Archive for the ‘Dichtung & Kunst’ Category

meine Anka ist tot

Samstag, Oktober 25th, 2008

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hier ist meine Anka noch vor

wenigen Tagen herumgestromert….

 

 für Anka

 

Die Sommerastern sind verblasst wie alte Bilder.
Oktober müde liegt das Feld.
In diesem Herbst kann ich
die Müdigkeit der Bäume fühlen
mit jedem Blatt,
das fällt.
Sanft kommt das Sterben,
still und blass.

 

Ich habe so oft über sie geschrieben. Ihr Tod kam erschütternd plötzlich. Unser Garten, unser Haus sind auf einmal leer. Meine Anka ist fort: ein lebendiges Wesen, dass sich immer wie verrückt gefreut hat, wenn ich kam, auch wenn ich nur kurz am Auto gewesen war, ein Wesen, dass uns mit ihrer Freundlichkeit und Zuversicht, mit ihrer intensiven Gegenwart und ihrer Fähigkeit, Glück zu finden in den winzigsten Kleinigkeiten ihres Lebens.

Wir werden lange brauchen, um nicht mehr mit Schmerz an sie zu denken. Vergessen werden wir sie wohl nie.

Pariser Sommerfest am Bassin

Freitag, September 26th, 2008

Das große Bassin, an der Metrostation “Stalingrad” gelegen, und durch den Canal Saint Martin gespeist, hatten wir schon in den ersten Tagen unserer Pariszeit entdeckt.

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Hier ist Paris nicht all zu sehr herausgeputzt. Hierher verirrt sich wohl auch nicht so oft ein Tourist. Dafür aber ist hier die Pariser Bevölkerung hier zu Hause.

An einem unserer letzten Tage gerieten wir zufällig mitten in ein Sommerfest, dass entlang der Ufer des großen Bassins gefeiert wurde.

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Entlang des Ufers waren große Sandkästen für die Kleinsten aufgeschüttet und mitten drin – bequeme Liegestühle für die Muttis und Vatis – ein super Idee, fanden wir.

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Am meisten aber hat uns der öffentliche Tanz beeindruckt: eine Tanzfläche, Musik vom Band, jede Menge begeistert  und ausdrucksstark tanzende Paare jeder Altersgruppe

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und rings herum Zuschauer, Leute, die gleich auch mittanzen würde, auf ihre tanzwütigen Mütter wartende Kids,

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und z.B. auch wir….

Da waren Leute einfach nur fröhlich und ungezwungen. So viel spontane Lockerheit und Lebensfreude und gleichzeitig so viel  Eleganz und Musikalität dürfte man in Deutschland vermutlich lange suchen.

Jardin du Luxembourg

Samstag, September 20th, 2008

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Den Jardin du Luxembourg kannte ich schon von meiner Primaner-Reise vor 40 Jahren. Besonders beeindruckt hatte mich damals ein kleines Karussell, eben das, welches Rilke in seinem berühmten Gedicht beschreiben hat.

Das Karussell

Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Ansonsten war dieser Park genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte: lichtdurchflutet, ganz im französischen Stil, voller Menschen, die plaudern, sich erholen, ausruhen wollen.

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Mein Karussell aber war nicht mehr zu finden.

Aber als wir kurz darauf am Eifelturm spazieren gingen, war es auf einmal da:

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Also doch: Und dann und wann ein weißer Elefant …nur war diesmal der Elefant blau.

Die Bettnachbarin

Mittwoch, Juli 30th, 2008

Erzählung

Mechthild Seithe

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the last rose

Irene beobachtet ihre ältere Mitpatientin, die wegen Brustkrebs nun schon zum dritten Mal eingeliefert wurde. Während sie noch über die Gemeinheit und Sinnlosigkeit des Lebens philosophiert, das ein so trauriges und hartes Schicksal zulässt, erlebt sie, wie für ihre Bettnachbarin – sozusagen im Angesichte ihres Todes – eine Liebesgeschichte beginnt. Hin und her gerissen zwischen Neid, Angewidertheit und Ärger ergreift sie schließlich für die Liebenden Partei und damit auch für sich selber..

