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11.5.2009 von Mrs. Tapir.
Damit meine drei Bandscheibenvorfälle nicht ständig damit drohen können, angesichts meiner Tragelasten in Richtung Ischias zu löcken und mich und meine Arbeitskraft im wahrsten Sinne des Wortes lahm zu legen, bezahlt mir das Amt für Integration eine “Hilfe zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben”, eine tolle Sache! Ich bin den Mitarbeiterinnen in Gera sehr dankbar. Ein großes Stück Lebensqualität ist wieder gewonnen: Da ist jemand, der mir als Assistenzkraft meine schweren Büchertaschen samt Notebook morgens die Treppen herunter ins Auto schleppt und am Arbeitsplatz dann wieder rauf bis auf meinen Büroschreibtisch. Und abends dann das gleiche umgekehrt…Ich stehe dann abends in meinen Räumen, überrascht, wie wenig erledigt ich bin, weil mir das allabendliche Geschleppe erspart blieb und tauche gerade zu rüstig in den verdienten und herbeigesehnten Feierabend ein.
In diesem Sommersemester sah es erst ganz so aus, als wäre keiner der über 700 Studierenden unseres Fachbereiches bereit oder in der Lage, diesen Job zu übernehmen, da dieses Mal meine Arbeitszeiten ziemlich unfreundlich gestaltet sind. Aber siehe da, es fand sich doch einer. Seit Montag habe ich endlich jemanden gefunden, der bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen. Es ist ein niederländischer Student, der dieses Semester bei uns studiert und im Unterschied zu all den anderen am Ende des Sommersemsters keine großen Prüfungen abzuleisten hat, weil er seinen Bachelor in Holland schon absolviert hat. Deshalb hat er mehr Zeit…
Er trägt also meine schweren Taschen, läuft leichtfüßig Treppen und ansteigende Bürgersteige hinauf, sitzt dann neben mir in meinem kleinen Auto und versucht, dort seine langen Beine einigermaßen unterzubringen und wir unterhalten uns.
Und so habe ich erfahren, dass es im Niederländischen kein Wort für “Feierabend” gibt. Ist das möglich? Für eine so wichtige und wunderbare Sache kein eigener Begriff? Ob es in anderen Sprachen dafür auch keine eigene Bezeichnung gibt? Ich muss direkt mal nachschlagen! Vielleicht haben die Deutschen ja zu diesem Ereignis ein ganz besonders gutes Verhältnis? Aber eigentlich sieht das den Deutschen doch gar nicht so besonders ähnlich, ich hätte da eher auf andere getippt. So kann man sich irren im eigenen Volk und in der eigenen Sprache.
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6.4.2009 von Mrs. Tapir.
Seit ich die Jahre bis zu meiner Rente an einer Hand abzählen kann, sammele ich Rentner-Geschichten. Wie ergeht es älteren Menschen, wenn sie - erwünscht oder unerwünscht - in Rente gehen müssen.
Es gibt so viele Ratschläge und Tipps zu dieser Frage: mache einfach alles weiter, wie vorher! Gönne Dir erst mal Ferien, bis Du sie satt hast! Suche dir eine neue Aufgabe, damit du dir nicht überflüssig vorkommst! Mach jetzt endlich all das, was du nie hast machen können!…
Wahrscheinlich gilt für jeden Menschen ein anderes Rezept. Auf alle Fälle gibt es RentengewinnerInnen und RentenverliererInnen, stelle ich immer wieder fest.
Da war mein erster Schwiegervater, der Lokführer, der 1 Woche vor seiner Pensionierung an Herzinfarkt starb.
Da war die frühere Sekretärin unseres Jugendamtes, die durch eine glückliche Verfügung in ein Frührentenprogramm geschlüpft war, und die ich ein dreiviertel Jahr nach Rentenbeginn auf der Straße traf: braun, lebendig, jünger als ich sie je gesehen hatte und voller Lebenslust.
Da ist meine Schwägerin, die sich seit Jahren auf die Rente freute, weil ihr Beruf ihr so große Beschwerden in den Beinen bereitet hat und die dann aber Monte lang aus dem Gleichgewicht geriet, erst mittags aus dem Bett kam, ihren Beruf und die KollegInnen vermisste und einfach kraft- und lustlos mitten in ihrer leeren Wohnung herumsaß.
