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16.1.2008 von Mrs. Tapir.
Hatte ich nicht schon einmal über mein geplantes neues Forschungsprojekt geschrieben: Die Kuscheltiere?
Sie lächeln? Es handelt sich um ein höchst aktuelles, wissenschaftlich bisher wenig beachtetes Phänomen der frühkindlichen Entwicklung und Pädagogik und ist von der Bindungstheorie angefangen bis zu soziologischen Fragen richtig spannend. Und, ich gestehe, es macht Spaß! Darf das Forschung nicht?
In diesem Zusammenhang sammle ich Aussagen über die Bedeutung, die Kuscheltiere im Leben von Menschen hatten oder haben. Diese Aussagen finde ich überall. Meine seriösen Studierenden des berufspraktischen Kurses fingen gleich Feuer, als ich von meinem Projekt erzählte und hatten interssante Anregungen für mich. Z.B. diese:
* Warum bringen wir als Eltern es nicht übers Herz bringen, die Kuscheltiere wegzuwerfen, wenn die Kinder groß sind?
* Warum fixieren sich einige (nicht alle) Kinder Auf ein ganz bestimmtes Kuscheltier?
* Warum muss es immer genau das gleiche sein. Warum ist das Kuscheltier für manche Kinder nicht austauschbar, auch nicht durch ein neues Tier des gleichen Modells?(Geruch)
* Warum brauchen manche Kinder mehrere Tiere?
* Ist es „normal“ als Erwachsener sein Lieblingstier zu lieben?
* Warum ist die Erinnerung an den früher geliebten Teddy so intensiv?
* Weshalb bleibt man wie magisch angezogen vor Auslagen mit Kuscheltieren stehen?
Im Kontext meines Projektes lerne ich interessante Menschen kennen, die sich ganz und gar dem Phänomen Kuscheltier und vor allem dem Teddybär verschrieben haben, so z.B. Frau Frey, die Teddymutter von Jena, die nicht nur individuelle Teddys gestaltet sondern eine richtige
Teddyexpertin ist. 
Neben Ausstellungen ist sie die Herausgeberin eines Buches mit Teddygeschichten (“Der Blick des Teddybären”), die ihr auf ein Inserat hin von Teddyfreunden und Freundinnen geschickt wurden. Interessanter Weise sind es fast ausschließlich Geschichten von Menschen der ersten Nachkriegsgeneration.
Ein Besuch bei ihr brachte mir viele Teddyanblicke und etliche Teddyblicke, die sich neugierig, fragend, lustig, fordernd, verträumt… auf mich richteten. Es fiel mich schwer, sie alle da zu lassen. ‘
Und ich fand eine Fülle von Material, das ich für meine Forschungen gebrauchen kann. Herzlichen Dank!!
Über Teddygeschichten, Anmerkungen und Fragen zum Thema Kuscheltier freue ich mich übrigens immer.
Noch ein Tipp für alle Kuscheltierliebhaber und Liebhaberinnen und alle, die gerne mal Psychiater spielen möchten : In der Anstalt für Kuscheltiere bei paraplüsch kann man ein neues Tier kennen lernen und heilen… ein Schildkröte, der übel von ihren Menschen mitgespielt wurde! Viel Spaß!
Geschrieben in Alter & Leben, gelesen, Leute & Geschichten, Kinder haben | Keine Kommentare »
10.1.2008 von Mrs. Tapir.
Literatur beschäftigt sich seit der Antike mit der jungen Liebe, dieser beflügelten Zeit, in der all unsere Sehnsüchte und Träume in Erfüllung zu gehen scheinen.
Mich hat schon immer gewundert, dass der Alltag einer Beziehung mit ihren Routinen, der drohenden Langeweile und mit ihren Krisen und Beziehungsproblemen viel seltener Thema von Literatur und Kunst ist.
Paar in Berliner Café
“Beziehungskisten” findet man, wenn man sich nur umsieht: kaputte Ehen, krieselnde Partnerschaften, Seitensprünge, neue Beziehungen, andere Beziehungen, der Wunsch nach neuer Freiheit, der Wunsch nach der besseren Beziehung… Allzu oft signalisieren solche Phänomene das Ende einer Beziehung. Ihre Bewältigung aber wäre unser Glück.
Nach dem Thema “Kinder haben” und dem Herbstthema: “Abschied, Herbst, Trauer” habe ich beschlossen, in meine Literatur-Homepage für die nächsten Monate etwas ganz anderes einzustellen. Etwa ab Mitte Januar sind dort Kurzgeschichten, Gedichte und eine Erzählung zu lesen zum Thema: BEZIEHUNGSKISTEN.
Als Jugendliche habe ich mich über das folgende Gedicht geärgert. So stellte ich mir meine Zukunft nicht vor. Auf eine solche Beziehung wollte ich gerne verzichten.
Heute muss ich schmunzeln und schreibe es mit Vergnügen und natürlich auch zur Ehre des Jubilars hier auf:
Die Liebe war nicht geringe - Wilhelm Busch
Die Liebe war nicht geringe,
sie wurden ordentlich blass;
Sie sagten sich tausend Dinge
und wussten immer noch was.
Sie mussten sich lange quälen,
doch schließlich kam’s dazu,
dass sie sich konnten vermählen.
Jetzt haben die Seelen Ruh.
Bei eines Strumpfes Bereitung
sitzt sie im Morgenhabit;
Er ließt in der Kölnischen Zeitung
und teilt ihr das nötigste mit.
So ist das Leben. Und diese Variante ist vielleicht die beste von allen?
Sehr oft geht es dramatischer zu, heftiger, mit Schmerzen und Hass verbunden, mit Enttäuschung und Unglück.
Hiervon werden meine Texte erzählen …
Geschrieben in meine Lieblingsgedichte, Frauen & andere Menschen, gelesen, Texte von mir | Keine Kommentare »
5.1.2008 von Mrs. Tapir.

Die landesweiten Reaktionen auf den Überfall, der auf den Münchner Rentner verübt wurde, sind nur die Spitze eines Eisberges. Es geht nicht nur um Wahlkampf dabei oder vielmehr: zum Wahlkampfthema eignet sich diese Geschichte, weil sie Volkes Seele an- und ausspricht: Man ist empört, dass junge Gewalttäter deutsche Menschen überfallen. Dass sollten wir uns nicht bieten lassen, was haben die überhaupt hier zu suchen? Raus mit ihnen oder aber hart bestraft und weggesperrt!
Die zunehmende Tendenz, auf soziale Abweichung mit Sanktionen und hartem Durchgreifen zu reagieren, ist in der Politik und ebenso in der Bevölkerung nicht zu übersehen.
Die Strategien einer wissenschaftlich orientierten Resozialisierung, die den Erziehungsprozess vor die Strafe stellt und die z.B. Hilfe zur Erziehung anstelle von U-Haft fordert, erscheint nicht mehr akzeptabel, wird als weich und der Realität nicht angemessen angesehen. Die Bereitschaft, sich mit Menschen abzugeben und sie zu “alimentieren” , die nicht bereit sind, sich unseren Sitten und Normen anzupassen, ist ohnehin dünn geworden. Wenn es sich auch noch um Straftäter handelt ist die Toleranz endgültig vorbei und ein Gedanke an die Würde und den Anspruch dieser jungen Menschen auf eine ihrem Wohl entsprechende Entwicklung ist einfach nicht mehr drin.

SozialarbeiterInnen wird Kuschelpädagogik vorgeworfen und Erfolglosigkeit. Man setzt jetzt (wieder) auf Strafe, Umerziehen, Einsperren und Abschieben. Und das ganze nennt man liebevoll “Camp”. Der Barras hat ja bekanntlich noch nie jemandem geschadet und ein bisschen Pfadfinderei wird hier sicher was Gutes bewirken….
Warum aber junge Migranten möglicherweise besonders leicht aggressiv sind, wird dabei nicht hinterfragt. Geht man davon aus, dass Ausländer von Natur aus brutaler sind als wir oder dass ihre Kultur Brutalität eher zulässt? Fast sieht es so aus. Schmeckt das nicht ein bisschen nach Rassismus?
An die gesellschaftlichen Ursachen, die in unserem Land, in unserer Gesellschaft liegen, an die Bedingungen und die Perspektiven, unter denen hier Migranten aufwachsen, scheint niemand zu denken. Keiner fühlt sich schuldig oder auch nur zuständig - am besten abschieben, einsperren!
Nicht nur Frau Merkel liebäugelt vermutlich mit amerikanischen Verhältnissen, wenn sie vom Erziehungs-Camp spricht. Schließlich ist der Strafvollzufg in den USA in den letzten Jahrzehnten wesentlich drastischer gewachsen und ausgebaut worden als bei uns.
Der Spiegel stellt ein Video zur Verfügung, das den, wie es dort heißt, “Kinder-Gulag” von Texas vorstellt, eine supermoderne Erziehungsanstalt, die offenbar gleichzeitig Gefängnis und gnadenlose Umerziehungsanstalt ist.
Bei Anschauen dieses Videos ist mir - trotz einiger kritischer Andeutungen des Reporters - nicht wirklich klar, ob es sich nicht doch um einen Propagandafilm für dieses Modell des Jugendstrafvollzuges handelt. Alles ist clean, die aggressiven Täter sind zu bezähmten, beherrschten, zu ungefährlichen Gestalten geworden.
Man kann also aufatmen: Sie sind sicher weggesteckt und sie werden kaum rückfällig werden; Denen wird ihr Wille so weit ausgetrieben, dass sie das gar nicht mehr können.
In dieser Anstalt findet tatsächlich ein ungeheuerer Umerziehungsprozess. Mit Sprechverbot und Berührungsverbot, mit Drill und Denkverbot, dem Zwangsabsingen von Kirchenchorälen und mit der Zwangsverabreichung nicht benannter Medikamente übertrifft dieses “Camp” alles, was je von Goffmann seinerzeit (1961) als “Totale Institution” gegeiselt wurde. Ich werde an die Geschichte bei Aitmatow (Der Tag zieht den Jahrhundertweg) erinnert, wo ein kirgisischer Stamm bei den jungen Gefangenen eines anderen Stammes mit einer nassen, sich dann beim Trocknen zusammenziehenden Rinderhaut das Weiterwachsen des Gehirns verhinderte und sich so hilflose, bereitwillige Idioten für die schwere Feldarbeit heranzog.
Wofür werden die 11 - 17 jährigen Menschen benutzbar sein, wenn sie diese Mischung aus Isolationsfolter und militärischem Drill lebend überstehen?
Vor vielen Jahren hat René Spitz (1976) die Ursachen für das aufgedeckt, was wir als “Hospitalismus” bezeichnen: die für Kinder tödlichen oder psychisch vernichtenden Folgen von Kommunikations- und Beziehungslosigkeit in damaligen Heimeinrichtungen.
Hier werden diese Methoden nun produktiv und gezielt eingesetzt, um die Gesellschaft von Tätern zu befreien, für deren Entwicklung zu Tätern sie zumindest mitschuldig ist.
Natürlich haben wir ausreichende Gesetze. Und wir haben auch die sozialpädagogische Professionalität, die - wenn sie angemessen ausgestattet und konsequent angewendet wird - solchen jungen Straftätern die Chance für eine andere Entwicklung geben kann.
Aber soviel Mühe und Kosten scheut man für Leute, die man als gefährliche Schmarotzer unserer Gesellschaft sieht.
Dann lieber solche Camps! Die kosten zwar vermutlich mehr, aber das ist dann doch eher eine Investition, die lohnt und an die man glauben kann. Stimmt’s!?
ansehen:
http://www.spiegel.de/video/video-25548.html
Geschrieben in Soziale Arbeit, gesehen, Turbokapitalismus, gelesen, Leute & Geschichten | 1 Kommentar »
19.12.2007 von Mrs. Tapir.
Vor gut 80 Jahren schrieb Erich Kästner das folgende Weihnachtslied.
Er könnte es heute geschrieben haben, für alle Kinder, die von Hartz IV leben, und für die Weihnachten gezwungenermaßen ausfällt….
Erich Kästner
Weihnachtslied, chemisch gereinigt
Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.
Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.
Lauft ein bisschen durch die Straßen,
dort gibt’s Weihnachtsfest genug!
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.
Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht -
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!
Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt für’s Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!….
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20.11.2007 von Mrs. Tapir.
An ihrem 100. Todestag wird an sie gedacht.
Ob man ihr gerecht wird? Sie hat so viele Gesichter. Hier ein Bild von ihr, dass mich immer wieder entzückt. So eine lebendige, geradezu dramatische Tierdarstellung, man sieht es erst auf den 2.Blick…
Folgende Zeilen habe ich geschrieben, nachdem ich ihre Briefsammlung gelesen hatte:
an paula becker
deine bilder waren mir immer
unheimlich.
kinder mit solchen augen!
wissend.
frauen ohne schönheit,
die freundlicherweise ablenkt
von ihrem gesicht.
wer wagt es,
so etwas zu zeigen?
und schon immer fiel es mir schwer,
wegzusehen.
nun kenne ich dich ein wenig,
deinen kampf um dich selber,
darum, endlich du zu werden.
und ich kenne sie nur zu gut,
deine gefangenschaft
unter den menschen,
die es nicht zuließen,
daß du du selber warst.
nun weiß ich es,
warum du immer wieder dich gemalt hast,
in allen gesichtern.
das war alles,
was du zu sagen hattest.
und es war sehr viel.
du hast es gewußt
und nicht geschwiegen.
dafür bewundere ich
und beneide ich dich.
du hast dich nicht unterkriegen lassen,
konntest gar nicht wirklich aufgeben,
immer wieder hast du dich ausgegraben,
durchgewühlt
und hast mit einer naivität,
für die ich dich küssen könnte,
den anderen mitgeteilt,
wie frei du dich fühltest -
ohne sie.
aber auch du hast doch,
immer noch und immer wieder
gewartet, dass da einer käme,
der an dich glauben würde.
und als keiner kam,
hast du dich einfangen lassen
von dem alten frauenschicksal:
kinder.
und daran bist du zerbrochen
und gestorben.
du hattest so viel mut,
so viel mehr mut als ich.
warum nur hat er dich verlassen.
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5.11.2007 von Mrs. Tapir.
Als die erstaunliche Tatsache bekannt wurde, dass Doris Lessing den Literaturnobelpreis erhalten hat, habe ich meinen Bestand ihrer Werke in unserer Gartenhäuschen-Bibliothek gesichtet und dann bei Amazon so allerhand nachgekauft, was ich noch nicht hatte und auch noch nicht kannte.
Unter anderem „Das Leben meiner Mutter“ („impertinent daughters“, 1985)
Nun ist sie wahrhaftig nicht die erste und einzige, die sich dieses Thema gewählt hat. In bester Erinnerung ist mir – um nur ein Beispiel zu nennen – das gleichnamige Buch von Oskar Maria Graf. Aber hier schrieb ein Sohn, der seine Mutter geliebt hat.
Mit Doris Lessing, das war mir klar, da ich ihre Autobiografie „Unter der Haut“ gelesen habe, schrieb eine Tochter, die in ihrer Kindheit und Jugend und auch noch weit ins Erwachsenenalter hinein ihre Mutter gehasst, sich von ihrer emotionalen Erpressung ausgesaugt und von ihrer aufdringlichen und gängelnden Fürsorge bedroht gefühlt hat. Und dieser Blickwinkel ist mir schon viel vertrauter. Ich habe es erst mit 52 Jahren geschafft, etwas zu schreiben, mit dem ich dem Leben meiner Mutter nicht nur mit Angriffen und Vorwürfen sondern auch mit Verstehen und Nachsicht begegnet bin.
So klar und radikal wie es Doris Lessing hier geschafft hat, ist es mir sicherlich nicht gelungen. Die versucht nicht nur ihre Mutter als Mensch zu begreifen, sie versetzt sich auch in ihre Mutter hinein und versucht zu verstehen, wie sie als Kind, als junges Mädchen, als junge Frau auf ihre Mutter gewirkt hat, wie sie sie verletzt haben wird.
Der Klappentext bringt es gut auf den Punkt: „Sie beschreibt, ratlos noch heute, wie unerträglich ihre Mutter war und wie unerträglich sie, die Tochter.“
Doris Lessing hat dieses Buch 1985 geschrieben, also etwa mit 66 Jahren. Das Büchlein ist sehr dünn. Man merkt es und sie gibt es freiwillig zu, wie schwer es ihr auch damals noch fiel, über ihre Mutter nachzudenken, über sie zu reden. Sie zwingt sich dazu wie zu einer Pflicht, der Pflicht, dieser Frau endlich gerecht zu werden.
Und mit dem Abstand ihrer 66 Jahre hat sie begriffen, dass wir letztlich das gleiche tun, wie unsere Eltern, die gleichen Träume träumen, die gleichen Fehler machen, dieselben Hoffnungen begraben und wenn wir Glück haben, jemanden finden, der uns ein bisschen liebt…. Aber das sind nicht immer unsere Kinder.
„Anscheinend habe ich ein Leben dazu gebraucht, meine Eltern zu verstehen, von einer Verwunderung in die andere stolpernd. Es gibt einen Geheimnisvollen Vorgang, der erschreckend ist, da sich daran überhaupt nichts ändern lässt: er führt dich aus grimmiger Jugendzeit – als stünden sich die Eltern und du schwer bewaffnet auf einem Schlachtfeld gegenüber – dorthin, wo du im Geist jederzeit den Platz einnehmen kannst, auf dem sie selbst einstmals standen“
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13.10.2007 von Mrs. Tapir.
Das gestern gefeierte Ereignis hat mich veranlasst, mir heute aus meiner Bibliothek alle Lessing (Doris) Bücher rauszufischen und zu sichten. Sie gehört zu den Autoren, von denen ich am meisten Bücher besitze. Trotzdem habe ich nicht alle Bände, die mich beeindruckt haben. Das läßt sich ja ändern.
Rathaus-Innenhof
Und ein Blick in die Fotos meiner Kreuzfahrt im Sommer, die mich ja unter anderem nach Stockholm geschippert hatte, zeigt den Eindruck, den der Rathaussaal von Stockholm bei mir hinterließ.
Nobelsaal
Hier also findet die Ehrung statt: ein angenehm säkularer Raum, ein Raum der Menschheit, zur Ehrung ihrer besten und nützlichsten Mitglieder, ein Raum, in dem Götter höchstens als Gäste zutritt haben. Dennoch ist dieser Raum mit unglaublichem Reichtum geschmückt. Hier wurde soviel Blattgold verwendet wie in derPetersburger Isaak-Kathedrale, wurde uns damals mitgeteilt…. Beeindruckend, wenn auch nicht gerade anheimelnd. Aber für den Zweck der Nobelpreis-Ehrungen wohl angemessen….
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12.10.2007 von Mrs. Tapir.
Ein ganz persönlicher Freudentag für mich!
Ich liebe diese Autorin seit Jahrzehnten und habe viele ihrer Bücher genossen.
Ihre klare und kompromisslose soziale und politische Haltung war für mich immer eine Genugtuung, vor allem aber deshalb, weil sie es vermochte, diese Haltungen nicht als Polemik oder literarisch verpackte Agitation zu verarbeiten, sondern in Romane zu integrieren, die hochsensibel und mit psychologischem Realismus Menschen, ihre Entwicklung, ihre Nöte und Hoffnungen gestalteten.
Diese Verbindung gelingt eher selten. Ich kenne eine Hand voll Romane, die hochpolitisch sind und dennoch durch und durch literarisch - und die sich von daher auch nicht instrumentalisieren lassen und ließen: mir fällt da eins meiner Liebslingsbücher ein “Unruhe um einen Friedfertigen” (1947), von Oskar Maria Graf.
Die “Afrikanische Tragödie” von Lessing thematisiert z.B. die Rassenproblematik im Afrika der Jugendzeit von Doris Lessing auf eine Weise, wie sie so differenziert, so lebendig und so erschütternd niemals in irgend einem politischen Text begriffen und formuliert worden sein dürfte. Und Doris Lessing hat, als sie merkte, dass ihr Buch durch eine Verfilmung genau diese Qualität einbüßen würde, die Filmrechte daran verweigert (nach zu lesen im 2. Teil ihrer Autobiografie).
Besonders beeindruckend für mich sind bei Doris Lessing außerdem die Entwicklungen und die Erneuerungen, die sie in ihrem Werk im Verlaufe ihres langen Lebens vollzogen, mitvollzogen und bei denen sie gegengehalten hat.
Manches war für mich sogar “zu früh” und noch unverdaulich, als es erschien. Der Roman “Memoirs of a Survivor” z.B. hat mir vor 25 Jahren, als ich kleine Kinder hatte und ich die Vorstellung kanibalisierender kleiner 5Jähriger nicht ertragen konnte, Angst gemacht. Später habe ich ihn mit großem Staunen und mit Faszination gelesen.
Als ich gestern über die A9 brauste und die ganze Zeit über Radio hören konnte, kam ich in den zweifelhaften Genuss mehrerer Stellungnahmen von LiteraturwissenschaftlerInnen zum Nobelpreis für Doris L. Viele davon waren für mich o.k. und angemessen.
Eine junge Frau äußerte sich verblüfft und enttäuscht, dass man den Nobelpreis jemand gäbe, der so von gestern sei. Doris Lessing, meinte sie, hätte ihn um 1973 herum verdient. (Damit mag sie Recht haben!) Ihre moralische Art sei heute nicht mehr in, Rassismus, Feminismus, Eintreten für die Unterdrückten, das seien heute nicht mehr die literarischen Themen. Und seit dieser ihrer großen Zeit hätte Doris Lessing sich nicht weiter entwickelt und hätte zum Heute nichts zu sagen.
Der Meinung bin ich nicht. Zweifellos heißt sie nicht Houellebecq aber der oben von mir erwähnte Roman z.B. ist für mich mit jedem Jahr, den ich in dieser heutigen Gesellschaft lebe, wirklicher geworden.
Ich gratuliere mit voller Kraft und freue mich, dass diese Autorin in meiner jetztigen Gegenwart noch so eine Würdigung erfahren hat.
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5.10.2007 von Mrs. Tapir.
Als Kind war der Herbst für mich immer ein lustiger Monat. Da ließ man Drachen fliegen, bastelte Kastanienmännchen, sammelte bunte Blätter … Und da sind noch andere Kindheitserinnerungen von Geschichten aus dem Lesebuch: „Oh, wer da mitreisen könnte“ und „Der Herbstwind geht auf die Reise“…
Leider habe ich „Meine liebe Fibel“ im 2. Schuljahr einem Mädchen geliehen und nie wieder bekommen. Es war ein Mädchen aus der Siebenbürgensiedlung in unserem Stadtteil in Oberhausen – Osterfeld. Sie hatte Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Ich hoffe, dass sie mit meiner Fibel wenigstens Fortschritte gemacht hat.
Ich sah sie später noch Jahre lang auf unserem Schulhof, aber ich habe mich nie getraut, sie nach meinem Buch zu fragen. Ich dachte immer, sie würde es vielleicht noch brauchen.
Schade! Wäre direkt mal eine Suche bei Goggle wert. “Meine liebe Fibel“, Lesebuch fürs erste Schuljahr, Nordrhein-Westfalen, Einschulungsjahrgang 1953…
Das Mathebüchlein aus der 1. Klasse habe ich dagegen noch immer und hüte es.
Ei wie nostalgisch!
Also was soll das? Traurig darf man nicht sein, wenn man in sein will und nostalgisch auch nicht? Reicht es euch, liebe Jugend der Jahrtausendwende denn nicht, wenn eure Großmütter, späten Mütter und Opas im Bog rummachen?
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4.10.2007 von Mrs. Tapir.
Und eigentlich sind doch die noch dran …
Hier zwei meiner Lieblingsherbstgedichte…
Das erste, hörte ich heute zufällig im Radio, man sollte es nicht glauben!
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum.
Und dennoch fallen raschelnd fern und nah
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält.
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonnen fällt.
Friedrich Hebbel
Hier ist er gegenwärtig, der wunderbare, der feiernswerte Herbst!
Oder auch dieses - aber man sieht es bei Rilke, dieser Feier folgt eben doch das, was auch Herbst ist, da ist wohl nichts zu machen!
Herr, es ist Zeit:
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein.
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
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