22. September


Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mein Leben nach all den Jahren in diesen vier kalkweißen Wänden verrinnt.
Nein, kalkweiß sind diese Wände nicht. Irgendjemand hat für einen faden Gelbton gesorgt. Damit die Patienten keine Depressionen bekommen. Wie mir scheint, reicht diese Maßnahme dafür absolut nicht aus.
Auch der handlich nah platzierte Knopf zur Auslösung des Fernsehprogramms hilft da wenig. Besser ist schon die Kastanie im Innenhof der Klinik. Auch wenn ich liege, sehe ich noch ihre obersten Äste. Und wenn ich am Fenster stehe was ich wieder kann und was ich mir ein, zwei Mal am Tag leiste – können meine Augen in ihrer Krone herumklettern wie kleine Affen. Diese Kastanie gibt mir eineindeutige Informationen über die gerade aktuelle Jahreszeit. Sie wandelt sich mehr als alles andere hier. Selbst die Monatsblätter des Kalenders, den eine Schwester freundlicherweise über dem kleinen Besuchertisch in unserem Zimmer aufgehängt hat, zeigt jeden Monat bunte, glänzende Autos, die durch Traumlandschaften fahren, in denen ewiger Sommer zu sein scheint.
Die Kastanie ist noch immer grün. Aber sie hat schon seit ein paar Wochen gelbgeränderten Blätter. Als ich herkam, war die Baumkrone kahl und durchsichtig. Ich habe lange dieses Gewirr aus verschlungenen Linien und Gittern angeschaut in den ersten Tagen. Dann, Wochen später leuchtete der Baum grün in mein Zimmer. Und irgendwann danach explodierte die Krone über Nacht in einen über und über mit weißen Kerzen geschmückten Frühlingstraum.
Aber die Blüten vergingen. Mit dem Mai ging auch meine Hoffnung, dieses Haus verlassen zu können, bevor der Baum wieder kahl dastehen wird.
Onkologie. Wer hier landet ist in d er Regel gerade seinem Schicksal begegnet. Ab da tickt die Uhr.

Ich gehöre inzwischen zum fast Inventar. Ich kenne den Dienstplan der Schwestern vermutlich besser als der Oberarzt und weiß auch von dem Kummer der Stationshilfe mit ihrer alten Mutter. Weniger bleibend sind die Eindrücke, die die anderen Patientinnen bei mir hinterlassen, die nacheinander das andere Bett in diesem Zimmer bewohnt, belegen, bekleckert, besabbert, beweint haben.
Die anderen waren fast alle älter als ich. Ja, ich weiß, es gibt manchmal auch Jüngere. Aber ich selber bin , weiß der Himmel, auch noch zu jung, für diese Scheiß Diagnose. Es ist ungerecht. Es ist zum Kotzen ungerecht.

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Was ich liebe – Unterm Strich – XIII.

Sonntag, Juli 27th, 2008

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Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht
sie säuseln und wehen Tag und Nacht.
Sie schaffen an allen Enden.
Oh frischer Duft, oh neuer Klang,
nun armes Herze sei nicht bang,
nun muss sich alles, alles wenden.

 

Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch werden mag,
das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal.
Nun armes Herz, vergiss der Qual.
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland

 

 

Und dann ist noch all das da, was ich liebe, was ich erleben und erlauschen will, solange meine Augen, meine Ohren mitmachen.

 

Da ist mein Garten im Verlaufe der Jahreszeiten, die flirrenden Birkenblätter vor dem tiefblauen Himmel über meiner Hängematte, das Leuchten der Blüten vor dem satten Grün, der junge Specht, der sich zu uns verirrt, die ersten Keimlinge im April, die ich vor Elstern und Schnecken verteidigen muss, die Schatten- und die Sonnenplätze, der Kaffee im Schutz der Bäume, ….

 

Und da ist der Wald, der Wald in dem ich die ersten Schritte gemacht habe, der hohe Hildesheimer Wald und all die anderen Wälder, die im Sommer nach Harz riechen und im Winter nach Eicheln, wo auf Moospolstern mitten zwischen dichten Bäumen die Sonne eine kleine Waldlichtung mit Wärme tränkt, wo ich im Gras liege und in den Himmel blicke hinter den leicht wogenden Kiefern. Der Wald war mir stets ein Ort des Friedens, ein Ort, wo ich alle meine Sorgen und Ängste weglegen konnte. Hier war ich Mensch aber umgeben von Natur, von einer Welt, die mich als Gast duldete aber zärtlich und nachsichtig mit mir war.

Das Meer kenne ich erst seit meinem 18. Lebensjahr, aber ich meinte sofort damals, es schon immer gekannt zu haben: den weiten Horizont, den endlosen Blick in den Dunst an der Wassergrenze, das Rauschen, das sich einen Dreck schert um alles, was am Strand los ist, das immer weiter rauscht und keinen Menschen zu brauchen scheint. “In allen Lebenslagen”, so heißt ein Spruch, den ich immer beherzigt habe, “hilft Salzwasser: Tränen, Schweiß oder das Meer”. So ist es.

