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26.4.2010 von Mrs. Tapir.

Geschrieben in mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik | 1 Kommentar »
23.4.2010 von Mrs. Tapir.
Als unser Von und Zu jüngst das Wort “Krieg” für salonfähig erklärte - zumindest im umgangssprachlichen Sinn (!) - hoffte mancher, dass nun eine Diskussion losbrechen würde darüber, dass das bestehende Mandat einen Kriegseinsatz nicht abdeckt.
Aber wir haben es gestern ja gehört: Das bestehende Mandat für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan muss laut Merkel nicht verändert oder erneuert werden. Die Soldaten haben nach wie vor die Aufgabe, vor allem Brunnen zu bauen und den Afghanen zu zeigen, wie man Krieg macht.
Das haben unsere lieben Politiker gestern ganz schnell hinter sich gebracht. Die SPD hat ihre Argumentation, dass die Bundeswehr gar kein Kriegsmandat hat, fallen gelassen, Steinmeier war sowieso anderer Meinung als Gabriel. Trittin bezweifelte, dass unsere Soldaten nur in der Defensive bleiben können. Aber ansonsten ist alles in Ordnung. Außer von den LINKEN kein Versuch, diesen unverantwortlichen Kriegseinsatz infrage zu stellen.
Und Frau Merkel erklärte, dass es gerade jetzt, nach den 7 (also nach dem 37., 38., 39., 40., 41., 42., 43.) Toten verantwortungslos sei, sich aus Afghanistan zurückzuziehen. Wem gegenüber eigentlich?
Und schließlich, nachdem jetzt klar ist, dass wir Krieg führen, darf ja schließlich auch auf Zivilisten geschossen werden. Dieser Oberst Klein hat es vorgemacht und er hat Recht bekommen. Er hat alles richtig gemacht. Schließlich ist ja Krieg.
Zugegeben, das ist alles ziemlich hart für unsere Jungs und Mädels. Sie brauchen natürlich unsere Unterstützung. Es ist deshalb so wichtig, dass sich die Gesellschaft für die traumatisierten Soldaten nach ihrem Afghanistaneinsatz engagiert, mit psychologischr Hilfe z.B. Sowas braucht man dann eben. Ist ja kein Zuckerschlecken da in Afghanistan. Wir sollten den Jungen, die sich dafür freiwillig gemeldet haben, dankbar sein, dass die das für uns alle tun, nicht wahr! Der Soldat generiert wieder ein Mal zum Helden.
Tatsächlich: Militär, Soldaten, Krieg, das alles wird wieder Normalität, jeden Tag ein bisschen mehr. Gestern Abend gab es einen Tatort, bei dem ganz zufällig ein netter Feldwebel die Rolle des Guten hatte. Soldat sein ist eben ein ganz normaler Beruf wie andere auch, ein durchaus ehrenvoller. Wir sollten stolz auf diese Männer und Frauen sein.
70% der Bevölkerung wollen zwar ein Ende des Kriegseinsatzes, aber Mutti erklärt ihnen geduldig, dass man nicht einfach so kopflos, so würdelos abhauen darf. Unerledigte Sachen kann man nicht einfach hinwerfen. Es gilt, jetzt durchzuhalten und zusammen zu stehen. “Ihr müsst ihn einfach wollen, diesen absolut notwendigen Krieg!”
Die Rechnung von Frau Merkel scheint aufzugehen. Die Bevölkerung gewöhnt sich daran, wieder mal einer Kriegsnation anzugehören. Das gibt es scheinbar Sachzwänge, die man nicht ändern kann. Oder ist es nicht sogar natürlich, dass wir unsere Interessen mit Waffengewalt am Hindukusch verteidigen, sozusagen ein Naturrecht der Stärkeren? Und schließlich müssen die vielen Waffen, die hergestellt werden, auch mal genutzt und verschlissen werden, nicht wahr!?
Und so denkt nach der Mandatsdebatte gestern mancher dieser 70%, dass er zwar ein Ende des Kriegseinsatzes will, aber dass er da selber vielleicht zu naiv oder auch zu egoistisch an die Sache herangeht. Denn was würde werden, wenn wir dort nicht mehr für Ordnung sorgen? Dann kämen die Talibans und machten uns alle platt.