Da ist Marianne, die ich neulich etwa ein Jahr nach ihrer unfreiwilligen Frühverentung wiedersah: Nie war sie so glücklich und so lebendig gewesen! Eine Freundin hatte sie gefragt, ob sie bei einer Laien-Theatertruppe mitmachen wolle, die ihre Stücke in Altersheimenaufführe. Marianne, die selten in ihrem Leben im Theater gewesen war und sich auch nie besonders für Dichtung und Sprache interessiert hatte, sagte promt zu und ist nun glücklich mit ihrer kleinen Truppe interessanter Menschen und ihren spannenden neuen Aufgaben.
Da kann man neidisch werden, denke ich. Aber allmählich dämmert mir, dass die Sehnsucht danach, endlich nicht mehr regelmäßig zur Arbeit gehen zu müssen, endlich seine eigene Herrin sein zu können, endlich ausruhen zu können, den Alltag genießen, alte Pläne verwirklichen zu können, dass diese Sehnsucht allein nicht trägt, um diese neue Herausforderung glücklich zu bewältigen.
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3.4.2009 von Mrs. Tapir.
Ich habe schon heute morgen gesehen: Sie kaufen bei uns…
Mittwoch Nachmittag, die Seminare für diese Woche liegen hinter mir. Blick auf vier “freie Tage”, wo ich zu Hause am Schreibtisch arbeiten und vielleicht auch ein bisschen Frühling schnuppern kann. Große Feierabendstimmung breitet sich in mir aus und plötzlich ein Riesenhunger auf Frühling.
Ich entschließe mich spontan, noch in der Stadt Shoppen zu gehen. Mir schwebt ein schwingender, heller Sommerrock vor.
Otto-Eckmann, Frühling
Ich sehe mich im Kaufhaus um. Röcke sind dieses Jahr nicht gerade üppig vertreten. ‘Der dort vielleicht, der auch, der nicht, aber der. Sollte ich mal anprobieren…’
Da spricht mich plötzlich jemand mit meinem Namen von hinten an. Vor mir steht eine meiner Studentinnen, die vor ein paar Stunden noch in meinem Seminar gesessen hat. Sie arbeite hier, schon seit 2 Jahren, neben dem Studium, oft 4 Stunden am Tag und mehr. Als sie im letzten Semester ihr großes Praktikum gemacht hat, musste sie täglich nach 8 Stunden Praktikum noch für 4 Stunden im Kaufhaus arbeiten. Das sei die Härte gewesen. Ich kann es mir vorstellen.
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“Ich habe schon heute morgen gesehen: Sie kaufen bei uns…”, sagt sie. Tatsächlich, ich habe noch immer das neue Shirt an, das farbig leuchtend gestreifte, das ich bei meinem letzten Frühlingshunger vor 14 Tagen aus diesem Laden abgeschleppt habe. Als würde ich ständig nur Klamotten kaufen, denke ich amüsiert. Egal, ich nutze die Gelegenheit und erläutere meiner Studentin meinen neuen Frühlingswunsch: bequem, luftig, fröhlich, fließend, schwingend…. Und sie bringt herbei, was der Laden hergibt, berät in Stil- und Farbfragen und umsorgt mich und mein Shoppingbedürfnis mit höchster Professionalität. Und ich , die eigentlich so ungern Klamotten einkauft wie andere zum Zahnarzt gehen, ich fühle mich aufgehoben wie in Abrahams Schoß und ziehe nach einer guten Stunde mit 2 neuen Röcken und 2 passenden T-Shirts ab.
Und das alles, damit mir auch nächste Woche wieder eine Studentin sagen kann: “Aber Frau S., Sie sehen ja heute aus wie der leibhaftige Frühling!”. Man tut was man kann.
