Im Zentrum steht ein großens Warenhauscenter. Hier war es schön warm und außerdem gab es hier unserer Hochzeitsgeschenk, die neue Spiegelreflexdigitalkamera.

Nachdem wir glücklich die Jacke abgeholt hatten, machten wir uns auf zum Archäologischen Museum im Pauli Kloster. Wir hatten am Tag zuvor gesehen, dass heute eine Führung zur Sonderausstellung: “Ackern, Jagen und Flössen” durchgeführt wurde.

Bei dieser Sonderausstellung ging es um die Frage, wie Archäologen anhand von Funden wie z.B. Pflanzenpollen oder Baumjahresringen Erkenntnisse über das Leben unserer Steinzeit-Vorfahren gewinnen können. Besucher durften selber etwas tun: Korn malen wie in der Steinzeit, Mikrospopieren, Felle befühlen…

mikroskopieren-im-museum05b.jpg

jahresringe2b.jpg

Beeindrucktend war der Klosterbau mit seinem großen Hallenkirchschiff und seinem doppelstöckigen Kreuzgang.

Die ständige Ausstellung, die wir im Anschluss an die Führung noch ausführlich besuchten, gefiel uns ausgezeichnet. Sie war sehr anschaulich und z.B. mit Lehrfilmenangereichert. Kraft und Atem hatten wir leider nur für die erste Abteilung, die Steinzeit. Hier lernten wir, dass über 10 000 Jahre hinweg die Neanderthaler und der Homo sapiens sapiens gleichzeitig die Erde und z.B. Europa bevölkerten.
Auf die Bronzezeit und das Mittelalter konnten wir nur noch einen flüchtigen Blick werfen. Aber es würde sich lohnen, wieder zu kommen.

im-kreuzgang7.jpg

Nach Hause kamen wir heute erst im Dunklen. Unser Weg führte uns wieder durch andere Ecken des alten Zentrums von Brandenburg und in viele der kleinen Läden, die an den Hauptstraßen geöffnet hatten.

letzter-blick-uebers-wasser.jpg

4. Tag und Abreise, 30.12.1009

Über Nacht hatte es richtig geschneit. Ich brauchte lange, um mein Auto zu befreien.

Mit dem Blick auf die Altstädtische Große Heidestraße im Schnee nahmen wir Abschied von dieser netten, freundlichen Stadt.

Wieder ein Ziel mehr für unsere Sommerpläne!


schnee-zum-abschied.jpg


Veröffentlicht unter gesehen, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

Gedanken zum Bildungsstreik

Mit großem Vergnügen verfolge ich den aktuellen Bildungsstreik und stelle fest, dass die Studentenschaft doch nicht so bewegungs-, kritik- und einfallslos ist, wie es in den vergangenen Jahren oft erschien.
Gleichzeitig sehe ich derzeit die große Gefahr, dass der Protest dazu genutzt werden könnte, die neoliberalen Ziele von Bologna nun endlich erst richtig durchzusetzen.

auftaktdemo_bildungsstreik.jpg

Seit dem Einstieg in den Bologna-Prozess, d.h. seitdem studiert werden muss im Kontext der neuen, den Bedürfnissen nach Schaffung von mehr, schnell sowie kostengünstig ausgebildetem Humankapitel an unseren Hochschulen, ist der Druck für die Studierenden immer unerträglicher geworden. Verschulung und Reglementierung, Eingespanntsein in ein enges, genau vorgeschriebenes Prozedere von Leistungserbringung und ständigem Zeitdruck macht das Studieren immer schwieriger und oft einfach unmöglich. Die Regelstudienzeiten sind kaum erreichbar,  die Studierenden leiden unter einer unübersichtlichen Fülle an Stoff,  dessen Kenntnis  von ihnen in kleinschrittigen Prüfungen permanent abverlangt wird. Keiner hat mehr Zeit für Seminare, die interessieren, die aber gerade nicht im Plan stehen. Keiner hat mehr Zeit für Projekte und dafür, sich mit Themen eingehend und diskursiv zu befassen. Es wird studiert von der Hand in den Mund, ausschließlich zur Reproduktion für den Schein. Man studiert nur noch, damit man seine Creditpoints abhaken kann usw.
Für viele fehlt nun außerdem die erforderliche Zeit dafür, ihren Unterhalt durch Arbeit zu verdienen. Das Bachelorstudium geht von einem wöchentlichen Zeitaufwand von ca. 60 Stunden aus. Wer kann das? Wie soll das jemand schaffen, der sich seine Brötchen verdienen muss?

reichefueralle.jpg

Und wozu das Ganze? Weil eine europäische Vergleichbarkeit und Mobilität für die Studierenden  angestrebt wird? Fakt ist, dass die Auslandsstudienzeiten zurückgegangen sind und die Studienabbrüche deutlich zugenommen haben.