Also müssen wir sie eben vorher platt machen:
In der sogenannten Taschenkarte der Soldaten, die jeder bei sich trägt, ist das aktuelle Mandat am Hindukusch konkret erklärt. Und die Regelungen sind schon im letzten Juni verschärft worden: Die Bundeswehr ist nach eigenen Angaben nun „nicht nur auf die Abwehr eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs beschränkt“. Vielmehr kann sie „im Vorfeld geeignete Maßnahmen ergreifen, um es dazu erst gar nicht kommen zu lassen.
Geschrieben in mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik | 1 Kommentar »
22.4.2010 von Mrs. Tapir.
Demonstration für den Frieden in Afghanistan
Man sollte nicht sagen, dass das Erlernen der Lateinischen Sprache sinnlos sei. Mir ist jedenfalls beim Lernen der Vokabeln vor einigen Jaharzehnten eine Kronleuchter aufgegangen - über ide alten Römer und ihre Weltherrschaft und überhaupt, über alle Völker, die etwas mit der Weltherrschaft am Hut haben:
da gibt es die Vokabel “pacare“. Das heißt “befrieden“, kommt von “pax”, “der Friede”. Also geht es darum, den Frieden zu bringen für das fremde Land, um das es dabei geht.
Aber da stand noch eine Bedeutung daneben, die mich anfangs sehr irritiert hat, weil ich nicht verstand, wieso das eine Wort diese beiden für mich widersprüchlichen Bedeutungen haben konnte.
Da stand nämlich auch noch : “unterwerfen“.
Bis ich begriff, dass es Menschen und Weltmächte gab und gibt, die andere unterwerfen und vom Frieden Bringen dabei reden.
Nicht nur die Freiheit, auch der Friede wird von den Menschen ausgelegt, wie es ihnen passt.
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Geschrieben in mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik, gelesen | Keine Kommentare »
21.4.2010 von Mrs. Tapir.
Wenn man eine Ablehnung für eine Arbeitsstelle erhält, die nachweislich darauf zurück zuführen ist, dass mann aus dem Osten Deutschlands kommt, kann man sich nicht dagegen wehren. Ossi zu sein ist kein ethnisches Merkmal. So.So.
Heute hören wir von einer Ossifizierung der Bundesewehreinsätze im Ausland. Wessis gibt es fünfmal so viele im Vaterland. Aber die im Ausland eingesetzten Soldaten sind zur Hälfte (erst hieß es 60%, in den nächsten Nachrichten war man auf “fast 50% runtergerudert) aus dem Osten. “Mehr als jeder dritte der bislang 43 toten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stammte aus den neuen Ländern.” Dabei ist der “Ost-Anteil vor allem bei den unteren Mannschaftsdienstgraden (zwei Drittel) , während er bei den höheren Stabsoffizieren auf 16% sank. Was lehrt uns das?
Handelt es sich bei unseren SoldatInnen vielleicht wirklich um “Arbeitslose in Uniform”, denn die Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit für junge Leute ist im Osten nach wie vor viel größer?
Die Bundeswehr stellt sich schließlich zunehmend als Arbeitsmarkt, als Ausbildungschance und als berufliche Chance dar. Eine elegante Lösung zweier Probleme mit einer Klappe.
Andererseits:
Dass Wort “Ossifizierung”, absulut reif für das schönste Wort des Jahres (aber wer weiß, was noch so kommt?), scheint auch Bedenken und Befürchtungen auszudrücken: Können wir diesen Ossis unsere Freiheit und Sicherheit z.B. am Hindukusch überhaupt anvertrauen? Ist es nicht ein Problem, dass gerade solche Menschen für das deutsche Vaterland ihren Kopf hinhalten?
Aber vielleicht ist das ja gerade geschickt. Kanonenfutter kam schon immer aus den gesellschaftlich niedrigeren Schichten. Auch in der amerikanischen Armee schlagen sich eher die schwarzen GIs persönlich die Köpfe ein, während der weiße Soldat eher an Computern und in Kampfmaschinen sitzt, wo er sein kostbareres Leben besser geschützt glaubt. Und so hat dann wohl auch alles seine Richtigkeit.
Ich denke, wenn hier irgend eine “Fizierung” im Gange ist, dann eine Infizierung der Bevölkerung mit dem Virus der Akzeptanz fürs Kriege Führen.