Goethe-Galerie Jena
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5.7.2008 von Mrs. Tapir.
wen es interessiert:
Ich habe vor ein paar Tagen - flankierend zu meinem neuen gleichnamigen Forschungsprojekt - das Kuscheltier-Blog eröffnet. (www.kuscheltier.meinglashaus.de)
Ich werde dort Ergebnisse, Hypothesen und Fragen aus meinem Forschungsprojekt ins Netz stellen und hoffe auf interessante Kommentare und Fachbeiträge von Kuscheltier-Experten aller Altersstufen.
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3.6.2008 von Mrs. Tapir.

Neuerscheinung - für SozialarbeiterInnen und alle Menschen, die andere beraten ……
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… unter anderem, weil die Leute, die hier, im Rahmen Sozialer Arbeit, in die Situation gelangen, beraten zu werden, oft gar nicht so scharf darauf sind.
all diese Menschen sind mit Sicherheit erst einmal nicht motiviert, beraten zu werden bzw. in ein Beratungsgespräch mit dem Sozialarbeiter einzusteigen.
Ganz anders ist das in der Psychotherapie, wo in der Regel ein “Leidensdruck” vorliegt, eine Bereitschaft, die Beratung oder Therapie auf sich zu nehmen, über sich zu reflektieren, sich ggf. auch zu verändern.
Nun kann ja nicht die Konsequenz sein, dass all diese “Unwilligen” kurzer Hand per Druck oder Überredung zu ihrem Glück gezwungen werden, mit fertigen Lösungen, Verhaltensanweisungen oder Rezepten weitergeschickt werden, ohne dass man sich die Mühe macht, auch diesen Menschen die Chance zu geben, aktiv und im eigenen Interesse an der Lösung ihres Problems beteiligt zu werden.
Was also tun?
Vor ein paar Tagen ist ein Buch von mir erschienen, dass für diese Problematik einen Weg weist. Ich habe den Ansatz der klientenzentrierten Beratung (im Sinne Rogers) für diese Bedingungen der Sozialen Arbeit weiterentwickelt.
Szene aus einer Rollenspielübung im Rahmen der Übung “Engaging” an unserer FH: eine Sozialarbeitrin versucht einen Vater zu beraten, der empört ist, dass er sein Kind nicht betreuen darf, obwohl die Mutter es nicht mehr haben will ….
“Engaging” heißt dieses beraterische Vorgehen, das vor allem eins bezweckt: den Klinenten, also unsere Mutter, den straffälligen Jugendlichen oder den alten Menschen aus den Beispielen oben, an der Lösung ihrer Problemlage aktiv zu beteiligen, sie zu motivieren, sich für sich selber wieder zu engagieren und den Lösungsweg für ihre Probleme mitzuentwickeln.
Leicht ist das übrigens nicht. Aber es lohnt sich. Soziale Arbeit, die Menschen nicht zu bestimmten Schritten zwingt, sie nicht anweist, sie nicht mit Rezepten abspeist oder mit Druck durchsetzt, was sie von demjenigen erwartet, diese Soziale Arbeit ist wesentlich humaner, effektiver, nachhaltiger und damit sogar effizienter.
Wen’ s interessiert:
Hier die Seite bei Amanzon
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4.5.2008 von Mrs. Tapir.
Radwechsel
Ich sitze am Straßenrand.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
Mit Ungeduld?
Bertholt Brecht
Eine Inventur hatte ich vor, eine Analyse all dessen, was da noch ist, was da noch Wert hat, was da noch zählt. Es ist mir wohl kaum gelungen, diesen Prozess hier in meinem Blog deutlich zu machen, obwohl ich doch vorhatte, Inventur zu betreiben, und das so offen, dass alle zusehen können.
Aber sie hat dennoch stattgefunden, langsam, seit Jahren. Sie hat auch im letzten Jahr stattgefunden. Und dieser Tage entdecke ich: Ich habe den Prozess zumindest soweit abgeschlossen, dass ich ein Ergebnis sehe:
Der Prozess begann mit der schmerzhaften Erkenntnis vor etwa 15 Jahren, dass nicht mehr meine Generation es war, die das Heft in der Hand hielt. Ich begann, zum alten Eisen zu gehören. Lange Zeit hat mich diese Erfahrung verletzt und wütend gemacht.
Inzwischen tut es nicht mehr weh. Im Gegenteil, es hat sogar etwas Befreiendes.
Der Prozess bestand vor allem aus Abschieden, aus Abschieden nicht von Träumen – denn denen fühle ich mich näher als vorher – sondern aus Abschieden von der Illusion, wichtig zu sein für diese Welt und von dem Zwang, dies sein zu wollen. Allmählich ist mir der Verzicht geglückt auf den ständigen Willen und Wunsch, immer wieder noch mehr erreichen zu müssen und zu können, besser sein zu wollen, andere zu übertreffen, ihnen das Wasser reichen zu können, genauer, sie zu übertrumpfen, sie zu überragen.
Ich weiß, dass ich dieses Lebensgefühl mit sehr vielen Menschen geteilt habe. Ich bin ein Kind meiner Zeit und nicht bescheiden, zufrieden, dankbar und mit der Wirklichkeit versöhnt, sondern immer bereit, jeden Ehrgeiz mitzumachen, mir jede Anforderung, jede Herausforderung anzuziehen.
Von all dem habe ich in kleinen Schritten mühsam und schmerzhaft, aber inzwischen ein wenig erleichtert, ja fast staunend Abschied genommen und mit der bescheideneren Wirklichkeit Frieden geschlossen.
Ich habe begriffen, dass ich null und nichts davon hätte, wenn ich z.B. noch fünf Fachbücher mehr geschrieben hätte, wenn mein Name täglich in der Zeitung stehen würde, wenn mich viele kennen und sogar bewundern würden. Ich habe mich im Beruf in das gefunden, was ich kann und was ich schaffe und verzichte auf jede weitere Herausforderung, auch wenn die Kollegen um mich herum platzen vor Plänen und Perspektiven, vor Eitelkeit und Arroganz, vor Triumphen und Erfolgen. Macht es alleine, nicht mit mir, nicht mehr!
m.s.
Ich muss nirgends mehr ankommen, muss niemandem noch etwas beweisen, kann es mir leisten, zu zu schauen, zu beobachten, aber auch zu tun und zu genießen, was noch zählt, was noch geht und was noch wert ist, es zu leben. Ich brauche keine Schätze mehr anzuhäufen, keine Leistungen mehr vorzulegen. Ich habe mein Teil getan, um diese Welt dabei zu unterstützen, sich weiter zu drehen.
So reden alte Leute?
Möglich. Ich bin nicht mehr jung. Ich spüre es in allen Knochen und auch mental, dass ich bald 60 Jahre gelebt habe und dass man dabei Federn und Kräfte verliert.
Aber man gewinnt auch dabei, nicht nur körperliche Beschwerden und alle möglichen Behinderungen, sondern auch Einsichten und Erfahrungen und Mut.
Ich bin bescheiden geworden und endlich zufrieden mit meinem Leben.
Vielleicht werde ich keine Spuren hinterlassen. Aber was nutzen die tollsten Spuren dem, der tot ist?
Ich traue mich nun viel mehr als früher, zu tun, was mir beliebt: den Anblick einer Blume zu genießen, einem Gedanken nachzuhängen, die laute und aufdringliche Welt um mich ab und an einfach zu ignorieren, in die andere Richtung zu laufen als in die, die gerade in ist, etwas anders zu machen, als üblich, etwas anderes zu erstreben, als das, was angeblich das Beste ist.
Ich habe Lust, Dinge zu tun, die mir einfach nur Freude bereiten oder auch solche, die meiner Wut endlich Luft machen. Und ich habe Lust, etwas zu tun, das in sich wirklich sinnvoll ist, nicht nur mir dient und mich herausstellt, sondern einfach für sich Sinn macht.
Ich fühle mich jetzt, wo ich die letzte Etappe meiner Reise angetreten habe, mehr als Teil dieser Welt, als ich es je getan habe und gleichzeitig unabhängiger von ihr und den anderen Menschen, als ich es je sein konnte.
Vielleicht dauert diese Etappe noch 20 Jahre, vielleicht nur 20 Tage. Das ändert nichts.
Die Scham ist vorbei, so hieß ein für mich vor vielen Jahren bahnbrechendes Buch. Heute würde ich ergänzen: der Ehrgeiz auch und das Schielen nach dem, was erwartet wird.
Als ich 50 wurde, habe ich leise zu mir gesagt: 50 Jahre hast du mehr oder weniger gemacht, was von dir erwartet wurde, ab jetzt machst du das, was du willst.
Heute sage ich es laut.
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11.4.2008 von Mrs. Tapir.
Ich kriege sie nicht mehr aus meinem Kopf.

Wer täglich mit der S-Bahn in Berlin herum fährt, wird sich sicher nicht darüber wundern, denn die Arbeitslosen und HartzIV Empfänger, die zwischendurch zusteigen und dann höflich um eine Geldspende bitten, gehören sicher auf allen Strecken zum Alltag. Die meisten Fahrgäste reagieren nicht, selten aber reagieren sie irgendwie ungehalten. Die ständige Konfrontation mit dem Schicksal der vielen, die es sehr viel schlechter getroffen haben in unserem Land, ist offenbar tolerierte Zeiterscheinung.
Als sie herein kam, war ich von ihren Augen fasziniert. Sie waren klug und gütig. Ihre kleine Rede trug sie selbstbewusst vor, keineswegs bettelnd oder devot. Und neben ihrem sicheren Auftreten war sie gleichzeitig,vorsichtig, behutsam fast sanft zu uns. Sie sprach von ihren unerträglichen Schmerzen und freute sich über die Sonne, die gerade für einen Moment herausgekommen war. Und dann trug sie ein Frühlingsgedicht vor, das sie mit den Worten kommentierte: “Ich schreibe ein bisschen, irgendwas muss man ja machen.” Ich war berührt. Ihr Blick hatte etwas Vertrautes, wie der Blick einer Freundin.
Ja, so könnte es auch enden, dachte ich schockiert: alt, alleine, mit Schmerzen, die nicht zu bändigen sind, weil die Medikamente und der Arzt so viel kosten, darauf angewiesen, die Mitmenschen um Hilfe zu bitten. So aber, ohne sich irgendetwas dabei zu vergeben, so würde ich es nie können. Ich bewunderte sie und blieb etwas verwirrt zurück, als sie weiter ging und ich ihre sanfte, deutliche Stimme ein paar Sitzreihen weiter erneut hörte. Ich musste den Drang unterdrücken, sie nach ihrem Namen zu fragen, nach ihrem Leben.
Möglicherweise ist das alles nur ihr Betteltrick gewesen. Vielleicht kennen die Leser meines Blogs sie auch. Vielleicht kennt sie schon jeder in Berlin. Sei’s drum. Ich gönne ihr diese Fähigkeiten, andere zu rühren und wünsche ihr viel Erfolg!
Bevor ich dieses Posting losschicke, habe ich man ein wenig recherchiert nach Bettelei in der U-Bahn und bin dabei auf einen interessanten Disput gestoßen.
Ein schönes Beispiel für Meinungsbildung und dafür, wie wichtig es ist, sein Andersdenken nicht zu verschweigen sondern mitzureden: flugs steht keiner mehr zu seinen vorigen Vorurteilen, zu mindest im Chat.
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26.1.2008 von Mrs. Tapir.
Hier erwartete mich hinter und um unser Haus etwas, das wie ein japanischer Wassergarten aussieht, alles ist nur noch mit hohen Gummistiefeln zu erreichen, dafür blühen bereits die Haselnüsse.
Na denn ahoi!
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24.1.2008 von Mrs. Tapir.
Ich arbeite in Jena und wohne in O. Das ist eine anstrengende Geschichte. Und eine teure dazu. Man nennt sowas Doppelhaushalt, aber er bringt mir nichts für die Steuer, weil ich erst die Arbeit und dann den Mann in O hatte und nicht umgedreht. Pech.
Man nennt sowas ja Wochenendehe, in unserem Fall Semesterferienehe… Ob sowas beziehungsfördernd ist oder eher nicht, ich kann es nicht entscheiden. Jedenfalls ist es abwechslungsreich und mit ständiger Packerei verbunden. Sobald das Semester seinem Ende entgegen geht, fange ich an zu packen, damit ich in meiner Streusandbüchse alles parat habe, was ich vielleicht brauchen könnte.
Dieses Mal habe ich soviel Arbeitsunterlagen zusammengekramt, dass ich mich frage, ob ich vorhabe, hier die nächsten Jahre nicht wieder wegzugehen.
seit Tagen sah mein Arbeitszimmer so aus, überall Buchstapel, Papiere, Ordner…
Es wird halt viel zu tuen sein: die neuen Seminare vorbereiten, ein Buch verlagsfertig machen, die Dokumentationsfilme meiner Übungen (Beratungsmethoden) schneiden und auswerten, das neue Buchprojekt ins offene Wasser kriegen, das neue Kuscheltierforschungsprojekt richtig durchplanen…..Und dazu einen hohen Stapel an Hausarbeiten, Vordiplomarbeiten und Diplomarbeiten.
An Arbeit wird es mir also nicht mangeln.
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11.12.2007 von Mrs. Tapir.
Dieser Schritt hat mich nicht überrascht. Unsere Gesellschaft reagiert auf die Gewalt, die sie selber ständig produziert schlicht mit Gegengewalt oder drohender Gegengewalt.
Von der Effektivität her ist dieser Ansatz mit einem medizinischen Konzept vergleichbar, das bei einer ausgebrochenen Volksseuche den Abtransport der Leichen gut organisiert und vielleicht auch noch die Betroffenen effektiv isoliert, aber nichts investiert, um die Ursachen der Seuche zu ergründen und zu beseitigen.
Die Ursachen für die Gewalt in unseren Schulen sind vielfältig, sie haben mit dem Schulsystem und mit der Verrohung unserer Gesellschaft zu tun, mit der Unfähigkeit vieler Jugendlicher, Konflikt anders beizulegen und zu lösen als mit verbaler oder nonverbaler Gewalt. Hier könnten z.B. Sozialarbeiter wesentlich tiefer greifen und präventiv wirken.
Vor allem aber hat diese Gewalt damit zu tun, dass diese Gesellschaft für viele auch und gerade junge Menschen, allen voran für Migrantenkinder, keine Perspektiven mehr zu bieten hat und es auch nicht versucht, sie zu bieten, gleichzeitig aber Konsum, Geld und absolute Selbstverwirklichung als Kriterien für Erfüllung und Glück bestimmt hat und dann behauptet, jeder könne in dieser Gesellschaft ganz nach oben kommen, wenn er nur flexibel genug ist und sich selber ausreichend bemüht.
Auch der Hinweis in der Presse, Wachmänner seien viel billiger als SozialarbeiterInnen, hat mich nicht überrascht. Auf diese Weise werden Aufgaben der Sozialen Arbeit immer mehr von unausgebildeten Kräften übernommen und damit werden ihre Fachlichkeit, ihr professioneller Ansatz und ihr Menschenbild einfach ausgekippt und als überflüssig erklärt. An die Stelle einer sekundären Integration, die versucht Menschen so in die Gesellschaft zu integrieren, dass sie dabei als Personen und als Menschen mit Rückgrad nicht auf der Strecke bleiben, wird einfach mit Sanktionen, Drohungen und Zuckerbrot und Peitsche gearbeitet.
Überrascht hat mich höchstens, wieso Wachmänner so viel weniger verdienen sollen als SozialarbeiterInnen. Wenn das so ist, dann fallen die Wachmänner ganz klar in den Bereich, wo dringend ein Mindestlohn ansteht. Denn SozialarbeiterInnen verdienen selber so wenig, dass mancher Mann sich dieses Studium verkneift, weil er von den Einkünften keine Familie ernähren kann. Das war eigentlich nie anders, hat sich aber in den letzten 10,15 Jahren dramatisiert. So etwas wie Tariflohn, unbefristete Stellen, nur soviel Arbeit, wie auch bezahlt wird…. als das gehört der Vergangenheit an. Auch deshalb ist es ein fast reiner Frauenberuf geblieben. Unter unseren Studierenden sind knapp 10% Männer!
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