Education is NOT for $AF€ ” ist ein Motto der Studierenden. Sie scheinen allmählich zu begreifen, dass hinter den Hochschulreformen etwas anderes steckt als der Wunsch, mehr Vergleichbarkeit und mehr Internationalität herzustellen. Hier geht es um das alte Lied “billiger aber besser”, “mehr, aber bitte bei gleich bleibenden Kosten”. Es geht darum , soviel Wissen zu generieren, wie unsere Wirtschaft sie verlangt, aber keine überflüssigen Theorien zu thematisieren und schon nicht, kritische und selbständig denkenden Köpfe auszubilden!

Wenn nun den streikenden Studierenden von Seiten der Politik und der Kultusministerkonferenz Zustimmung und Sympathie erklärt wird, so sollten sie genau hinhören:
Seit Tagen höre ich von der politischen Seite den Vorwurf an die Hochschulen, zu der Misere selber beigetragen zu haben, indem sie die Bachelor-Studiengänge mit dem gesamten Inhalt der ehemaligen Diplom-Studiengänge überfrachtet hätten. Und tatsächlich, so ist der Reformprozess verlaufen: Die Hochschulen haben versucht, ihren guten alten Wein in die neuen Schläuche reinzupressen, damit ihr Fach, ihre Wissenschaft nicht in einer verkürzten  Billigvariante gelehrt werden muss. Das hat – genau so auch bei uns – zu einer hoffnungslosen Überfrachtung des Studiums und zu einer Überforderung der Studierenden geführt. Die Hochschulen, die ja klaglos und brav den angeordneten, oder besser verordneten, Reformprozess à la Bologna in die Praxis umgesetzt haben, waren alle bereit, an das vorgepredigte Effizienzcredo  der neoliberalen Gesellschaft “kürzer aber dennoch gut” zu glauben.
Jetzt kriegen sie dafür eins auf die Finger. Sie haben offenbar nicht kapiert, worum es bei Bologna geht: Wir, d. h. diese Gesellschaft braucht viele und mehr AkademikerInnen, aber es reicht völlig aus, wenn diese auf einem reinen Wissensniveau ausgebildet werden. Menschen, die denken können, die die Grundlagen ihres Handelns und die gesellschaftlichen Bedingungen ihres Handelns kritisch hinterfragen können, sind eher unerwünscht und in größerem Umfang einfach überflüssig. Studierte Menschen sollen  einen  Beruf ausüben können, der qualifizierte Kenntnisse erfordert,  und nicht daran herumdeuteln, ob das, was die Gesellschaft ihnen in diesem Beruf abverlangt, aus ihrer Sicht auch fachlich korrekt sowie ethisch vertretbar ist. Hochschulbildung für jedermann  soll und muss nichts mehr zu tun haben mit Denken, Bildung, Kritik und Selbständigkeit in der Anwendung von wissenschaftlichen Ergebnissen. Eliten soll es natürlich geben. Aber dafür ist nicht jeder geeignet und nicht jeder hat die Knete dafür.eur-studiengebuehren_c_meyhome_pixelio_small.jpg

Wenn wir nicht aufpassen wird der gegenwärtige Studentenprotest auf perfide Weise instrumentalisiert: Wenn die Studenten sich über Überfrachtung, Unstudierbarkeit und Zeitnot beklagen, so kommt das den herrschenden Bildungsvorstellungen vieler Politiker sehr entgegen. Der Protest könnte ihnen den Vorwand bieten, die eigentliche Zielsetzung des Bachelors endlich durchzusetzen nach dem Motto: “Die Entschlackung der Bachelorstudiengänge ist angebracht. Die Studierenden sollen entlastet werden, damit sie wieder studieren können”.
Und was könnte das Fazit sein: Die Billigausgabe der Diplom-Studiengänge wird nun doch durchgesetzt, gegen die Absichten und Hoffnungen der Hochschulen und vielleicht mit dem erschöpften Segen der gebeutelten Studenten.

Entscheidend ist, ob die grundsätzliche Kritik am (Hochschul)-Bildungssystem  sich in der Studentenschaft verankert: Bildung ist mehr als die Abrichtung für die Märkte eines Exportweltmeisters. Bildung ist ein Menschenrecht und die Voraussetzung für eine aufgeklärte, demokratische und selbstkritische Gesellschaft.

Veröffentlicht unter mein Campus-Report, Politik, Turbokapitalismus | 1 Kommentar

unseren täglichen Sarrazin gib uns heute….