 

Ich liebe die Natur zu allen Jahreszeiten. Früher liebte ich am meisten den Herbst. Je älter ich werde, desto mehr warte ich auf den Frühling. Es tut gut, sich, wenn man selber nicht mehr im Frühling steht, zu vergewissern, dass die Erde nicht alt wird und sich ständig erneuert. Wenn Äste, die vorher wie totes Holz im kalten Februar standen und im Regen glänzten wie Metall, wenn die auf einmal zu leben beginnen, wenn sie grün schimmern und dann das Chlorophyll aus ihnen hervorbricht, wenn nackte Felder und gelbgraue trockenstarre Wiesen vom Vorjahr mit einem Mal vor Grün und Kraft strotzen, dann erlebe ich so etwas wie die Erneuerung meines Glaubens an die Kraft der Natur. Und ich bin stolz, in diesen Kreis hineinzugehören. Ich könnte meine Jahre nach Frühlingen zählen.

Und die Sterne, die Blüten, die kalten kristallklaren Seen in Brandenburg, die Bäche und Flussläufe, das Feuer. Das habe ich noch vergessen. Ich möchte noch oft im Garten oder im Zimmer sitzen und in die Flammen schauen, in diese vernichtende Lebendigkeit und Hitze, ich möchte die Funken sprühen sehen, zuschauen, wie dicke Holzscheite sich durch die Flammen verwandeln in verkohlte Pflanzen, wie plötzlich Wachstumsstrukturen wieder sichtbar werden und Zellverbände, Jahresringe. Und ich möchte dabei sein, wenn das Feuer am Ende sich als glühende Asche bescheiden und vertraulich zurücknimmt und schließlich erlischt.

 

Aber nicht nur die Natur berührt mich mit ihrer Schönheit. Auch die Schönheit, die Menschen geschaffen haben, erreicht mich, zumindest da, wo sie nicht aufgepeppt, in Plastik verpackt und schrill auf mich zu kommt. Alte Städte, Gebäude, in denen die Steine die Gewölbe noch tragen, Brücken, denen man ihre Aufgabe noch ansehen kann, Plätze, auf denen Menschen sich treffen, Straßen, die eine Landschaft durcheilen wie ein Strom aber auch die Via Appia, die Kilometer lang gesäumt ist von riesigen wilden Oleanderbüschen, all das erzeugt Lust und Freude bei mir. Und natürlich Musik, die bescheidene erst einmal, die ich selber machen kann und die große, die ich nur anhöre: Barock, Schubert, Beethoven, Lieder aus Irland, meine Beatles, so viele alte Popsongs, die meine Jugend und mein späteres Leben begleitet haben und mir Heimat sind. Kunst liebe ich auch, wenn sie nicht als Massenprodukt oder als etwas auf mich zukommt, was ich zu kennen habe, was man gesehen haben muss. Ich liebe den Tanz, das Verschmelzen des menschlichen Körpers mit der Musik. Und vor allem liebte und liebe ich die Dichtung, die Sprache, die sich wie ein Vogel von der Erde abheben kann und dann viel mehr ist als ein Mittel zur Verständigung, die zu schimmern beginnt, zu leuchten, zu summen, die Versprechungen macht, Visionen eröffnet, die ans Herz greift und die mich hinweg trägt aus der Wirklichkeit ohne die Wirklichkeit zu vertuschen. Ich liebe die Dichtung genau so wie die Wirklichkeit, manchmal mehr.

Und – zugegeben- , ich liebe das Autofahren, meinen PC und das Fotografieren.

 

Menschen liebe ich auch, nein nicht alle. Ich bin kein Philantrop, kein Menschenfreund, keiner der immer unter Menschen zu Hause sein kann und auch dort sein muss, einfach weil es Menschen sind. Ich achte sie, ich bestehe auf ihrer Würde und auf ihrer Gleichwertigkeit, egal wo sie herkommen und was sie sind und haben. Aber lieben kann ich nur wenige von ihnen.

Etwas anders ist aber das: ich brauche sie. Natürlich brauche ich sie und vielleicht brauchte ich sie immer mehr, als ich sie bekommen habe. Das sind alte Wunden. Möglicherweise liegt es an mir selber, dass die Menschen für mich nicht das waren, was sie hätten sein können, meine Menschen. Ich bin misstrausch und ängstlich gewesen vor ihnen. Vielleicht hätte ich mich selber mehr um Menschen kümmern müssen.

Doch ja, das werde ich vielleicht auch noch tun: mich mehr um andere Menschen kümmern.

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Alt werden – Unterm Strich – XII.

Sonntag, Juli 20th, 2008

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Abendstille

Wir fahren in einem Boot in den Abend. Der Himmel ist
voller Schäfchenwolken. Der Fluss fließt glatt und glänzt.
Du bist bei mir. Du summst ein Lied.
Die Mühen des Tages weichen aus unseren Zügen.
Wir lehnen uns an einander und wissen,
dass nie zuvor wir uns so nah gewesen sind.
Irgendwann, morgen oder in ein paar Tagen
hat unser Boot die Stromschnelle erreicht,
in die wir hinabstürzen werden.

 

Was sollen wir tun?

 

Rücke noch näher. Halte mich fest.
Schau, die Abendsonne, die dein Antlitz beleuchtet,
macht dich jung. Die Bäume und Sträucher am Ufer
sind grün und spiegeln sich flimmernd im Wasser.
Lege deine Hand an mein Gesicht und fühle meine Haut.
Ich bin bei dir. Wir treiben gemeinsam dem Abgrund zu.
Aber bis dahin lächelt die späte Sonne noch eine ganze Weile
und vielleicht auch noch der kühle Mond
über unserem freundlichen Boot,
das unaufhaltsam mit dem Fluss dahin treibt.
Es war nie anders.

Mechthild Seithe

 

Mancher, der meine Gedanken lesen wird, wird einfach nur denken: sie ist alt, sie ist alt geworden und versucht damit klar zu kommen. Das ist alles.
Mag sein.
Und es liest sich zugegebener Maßen vielleicht auch sehr glatt, zu glatt. So, als könne man nun, nachdem all das geklärt ist, ewig so weiter leben.

Das ist nicht so.

Heute bin ich stolz darauf, dass ich mir nichts mehr daraus mache, dass ich nicht mehr zu denen gehöre, die die Welt im Griff haben, die sich auskennen, die mitspielen können. Heute bin ich froh, dass ich es akzeptieren kann, dass meine Haut Falten bekommt und Runzeln und dass ich nicht mehr so flott die Treppen steigen kann wie meine jüngeren KollegInnen.’
Und morgen wäre ich dankbar, wenn ich noch so jung sein dürfte, wie ich es heute bin.
Morgen bin ich froh, wenn ich die Treppe überhaupt noch ohne Schmerzen hoch komme, wenn ich es schaffe, mich alleine um meinen Haushalt zu kümmern und für mich einzukaufen,…
Trotz all der entspannten Weisheit und der Freude darüber, dass die dummen und unnötigen Anstrengungen der Jugend und die mühsamen und immer auch irgendwie entfremdeten Mühen des Berufslebens nun bald hinter mir liegen, es geht nun einem schnellen oder allmählichen Ende zu.

Mein Vater wird 90 und sein Tag ist damit ausgefüllt, sich notdürftig zu versorgen und seine Schmerzen auszuhalten. Er hat genug, aber das Leben geht immer weiter und es macht wirklich beinah gar keinen Spaß mehr.
Ich sehe mich in 30 Jahren und weiß, dass ich nicht so viel Geduld, soviel Würde und soviel Tapferkeit aufbringen werde, wie er es heute tut.
Es müsste jemand da sein, der ihn umsorgt, der sich jeden Tag um ihn kümmert, der ihn die letzten Monate oder Jahre seines Lebens so weit entlastet, dass er noch ein bisschen Freude daran haben kann. Er lebt alleine. Seine Töchter leben 300, 600 Kilometer weit weg. Wir können es nicht. Wir schleppen uns durch die letzten Berufsjahre vor der Rente. Da kann man nicht nebenbei seinen alten Vater pflegen.

Ich denke, wie wird es bei mir sein? Bin ich dann auch alleine? Werde ich noch Freunde haben, die leben? Werde ich noch menschliche Nähe spüren? Werde ich in Würde die schwächsten Tage meines Lebens leben können?
Angst beschleicht mich, wenn ich sehe, wie mein Vater lebt, Angst, wenn ich an die gesellschaftlichen Alternativen und Möglichkeiten denke, die mir dann zur Verfügung stehen werden.

 

Noch bin ich nicht einmal in Rente. Noch denke ich: bald fängt das Leben an. Aber es wird nicht einfach sein und immer mühsamer, es wird vielleicht auch nicht mehr lange dauern oder aber ich schleppe mich noch mit 104 auf dieser Erde herum wie meine Urgroßtante.

Nie habe ich es wahr haben wollen: es endet klein, schwach, eingeschränkt, hilflos, dieses Leben. Ich habe mittelalterliche Darstellungen vom Kreis des Lebens gesehen. Am Ende ist der Mensch nur noch ein fast lächerlicher Schatten seiner selbst. Die Jugend wird dort gefeiert. Sie ist das Leben selber. Aber sie war niemals ewig. So wie angeblich heute.
Wir vergehen und die letzten Wege und Jahre werden wahrscheinlich schlecht für uns sein, sehr schlecht. Wer stirbt schon so, dass er es nicht merkt, beim Einschlafen, plötzlich? Ich wundere mich, dass es bisher alle geschafft haben, wirklich zu sterben. Meine Mutter hat sich sehr und sehr lange quälen müssen. So dass es wie eine Gnade erschien, dass ihr Herz dann auf einmal doch aufgab.

Haben wir das je in unseren Köpfen gehabt, dass es so ausgehen wird?

Natürlich wünscht man sich ein Ende in der Nähe eines geliebten Menschen, in vertrauter Umgebung. Man wünscht sich, dass man wirklich Abschied nehmen kann, von den Leuten, die man liebt, aber auch vom Leben, vom Wind, vom Licht, von der Musik…
Religiöse Menschen trösten sich vorher und vielleicht auch in diesen Momenten mit ihrem Glauben an das Jenseits. Ich sehe keine Veranlassung dazu und auch keinen Hinweis darauf, dass es so etwas irgendwie geben könnte. Ich würde es auch nicht wollen. Ich möchte sterben wie die Pflanzen und Tiere. Dem Gesetz der Natur folgend und mit ihm in Übereinstimmung. Auch der Gedanke einer Wiedergeburt war für mich von je her eher skuril und eher unangenehm.

Ich möchte sterben und sagen können: Das war mein Leben. Es ist irgendwann aufgetaucht und ich habe viele Jahrzehnte auf dieser Welt zugebracht, habe sie bewusst erlebt, die Natur und die Menschheit, so wie sie eben gerade waren zu meiner Zeit, und nun gehe ich wieder aus allem heraus und lasse es sich weiter drehen. Ich danke und es reicht. Es war gut und es war auch manchmal schlecht. Ich wünsche der Menschheit, dass sie irgendwie doch noch verhindert, dass sie sich so oder so selber zerstört. Ich wünsche, dass die, die mich vielleicht geliebt haben, noch ein Weilchen an mich zurückdenken werden.
Ich habe neulich etwas gehört vom Friedwald. Das wäre eine schöne Vorstellung und würde mir den Abschied erleichtern.

Aber vorerst gilt es zu leben, so lange es geht.

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Der Abschied

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Mechthild Seithe

Erzählung

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Sie ist froh, dass er wirklich gekommen ist. Jetzt ist sie doch froh darüber.
Zuerst sind ihr die heftigen Auseinandersetzungen eingefallen, die es jahrelang zwischen Heinrich und Wolfgang gegeben hat. Aber das ist nun schon lange her. Sie hat Wolfgang angerufen, als es mit Heinrich anfing, kritisch zu werden.

Sie hat ihn zwischen zwei Konferenzen erreicht. Er war auf der Stelle bereit, her zu kommen.
Bestimmt wird Heinrich auch in seinem Zustand noch begreifen, dass sein Sohn da ist. Und er wird sich freuen.
Der Mann ist zögernd in der Tür stehen geblieben. Sie versucht, in seinen Zügen zu lesen. Er steht da und schaut ins Zimmer. Über seine Gestalt fällt ein Streifen Sonnenlicht, das durch die heruntergelassenen Jalousien fällt. Der Mann blinzelt. Die ins Dämmer hinein gestreute Helligkeit in diesem Krankenzimmer scheint ihn zu überraschen. Was hat er erwartet von dem Ort, an dem er seinen sterbenden Vater besucht?
Es gibt keinen Grund, Trübsal zu blasen. Ingrid ist froh, dass der helle Tag bis in dieses Zimmer und bis an sein Bett dringt und ihn vielleicht noch einmal die Wärme der Sonne ahnen lässt. Es war den ganzen Tag düster und unfreundlich draußen. Seit ein paar Stunden aber hat es aufgehört zu regnen und nun steht der Himmel klar und blau über der Stadt. Und über die Krankenzimmerwände laufen nun blendende Sonnenbänder und überschütten die kahlen Flächen und die kühlen Gegenstände dieses dämmrigen Raumes streifenweise mit flirrendem Licht. Heinrich hat seit Tagen die Augen geschlossen.
Ingrid wirft einen sorgenden Blick auf den Mann, neben dem sie seit Tagen sitzt und dessen Hand sie die ganze Zeit hält. Sie spürt, wie Rührung in ihr aufsteigt beim Anblick des Gesichtes, das ihr so sehr vertraut ist. Sie kennt es wütend und zornig, sie hat es lustig erlebt, betrunken. Aber auch zärtlich hat sie dieses Gesicht gesehen, zerfließend und weich in der Lust. Jetzt ist es einfach nur ganz still und gefasst. Aber es ist nicht leer. Oh nein, leer ist es nicht.
Ingrid ist so froh, dass sie seinen Ärzten nicht geglaubt hat. Es ist sehr wohl wichtig für ihn, dass sie hier bei ihm sitzt. Auch wenn er fast immer die Augen geschlossen hat, auch wenn er nicht mehr spricht: Sie ist sich ganz sicher, dass Heinrich alles mitbekommt, was um ihn herum geschieht. Die Ärzte sprechen seit Tagen vom Wachkoma. Aber sie weiß es besser. Sie ist schließlich seine Frau. Seit 15 Jahren ist sie seine Frau, eine ziemlich lange Zeit immerhin! Wenn sie seine Stirn mit dem kühlen Tuch vorsichtig abtupft, spürt sie seine Dankbarkeit, sieht sie, wie seine Augenlieder zur Ruhe kommen wie besänftigte Kinder.
So intensiv wie jetzt waren sie in all den Jahren fast nie beieinander. Meist hat er sich gewehrt, wenn sie ihn mit Zärtlichkeiten bedrängte. Aber jetzt lässt er sie ganz nah an sich heran. Jetzt, wo es bald vorbei sein wird, jetzt ist sie ihm so nah wie nie vorher. Er ist anders geworden, weicher. Er wird sich auch über Wolfgang freuen. Sie ist froh, dass Wolfgang so schnell gekommen ist.

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Mein Körper, das bin ich – Unterm Strich – XI.

Sonntag, Juli 13th, 2008

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Nachtanbruch

Aus dem Kronen der Eichen
senkt sich die

Dunkelheit
über das Land,
sanft und lautlos
und unerbittlich.

In den Zweigen erstirbt
der klagende Laut eines Vogels.
Mein Herz flattert
ein wenig.

Dennoch,
wenn der letzte helle Streifen
im Westen erloschen ist,
hat es
bereits Ja gesagt
zur Dunkelheit.

M. Seithe

 

 

 

 

 

 

Als ich klein war, wollte ich entweder ein Engel ohne Körper oder aber eine Pflanze ohne Seele sein. Die Kombination von Körper und Geist erschien mir schon damals als Zumutung.
Es gab Zeiten, wo ich ihn fast vergessen habe, meinen Körper, wo ich ihn behandelt habe wie einen alten Sack, der mich umhüllt, der aber nichts mit der Person zu tun hat, die ich bin.

Eins mit meinem Körper war ich nur in Zeiten, in denen ich diesen Körper gebraucht habe als Quell von Freude und Lust: beim Wandern, wenn ich rechtschaffen müde war, wenn ich mich meiner Augen, meiner Ohren freuen konnte, wenn ich mit meinen Fingern etwas ertasten durfte, das mich lächeln machte: Das Fell eines Teddybären, ein Stück Moos, die Wange eines Kindes, das Haar des Geliebten… Und auch in den Zeiten, in denen meine sexuelle Lust für mich selbstverständlich war wie das Trinken und das Atmen. Aber das war nicht immer in meinem Leben so.

Ich denke heute, dass mein Schwanken im Bezug auf Sexualität auch etwas mit der geringen Beachtung und Wertschätzung meines Körpers zu tun hatte. Ich habe ihn nicht geliebt, er war mehr selbstverständliche Beigabe, mehr Last als Lust. Nicht nur, dass ich mich nie besonders schön gefunden hätte. Ich habe mich nicht mit meinem Körper identifiziert. Ich, das waren meine Gefühle, meine Gedanken, meine Pläne… aber mein Körper?

 

Und nun, da ich alt werde, stelle ich fest, dass dieser Körper es vor allem ist, der alt wird und mich mitzieht in das Schwachwerden und Vergehen. Körperliche Leiden stellen sich mir und meinen Plänen immer öfter in den Weg. Und alles an mir verliert die Kraft, die Straffheit, die Glätte, die Spannkraft. Ich muss meinem Körper folgen und ich begreife langsam, dass ich es bin, der da leidet und schwach geworden ist. Denn wenn er aufgibt, werde ich sterben.
Wenn ich einen neuen Personalausweis beantrage und gefragt werde: “172 cm groß, stimmt das?”, dann nicke ich, weil das immr meine Größe war. Und ich denke erboßt, dass ich – heute gemessen – nur mehr 169 cm groß bin. Die Bandscheiben verabschieden sich.

Ich beginne allmählich zu bedauern, dass ich mich meines Körpers nicht mehr gefreut habe, als ich noch jung war, dass ich ihn nicht mehr geliebt, geachtet, gepflegt und wertgeschätzt habe: meine Beine, meine Füße, meine Arme, meinen Leib, meinen Schoß, meine Brust, meinen Hals und mein Gesicht. Wenn ich es genau überlege sind meine Hände die einzigen Teile meines Körpers, zu denen ich eine liebevolle Beziehung habe.

Wenn ich meine Hündin betrachte, so kann ich sie ohne ihren Körper gar nicht denken. Und sie ist ganz und gar eins mit ihm. Wie kommt man bloß als Mensch auf so absurde Gedanken, dass man sich meint über seinen Körper erheben zu können?
Diejenigen, die ihn mit viel Aufwand und Mitteln versuchen, ewig jung zu halten, haben seine Bedeutung offenbar besser erkannt, aber sie haben ihn in seiner Wirklichkeit genauso wenig angenommen. Sie versuchen ihn aus zu trixen, seine Natur zu leugnen.

Den Alterungsprozess annehmen können, das wäre es. Damit habe ich noch immer zu kämpfen. Wohl komme ich mühsam den Entwicklungen hinterher, aber sie sind leider schneller als meine Bemühungen und Einsichten.
Aber ich kann es schon hören, ganz leise,
mein Herz sagt ja.

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Heimatlose

Freitag, Juli 11th, 2008

Ich bin fast gestorben vor Schreck:
In dem Haus, wo ich zu Gast
war, im Versteck,
bewegte sich
plötzlich hinter einem Brett
in einem Kasten neben dem Klosett
ohne Beinchen, stumm, fremd und nett
ein Meerschweinchen.

Sah mich bange an, sah mich lange an.
Sann wohl hin und sann her,
wagte sich dann heran
und fragte mich:

“Wo ist das Meer?”

Ringelnatz

Die Liebe spielt nicht im Paradies – Unterm Strich – IX.

Sonntag, Juli 6th, 2008

Nach der Vertreibung aus dem Paradies

Wie könnte ich vergessen,
was wir hatten, was wir waren?
Wie könnte ich die Leichtigkeit
vergessen, die unsere Stimmen trug
und dieses milde Licht, dass keine Schatten kannte?

Dort hinter dieser Dornenheckenschranke,
die uns vom Paradiese trennt,
war alles anders: Unsterblich waren wir.
Unsterblich auch war unsere Liebe
und unerschöpflich, grenzenlos.
Du hast es wirklich schon vergessen?
Du lachst? Wie kannst du lachen!

Mechthild Seithe

 

 

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Ich habe inzwischen doch begriffen, dass auch die Liebe nur vorübergehend die Farbe der untergehenden Sonne annehmen kann und dass bei hellem Tag besehen, Liebe vor allem bedeutet, den anderen zu achten und sich zu bemühen, ihm Achtung zu zeigen. Und ich bin dankbar, dass ich diese Chance noch habe.

Die große Liebe und die große Leidenschaft hatte ich stets nur in meinem Affären, während, vor oder nach meinen Ehen. Aber ihnen traute ich nicht über den Weg.
In meinen jüngeren Jahren habe ich die Männer geheiratet, mit denen mich eine intensive und stabile Freundschaft verband. Ich habe mich nie getraut, mich wirklich richtig zu verlieben. Meine Beziehungen gingen auf Nummer sicher. Und sie scheiterten beide nach vielen Jahren, obwohl ich schon nach nur wenigen Jahren wusste, dass mich diese Beziehungen nicht glücklich machen würden.
Dann später, mit über 50 Jahren, ergriff mich die Liebe so heftig, dass sie mich fast aus der Bahn warf. Ich verlor dabei beinah meinen Verstand und meine Würde. Und wurde trotzdem oder gerade deshalb bitter enttäuscht. Die Verletzung war unglaublich. Ich habe mich nur schwer erholt davon wie von einer lebensbedrohenden Krankheit.

Dann fand ich doch einen Mann, der mich liebte und in den ich mich verlieben konnte. Unsere Paradieszeit war die glücklichste Zeit meines Lebens. Es war meine erste erfüllte Liebe und Leidenschaft, die nicht heimlich standfand, sondern offen unter der Sonne. Wir verstanden uns ohne Sprache. Ja wir machten uns lachend Sorgen, ob es mit uns später nicht zu langweilig werden könnte, weil wir weit und breit keinerlei Meinungsverschiedenheiten oder Anlässe zu Streit oder Mißverständissen sahen. Wir liebten uns mit dem Körper, mit dem Herz und auch mit dem Verstand. Es war tatsächlich ein Art Paradies. Es fehlte nichts. Das Lebensgefühl war zum ersten Mal perfekt. Wir watetem im Glück. Es war wie ein Nach Hause kommen, wie ein Losgesprochen werden von den Sorgen und Lasten des alltäglichen Lebens, es war das, was man als “siebten Himmel” bezeichnet.

Dieser Zustand dauerte drei Monate. Dann spürte ich die ersten Veränderungen. Er war nicht mehr nur und immerfort nur von mir erfüllt, er kümmerte sich wieder um andere Dinge. Ohne dass unsere Liebe und Leidenschaft aufhörte, spürte ich ab da schmerzhaft und mit großer Verlustangst, dass wir auf der harten Erde landeten und uns fernerhin dort zurecht finden mussten. Es gab Krisen. Wir blieben zusammen, aber das ständige Gefühl, Stück für Stück aus dem Paradies gestoßen zu werden, verließ mich nicht mehr.

Er empfand das alles als ganz normal, was mich sehr traurig machte und auch verletzte.

Dennoch blieben wir ein Paar, verstanden uns immer noch leidlich, liebten uns, lebten zusammen, bauten uns ein Haus, pflegten einen Garten und teilten unsere Sorgen und Freuden.
Das Problem, keine Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten und Fremdheiten zwischen uns zu haben, gibt es allerdings schon lange nicht mehr. Wir brauchen jetzt die Worte, wenn wir uns verstehen wollen und nicht immer gelingt es.
Die Leidenschaft ist besänftigt. Alles geht in ruhigen Bahnen. Vielleicht sind wir jetzt einfach doch alt geworden? Oder ist das einfach der Weg aller Leidenschaft? Ein Spruch geistert in meinem Kopf: “Wenn du Glück hast, wird aus einer großen Liebe eine gute Freundschaft.”
Dieser Spruch hat mich früher empört. Heute sehe ich das gelassener.
Wenn man drei Mal geheiratet hat, weiß man, dass man doch immer wieder den gleichen Typ nimmt, dass man immer wieder die gleichen Fehler macht, dass man immer Männer wählt, die auch die gleichen Fehler machen, zu mindest viele, die man schon kennt und an denen man sich schon oft den Kopf eingeschlagen hat.
Und nun?
Noch einmal Paradiesgefühle, wenigstens einen kleinen Nachklang?
Für Affären bin ich zu alt, zu bequem, zu müde. Und eigentlich auch nicht dran interessiert. Natürlich tut es gut, wenn ein jüngerer Mann einem zulächelt, wenn man spürt, da baut sich sogar noch ne Spannung auf. Aber das reicht dann auch.

Ich habe genügend Zeiten der Leidenschaft und des beflügelt Seins genossen. Ich wäre heute zu müde, sie noch einmal erleben zu wollen und ich möchte die Landung auf dem Boden der Realität nicht noch einmal mitmachen mit all ihren Prellungen und Enttäuschungen. Ich bin froh, dass ich sie überstanden habe und begreife, dass es möglich ist, bei Tageslicht den anderen so zu sehen wie er wirklich ist und ihn dennoch gerne zu haben, statt nur in das eigene Gefühl verliebt zu sein.
Und ich weiß inzwischen auch, dass das Paradies wirklich kein normaler Zustand ist und ein Verharren im Paradies ein Zeichen von fehlender Reife sein dürfte, und dass das Bestehen darauf, in paradiesischen Verhältnissen zu verweilen, die Flucht vor der Wirklichkeit ist.
Und ich weiß, dass es Kraft kostet, eine Beziehung lebendig und auch ein bisschen spannend zu halten, und warm und vertraut…. Das geht nicht von alleine, auch dann nicht, wenn man drei Monate zusammen im totalen Paradies gehockt hat bzw. geschwebt ist.
Vielleicht hätte ich schon in meinen früheren Ehen diese Kraft aufbringen sollen und damit auch diese Beziehungen schön und tragfähig gestalten können. Heute denke ich, so schlecht waren sie nicht. Ich aber habe ihnen schließlich keine Chance gegeben. Weil ich auf dem Paradies bestand.

Nun habe ich es gefunden und habe erlebt, dass es doch irgendwann verblasst und dass wir nach ein paar Jahren genauso dastehen wie Leute, die dieses Paradies nicht miteinander erlebt haben. Und auch wir können heute nur mit Anstrengung, mit Phantasie und mit der Bereitschaft, die Beziehung wirklich ernst zu nehmen, aus unserem Zusammenleben etwas Befriedigendes, Glückliches, Verlässliches machen.
So sicher es ist, dass das Paradies nicht von Bestand sein kann, so sehr bin ich heute aber auch davon überzeugt, dass eine Beziehung deswegen nicht automatisch vor den Hund gehen muss.
Diese Investition wäre mir noch wichtig.

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