Geschrieben in mAKT (mein Antikriegstagebuch), Politik, gehört | Keine Kommentare »
18.4.2010 von Mrs. Tapir.
Ich bin ein Nachkriegskind.
Trümmer waren in meiner Kindheit Alltag. Wie sie entstanden waren, wusste ich nur vom Höre-Sagen. Der Krieg lag 7 Jahre zurück, als ich anfing in den Trümmern zu spielen, Kachelstücke zu sammeln und Kuckucksnelkensträuße zu pflücken. Das war eine Ewigkeit her für mich Vierjährige.
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Dresden, die Heimatstadt meiner Mutter, 1945
Ruhrgebiet, Heimat meines Vaters, 1945
Ich kannte natürlich die Erzählungen: das brennende Dresden meiner Mutter, das Foto aus der Zeitung mit dem Todesengel, die Geschichte, wie kurz vor Kriegsende das Geburtshaus meines Vaters in Gelsenkirchen zerbombt wurde, die schrecklichen Erzählungen meiner Mutter, wie sie – hochschwanger – im Wald bei Bad Lauterberg an den Waldboden gedrückt, die Fliegerbombenalarme überlebte.
Ich kannte auch die Geschichte, wie man mit dem Krieg umgehen muss: Meine hochschwangere Mutter begegnete einem amerikanischen Besatzungssoldaten. Der warf sein Lasso und fing sie ein. Sie blieb stehen, ganz ruhig, streckte ihren Bauch raus, sah ihn streng an. Das Lasso fiel an ihr herab auf den Weg. Sie stieg heraus und der junge Schwarze grinste verlegen und rollte sein Lasso wieder ein. So dachte ich wird man mit dem Krieg fertig. Dass zu diesem Zeitpunkt gar kein Krieg mehr war, hatte ich dabei übersehen.
Ich hatte lange Zeit Angst vor Uniformen. Meine Eltern – beide im katholischen Widerstand – hatten mir nie so etwas wie Stolz oder Vertrauen in Menschen mit Uniform eingeflößt. Unser braver, dicker Stadtviertelpolizist musste darunter leiden: Als wir ihn auf der anderen Straßenseite sahen, brach ich in furchtbares Gezeter und Angstgeschrei aus. Und alle seine Bemühungen, mich zu beruhigen oder mich freundlich anzusprechen, verstärkten meinen Widerstand. Armer Mann. Aber ich bin noch heute stolz auf mich!
Aber im Nachkriegsruhrgebiet boomte das Wirtschaftwunder. Die Trümmer verschwanden allmählich. An den Himmel schrieben silbern glänzende Flugzeuge „Persil bleibt Persil“. Die Welt war voller Tatendrang und Verlockungen.
Dennoch, bei jedem Überschallflugzeug konnte ich bis in meine Jugend hinein nicht umhin, mich wie meine Mutter im Wald damals auf den Boden zu werfen. Dabei war gar nicht ich es, die sie damals im Bauch mit dabei gehabt hatte.
Überhaupt war meine Mutter ziemlich unbeeindruckt von der damaligen Nachkriegssituation: Von ihr hörte ich immer mal wieder, dass sie den Großen nicht traue. Irgendwann würden die doch wieder Krieg machen und auf einander losschlagen.
Dennoch kam das Wort Krieg in meiner Kindheit mehr als eine Vergangenheitserklärung, und weniger als eine reale Bedrohung vor. Erst als Jugendliche, als ich Borchert für mich entdeckte, die Trümmerliteratur verschlang, als ich den kalten Krieg bis in die Knochen spürte, während auf dem Bildschirm unseres ersten Fernsehgerätes, die Landkarte von Kuba auftauchte und die strategische Situation der Kubakrise erläutert wurde, hatte ich begriffen, dass Krieg nicht mit dem zweiten Weltkrieg aus und vorbei sein würde in meinem Leben.
Der kalte Krieg war in meiner Jugend und während meines Erwachsenwerdens allgegenwärtig. Wir demonstrierten. Wir waren viele. Es hatte mit Vietnam angefangen. Auch da verteidigte die USA ihre Freiheit und Sicherheit an irgendeinem vietnamesischen Hindukusch. Aber da sahen die Augen der Öffentlichkeit plötzlich, was da wirklich passierte. Im eigenen Land und erst Recht in Europa wurde erkannt, was das war: Völkermord und Völkermord auf Raten. Bis heute leiden die Menschen in Nordvietnam an den Folgen der chemischen Waffen.