Ich saß im Auto, als im Radio seine Äußerungen  zitiert wurden. Da war alles noch ganz frisch und der berichtende Journalist war herzerfrischend aufgebracht über die hetzerische und beleidigende Aussage eines unserer ziemlich weit oben stehenden Leistungsträger …

img_4_3_220_integration.jpg

Die Aufregung insgesamt hielt sich in den nächsten Tagen allerdings in Grenzen. Am Wochenende sah ich dann eine Reportage – weiß leider nicht mehr genau wann und wo – in der sich Berliner Bevölkerung zur Sache äußerte. Seit dem ist mir klar, wieso Herr Sarrazin so etwas ohne wirkliche Folgen  sagen konnte: Er spricht einem großen Teil unserer Bevölkerung aus dem Herzen. Eine Frau kam in dieser Reportage auf den Punkt: “Der hat endlich mal laut gesagt, was Sache ist. Man traut sich ja gar nicht mehr, wirklich seine Meinung zu sagen!”  Herr Sarrazin hat hier einfach nur dem Volke seine Stimme geliehen: ‘Endlich kann man mal wieder laut sagen, was man eigentlich von diesem Gesocks denkt! Am besten gehen sie eben dahin, wo sie herkommen!’
Da ist also ein Damm eingerissen worden, der ohnehin schon ziemlich löcherig war: die Toleranz gegenüber Mitmenschen anderer Kulturen, anderer Glaubensgemeinschaften, anderer Rassen und Nationen.

Ein paar Gedanken:

  • Die beleidigende Schelte des Herrn Sarrazin wird interessanter Weise nur  als Kritik an mangelnder Integration der MigrantInnen diskutiert. Die eigentlichen diskriminierenden und volksverhetzenden, antimuslimischen  und ausländerfeindlichen Aussagen werden dabei nicht weiter erwähnt. Ich halte die gesamte Aussage Sarrazin’s tatsächlich für faschistoid. Letztlich muss man seine Aussage so verstehen: ‘Wir Deutschen sind  besser, leistungsfähiger, wertvoller, sowieso fleißiger. Die anderen taugen nichts, führen ein parasitäres Leben in unserem Land und auf Kosten unserer sozialen Netze. Sie haben hier nichts zu suchen.’
  • Ganz abgesehen davon, dass Integration in der öffentlichen Diskussion um Sarrazin’s Äußerung als reine Anpassung und Assimilisation verstanden wird und die Versuche der Erhaltung der eigenen kulturellen Identität beargwöhnt, diskriminiert und torpediert werden, handelt es sich bei dieser ganzen Blase von Haltungen und zustimmenden Reaktionen, bei dem mit ausgestrecktem Finger auf die “unmöglichen Verhältnisse” z.B. in Neukölln gezeigt wird und man sich entsetzt über die Lebensverhältnisse der ausländischen Familien, um eine Fortsetzung der bekannten Unterschichten-Schelte, die den Menschen am Rande der Gesellschaft ihre Lebenssituation als selber verschuldet und als schmarotzerhaft und als tadelnswert anlastet.
  • Nur: Die Schelte der Migranten-Unterschichten unserer Gesellschaft hat einen feinen Vorteil: Die Menschen, denen es dank Finanz- und Wirtschaftskrise jetzt schon und bald noch mehr an den eigenen Kragen geht, haben nun ein Negativ-Modell, an dem sie sich abarbeiten können. Sie können sich von denen da absetzen und sich daran hochziehen, dass es eben Menschen gibt, die noch verachtenswerter sind und sie haben endlich auch jemanden, den sie schuldig  sprechen können.
  • So aber werden nicht nur Feindbilder aufgebaut. So wird nicht nur von den wirklichen Verursachern gesellschaftlicher Krisen abgelenkt, so werden nicht nur einmal mehr, menschliche Problemlagen ihrer gesellschaftlichen Hintergründe beraubt und den Betroffenen einfach selber angelastet:
  •  So baut man außerdem ganz offen am Stoff für die nächsten Pogrome.
  • Wenn man den deutschen Michel danach fragt, was denn eigentlich Faschismus sei, wird er was von Judenverfolgung sagen. Und während in unserem Lande die große Mehrheit  darum bemüht ist, sich auf keinen Fall eines Antisemitismus verdächtig zu machen und sich deshalb politisch auf der richtigen, der toleranten und demokratischen  Seite wähnt, wächst auch bei ganz ‘normalen Leuten’, die  sicher nicht mit neofaschistischen Organisationen in Verbindung gebracht werden können, die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen hemmungslos und offenbar aus tiefster Seele heran. Und ein Herr Sarrazin spricht eben nur aus, was so viele denken.
  • Da entsteht unter unser aller Augen ein neuer, alltäglicher Rassismus und Faschismus.
Veröffentlicht unter Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Bundestagswahl: mein Kommentar

Überrascht hat mich das Ergebnis ja nicht.  Nachdem ich viele ganz einfache und auch ziemlich mittellose Leute getroffen hatte, die meinten: “Wir müssen jetzt die FDP wählen, die verstehen was von der Wirtschaft. Das ist ja wichtig in so einer Krise,” war mir klar, dass aberwitzigerweise die FDP die Gewinnerin der Stunde sein würde. Und als ich zum Wahllokal fuhr und mir über Autoradio noch versichert wurde, dass unsere Kanzlerin für ihre leckeren Rinderrouladen bei ihren Freunden berühmt sei, war mir klar was die Stunde geschlagen hatte. Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient.

wahlplakat09.jpg

Eine kleine Fabel gefällig?



Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.

Ein Wolf trottete durchs Land und kam an einem Kälberstall vorbei. Die Kälber darin blökten aufgeregt und der Wolf lugte neugierig durchs Fenster.

“Was ist bei euch denn los?”, fragte er und überlegte, ob er es wagen könnte einzusteigen und ein kleines Kalb mit sich fortzureißen.

“Wir diskutieren. Morgen ist nämlich Wahl!”, verkündigte ein Kalb stolz.

“Was für eine Wahl?”, fragte der Wolf erstaunt.

“Schlächterwahl!”, sagte das Kalb altklug. „Der Fuchs war hier und hat uns mitgeteilt, dass wir in diesem Jahr den besten Schlächter wählen dürfen. Und der, den wir auswählen, der darf uns dann schlachten.”

“Der Bruder Fuchs ist ein Scherzbold”, grinste der Wolf. Aber als er merkte, dass es die Kälber ernst meinten, fragte er: “Und was muss er können, euer Kandidat?”

“Stark muß er sein und schön”, schwärmte das erste Kalb.

“Viele von uns sind auch dafür, dass es vor allem ein Schlächter mit Tradition sein sollte, einer, der schon unsere Eltern und Großeltern geschlachtet hat. Da weiß man doch, was man hat”, ergänzte ein anderes Kalb. “Und natürlich muss er sein Handwerk verstehen, da vor alalem!”, blökten andere Schafe energisch.

Der Wolf entschloss sich spontan, zu kandidieren, weil er sich große Chancen ausrechnete.

Aber die Kälber entschieden sich für den Schlächter vom Schlachthof am Dorfanger. Denn dort waren ihre Eltern schon hingegangen, wenn es so weit war. Außerdem blinkte dort neben dem Eingang eine silberne Tafel in der Sonne, auf der stand: “Schlachthof Weißenhagen”. Die gefiel den Kälbern ausnehmend gut. Sie erinnerte an die Zinnen eines Schlosses.

Der Wolf ärgerte sich und verfluchte den Fuchs, der diesen dummen Tieren so viel Entscheidungsfreiheit zugestanden hatte. Der Fuchs aber kannte einen Durchschlupf zum Schlachthof und fraß sich dort an den ausgeweideten Gedärmen nach Herzenslust satt.

M. S.

Veröffentlicht unter Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Kurzurlaub im Hainich

urlaubsstrauss.jpg

Endlich frei! Nach der letzten von 36 Prüfungen steht kranich da mit einem wunderbaren Sommerblumenstrauss, so wie ich ihn liebe!

Der Kurzurlaub kann sofort beginnen! Wir fahren 2 Stunden und sind in einer anderen Welt.

kammerforst-im-abendlicht.jpg

Unser Dorf im Abendlicht: Kammerforst im Hainich

2-tag-abend-42.JPG

Am ersten Abend scheint sogar die Sonne. Wir machen einen ersten Spaziergang durch die Felder.

kirschweg.jpg

Rechts und links dieses Weges stehen alte Kirschbäume, über und über voll. Keiner erntet mehr hier. Außer uns.

aus-den-baumkronen.jpg

Die Werbesendung im Radio hatte mich auf den Baumkronenpfad hier im Hainich aufmerksam gemacht.

Ein Blick aus den Baumkronen auf den Waldboden . Der Baumkronenweg ist als Touristenmagnet geplant, ganz interessant, aber viel zu laut und zu voll. Vom Wald bekommt man hier nicht viel mit. Aber trotzdem, ein schönes Gefühl hier oben.

japanischer-garten.jpg

Im Japanischen Garten in Bad Langensalza sind die Kieswege geharkt. Es sieht aus wie zu Stein gewordenes Wasser.

im-rosengarten.jpg

Im Rosengarten blüht es noch über und über.

auf-der-wanderung.jpg

Auf unserer Wanderung durch den Hainich ist unser Schirm unentbehrlich.

betteleiche.jpg

Über 1000 Jahre alt: die Betteleiche.

auf-dem-heimweg.jpg

Am dem Heimweg fahren wir durch einen Wolkenbruch.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar