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Pazifismus reaktionär? - mein Antikriegstagebuch

Das gestrige “Ossifizierungsthema”  hat noch etwas Unglaubliches für mich zu Tage gebracht:

Der Historiker Wolffsohn, der diesen Begriff in die Welt gesetzt hat,  bezeichnet es als ein gesellschaftliches Problem und als eine “reaktionäre Entwicklung”, dass es im Westen bei den Mittel- und Oberschichten noch immer zum “guten Ton” gehöre, zur Bundeswehr auf Distanz zu gehen.
Es ist in seinen Augen  “reaktionär”, die deutsche Militarisierung und Kriegsfreundlichkeit, die sich in unserer Gesellschaft immer mehr breit macht und für die in den Medien unermüdlich geworben wird (so auch mit Hilfe dieses Herren), nicht mit Begeisterung aufzugreifen.
Es ist mir klar, dass diese von ihm beschriebene “Distanz zur Bundeswehr” nicht gleichzusetzen ist mit einer Ablehnung des neuen militären   Selbstbewußtseins und Selbstverständnisses in Deutschland. Und dennoch ist es wenigstens ein Relikt, dass davon erzählt, dass es im Westen Deutschland in den Nachkriegsjahrzehnten eine mehr als begründete generelle Tendenz gab, von kriegersichen und militärischen Absichten im deutschen Land Abstand zu nehmen. Pazifismus war nicht unbedingt bei allen Leuten  gegeben, aber Pazifisten waren angesehen und akzeptiert und verkörperten das schlechte Gewissen der deutschen Nation. Nun ist er also nur noch eine Art schlechter Angewohnheit und “reaktionär”, was wohl heißen hier soll: eine Haltung, die das deutsche Volk in seiner Bedeutung und Wichtigkeit in dieser Welt behindert und einschränkt.

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“Am deutschen Wesen soll die Welt genesen”, wo hab ich das zuletzt gehört? In einer Rede der Bundeskanzlerin, auch nein, nicht wörtlich, sie hat es ein bisschen anders ausgedrückt.

Ossifizierung? - mein Antikriegstagebuch

Wenn man eine Ablehnung für eine Arbeitsstelle erhält, die nachweislich darauf zurück zuführen ist, dass mann aus dem Osten Deutschlands kommt, kann man sich nicht dagegen wehren. Ossi zu sein ist kein ethnisches Merkmal. So.So.

Heute hören wir von einer Ossifizierung der Bundesewehreinsätze im Ausland. Wessis gibt es fünfmal so viele im Vaterland. Aber die im Ausland eingesetzten Soldaten sind zur Hälfte (erst hieß es 60%, in den nächsten Nachrichten war man auf “fast 50% runtergerudert)  aus dem Osten. “Mehr als jeder dritte der bislang 43 toten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stammte aus den neuen Ländern.”  Dabei ist der “Ost-Anteil vor allem bei den unteren Mannschaftsdienstgraden   (zwei Drittel) , während er bei den höheren Stabsoffizieren auf 16% sank. Was lehrt uns das?

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Handelt es sich bei unseren SoldatInnen vielleicht wirklich um “Arbeitslose in Uniform”, denn die Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit für junge Leute ist im Osten nach wie vor viel größer?
Die Bundeswehr stellt sich schließlich zunehmend als Arbeitsmarkt, als Ausbildungschance und als berufliche Chance dar. Eine elegante Lösung zweier Probleme mit einer Klappe.

Andererseits:
Dass Wort “Ossifizierung”, absulut reif für das schönste Wort des Jahres (aber wer weiß, was noch so kommt?),  scheint auch Bedenken und Befürchtungen auszudrücken: Können wir diesen Ossis unsere Freiheit und Sicherheit z.B. am Hindukusch überhaupt anvertrauen? Ist es nicht ein Problem, dass gerade solche Menschen für das deutsche Vaterland ihren Kopf hinhalten?
Aber vielleicht ist das ja gerade geschickt. Kanonenfutter kam schon immer aus den gesellschaftlich niedrigeren Schichten. Auch in der amerikanischen Armee schlagen sich eher die schwarzen GIs persönlich die Köpfe ein, während der weiße Soldat eher an Computern und in Kampfmaschinen sitzt, wo er sein kostbareres Leben besser geschützt glaubt. Und so hat dann wohl auch alles seine Richtigkeit.

Ich denke, wenn hier irgend eine “Fizierung” im Gange ist, dann eine Infizierung der Bevölkerung mit dem Virus der Akzeptanz fürs Kriege Führen.

wir sollen uns dran gewöhnen -mein Antikriegstagebuch


Es ist nicht zu fassen: Ich habe heute früh in den Nachrichten einmal ausgezählt, in wie vielen der Nachrichten Militär, Krieg, Soldaten, Waffen eine Rolle spielten: Es waren 50%! Wir sollen uns an die Allgegenwart dieses Themas, an seine Alltäglichkeit, „Natürlichkeit“, sein einfach Dazugehören“ gewöhnen.

Der Bericht über das Ausbildungslager der Bundeswehr, das unsere Landesmutter besucht hat, um ihre Unterstützung für unsere Soldaten zu demonstrieren.
Hier wird an echten Waffen geübt – freilich ohne Munition, erzählt der Sprecher. Dann kann man einen Stabsfeldwebel über „den Afgahnen an sich“, fachsimpeln hören. Unsere Soldaten scheinen ethnologische Fachkräfte zu werden, die kultursensibel mit einem fremden Volk verhandeln.
Und dann die Übung, von der berichtet wird: Taliban haben wieder mal einen Selbstmordanschlag ausgeübt. AmBoden liegt die zerfetzte Puppe des Attentäters. Uund nun geht es darum für die deutschen Soldaten darum, die verletzten Personen aus der Zivilbevölkerung zu retten. Nachtigall, ich hör dir trabsen!
Frage ich mich nur: Wenn sie nun keine Brunnen bauen, sondern in Wirklichkeit die Zivilbevölkerung nach Anschlägen ins Krankenhaus bringen – wozu üben sie dann an echten Waffen?

immer noch Pisa….

Eben höre ich im Radio: die deutschen SchülerInnen haben diesmal ein wenig besser abgeschnitten, liegen jetzt an 13. Stelle!

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Unverändert aber ist, dass es in keinem der beteiligten Staaten so einen engen korrelativen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg gibt.
Es wird sogar noch eins drauf gesetzt: Schüler aus sozial benachteiligten Familien werden bei gleichem Leistungsstand seltener fürs Gymnasium vorgeschlagen. Wahrscheinlich denken die Schulpädagogen sich dabei: ” Der hat ja zu Hause keine Unterstützung in schulischen Angelegenheiten, wie soll er dann das Gymnasium schaffen” und meinen im Interesse der betroffenen Schüler zu handeln.

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Für die, denen Chancengleichheit nicht schon aus ethischen Gründen ein Anliegen ist:
Vielleicht stände Deutschland im internationalen Vergleich viel besser da, wenn diese Schülerreserve der sozial benachteiligten Kinder wirklich und mit entsprechendem Aufwand an Bildung herangeführt würde.
Intelligenz verteilt sich erfreulicher Weise nicht nach sozialen Gesetzen und Bedingungen, sondern sie ist in jeder Bevölkerung über Schichten und Gruppen hinweg gleich verteilt. Was die Natur uns vorgibt wissen wir ja bekanntlich perfekt auf den Kopf zu stellen. Wir vergeuden schlicht Humankapital.

… und wenn wir dann unseren Job verlieren?

Immer wieder das Gleiche:

Ich stelle den Studierenden Methoden und Konzepte einer Sozialen Arbeit vor, die von hoher Fachlichkeit und von einer deutlichen Achtung für den anderen Menschen, den Klienten, geprägt ist. In Fachkreisen nennt man diese Konzeption Sozialer Arbeit Lebensweltorientierung. Sie entstand in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und bildet z.B. die theoretische Grundlage des erst 1990 verabschiedeten Kinder- und Jugendhilfegesetzes.
Dieses Gesetz geht zum Beispiel von der Notwendigkeit aus, gegenüber den Klienten und ihrer Sicht der Situation Respekt zu haben, sie nicht zu ihrem Glück zwingen zu wollen, sondern sie ins Boot zu holen und zu aktiven Kooperationspartnern der Sozialen Arbeit  zu machen. Das Gesetz versteht sich als Dienstleistung: Eltern und Minderjährige sollen Hilfe und Unterstützung bekommen, wo sie sie brauchen.
Ein Student berichtet von einem Fall, den er letzte Woche erst erlebt hat: Eine Mutter, die massive Erziehungsprobleme hat, die um ihren Rechtsanspruch auf Hilfe weiß, wendet sich um Hilfe ans Jugendamt - und wird wieder weggeschickt! Die Probleme waren dem Jugendamt nicht schwerwiegend genug. Geld ist nur noch da, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Heute ist dieses Gesetz oft nicht mehr das Papier wert, auf dem es steht. Formal wird es meistens beachtet, aber der Geist dieses Gesetzes wird ausgehebelt, umgangen, konterkariert. Natürlich steckt das liebe Geld dahinter, das Geld, das angeblich fehlt und das in diese Bereiche eben nicht investiert werden soll, das Prinzip der Ökonomisierung, das inzwischen alle gesellschaftlichen Bereiche dominiert und das allen vorschreibt, möglichst effizient, kostengünstig, rationell zu zu sein.