“Wenn dieser Morgen kommt, in Vietnam, dann wird manch anderes Volk nach seinen Herren sehn. Da bleibt viel Zorn noch übrig.” So sangen wir in dieser Zeit mit Franz Josef Degenhardt.
Die Welt ist komplizierter, als wir damals hofften. Die Herren und die Damen, die die Kriege brauchen, nutzen das für ihre Interessen.
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17.4.2010 von Mrs. Tapir.

Die Ideologie der Stärkeren hat im Nachkriegsdeutschland zumindest lange nicht der offenen Kriegsideologie bedurft, um ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt zu sichern. Da gab es andere Wege.
Und solange der kalte Krieg dauerte, lebten wir in dem Bewusstsein einer grundsätzlichen vernichtenden Gefahr durch einen Atomkrieg, aber dennoch im stillen und immer stärker werdenden Vertrauen auf die Sicherheit, die durch die gegenseitige Abschreckung hervorgerufen wurde.
Im Rahmen meiner Dissertation stieß ich 1970 auf amerikanische Untersuchungen dieser Zeit, in denen die amerikanische Bevölkerung nach ihrer Bereitschaft zu Opfern gefragt wurde, die sie im Falle eines Krieges mit der Sowjetunion für das eigene Volk tolerieren würde: 2 Millionen Tote, 3 Millionen, 4 oder mehr. Was war dem Amerikaner die Überlegenheit der USA und der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus wert?
Dann war der kalte Krieg aus.
Pech für die Rüstungsindustrie. Pech für die ganze Militärblase. Da wurde dringend ein Ersatz gesucht. Und er lag auf der Hand.
Als ich in die 6. Klasse ging, wurden alle Schülerinnen eines Tages in die Aula gerufen. Der Unterricht fiel aus und wir sahen einen Film über die gelbe Gefahr. Chinesen wie Ameisen wurden uns gezeigt, die sich über unser Land ergießen könnten Freilich, China ist heute eine Großmacht und sich offen mit ihr anzulegen verbietet schon die globale wirtschaftliche Situation. Dennoch wird an dem latenten Feindbild der Chinesen fleißig weitergearbeitet). Und es war damals schon klar: Unsere westliche Welt, unsere Weltherrschaft würde es gelten zu verteidigen. Darauf schwor man uns ein. Sehr früh. Zu einem Zeitpunkt, wo der kalte Krieg noch für Jahrzehnte genügen würde.
Heute verteidigen wir ganz offen und voller Stolz unsere Freiheit und Sicherheit am Hindukusch. Na siehste.
Aber was heißt das: unsere Freiheit und Sicherheit? “Wer “die Passhöhen des Hindukusch” beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen!” Und nur dann haben wir Frieden und Sicherheit. So ist das halt.
Es gibt eine alte Tradition der Menschheitsgeschichte, von Frieden und Sicherheit für die eigene Sache und das eigene Land zu reden und damit die Beherrschung der anderen und Gewalt an anderen zu meinen.
Mich erinnert das alles an die Eroberung der Indianergebiete in Amerika. Es gab auch da keine Frage, warum man dazu berechtigt war: man war überlegen und man war das überlegenere Volk. Und man brachte den anderen die Segnung der eigenen Zivilisation und wenn sie nicht recht wollten, wurden sie eben gezwungen, im Guten, also mit Glasperlenbestechung, wie im Schlechten, also mit blutigen Kämpfen. Und wenn Weiße von Einheimischen skalpiert wurden, nannte man das ebenfalls einen bösartigen kriegerischen Überfall, einen feigen dazu, gegen die gut meinenden und doch nur das Beste wollenden weißen Eroberer….. Und es gab sicher auch einheimische Häuptlinge, die die Gunst der Stunde nutzten und an der Seite der Weißen versuchten, für sich das Beste dabei herauszuholen und ihre eigen Kultur und ihr Volk zu verkaufen.
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16.4.2010 von Mrs. Tapir.
.Obama versprach als Präsidentschaftskandidat, den Krieg im Iran zu beenden und nach seiner Wahl- vermutlich in glorreicher Übereinstimmung mit der herrschenden und beherrschenden Rüstungsindustrie – dafür Ersatz in Afghanistan zu schaffen: eine Verstärkung der Truppen und der der Waffenarsenale. Und die meisten haben diesem Mann weiter seine Friedensabsichten geglaubt, glauben noch immer daran. Schließlich ist er Friedensnobelpreisträger geworden, sozusagen präventiv. Aber das war ja sogar ihm selber peinlich.
Ob er so handelt, weil die, die wirklich die Macht in den USA in der Hand halten, ihn dazu zwingen oder ob es auf seinem eigenen Mist gewachsen ist: es ist völlig egal. Die USA hat unter Obama ihre Bemühungen in Afghanistan um 30 000 Mann und auf nunmehr 1,1 Billionen Dollar verstärkt. Um wie viele tote Afghanen und eigene Leute, wieviel tote Zivilisten wird die bisherige Anzahl getoppt werden?

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15.4.2010 von Mrs. Tapir.
Heute spricht eine Zeitung von dem wachsenden Mangel an Konsens in der Bevölkerung bezüglich der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Einsatzes deutscher Soldaten in A. Schön wärs, denke ich. Oder stimmt das wirklich? Und warum passiert dann nichts? Warum sind wir auf dem Ostermarsch so alleine: bundesweit Tausende, was ist das schon?
Und was sind das für Zweifel in der Bevölkerung?
Es gibt einige Leute, die sagen, „Raus da, wir erreichen nichts, wir verheizen nur unsere Leute. Wir können das Ziel gar nicht mehr erreichen.“ Sie sind weit davon entfernt, den Sinn und die Rechtfertigung dieses Einsatzes infrage zu stellen. Sie sind nur pragmatisch und ziehen es vor, dem Ganzen ein Ende zu bereiten, wenn es doch nicht klappt. So vermutet z. B. eine Pressestimme, dass Merkel nur die Einsicht verdrängen und verschleiern will, dass der Einsatz unserer Soldaten „am Rande des Scheitern“ steht.
Ich fürchte, selbst diese eigentlich völlig kriegsloyalen Leute werden von Medien und Bundesregierung und dem braven medienbespielten Volk zunehmend als Landesverräter und Nestbeschmutzer angesehen werden, nach dem Motto: “Sollen wir uns etwa zurückziehen, ohne das Ziel erreicht zu haben? Kapitulation? Nein das kann ja wohl nicht sein. Afghanistan ist eben doch nicht oder noch nicht Vietnam.”
Die Diskussion hat offenbar jetzt in eine ganz andere Richtung zu gehen: „Wenn wir am Rande des Scheiterns stehen, dann müssen wir eben etwas für unseren Sieg tun. Die Soldaten sind nicht gut genug ausgerüstet, nicht gut genug ausgebildet, die medizinische und psychologische Versorgung ist zu schlecht, die Jungen und Mädels werden emotional von der Heimat (Front??) nicht genug unterstützt. Der Herr von und zu hat es gestern ja gesagt.
Jetzt wird die Effektivität und Effizienz der Bundeswehr überprüft (nicht etwa, um zu sparen oder hinter die überflüssigen Kosten zu kommen, so wie man die Effizienzprüfung z.B. im Sozialen Bereich zu verstehen und anzuwenden pflegt.) Hier wird mit Sicherheit dafür gesorgt, dass nach Aufdeckung von Mängeln, Defiziten, veralteneten Strukturen und veraltetem Material für die Brüder und Schwestern der Truppe genug Geld da ist, damit sie wirklich effektiv wird, damit sie endlich optimal zuschlagen kann. Klar, das wird letztlich noch teuerer. Aber man muss eben Prioritäten setzen.
Wir haben doch schließlich bessere Waffen! Dann eben hinein damit nach Afghanistan!
Wir könnten doch viel besser sein! Wenn wir endlich zeigen, was wir haben und können, ist sehr bald Ruhe im Land. Nicht wahr?“
Es gilt also, besser, schlagkräftiger zuzuschlagen als bisher. Und dann – nach dem Sieg – nach Hause zu gehen. Aber erst dann.
Im Verlaufe des heutigen Nachmittags haben sich die traurigen Nachrichten vom Karfreitag erneuert. 43 tote deutsche Soldaten sind es bisher gewesen. Das sind genau 43 zuviel! Natürlich werden die Frauen und Mütter weinen. Natürlich gilt ihnen Mitgefühl. Aber warum weinen sie erst jetzt? Warum haben sie nicht “nein” gerufen, warum haben sie diesen Krieg hingenommen als selbstverständlich, als angeblich notwendig?
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13.4.2010 von Mrs. Tapir.
Herr von Zieten, zum Teil
Auf der Demonstration bleiben wir auf dem Zietenplatz stehen.
Das Denkmal für diesen „Volkshelden“ wurde 2003 errichtet, vom Lions Club gesponsert und gestaltet nun die Stadtlandschaft Berlins. Da wird ein Platz neu gestaltet und man stellt mitten darauf einen General, unter dem tausende Menschen gestorben sind. Für das Vaterland selbstverständlich.
Man ist also wieder stolz auf seine militärische Vergangenheit und seine militärische Stäke und erfreut sich aufs Neue an solchen Helden. Das sind unsere Vorbilder : “Der Zieten aus dem Busch“. Selbst deutsche Dichter haben ihn besungen.
Solche Ideologie prägt also heute die öffentlichen Plätze: Gefeiert werden Menschen, die den Herrschenden ihre Macht gesichert haben, mit dem Blut der Soldaten. Sie hat das Volk zu verehren.
Wirkliche Freiheitshelden sind eher verpönt und peinlich. Nach Thomas Münzer wird heute kein Platz benannt. In Rostock und Dresden gibt es welche. Aber suchen Sie mal einen in der alten BRD!
Man huldigt vielmehr der historischen Macht und denen, die sie halfen zu erhalten. Warum? Weil “man”sich, über Jahrhunderte hinweg, mit den Mächtigen der Gesellschaft verbunden fühlt. Weil man heute zu denen gehört und gehören will, die die Macht haben. Und weil man sich - neuerdings offen - der erquickenden Unterstützung des Militarismus bei der Machterhaltung- und pflege erinnert.Und weil das das Volk kapieren soll und einstimmen soll in eine solche Heldenverehrung.
Ich warte nur auf das erste Mal, wo in den Medien die militärischen Strategien der deutschen Armee im von Deutschland angezettelten 2. Weltkrieg mit wohlwollender Genugtuung, mit Interesse und Verständnis, ja mit Bewunderung kommuniziert werden. (Gibt es das nicht schon?) Dann wäre es Zeit auszuwandern.
Bitte aber, wohin könnte man heute auswandern?
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12.4.2010 von Mrs. Tapir.
Vor ein paar Tagen wieder Ostermarsch.
Es waren nur die alten Gesichter da, wenige Junge, viele aus meiner Generation. Und dabei wie immer viele Ausgestoßene, viele Aussteiger, viele radikale Heißsporne, viele eingebunkerte Altkommunisten. Sie sind die Getreuen im Kampf um Frieden. Ich will sie nicht schmähen. Sie bleiben dabei und sind unbeirrbar. Das ist gut. Sie retten wirklich die Ehre unseres Volkes, finde ich.
Aber es fehlen mir die anderen, die ganz normalen Leute, die begriffen haben, dass wir gerade dabei sind, das Kriegführen, das Militär in diesem Lande wieder salon- und hoffähig zu machen.
Es gibt mindestens 30 Bekannte von uns beiden aus Berlin, die von ihren Einstellungen her auch in die Demonstration gehört hätten. Sie alle haben es vorgezogen, uns wohlwollend von Ferne zuzusehen.
Vom Zusehen wird sich nicht ändern.
Ich habe mich gewundert, wieso Ostermontag in den Nachrichten ständig und oft an erster Stelle über die kleinen Ostermärsche berichtet wurde. Was sind ein paar Tausend in Berlin und bundesweit 40 Tausend?
Man hätte sie auch totschweigen können. Vielleicht gibt es in den Redaktionen doch noch Leute, die so was für wichtig halten? Oder ging es darum, dem Volk die Botschaft zu überbringen: „Seht, da gibt es noch immer ein paar Spinner, aber von denen geht keine Gefahr mehr für das Ansehen unseres Volkes aus?
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