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29.11.2007 von Mrs. Tapir.
Eben höre ich im Radio: die deutschen SchülerInnen haben diesmal ein wenig besser abgeschnitten, liegen jetzt an 13. Stelle!
Unverändert aber ist, dass es in keinem der beteiligten Staaten so einen engen korrelativen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg gibt.
Es wird sogar noch eins drauf gesetzt: Schüler aus sozial benachteiligten Familien werden bei gleichem Leistungsstand seltener fürs Gymnasium vorgeschlagen. Wahrscheinlich denken die Schulpädagogen sich dabei: ” Der hat ja zu Hause keine Unterstützung in schulischen Angelegenheiten, wie soll er dann das Gymnasium schaffen” und meinen im Interesse der betroffenen Schüler zu handeln.
Für die, denen Chancengleichheit nicht schon aus ethischen Gründen ein Anliegen ist:
Vielleicht stände Deutschland im internationalen Vergleich viel besser da, wenn diese Schülerreserve der sozial benachteiligten Kinder wirklich und mit entsprechendem Aufwand an Bildung herangeführt würde.
Intelligenz verteilt sich erfreulicher Weise nicht nach sozialen Gesetzen und Bedingungen, sondern sie ist in jeder Bevölkerung über Schichten und Gruppen hinweg gleich verteilt. Was die Natur uns vorgibt wissen wir ja bekanntlich perfekt auf den Kopf zu stellen. Wir vergeuden schlicht Humankapital.
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28.11.2007 von Mrs. Tapir.
Immer wieder das Gleiche:
Ich stelle den Studierenden Methoden und Konzepte einer Sozialen Arbeit vor, die von hoher Fachlichkeit und von einer deutlichen Achtung für den anderen Menschen, den Klienten, geprägt ist. In Fachkreisen nennt man diese Konzeption Sozialer Arbeit Lebensweltorientierung. Sie entstand in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und bildet z.B. die theoretische Grundlage des erst 1990 verabschiedeten Kinder- und Jugendhilfegesetzes.
Dieses Gesetz geht zum Beispiel von der Notwendigkeit aus, gegenüber den Klienten und ihrer Sicht der Situation Respekt zu haben, sie nicht zu ihrem Glück zwingen zu wollen, sondern sie ins Boot zu holen und zu aktiven Kooperationspartnern der Sozialen Arbeit zu machen. Das Gesetz versteht sich als Dienstleistung: Eltern und Minderjährige sollen Hilfe und Unterstützung bekommen, wo sie sie brauchen.
Ein Student berichtet von einem Fall, den er letzte Woche erst erlebt hat: Eine Mutter, die massive Erziehungsprobleme hat, die um ihren Rechtsanspruch auf Hilfe weiß, wendet sich um Hilfe ans Jugendamt - und wird wieder weggeschickt! Die Probleme waren dem Jugendamt nicht schwerwiegend genug. Geld ist nur noch da, wenn es eigentlich schon zu spät ist.
Heute ist dieses Gesetz oft nicht mehr das Papier wert, auf dem es steht. Formal wird es meistens beachtet, aber der Geist dieses Gesetzes wird ausgehebelt, umgangen, konterkariert. Natürlich steckt das liebe Geld dahinter, das Geld, das angeblich fehlt und das in diese Bereiche eben nicht investiert werden soll, das Prinzip der Ökonomisierung, das inzwischen alle gesellschaftlichen Bereiche dominiert und das allen vorschreibt, möglichst effizient, kostengünstig, rationell zu zu sein.
Freilich, das ist schließlich in allen Bereichen des Lebens so und trifft die Soziale Arbeit wie - fast - jeden anderen gesellschaftlichen Bereich auch. Nur, hier ist das folgenschwerer, als wenn es darum geht, Straßen zu bauhen oder Kaffeemaschinen zu produzieren.
Eine Soziale Arbeit, die einem humanen Menschenbild verpflichtet ist, braucht Zeit für diese Menschen, braucht Zeit für Kommunikationsprozesse, die nötig sind, um Probleme mit dem Betroffenen und nicht ohne oder gegen ihn zu lösen.
“Aber, Frau Professorin, Sie wissen doch auch, wie es in der Praxis heute aussieht, was wirklich geschieht, dass Entscheidungen nicht nach Fachlichkeit sondern nach Kostengünstigkeit gefällt werden, Sie wissen doch, wie oft keine Zeit bleibt, um auf die Menschen einzugehen, wie oft zu spät reagiert wird, weil Prävention keiner bezahlten will….”
Ja natürlich weiß ich das! Aber soll ich meine Studenten so ausbilden, dass sie in eine solche Praxis ohne anzuecken hineinpassen?
“Aber wenn wir uns wehren oder nur den Mund aufmachen, dann müssen wir Angst haben um unsere Arbeitsplätze. Und wir haben Familie oder wollen eine haben. …”
Natürlich kann ich das verstehen.
Es ist eine Schande, dass es so weit gekommen ist in unserem Land: Gesellschaftskritik und sei es die geringste, wird einem heute regelrecht übelgenommen, man macht sich verdächtig, nicht auf der demokratischen Grundordnung zu stehen- wobei hier die demokratische Grundordnung verwechselt wird mit der gesellschaftlichen “Ordnung” eines globalen Kapitalismus.
Nicht zufällig überschlagen sich die Medien anlässlich der “40 Jahre APO” in dem Versuch, in jenen Leuten, die die damalige Lebensordnung nicht akzeptieren wollten, die Zerstörer unserer Gesellschaft zu sehen: Die Gewalt in unserer Zeit hätte ihren Ausgang, so konnte ich vor ein paar Tagen im Radio hören, in den 68ern gehabt, denn denen war nichts heilig. Das schreit zum Himmel! Wem in unserem Land ist die Menschenwürde der Menschen heilig, die kein Geld haben, keinen Einfluss, die nicht zu den Machern und Gewinnern der Gesellschaft gehören?
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10.11.2007 von Mrs. Tapir.
In den Nachrichten ließ mich die Studie des Herrn Schröder (der Namensvetter hätte die Patenschaft übernehmen sollen!) an Berliner Schülern aufhorchen. Die Nachricht kam natürlich passend zum Tag des Mauerfalls und machte einmal mehr deutlich, dass es noch nicht ganz gelungen ist, die DDR für die Ostdeutschen und z.T. auch nicht für die Westdeutschen im Gruselbild einer menschenverachtenden, wirtschaftlich unfähigen Diktatur versinken zu lassen. Tenor:
Das Ergebnis sei niederschmetternd: unglaubliches Unwissen über die DDR und ein viel zu positives Bild über die DDR - je östlicher desto schlimmer!
Die Fragebogen Konstruktion ist bereits problematisch. Sie unterstellt Fakten, interpretiert Fakten und setzt damit eine “Wahrheit” über die DDR. Und Meinungen, die von ihren m.E. in etlichen Punkten sehr problematischen “Wahrheiten” abweichen, bringen damit eine verzerrtes, durch positive Voruteile geprägte Haltung zur DDR zum Ausdruck. Eine Bestätigung dieser “Wahrheiten” dagegen gilt als Beweis, dass der Betreffende die Sache richtig sieht.
Im Detail ist die ganze Befragung bei spiegel online nachzulesen.
Dass soviele Herrn Kohl für einen DDR-Politiker gehalten haben, finde ich allerdings auch als peinlich.
Der Spiegel berichtet: “Als Klaus Schroeder und sein Team Kontakt zu den Schulen aufnahmen, hätten einige Lehrer vor allem im Osten sehr unwirsch reagiert, sagt er: “Die haben uns vorgeworfen, wir wollten ja nur Vorurteile abfragen, und man dürfe die DDR nicht immer aus dem Blickwinkel ‘des Westens’ beurteilen.”
Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Schroeder energisch: Er will die DDR aus dem “Blickwinkel der Menschrechte und der Rechtsstaatlichkeit” beurteilt wissen. Für ihn gibt es vor allem eine Konsequenz aus seiner Studie: “Die Schulen und die Medien sind in der Pflicht. Wir brauchen den Mut, die DDR als das zu benennen, was sie war: eine Diktatur.”
Bescheidene Frage:
Wer hat den Mut - hierzulande und heute - die Bundesrepublik als das zu benennen, was sie ist: eine Diktatur des Kapitals? (Aber das Volk hat ihr zugestimmt. Schließlich leben wir heute in einer Demokratie. Super, dann ist ja alles in Ordnung.)
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15.10.2007 von Mrs. Tapir.
Wer kennt die noch?
kranich hat gestern damit angefangen, unsere alten Schallplatten mit einem neu erstandenen Gerät zu digitalisieren - mit erfreulichem Erfolg!
Beim Sichten meiner alten Schallplatten fiel mir zu allererst die alte LP von Jefferson Airplane in die Hände. Was für ein Wiederhören! Habe bis in die späte Nacht hinein getanzt und mich wie 25 gefühlt …. (Tanzen war auch nötig, da ich meine Restless Legs Tabletten vergessen hatte und so ohnehin nicht liegen und schlafen konnte…)
Aber immerhin, eine wunderbare Lösung für solche Probleme! Nur zu empfehlen!
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12.10.2007 von Mrs. Tapir.
Ein ganz persönlicher Freudentag für mich!
Ich liebe diese Autorin seit Jahrzehnten und habe viele ihrer Bücher genossen.
Ihre klare und kompromisslose soziale und politische Haltung war für mich immer eine Genugtuung, vor allem aber deshalb, weil sie es vermochte, diese Haltungen nicht als Polemik oder literarisch verpackte Agitation zu verarbeiten, sondern in Romane zu integrieren, die hochsensibel und mit psychologischem Realismus Menschen, ihre Entwicklung, ihre Nöte und Hoffnungen gestalteten.
Diese Verbindung gelingt eher selten. Ich kenne eine Hand voll Romane, die hochpolitisch sind und dennoch durch und durch literarisch - und die sich von daher auch nicht instrumentalisieren lassen und ließen: mir fällt da eins meiner Liebslingsbücher ein “Unruhe um einen Friedfertigen” (1947), von Oskar Maria Graf.
Die “Afrikanische Tragödie” von Lessing thematisiert z.B. die Rassenproblematik im Afrika der Jugendzeit von Doris Lessing auf eine Weise, wie sie so differenziert, so lebendig und so erschütternd niemals in irgend einem politischen Text begriffen und formuliert worden sein dürfte. Und Doris Lessing hat, als sie merkte, dass ihr Buch durch eine Verfilmung genau diese Qualität einbüßen würde, die Filmrechte daran verweigert (nach zu lesen im 2. Teil ihrer Autobiografie).
Besonders beeindruckend für mich sind bei Doris Lessing außerdem die Entwicklungen und die Erneuerungen, die sie in ihrem Werk im Verlaufe ihres langen Lebens vollzogen, mitvollzogen und bei denen sie gegengehalten hat.
Manches war für mich sogar “zu früh” und noch unverdaulich, als es erschien. Der Roman “Memoirs of a Survivor” z.B. hat mir vor 25 Jahren, als ich kleine Kinder hatte und ich die Vorstellung kanibalisierender kleiner 5Jähriger nicht ertragen konnte, Angst gemacht. Später habe ich ihn mit großem Staunen und mit Faszination gelesen.
Als ich gestern über die A9 brauste und die ganze Zeit über Radio hören konnte, kam ich in den zweifelhaften Genuss mehrerer Stellungnahmen von LiteraturwissenschaftlerInnen zum Nobelpreis für Doris L. Viele davon waren für mich o.k. und angemessen.
Eine junge Frau äußerte sich verblüfft und enttäuscht, dass man den Nobelpreis jemand gäbe, der so von gestern sei. Doris Lessing, meinte sie, hätte ihn um 1973 herum verdient. (Damit mag sie Recht haben!) Ihre moralische Art sei heute nicht mehr in, Rassismus, Feminismus, Eintreten für die Unterdrückten, das seien heute nicht mehr die literarischen Themen. Und seit dieser ihrer großen Zeit hätte Doris Lessing sich nicht weiter entwickelt und hätte zum Heute nichts zu sagen.
Der Meinung bin ich nicht. Zweifellos heißt sie nicht Houellebecq aber der oben von mir erwähnte Roman z.B. ist für mich mit jedem Jahr, den ich in dieser heutigen Gesellschaft lebe, wirklicher geworden.
Ich gratuliere mit voller Kraft und freue mich, dass diese Autorin in meiner jetztigen Gegenwart noch so eine Würdigung erfahren hat.
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6.10.2007 von Mrs. Tapir.
Es gibt zur Zeit ja nicht nur den Streik der Lokführer. Auch im Einzelhandel wird gestreikt.
Im MDR hörte ich eine Reportage, die in den späteren Sendungen nicht wieder auftauchte. - Eine Streikende wurde über die Gründe für den Streik befragt und wurde ziemlich deutlich:
Dass viele ihrer Kolleginnen als alleinerziehende Mütter trotz voller Arbeitszeit zusätzlich Hartz IV beziehen müssen.
Und sie bemerkte empört, dass sie es absolut nicht einsieht, dass Millionen ausgegeben werden z. B für neue Museen und Theatergebäude, wenn die, für die diese ja schließlich da sind, nicht das Geld haben, ins Theater zu gehen oder im Museum Bilder anzusehen.
Frage: Wie kommt die Kollegin bloß auf die Idee, dass Theater und Museen für eine wie sie gebaut und erhalten werden? Reicht ihr denn RTL und SAT I nicht? Was hat doch diese Gleichmacherei der 70er und 60er Jahre da für einen Unsinn angerichtet in den Köpfen der Leute! Die Menschen sind nun einmal nicht alle gleich und es ist ein Unglück, wenn die einfachen Leute anfangen, nach den Kulturgütern der gebildeten Schichten zu schielen. Das hat man ja in der DDR gesehen, wohin so was führt.
Da kann man überhaupt mal sehen, wie unsinnig diese Streiks sind. Unverhältnismäßig ist das! Weil irgendwo ein Lokführer meint, er müsse auch unbedingt in Aida oder in Goethes Faust rennen, deshalb dürfen die hier den ganzen Verkehr in unserem Lande lahm legen. Die sollen sich mal lieber abends schön ausruhen, damit ihnen am nächsten Tag kein „menschliches Versagen“ unterläuft.
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4.10.2007 von Mrs. Tapir.
Und eigentlich sind doch die noch dran …
Hier zwei meiner Lieblingsherbstgedichte…
Das erste, hörte ich heute zufällig im Radio, man sollte es nicht glauben!
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum.
Und dennoch fallen raschelnd fern und nah
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält.
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonnen fällt.
Friedrich Hebbel
Hier ist er gegenwärtig, der wunderbare, der feiernswerte Herbst!
Oder auch dieses - aber man sieht es bei Rilke, dieser Feier folgt eben doch das, was auch Herbst ist, da ist wohl nichts zu machen!
Herr, es ist Zeit:
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein.
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke
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5.8.2007 von Mrs. Tapir.
Ein Radiobericht über Sao Paulo, die dritt größte Stadt der Welt…..
In Brasilien besitzen 1% der Bevölkerung mehr als die ärmste Häfte der Bewohner dieses Landes. Die Reichen leben außerhalb der Mega-Millionenstadt in einer gepflegten Landschaft, umzäunt, bewacht, mit eigenen Schulen, Kindergärten, Geschäften, Parks, in einer eigenen, heilen, guten Welt, in der die anderen, die in dieser Stadt leben, nicht szu suchen haben. Ihnen wird der Eintritt mit Gewalt verwehrt.
In der Stadt können sich die Reichen nur mit gepanzerten Autos bewegen. Sie befinden sich unter der armen Bevölkerung ständig in Gefahr überfallen, bedroht, ausgeraubt zu werden. Und sie wissen sich zu schützen und zu wehren….
..
Vor Jahren lebte eine Bekannte von mir mit ihrem Mann und ihrer Familie in so einer Enklave und hat es nicht ertragen können, ist wieder zurück gekommen nach Deutschland…
..
Ich frage mich, wie die Kindergärtnerin den Kindern erklärt, warum es bei ihnen in ihrer Enklave so friedlich und schön ist und draußen in der Stadt so böse und gefährlich. Und warum sie hier alle zu essen haben und hübsch angezogen sind und Kinder in der großen Stadt abgerissen und hungrig auf der Straße leben müssen und für ihr Essen stehlen, sich verkaufen oder Menschen berauben müssen.
Werden sie ihnen sagen, dass die Menschen in der Enklave die Guten, die Besseren Menschen sind und die anderen böse und gefährlich? Wird es ein Kind geben, dass von sich aus auf die Idee kommt, dass es nicht verwunderlich ist, dass die anderen böse sind, wenn sie von all dem hier mit Gewalt ausgeschlossen werden?
..
Sao Paulo ist die Welt. Wir sitzen im reichen, wohlhabenden, sauberen, guten, gebildeten, kultivierten, auch noch christlichen Westen und tun alles dafür, dass die anderen nicht zu uns rein können. Stattdessen planen wir Kriege, um uns vor den Angriffen der Armen zu schützen. Oder besser, wir fangen die Kriege lieber selber schon mal an, damit sie keine Chance haben, uns angreifen und uns das wegnehmen zu können, was, verdammt noch mal, uns gehört in dieser Welt.
Und wehe dem, der hierzulande nicht begreift, dass es gilt, diese unsere Welt zu verteidigen. (Und außerdem uns auch noch ihr Öl zu sicher, das dummerweise bei ihnen im Boden steckt und nicht in der Nordsee oder in Texas.)
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30.7.2007 von Mrs. Tapir.
Nachdem ich heute Nachmittag die - ich weiß nicht wievielte - Korrektur meines Buches abgeschlossen hatte und es draußen schon seit Stunden düster tröpfelte, beschloss ich, mir endlich mal wieder in unserer Laube etwas zum Lesen auszusuchen. In unserer Laube “haust” unsere gesamte Belletristik und wir nennen sie deshalb die Bibliothek. Meine alte Leseleidenschaft ist in den letzten Monaten wieder mal etwas unter die Räder gekommen. Also frsich ans Werk!
Ich schwanke ein wenig zwischen Heines Gedichten, Defoes “Die Pest in London” und - ja, das ist es: Das “Treffen in Telgte”, von Günter Grass (1979).
Ich bin eigentlich nicht gerade ein Grass-Fan. Aber ich las dieses Bändchen vor zig Jahren und habe es in guter, amüsanter Erinnerung. Außerdem klingeln beim dem Namen Telgte bei mir liebe Jugenderinnerungen, habe ich doch in der Provinzialhauptstadt von Westfalen studiert, anno 68ff.
Und dann noch etwas: Ich möchte nachschauen, wie bei Grass der Paul Gerhardt wegkommt, der Kirchenlieddichter, mit dessen Liedern mir kranich seit ein paar Tagen eine CD vorspielt, die mir gut ins Ohr schmeichelt, aber mich etwas peinlich berührt, weil sie mich an alte Kinder-Gottesdiensttage und an spätere, katholisch-jugendbewegte Jahre erinnert: “Du kannst die Welt verändern, pack mit an”. Das habe ich dann später weniger katholisch ausgelegt….
Das Lied von der güldenen Sonne, das ich so gerne habe und dass jetzt unter Paul Gerhards Liedern auftaucht, hat kranich mir vor ein paar Wochen weggekrittelt , es sei ja doch auch mit der Sonne nur der liebe Gott gemeint. Fand ich nicht. Fand ich zu eng gesehen.
Aber die CD gibt kranich Recht.
Also lese ich an diesem düsteren Sonntagnachmittag Grass, mache mich auf die Suche nach jenem Paul Gerhard, tauche ein in jenen kleinen westfälischen Ort am Emsufer.
Es ist die Landschaft meiner Studienjahre. Wie oft saßen wir abends und in die Nacht hinein am Emsufer und diskutierten über die Welt, weniger über Gott, , über Vietnam, die Notstandsgesetze und natürlich über Kunst. Und mancher sprang nackt zur Abkühlkung ins Emswasser und tummelte sich zusammen mit kleinen Wasserratten am Schilfufer. Mit dem ersten Morgenlicht sahen diejenigen von uns, die noch geblieben waren, Schwäne die Ems entlang gleiten in Richtung der aufgehenden Sonne.
Heute Nachmittag nun sehe in in meiner Jugendlandschaft die Gruppe der Barock-Poeten Quartier beziehen und mit ihrem Treffen versuchen die deutsche Sprache und das zerstörte und zertrampelte Vaterland zu retten. Wie sie sich wichtig nehmen, wie sie debattieren, sich erhitzen! Es ist ein Vergnügen sie zu beobachten mit ihren widersprüchlichen Charaktere und Ansichten,, ihren verschiedenen Richtungen und Stilen, ihren Marotten und geheimen Sorgen und mit ihren Weisheiten und Lächerlichkeiten, ihren Eitelkeiten vor allem - und ich begegne mit Überraschung und Respekt dem, den ich beinahe vergessen hatte: dem Simpel: frech, lebendig und stark, dem späteren Verfasser des ersten deutschen Romans, Grimmelshausen. Hier ist er noch ein unbekannter aber voranstürmender Haudegen mit einem scharfen Blick für die Wirklichkeit, die politischen Verlogenheiten und die Leiden und Leidenschaften der Menschen. Für die versammelten Poeten eher ein Störenfried ihres dichterischen Hains. Von allen steht er als einziger heute in meiner Bibliothek.
Paul Gerhard ist auch dabei und kommt bei Grass recht und schlecht weg als bigotter, biederer, integrer und vor allem tieffrommer Mensch, der die Gottesverehrung seiner Lieder offenbar wirklich ernst nimmt. Also meint er wirklich nicht die Sonne, sie reicht ihm nicht, sie ist ihm nur ein Abglanz Gottes. Nun gut. Dennoch gefallen mir die Melodien, die andere zu seinen Texten gemacht haben.
An diesem langen, verregneten Juli-Sonntag lasse ich die 3,4 Sommertages des Tegter-Treffens an mir vorüberziehen. Es ist merkwürdig, dass das schon 300 Jahre her sein soll, 359 Jahre, um es genau zu nehmen. Als ich las, kam es mir so vor, als sei dieses Treffen eben erst zuende gegangen.
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17.6.2007 von Mrs. Tapir.
Wieder höre ich am frühen Morgen zwischen 5 und 6 Uhr Radio, während ich frühstücke und mir Gedanken mache, was ich heute im Garten so machen will….
Das Interview mit einem Bildungsforscher aus dem Dunstkreis der Agentur für Arbeit läuft. Der berichtet sachlich und fast ein wenig betroffen davon, dass etwa 10% der Bevölkerung für unseren Arbeitsmarkt nicht zu gebrauchen sind. Die offenen Stellen, die es zunehmend gibt im Rahmen des derzeitigen Aufschwungs, sind für die nicht zu haben. Gelassen spricht er es aus: 10% der Bevölkerung werden quasi abgeschrieben.
Wann endlich, denke ich böse, kommt ihr auf die Idee, dass es dann auch gesellschaftliche Verschwendung ist, diese 10% durch unser Schulsystem zu schleifen und sie mit Bildungsgütern zu belasten, die sie doch eigentlich gar nicht brauchen werden? Wann fängt der erste an, am Bildungsziel, Bildung für alle, zu kratzen? Wann kommt jemand, und erfindet die alte Volksschule wieder, die für diese Menschen dann nur die bescheidenen Bildungsgüter bereitstellt, die sie wirklich brauchen werden, z.B. wie man die Fernbedienung des Fernseher einschaltet. Wieviel Geld würde da der Staat einsparen können! Das könnte er dann in die Eliteschulen stecken, damit Deutschland endlich auch in der Bildung zur Elite gehört. Dann wäre Schluss mit dem kraftraubenden Versuch, solche Schüler in der Schule durchzuschleppen. Und zufriedener wären die dann auch, würden nicht ständig schlechte Noten haben, hätten keinen Leistungsdruck mehr und weniger Frust,würden endlich was lernen, was sie für ihr Leben gebrauchen könnten……
MDR Info hat jetzt ein neues Thema drauf. In Neuruppin hat die CDU sich für die Abschaffung der Hauptschule eingesetzt. Diese sei eine “Restschule” und böte für die Schüler keinerlei Chancen.
Ich lausche gespannt. Also habe ich doch zu schlecht über unsere Politiker gedacht!?
Geschaffen werden soll eine sogenannte Stadtteilschule, höre ich weiter, die die Hauptschule, die Realschule und die Gesamtschule vereine. Dort könne man dann auch das Abitur machen. Ansonsten gäbe es nur noch das Gymnasium. Die CDU setze sich für ein zweigliedriges Schulsystem ein.
Na bitte, denke ich, also doch: Nicht ganz so ehrlich, aber genau das, was ich erwartet habe: Unsere Bildungseliten sind die eine Klasse und für sie bleibt erhalten, was es schon immer gab, das gute alte Gymnasium, eine Welt für sich sozusagen, eine Klasse für sich.
Und dann die neue “Restschule” für all die anderen. Der eine oder die andere werden dort vielleicht sogar auch das Abi schaffen.
Die Realisierung der Gesamtschule als zweite Bildungslösung für die, die nicht so ganz helle sind, die aus einfacheren Verhältnissen kommen, für Migrantenkinder und für Kinder aus weniger bildungsnahen Familien, das gab es damals im Westen schon seit Erfindung der Gesamtschule. Und genau dieses Konzept hat die Gesamtschule diskreditiert und ihren ursprünglichen bildungspolitischen Grundgedanken kaputt gemacht.
In einer der großen Plattenbausiedlungen Jenas haben sich die Eltern und der Schulleiter des dortigen Gymnasiums lange mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass ihre Schule in eine Gesamtschule umgewandelt werden sollte. Die andere Schule, die zur Disposition stand, war ein traditionsreiches Gymnasium in der Innenstadt und seine Umwandlung stand nicht zur Debatte.
Natürlich hätte der Stadtteil von einer Gesamtschule mehr gehabt für die Jugendlichen, die es aufs Gymnasium bisher nicht geschafft hatten. Aber man sah die geplante Umwandlung vor allem als eine Abwertung und Diskriminierung der Schule an.
Und genau das ist sie auch, solange es daneben - für die anderen - weiter Gymnasien gibt.
Herr Munoz, Der UN Sonderberichterstatter, wusste, wovon er sprach:
http://www.zeit.de/2007/13/C-Bildungsbericht
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