Freilich, das ist schließlich in allen Bereichen des Lebens so und trifft die Soziale Arbeit wie - fast - jeden anderen gesellschaftlichen Bereich auch. Nur, hier ist das folgenschwerer, als wenn es darum geht, Straßen zu bauhen oder Kaffeemaschinen zu produzieren.
Eine Soziale Arbeit, die einem humanen Menschenbild verpflichtet ist, braucht Zeit für diese Menschen, braucht Zeit für Kommunikationsprozesse, die nötig sind, um Probleme mit dem Betroffenen und nicht ohne oder gegen ihn zu lösen.

“Aber, Frau Professorin, Sie wissen doch auch, wie es in der Praxis heute aussieht, was wirklich geschieht, dass Entscheidungen nicht nach Fachlichkeit sondern nach Kostengünstigkeit gefällt werden, Sie wissen doch, wie oft keine Zeit bleibt, um auf die Menschen einzugehen, wie oft zu spät reagiert wird, weil Prävention keiner bezahlten will….”

Ja natürlich weiß ich das! Aber soll ich meine Studenten so ausbilden, dass sie in eine solche Praxis ohne anzuecken hineinpassen?
“Aber wenn wir uns wehren oder nur den Mund aufmachen, dann müssen wir Angst haben um unsere Arbeitsplätze. Und wir haben Familie oder wollen eine haben. …”

Natürlich kann ich das verstehen.
Es ist eine Schande, dass es so weit gekommen ist in unserem Land: Gesellschaftskritik und sei es die geringste, wird einem heute regelrecht übelgenommen, man macht sich verdächtig, nicht auf der demokratischen Grundordnung zu stehen- wobei hier die demokratische Grundordnung verwechselt wird mit der gesellschaftlichen “Ordnung” eines globalen Kapitalismus.
Nicht zufällig überschlagen sich die Medien anlässlich der “40 Jahre APO” in dem Versuch, in jenen Leuten, die die damalige Lebensordnung nicht akzeptieren wollten, die Zerstörer unserer Gesellschaft zu sehen: Die Gewalt in unserer Zeit hätte ihren Ausgang, so konnte ich vor ein paar Tagen im Radio hören, in den 68ern gehabt, denn denen war nichts heilig. Das schreit zum Himmel! Wem in unserem Land ist die Menschenwürde der Menschen heilig, die kein Geld haben, keinen Einfluss, die nicht zu den Machern und Gewinnern der Gesellschaft gehören?

Politische Bildung tut not!?

In den Nachrichten ließ mich die Studie des Herrn Schröder (der Namensvetter hätte die Patenschaft übernehmen sollen!) an Berliner Schülern aufhorchen. Die Nachricht kam natürlich passend zum Tag des Mauerfalls und machte einmal mehr deutlich, dass es noch nicht ganz gelungen ist, die DDR für die Ostdeutschen und z.T. auch nicht für die Westdeutschen im Gruselbild einer menschenverachtenden, wirtschaftlich unfähigen Diktatur versinken zu lassen. Tenor:
Das Ergebnis sei niederschmetternd: unglaubliches Unwissen über die DDR und ein viel zu positives Bild über die DDR - je östlicher desto schlimmer!

Die Fragebogen Konstruktion ist bereits problematisch. Sie unterstellt Fakten, interpretiert Fakten und setzt damit eine “Wahrheit” über die DDR. Und Meinungen, die von ihren m.E. in etlichen Punkten sehr problematischen “Wahrheiten” abweichen, bringen damit eine verzerrtes, durch positive Voruteile geprägte Haltung zur DDR zum Ausdruck. Eine Bestätigung dieser “Wahrheiten” dagegen gilt als Beweis, dass der Betreffende die Sache richtig sieht.

Im Detail ist die ganze Befragung bei spiegel online nachzulesen.

Dass soviele Herrn Kohl für einen DDR-Politiker gehalten haben, finde ich allerdings auch als peinlich.

Der Spiegel berichtet: “Als Klaus Schroeder und sein Team Kontakt zu den Schulen aufnahmen, hätten einige Lehrer vor allem im Osten sehr unwirsch reagiert, sagt er: “Die haben uns vorgeworfen, wir wollten ja nur Vorurteile abfragen, und man dürfe die DDR nicht immer aus dem Blickwinkel ‘des Westens’ beurteilen.”
Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Schroeder energisch: Er will die DDR aus dem “Blickwinkel der Menschrechte und der Rechtsstaatlichkeit” beurteilt wissen. Für ihn gibt es vor allem eine Konsequenz aus seiner Studie: “Die Schulen und die Medien sind in der Pflicht. Wir brauchen den Mut, die DDR als das zu benennen, was sie war: eine Diktatur.”

Bescheidene Frage:

Wer hat den Mut - hierzulande und heute - die Bundesrepublik als das zu benennen, was sie ist: eine Diktatur des Kapitals? (Aber das Volk hat ihr zugestimmt. Schließlich leben wir heute in einer Demokratie. Super, dann ist ja alles in Ordnung.)

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hierzu aktuell

Nostalgie: Jefferson Airplane

161b_2.JPG Wer kennt die noch?

kranich hat gestern damit angefangen, unsere alten Schallplatten mit einem neu erstandenen Gerät zu digitalisieren - mit erfreulichem Erfolg!

Beim Sichten meiner alten Schallplatten fiel mir zu allererst die alte LP von Jefferson Airplane in die Hände. Was für ein Wiederhören! Habe bis in die späte Nacht hinein getanzt und mich wie 25 gefühlt …. (Tanzen war auch nötig, da ich meine Restless Legs Tabletten vergessen hatte und so ohnehin nicht liegen und schlafen konnte…)

Aber immerhin, eine wunderbare Lösung für solche Probleme! Nur zu empfehlen!

Doris Lessing

Ein ganz persönlicher Freudentag für mich!

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Ich liebe diese Autorin seit Jahrzehnten und habe viele ihrer Bücher genossen.

Ihre klare und kompromisslose soziale und politische Haltung war für mich immer eine Genugtuung, vor allem aber deshalb, weil sie es vermochte, diese Haltungen nicht als Polemik oder literarisch verpackte Agitation zu verarbeiten, sondern in Romane zu integrieren, die hochsensibel und mit psychologischem Realismus Menschen, ihre Entwicklung, ihre Nöte und Hoffnungen gestalteten.
Diese Verbindung gelingt eher selten. Ich kenne eine Hand voll Romane, die hochpolitisch sind und dennoch durch und durch literarisch - und die sich von daher auch nicht instrumentalisieren lassen und ließen: mir fällt da eins meiner Liebslingsbücher ein “Unruhe um einen Friedfertigen” (1947), von Oskar Maria Graf.
Die “Afrikanische Tragödie” von Lessing  thematisiert z.B. die Rassenproblematik im Afrika der Jugendzeit von Doris Lessing auf eine Weise, wie sie so differenziert, so lebendig und so erschütternd niemals in irgend einem politischen Text begriffen und formuliert worden sein dürfte. Und Doris Lessing hat, als sie merkte, dass ihr Buch durch eine Verfilmung genau diese Qualität einbüßen würde, die Filmrechte daran verweigert (nach zu lesen im 2. Teil ihrer Autobiografie).

Besonders beeindruckend für mich sind bei Doris Lessing außerdem die Entwicklungen und die Erneuerungen, die sie in ihrem Werk im Verlaufe ihres langen Lebens vollzogen, mitvollzogen und bei denen sie gegengehalten hat.
Manches war für mich sogar “zu früh” und noch unverdaulich, als es erschien. Der Roman  “Memoirs of a Survivor” z.B. hat mir vor 25 Jahren, als ich kleine Kinder hatte und ich die Vorstellung kanibalisierender kleiner 5Jähriger nicht ertragen konnte, Angst gemacht. Später habe ich ihn mit großem Staunen und mit Faszination gelesen.

Als ich gestern über die A9 brauste und die ganze Zeit über Radio hören konnte, kam ich in den zweifelhaften Genuss mehrerer Stellungnahmen von LiteraturwissenschaftlerInnen zum Nobelpreis für Doris L. Viele davon waren für mich o.k. und angemessen.
Eine junge Frau äußerte sich verblüfft und enttäuscht, dass man den Nobelpreis jemand gäbe, der so von gestern sei. Doris Lessing, meinte sie, hätte ihn um 1973 herum verdient. (Damit mag sie Recht haben!) Ihre moralische Art sei heute nicht mehr in, Rassismus, Feminismus, Eintreten für die Unterdrückten, das seien heute nicht mehr die literarischen Themen. Und seit dieser ihrer großen Zeit hätte Doris Lessing sich nicht weiter entwickelt und hätte zum Heute nichts zu sagen.
Der Meinung bin ich nicht. Zweifellos heißt sie nicht Houellebecq aber der oben von mir erwähnte Roman z.B. ist für mich mit jedem Jahr, den ich in dieser heutigen Gesellschaft lebe, wirklicher geworden.

Ich gratuliere mit voller Kraft und freue mich, dass diese Autorin in meiner jetztigen Gegenwart noch so eine Würdigung erfahren hat.

Streik

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Es gibt zur Zeit ja nicht nur den Streik der Lokführer. Auch im Einzelhandel wird gestreikt.

Im MDR hörte ich eine Reportage, die in den  späteren Sendungen nicht wieder auftauchte. - Eine Streikende wurde über die Gründe für den Streik befragt und wurde ziemlich deutlich:
Dass viele ihrer Kolleginnen als alleinerziehende Mütter trotz voller Arbeitszeit zusätzlich Hartz IV beziehen müssen.
Und sie bemerkte empört, dass sie es absolut nicht einsieht, dass Millionen ausgegeben werden z. B für neue Museen und Theatergebäude, wenn die, für die diese  ja schließlich da sind, nicht das Geld haben, ins Theater zu gehen oder im Museum Bilder anzusehen.

Frage: Wie kommt die Kollegin bloß auf die Idee, dass Theater und Museen für eine wie sie gebaut und erhalten werden? Reicht ihr denn RTL und SAT I nicht? Was hat doch diese Gleichmacherei der 70er und 60er Jahre da für einen Unsinn angerichtet in den Köpfen der Leute! Die Menschen sind nun einmal nicht alle gleich und es ist ein Unglück, wenn die einfachen Leute anfangen, nach den Kulturgütern der gebildeten Schichten zu schielen. Das hat man ja in der DDR gesehen, wohin so was führt.

Da kann man überhaupt mal sehen, wie unsinnig diese Streiks sind. Unverhältnismäßig ist das! Weil irgendwo ein Lokführer meint, er müsse auch unbedingt in Aida oder in Goethes Faust rennen, deshalb dürfen die hier den ganzen Verkehr in unserem Lande lahm legen. Die sollen sich mal lieber abends schön ausruhen, damit ihnen am nächsten Tag kein „menschliches Versagen“ unterläuft.

meine Lieblings-Herbst-Gedichte

Und eigentlich sind doch die noch dran …

Hier zwei meiner Lieblingsherbstgedichte…

 

Das erste, hörte ich heute zufällig im Radio, man sollte es nicht glauben!

 

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Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

Die Luft ist still, als atmete man kaum.

Und dennoch fallen raschelnd fern und nah

Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

 

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält.

Denn heute löst sich von den Zweigen nur,

was vor dem milden Strahl der Sonnen fällt.

Friedrich Hebbel

 

 

Hier ist er gegenwärtig, der wunderbare, der feiernswerte Herbst!

 

Oder auch dieses - aber man sieht es bei Rilke, dieser Feier folgt eben doch das, was auch Herbst ist, da ist wohl nichts zu machen!

 

 

Herr, es ist Zeit:

Der Sommer war sehr groß.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren

und auf den Fluren lass die Winde los.

 

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein.

Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süße in den schweren Wein.

 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke