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Brandenburg an der Havel - zwischen den Jahren

Unser diesjähriger kleiner Zwischenjahresurlaub (wir feiern so unseren Hochzeitstag) führte uns dieses Mal nach Brandenburg an der Havel.

1. Tag, Sonntag, den 27.12.2009

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Kaum am Ziel auf der Altstädtischen großen Heidestraße angekommen,  haben wir einen wunderschönen Blick auf ein Stück Havel in der Wintersonne - direkt vor unserer Tür.

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2. Tag, Montag, 28. 12. 2009

Bei schönem hellem und klarem Wetter machten wir uns auf einen Spaziergang durch die Altstadt und die Neustadt - beides sind Altstadtzentren. Brandenburg wurde vor längerer Zeit aus zwei eigenständigen Städten zusammen gelegt.

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Nur ein paar Schritte entfernt von unserer Pension die frühgotische Kirche Sant Gotthardt, die behäbig, freundlich und doch majäestatisch auf einem schönen, ruhigen Platz tront wie eine Glucke auf dem Nest.

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Sie bleibt nicht das einzige Stück Backsteingotik, dass wir in dieser Stadt finden und bewundern.

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In einer kleineren Parkanlage finden wir das Denkmal der Steinschlägerin , 1927 aus Bronze gegossen. Vor ein paar Tagen sah ich solche Frauen mit ihren kleinen Kindern noch in Ostafrika. Also mussten Frauenauch bei uns vor noch nicht langer Zeit unter solchen Bedingungen ihr Brot verdienen.

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Viel ist in Brandenburg saniert, überall gibt es großzügige Park- und Uferanlagen. Die Stadt wirkt auf uns frisch und freundlich, aber keineswegs aus dem Ei gepellt und wie im Museum. Es gibt nach wie vor Ruinen aus dem 2. Weltkrieg und auch sehr viele leer stenede Häuser. Heute hat Brandenburg 77 000 Einwohner, es waren einmal fast 100 000.

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Hier haben die Wohnungen ihre eigene Anlegestelle.

Diese Stadt lebt vom Wasser. Es ist allgegenwärtig und man stellt sich bei 2 Grad minus vor, wie schön es hier im Sommer sein muss!

Kleines Maleur am Rande: Kranich lehnt sich an eeeine Hauswand, um eine Kirche besser auf den Sucher zu bekommen - und oh Schreck, diese war ganz frisch gestrichen. Es fehlte jedes Hinweisschild. Aber die neue Jacke war auf der ganzen Seite mit weißer Faorbe verschmiert.  Einer netten Dame in einer Drogerie verdanken wir den Rat, zur Reinigung zu gehen und dort gaben wird ann die Corpus delicti auch ab - und konnten es am nächsten Tag sauber und von Farbspuren befreit wieder abholen.

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Nur in Strickjacke war es nun freilich noch ein bischen kälter. Aber wir ließen uns die Laune nicht verderben.

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Ein einladender Blick von der Hauptstraße aus.

Nach 4 Stunden, leicht durchfroren aber voller Begeisterung machten wir uns bei Abendlicht auf dem Heimweg.

3. Tag, Dienstag, den  29.12.2009 (unser 5. Hochzeitstag, paierne Hochzeit, oder nicht?)

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Vom Morgen an regnete es leicht.  Mit Schirm war das aber gut zu ertragen.  Immer, wenn wir zu kalt waren, besuchten wir ein Café oder eine Kneipe, tranken Kaffee oder Kakao und wärmten uns auf. Die Stadt ist voller kleiner Gaststätten und Cafés.

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Hier am Stadttor fand ich auch den Rosenstrauch, der die Kälte der vergangenen Wochen überlebt hat und noch immer blühte!

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das-rathaus-mit-roland.jpgHeute führte uns unser Spaziergang zum Rathaus, vor dem ein Roland aus dem 12. Jahrhundert steht.

Dort sollte jede Minute eine pompöse Hochzeit einlaufen. Wir machten uns schnell auf den Weg.

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Im Zentrum steht ein großens Warenhauscenter. Hier war es schön warm und außerdem gab es hier unserer Hochzeitsgeschenk, die neue Spiegelreflexdigitalkamera.

Nachdem wir glücklich die Jacke abgeholt hatten, machten wir uns auf zum Archäologischen Museum im Pauli Kloster. Wir hatten am Tag zuvor gesehen, dass heute eine Führung zur Sonderausstellung: “Ackern, Jagen und Flössen” durchgeführt wurde.

Bei dieser Sonderausstellung ging es um die Frage, wie Archäologen anhand von Funden wie z.B. Pflanzenpollen oder Baumjahresringen Erkenntnisse über das Leben unserer Steinzeit-Vorfahren gewinnen können. Besucher durften selber etwas tun: Korn malen wie in der Steinzeit, Mikrospopieren, Felle befühlen…

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Beeindrucktend war der Klosterbau mit seinem großen Hallenkirchschiff und seinem doppelstöckigen Kreuzgang.

Die ständige Ausstellung, die wir im Anschluss an die Führung noch ausführlich besuchten, gefiel uns ausgezeichnet. Sie war sehr anschaulich und z.B. mit Lehrfilmenangereichert. Kraft und Atem hatten wir leider nur für die erste Abteilung, die Steinzeit. Hier lernten wir, dass über 10 000 Jahre hinweg die Neanderthaler und der Homo sapiens sapiens gleichzeitig die Erde und z.B. Europa bevölkerten.
Auf die Bronzezeit und das Mittelalter konnten wir nur noch einen flüchtigen Blick werfen. Aber es würde sich lohnen, wieder zu kommen.

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Nach Hause kamen wir heute erst im Dunklen. Unser Weg führte uns wieder durch andere Ecken des alten Zentrums von Brandenburg und in viele der kleinen Läden, die an den Hauptstraßen geöffnet hatten.

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4. Tag und Abreise, 30.12.1009

Über Nacht hatte es richtig geschneit. Ich brauchte lange, um mein Auto zu befreien.

Mit dem Blick auf die Altstädtische Große Heidestraße im Schnee nahmen wir Abschied von dieser netten, freundlichen Stadt.

Wieder ein Ziel mehr für unsere Sommerpläne!


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Pariser Sommerfest am Bassin

Das große Bassin, an der Metrostation “Stalingrad” gelegen, und durch den Canal Saint Martin gespeist, hatten wir schon in den ersten Tagen unserer Pariszeit entdeckt.

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Hier ist Paris nicht all zu sehr herausgeputzt. Hierher verirrt sich wohl auch nicht so oft ein Tourist. Dafür aber ist hier die Pariser Bevölkerung hier zu Hause.

An einem unserer letzten Tage gerieten wir zufällig mitten in ein Sommerfest, dass entlang der Ufer des großen Bassins gefeiert wurde.

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Entlang des Ufers waren große Sandkästen für die Kleinsten aufgeschüttet und mitten drin - bequeme Liegestühle für die Muttis und Vatis - ein super Idee, fanden wir.

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Am meisten aber hat uns der öffentliche Tanz beeindruckt: eine Tanzfläche, Musik vom Band, jede Menge begeistert  und ausdrucksstark tanzende Paare jeder Altersgruppe

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und rings herum Zuschauer, Leute, die gleich auch mittanzen würde, auf ihre tanzwütigen Mütter wartende Kids,

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und z.B. auch wir….

Da waren Leute einfach nur fröhlich und ungezwungen. So viel spontane Lockerheit und Lebensfreude und gleichzeitig so viel  Eleganz und Musikalität dürfte man in Deutschland vermutlich lange suchen.

Die Welle

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Große Lust hatte ich nicht, mit meiner 20jährigen Tochter in diesen Film zu gehen. Da ich aber erlebt hatte, wie beeindruckt und auch entsetzt sie reagiert hatte, als sie zum ersten Mal in diesem Film war, wie sehr er sie noch lange danach beschäftigt hatte, bin ich gestern also drin gewesen.

http://www.kino-zeit.de/filme/artikel/trailer_8700_di

Mit einem gewissen Vergnügen habe ich festgestellt, dass man mit 60 doch weitaus gelassener und abgebrühter auf so einen Film reagiert als mit 20. Genervt hat mich eigentlich nur die grelle und überlaut vorgeführte Jugendszene als solche, aber geschenkt, der Film soll ja wohl nicht ältere Mütter erfreuen…

Ein Lehrer unternimmt eine Art Selbstversuch in Sachen faschistoide Gruppendynamik, kann das Experiment nicht rechtzeitig stoppen, es bekommt eine für ihn überraschende Eigendynamik und irgendwo gefällt ihm auch seine neue Rolle und die daraus erwachsende Autorität und der pädagogische Erfolg bei seinen Schülern - denn alle sind plötzlich hoch motiviert und begeistert bei der Sache.
www.spielfilm.de/kino/30912/die-welle.html
Der Weg der Gruppe führt über die Erfahrung von Gemeinschaft und Begeisterung für sie zur Erleichterung, endlich nicht mehr im Konkurrenzkampf stehen zu müssen, nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Dann folgt die Bereitschaft, die Verantwortung an den “Führer abzugeben ” und schließlich stellt sich das allgemeine Gefühl in der Gruppe ein, besser, anders, mächtiger zu sein als alle, die nicht zu ihnen gehören. Es wächst die Gewaltbereitschaft nach außen, schließlich ist es ein Leichtes, dieser ziellosen Bewegung ein aus der Luft gegriffenes politisches, faschistisches Ziel unterzujubeln. Der Lehrer Wenger steht am Ende als der Schuldige da, als einer, der zu weit gegangen ist, der seine SchülerInnen zu Gewalt und verführt hat. Letztlich ist er für die Filmemacher aber die mutige Figur, die bereit ist, zu zeigen, was möglich ist in unserer Gesellschaft : der Schoss ist fruchtbar noch….

Eben habe ich mir das Vergnügen gemacht, die im Internet zugängliche Lehrerliteratur zur pädagogischen Einverleibung dieses Filmes zu lesen. Gar nicht so dumme Gedanken sind dabei, aber schon beim Lesen spürt man, das Schule es schaffen wird, auch hier bei Schülern den Ruf auszulösen: “Ach bitte, nicht wieder die Welle, die hängt uns jetzt schon zum Hals raus!” Die Begeisterung vieler SchülerInnen für den Film und die Art und Deutlichkeit mit der er seine Botschaft klar stellt, ohne zu moralisieren und zu bedrängen, die ich im Internet lese, könnte so wieder kaputt gehen …

Was mich aber selber beunruhigt am Film, an dem Lehrermaterial und an den Reaktionen der Jugendlichen:
Hier wird eine faschistoide Bewegung und Orientierung entlarvt und verpönt, gut, das gelingt, - aber als Alternative dazu wird nur etwas blass und blutleer von der Verteidigung der Demokratie gesprochen. Und wie bitte, sollen die heutigen ziel- und lustlosen Jugendlichen dafür Motivation bekommen? Die Appelle zur Menschlichkeit und zur Demokratie (was immer das auch sein soll) bleiben bloße Appelle, sie haben keinen Inhalt und kein Ziel , sie gehen niemandem wie ein Ruck durch den Körper und das Leben, wie es die Welle konnte. Es gibt im Film auch keinen Versuch, der demonstrierten unterdrückenden Gemeinschaftsideologie etwas entgegen zu stellen , was wirklich Solidarität und Toleranz bedeuten könnte.
Und es gibt außerdem null Ansatz, die gegenwärtige gesellschaftliche Situation infrage zustellen: Man stöhnt über das Konkurrenzdenken, über Egoismus, Nullbockstimmung und Perspektivlosigkeit der Jugend (Zitat: “Wo gegen sollen wir denn eigentlich noch protestieren?”). Aber sie und die Gesellschaft, die sie hervorgerufen hat, werden als gegeben hingenommen. als unveränderbare Phänomene. Der Eindruck wird erweckt, dass unsere Gesellschaft trotz ihrer Probleme eben doch die beste von allen ist, weil sie schließlich demokratisch ist. Und so entsteht die Vorstellung “die Demokratie, die haben wir ja in unserer Gesellschaft. Deshalb müssen wird diese Gesellschaft verteidigen” (im Zweifel am Hindukusch).

Kritik an der Ungleichheit unserer Gesellschaft, an der Allmacht des Marktes, an der Ausgrenzung von Menschen, an der Unterdrückung der Armen durch die Reichen, die kommt im Film eigentlich nicht vor.
Oder doch: Ganz am Ende findet man sie in der Rede des Lehrers am letzten Tag. Aber hier dient sie ihm als einschleichende aufpeitschende Argumentation, um schließlich bei den Wellemitgliedern die Bereitschaft “zum totalen Krieg” gegen alle Andersdenkenden herauszufordern.
Linke Gesellschaftskritik in einem Atem mit faschistischem Gebaren und faschistischem Gedankengut also. Dass die Nazis genau das versuchen, ist sicher korrekt beobachtet. Aber dass auch dieser Film linke Argumentationen, menschliche Ideale wie Gerechtigkeit und Chancengleichheit ausschließlich als trojanisches Pferd für rechte Ideologie vorführt und nutzt - das gibt mir gewaltig zu denken.

Beziehungskisten - mit Gemälden und Grafiken von Linde Bischof

Zur Illustration meiner Texte zum Thema “Beziehungskisten”, die ich in wenigen Tagen auf meiner Literatur-Homepage veröffentlichen werde, hat mir die Berliner Künstlerin Linde Bischof 31 ihrer Werke zur Verfügung gestellt.

Hier eine Kostprobe:

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Albtraum

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Die Karikatur ist der von NABU herausgegebenen Broschüre: Nur gucken, nicht streicheln entnommen.

Erziehungscamp

Die landesweiten Reaktionen auf den Überfall, der auf den Münchner Rentner verübt wurde, sind nur die Spitze eines Eisberges. Es geht nicht nur um Wahlkampf dabei oder vielmehr: zum Wahlkampfthema eignet sich diese Geschichte, weil sie Volkes Seele an- und ausspricht: Man ist empört, dass junge Gewalttäter deutsche Menschen überfallen. Dass sollten wir uns nicht bieten lassen, was haben die überhaupt hier zu suchen? Raus mit ihnen oder aber hart bestraft und weggesperrt!

Die zunehmende Tendenz, auf soziale Abweichung mit Sanktionen und hartem Durchgreifen zu reagieren, ist in der Politik und ebenso in der Bevölkerung nicht zu übersehen.
Die Strategien einer wissenschaftlich orientierten Resozialisierung, die den Erziehungsprozess vor die Strafe stellt und die z.B. Hilfe zur Erziehung anstelle von U-Haft fordert, erscheint nicht mehr akzeptabel, wird als weich und der Realität nicht angemessen angesehen. Die Bereitschaft, sich mit Menschen abzugeben und sie zu “alimentieren” , die nicht bereit sind, sich unseren Sitten und Normen anzupassen, ist ohnehin dünn geworden. Wenn es sich auch noch um Straftäter handelt ist die Toleranz endgültig vorbei und ein Gedanke an die Würde und den Anspruch dieser jungen Menschen auf eine ihrem Wohl entsprechende Entwicklung ist einfach nicht mehr drin.

SozialarbeiterInnen wird Kuschelpädagogik vorgeworfen und Erfolglosigkeit. Man setzt jetzt (wieder) auf Strafe, Umerziehen, Einsperren und Abschieben. Und das ganze nennt man liebevoll “Camp”. Der Barras hat ja bekanntlich noch nie jemandem geschadet und ein bisschen Pfadfinderei wird hier sicher was Gutes bewirken….
Warum aber junge Migranten möglicherweise besonders leicht aggressiv sind, wird dabei nicht hinterfragt. Geht man davon aus, dass Ausländer von Natur aus brutaler sind als wir oder dass ihre Kultur Brutalität eher zulässt? Fast sieht es so aus. Schmeckt das nicht ein bisschen nach Rassismus?
An die gesellschaftlichen Ursachen, die in unserem Land, in unserer Gesellschaft liegen, an die Bedingungen und die Perspektiven, unter denen hier Migranten aufwachsen, scheint niemand zu denken. Keiner fühlt sich schuldig oder auch nur zuständig - am besten abschieben, einsperren!

Nicht nur Frau Merkel liebäugelt vermutlich mit amerikanischen Verhältnissen, wenn sie vom Erziehungs-Camp spricht. Schließlich ist der Strafvollzufg in den USA in den letzten Jahrzehnten wesentlich drastischer gewachsen und ausgebaut worden als bei uns.
Der Spiegel stellt ein Video zur Verfügung, das den, wie es dort heißt, “Kinder-Gulag” von Texas vorstellt, eine supermoderne Erziehungsanstalt, die offenbar gleichzeitig Gefängnis und gnadenlose Umerziehungsanstalt ist.

Bei Anschauen dieses Videos ist mir - trotz einiger kritischer Andeutungen des Reporters - nicht wirklich klar, ob es sich nicht doch um einen Propagandafilm für dieses Modell des Jugendstrafvollzuges handelt. Alles ist clean, die aggressiven Täter sind zu bezähmten, beherrschten, zu ungefährlichen Gestalten geworden.
Man kann also aufatmen: Sie sind sicher weggesteckt und sie werden kaum rückfällig werden; Denen wird ihr Wille so weit ausgetrieben, dass sie das gar nicht mehr können.
In dieser Anstalt findet tatsächlich ein ungeheuerer Umerziehungsprozess. Mit Sprechverbot und Berührungsverbot, mit Drill und Denkverbot, dem Zwangsabsingen von Kirchenchorälen und mit der Zwangsverabreichung nicht benannter Medikamente übertrifft dieses “Camp” alles, was je von Goffmann seinerzeit (1961) als “Totale Institution” gegeiselt wurde. Ich werde an die Geschichte bei Aitmatow (Der Tag zieht den Jahrhundertweg) erinnert, wo ein kirgisischer Stamm bei den jungen Gefangenen eines anderen Stammes mit einer nassen, sich dann beim Trocknen zusammenziehenden Rinderhaut das Weiterwachsen des Gehirns verhinderte und sich so hilflose, bereitwillige Idioten für die schwere Feldarbeit heranzog.
Wofür werden die 11 - 17 jährigen Menschen benutzbar sein, wenn sie diese Mischung aus Isolationsfolter und militärischem Drill lebend überstehen?

Vor vielen Jahren hat René Spitz (1976) die Ursachen für das aufgedeckt, was wir als “Hospitalismus” bezeichnen: die für Kinder tödlichen oder psychisch vernichtenden Folgen von Kommunikations- und Beziehungslosigkeit in damaligen Heimeinrichtungen.
Hier werden diese Methoden nun produktiv und gezielt eingesetzt, um die Gesellschaft von Tätern zu befreien, für deren Entwicklung zu Tätern sie zumindest mitschuldig ist.

Natürlich haben wir ausreichende Gesetze. Und wir haben auch die sozialpädagogische Professionalität, die - wenn sie angemessen ausgestattet und konsequent angewendet wird - solchen jungen Straftätern die Chance für eine andere Entwicklung geben kann.
Aber soviel Mühe und Kosten scheut man für Leute, die man als gefährliche Schmarotzer unserer Gesellschaft sieht.
Dann lieber solche Camps! Die kosten zwar vermutlich mehr, aber das ist dann doch eher eine Investition, die lohnt und an die man glauben kann. Stimmt’s!?

ansehen:
http://www.spiegel.de/video/video-25548.html

Immer wieder umwerfend: “Wir können auch anders”

Es gibt ja Leute, die können einen Film nur einmal sehen. Ich bin der Meinung, dass sich ein Film, ein guter, wie gute Musik erst beim wiederholten Wahrnehmen wirklich ganz offenbart.

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Diesen Film habe ich heute abend das 5. Mal gesehen. Beim letzten Mal habe ich herrlich lachen müssen. Heute was es eher ein Schmunzeln.

Der Buck Film, der 1993 den Deutschen Filmpreis bekam, ist einfach wundervoll:
Die beiden etwas minderbemittelte aber sehr ungleiche Brüder Rudi und Moritz aus Münster in Westfalen (ausgerechnet!), haben in der eben erst “befreiten” DDR, genauer an der Ostsee bei Schwerin, ein Gut geerbt. So glauben sie jedenfalls und treten mit einem uralten LKW, der Spitze 80 kmh fährt, die Reise durch das weite Land an. Ein desertierter russischer Soldat erzwingt, dass sie ihn mitnehmen. Es dauert nicht sehr lange, da sind die Drei ein eingeschworenes Trio. Rudi gibt ihm viel Geld, damit er seine Uniform loswerden und sich schick einkleiden kann. Und Viktor repariert den Motor des Wagens, verbreitet mit seinen Liedern gute Laune und seine Kalashnikow leistet gute Dienste. Die Direktheit und Unverstelltheit des Bruders Rudi, der zwar geistig etwas anders tickt als wir, der aber sensibler, in gewisser Weise sogar gebildeter und vor allem unvoreingenommener ist als alle anderen Menschen, die ihm begegnen, erwirkt unter den Dreien eine einfache und verblüfend menschlich Atmosphäre.
Rudis unerschütterbares, geradezu instinktives Bemühen um Gerechtigkeit und Solidarität macht ihn aber gleichzeitig auch zu einem Mann, der sich nichts bieten lässt und der tut, was zu tun ist, auch wenn er daraufhin polizeilich gesucht wird. Denn bei alle dem ziehen die drei sehr bald eine Spur von Verbrechen hinter sich her, Verbrechen, die sie alle quasi aus Versehen, im Vorbeigehen und ohne es zu wollen, begangen haben. Und obwohl sie am Ende einem riesigen Polizeiaufgebot gegenüberstehen, schlagen sie allen ein Schnippchen und landen tatsächlich irgendwo in Russland.

Das alles spielt in der traumhaften Landschaft zwischen Seen, schmalen, alten Alleen, weiten grünen Wiesen und schließlich der Ostsee, ein Roadmovie also.
Die Western-Anleihen und Zitate Bucks sind amüsant und machen den Film tatsächlich zu einem erfrischenden Eastern.

Auf ihrer Fahrt durch Brandenburg und Mecklenburg wenige Jahre nach der Wende gibt es dann kein Klischee, das Buck nicht zitiert:
die rechten Banden im Osten, die öden Kneipen, die grauen Häuserzeilen, der neue Nepp, das um sich greifende profitgierige Kleinunternehmertum, der arrogante Westkommissar, die Immobilienansprüche der Wessis, der singende und immer lächelnde aber scharf schießende Russe und die schöne, rothaarige Frau, die ihn sieht und ihm - fast ohne zu zögern - in seine russische Heimat folgt.

Aber an keiner Stelle wird der Film zum Klischee oder zum Kalauer. Denn diese ganze chaotische Welt und die Menschen darin, die alle versuchen, sich das Beste davon abzuschneiden, wird mit den arglosen aber wachen Augen des geistig behinderten Bruders beobachtet und so hat der Film keine Chance vor seiner unwiderstehlichen Gutgläubigkeit und Geradheit, in oberflächlichen Witz oder in Platitüden zu versinken.

Mich erinnert der Film nicht nur an das amerikanische Märchen, den Western. Es gibt alte Volksmärchen, die davon erzählen, dass der für dumm gehaltene und von allen verlachte am Ende der Klügere und auch der Schlauere ist. So ein Märchen ist dieser Film auch. Ein lustiges Märchen dazu.

Unvergeßlich die Szenen,
- wo der im Heim bisher für die Schweinezucht zuständige Bruder die Schweine aus einem Transporter befreit, weil sie am verdursten sind,
- wo die rechten Gängster vor der unerschütterten und entschlossenen Haltung der Drei mit ihrem Auto aus Angst rückwärtz in einen See fahren,
- wo sich der arglose, Tiere liebende Bruder zu einem Hund hinunterbeugt, der mit Maulkorb dasitzt und auf die liebevolle Anrede “Du bist aber ein Feiner!”, blitzartig seine Ohren hochschnellt und böse knurrt,
- wo in der Kneipe derFernseher die Suchmeldung nach den gemeingefährlichen drei Helden durchgibt und ein paar Schlägertypen daraufhin hastig das Lokal verlassen und ihr an den Stuhl gebundener Schäferhund, eben der, geduckt und mit dem Stuhl am Bein hinter ihnen her hastet,
- unvergesslich die ganze Szene der Geiselnahme, bei der sich die beiden Dorfpolizisten aus Angst vor Schüssen hinter ihrem Wagen verstecken während der voll trunkene Kneipengast, der alles mitangesehen hat, daneben steht und das ganze kommentiert wie einen Samstagabend Krimi…..

Ich würde den Film auch ein 6. Mal sehen!


Bienenmuseum Oberweimar

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Vor dem Bienenmuseum in Oberweimar sitzen Leute und genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahres. Hier blühen wirklich am 1. November noch Blumen und allein das Wort Bienenmuseum lässt mich an warme Sommertage denken, an das satte Brummen von Hummeln, an das Summen der Bienen in der Sonne.

Heute schien es mir zum ersten Mal in diesem Herbst richtig kalt und eisig zu sein. Der Wind schneidet ins Gesicht, sogar Hagel kam heute runter. Der Wintereinbruch scheint unmittelbar bevor zu stehen.
Dabei wird es jetzt noch 6 Wochen lang jeden Tag früher dunkel! Wie schön, dass die dunkelste und die kälteste Zeit bei uns nicht wirklich zusammen fallen. Wenn es im Februar richtig vor Kälte knacken sollte, sind die Abende schon wieder heller als heute….

 

gesehen - Infosendung Suchkinder

Zufällig habe ich Freitag Abend im ADR-Fernsehen die Infosendung über die sogenannten “Suchkinder” eingeschaltet, Kinder, im im Verlaufe des 2. Weltkrieges verloren gegangen waren und die lange Jahre und zum Teil noch heute von ihren Angehörigen gesucht werden. Diese Infosendung schloss sich wohl an einen Spielfilm zum Thema an, auf den ich vermutlich mit Abschalten reagiert hätte.
Die Infosendung aber war wirklich interessant.

Eine Sequenz hat mich echt beeindruckt:

Ein heute ca. 60 Jahre altes Geschwisterpaar erzählte von der Situation, als sie, nach etlichen Jahren Heimaufenthalt in einem Mecklenburger- Kinderheim, wieder zurück zu ihren inzwischen gefundenen Eltern sollten. Noch heute sah man ihnen die damaligen Gefühle an: Sie wären lieber in der vertrauten Umgebung geblieben, bei den Freunden, dort, wo sie sich zu Hause fühlten, was für sie Heimat geworden war. Sie sprachen noch immer voller Andacht von dem “schönen Heim” in dem es ihnen so gut gegangen war und in dem sie so glücklich gewesen waren.
Das fiel auf, erwartet man doch zu diesem Thema eher rührselige Geschichten von Familienzusammenführung…. Die armen Eltern, denkt man spontan….

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Heimerziehung mal ganz anderes gesehen…..

 

Ich war überrascht über diesen doppelten Tabu-Bruch:

- so offen darüber zu reden, dass eine Heimerziehung für Kinder eine echte Heimat werden kann und sie diese Heimat, wenn es nach ihnen gegangen wäre, einem unbekannten Elternhaus vorgezogen hätten, das war schon verblüffend, -

- und das alles auch noch in einem DDR-Heim kurz nach dem Krieg!
Bemerkenswert!

Ort des Geschehens: Nobelsaal Stockholm

Das gestern gefeierte Ereignis hat mich veranlasst, mir heute aus meiner Bibliothek alle Lessing (Doris) Bücher rauszufischen und zu sichten. Sie gehört zu den Autoren, von denen ich am meisten Bücher besitze. Trotzdem habe ich nicht alle Bände, die mich beeindruckt haben. Das läßt sich ja ändern.

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Rathaus-Innenhof

Und ein Blick in die Fotos meiner Kreuzfahrt im Sommer, die mich ja unter anderem nach Stockholm geschippert hatte, zeigt den Eindruck, den der Rathaussaal von Stockholm bei mir hinterließ.

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Nobelsaal

Hier also findet die Ehrung statt: ein angenehm säkularer Raum, ein Raum der Menschheit, zur Ehrung ihrer besten und nützlichsten Mitglieder, ein Raum, in dem Götter höchstens als Gäste zutritt haben. Dennoch ist dieser Raum mit unglaublichem Reichtum geschmückt. Hier wurde soviel Blattgold verwendet wie in derPetersburger Isaak-Kathedrale, wurde uns damals mitgeteilt…. Beeindruckend, wenn auch nicht gerade anheimelnd. Aber für den Zweck der Nobelpreis-Ehrungen wohl angemessen….