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Archiv der Kategorie Dichtung & Kunst

Brandenburg an der Havel - zwischen den Jahren

Unser diesjähriger kleiner Zwischenjahresurlaub (wir feiern so unseren Hochzeitstag) führte uns dieses Mal nach Brandenburg an der Havel.

1. Tag, Sonntag, den 27.12.2009

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Kaum am Ziel auf der Altstädtischen großen Heidestraße angekommen,  haben wir einen wunderschönen Blick auf ein Stück Havel in der Wintersonne - direkt vor unserer Tür.

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2. Tag, Montag, 28. 12. 2009

Bei schönem hellem und klarem Wetter machten wir uns auf einen Spaziergang durch die Altstadt und die Neustadt - beides sind Altstadtzentren. Brandenburg wurde vor längerer Zeit aus zwei eigenständigen Städten zusammen gelegt.

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Nur ein paar Schritte entfernt von unserer Pension die frühgotische Kirche Sant Gotthardt, die behäbig, freundlich und doch majäestatisch auf einem schönen, ruhigen Platz tront wie eine Glucke auf dem Nest.

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Sie bleibt nicht das einzige Stück Backsteingotik, dass wir in dieser Stadt finden und bewundern.

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In einer kleineren Parkanlage finden wir das Denkmal der Steinschlägerin , 1927 aus Bronze gegossen. Vor ein paar Tagen sah ich solche Frauen mit ihren kleinen Kindern noch in Ostafrika. Also mussten Frauenauch bei uns vor noch nicht langer Zeit unter solchen Bedingungen ihr Brot verdienen.

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Viel ist in Brandenburg saniert, überall gibt es großzügige Park- und Uferanlagen. Die Stadt wirkt auf uns frisch und freundlich, aber keineswegs aus dem Ei gepellt und wie im Museum. Es gibt nach wie vor Ruinen aus dem 2. Weltkrieg und auch sehr viele leer stenede Häuser. Heute hat Brandenburg 77 000 Einwohner, es waren einmal fast 100 000.

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Hier haben die Wohnungen ihre eigene Anlegestelle.

Diese Stadt lebt vom Wasser. Es ist allgegenwärtig und man stellt sich bei 2 Grad minus vor, wie schön es hier im Sommer sein muss!

Kleines Maleur am Rande: Kranich lehnt sich an eeeine Hauswand, um eine Kirche besser auf den Sucher zu bekommen - und oh Schreck, diese war ganz frisch gestrichen. Es fehlte jedes Hinweisschild. Aber die neue Jacke war auf der ganzen Seite mit weißer Faorbe verschmiert.  Einer netten Dame in einer Drogerie verdanken wir den Rat, zur Reinigung zu gehen und dort gaben wird ann die Corpus delicti auch ab - und konnten es am nächsten Tag sauber und von Farbspuren befreit wieder abholen.

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Nur in Strickjacke war es nun freilich noch ein bischen kälter. Aber wir ließen uns die Laune nicht verderben.

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Ein einladender Blick von der Hauptstraße aus.

Nach 4 Stunden, leicht durchfroren aber voller Begeisterung machten wir uns bei Abendlicht auf dem Heimweg.

3. Tag, Dienstag, den  29.12.2009 (unser 5. Hochzeitstag, paierne Hochzeit, oder nicht?)

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Vom Morgen an regnete es leicht.  Mit Schirm war das aber gut zu ertragen.  Immer, wenn wir zu kalt waren, besuchten wir ein Café oder eine Kneipe, tranken Kaffee oder Kakao und wärmten uns auf. Die Stadt ist voller kleiner Gaststätten und Cafés.

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Hier am Stadttor fand ich auch den Rosenstrauch, der die Kälte der vergangenen Wochen überlebt hat und noch immer blühte!

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das-rathaus-mit-roland.jpgHeute führte uns unser Spaziergang zum Rathaus, vor dem ein Roland aus dem 12. Jahrhundert steht.

Dort sollte jede Minute eine pompöse Hochzeit einlaufen. Wir machten uns schnell auf den Weg.

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Im Zentrum steht ein großens Warenhauscenter. Hier war es schön warm und außerdem gab es hier unserer Hochzeitsgeschenk, die neue Spiegelreflexdigitalkamera.

Nachdem wir glücklich die Jacke abgeholt hatten, machten wir uns auf zum Archäologischen Museum im Pauli Kloster. Wir hatten am Tag zuvor gesehen, dass heute eine Führung zur Sonderausstellung: “Ackern, Jagen und Flössen” durchgeführt wurde.

Bei dieser Sonderausstellung ging es um die Frage, wie Archäologen anhand von Funden wie z.B. Pflanzenpollen oder Baumjahresringen Erkenntnisse über das Leben unserer Steinzeit-Vorfahren gewinnen können. Besucher durften selber etwas tun: Korn malen wie in der Steinzeit, Mikrospopieren, Felle befühlen…

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Beeindrucktend war der Klosterbau mit seinem großen Hallenkirchschiff und seinem doppelstöckigen Kreuzgang.

Die ständige Ausstellung, die wir im Anschluss an die Führung noch ausführlich besuchten, gefiel uns ausgezeichnet. Sie war sehr anschaulich und z.B. mit Lehrfilmenangereichert. Kraft und Atem hatten wir leider nur für die erste Abteilung, die Steinzeit. Hier lernten wir, dass über 10 000 Jahre hinweg die Neanderthaler und der Homo sapiens sapiens gleichzeitig die Erde und z.B. Europa bevölkerten.
Auf die Bronzezeit und das Mittelalter konnten wir nur noch einen flüchtigen Blick werfen. Aber es würde sich lohnen, wieder zu kommen.

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Nach Hause kamen wir heute erst im Dunklen. Unser Weg führte uns wieder durch andere Ecken des alten Zentrums von Brandenburg und in viele der kleinen Läden, die an den Hauptstraßen geöffnet hatten.

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4. Tag und Abreise, 30.12.1009

Über Nacht hatte es richtig geschneit. Ich brauchte lange, um mein Auto zu befreien.

Mit dem Blick auf die Altstädtische Große Heidestraße im Schnee nahmen wir Abschied von dieser netten, freundlichen Stadt.

Wieder ein Ziel mehr für unsere Sommerpläne!


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Lyrica

So heißt nicht mein neuer Gedichtband und es ist auch nicht der Name einer Frauengestalt in einem romantischen Roman - es ist mein neues Medikament.
Ich staune über diesen Namen und wüßte ganz gerne, wie ein Medikament zu so einem Namen kommt. Drin ist vor allem ein Stoff namens Pregabalin, was ja nicht besonders lyrisch klingt.

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.

Es ist gegen Epilepsie und Neuralgien und anders mehr. Unter anderem gegen Restless legs, diese unglaubliche Krankheit, die einen mit ihren quälenden Mißempfindungen in die Hölle schicken kann. Da ich außer an restless legs auch unter Neuralgien leide, seit ich monatelang nur am PC gesessen habe, fand meine Neurologin es ein gute Idee, bei mir nun gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ich war einverstanden. Auch noch, als sie mir offenbarte, dass dieses schöne Medikament bei mehr als 1  von 10 Patienten zu Gewichtszunahme und gesteigertem Appetit sowie zu anfallsartigen Müdigkeitsattacken führt. Letztere würden sich mit der Zeit geben. Alkohol ist streng verboten!
Etwas ängstlich geworden, sah ich mir die Beipackung genauer an und gab danach Lyrica in Googel ein - und fiel voller Schreck unter eine chattende Gruppe Lyrica geschädigter ZeitgenossInnen: Die eine hatte schon 6 Kilo in einem halben Jahr zugenommen, ein anderer konnte vor Müdigkeit nicht mehr Autofahren, andere überlegten, ob sie ihrem Beruf noch weiter nachgehen konnten….
Mir wurde es unheimlich. Dennoch begann ich mit der Einnahme, lauschte in mich hinein, ob mich die Hungerattacke erreichte oder mich eine Müdigkeitswelle wegspülte…
Ich merkte von all dem nichts. Bis heute bekommt mir das Zeug bestens. Nur die Restless legs sind noch nicht so gut kontrolliert wie vorher unter Sifrol.
Als ich jetzt noch einmal in den Beipackzettel hineinsah, fand ich unter den Indikationen auch noch “chronische Besorgniszustände” und unter den Nebenwirkungen “Euphorie”. Deshalb also geht es mir seit 4 Wochen so locker gut und deshalb also habe ich derzeit durchgehend beste Laune. Nicht schlecht her Specht. Ist das jetzt die Nebenwirkung “Euphorie” oder die Wirkung bei der Indikation “chronische Besorgniszustände”?

Jedenfalls habe ich endlich auch einmal richtig  Glück im Leben : Ich gehöre zu den 7 oder 8 von 10 Leuten, denen, die die Nebenwirkungsschrecken des lyrischen Pulvers nicht abbekommen haben.

Palisanderprinzessin


Seit vorgestern weiss ich nun, dass ich wirklich eine Palisanderflöte gekauft habe und kein imitiertes Plastikteil.

 

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Sie hat eine wundervolle Maserung, ist natürlich dunkel und wird noch recht schnell heiser. Ich werde sie liebevoll einspielen, mit den alten, leichten, nicht hoch gesetzten Stücken.

Ich habe Sie für 124 Euro bei ebay erstanden, war ganz und gar scharf drauf. Aber als sie kam war sie so merkwürdig leicht und hatte kein Markenzeichen. Aber sie riecht nach Palisanderholz, süß-herb und die Maserung geht durch.

Meine  Flötenlehrerin meint, sie sei 100% echt und ihre Tonart eigne sich für melancholische Moll-Stücke besonders.

Ich möchte meiner brasilianischen Schönheit einen eigenen Namen geben, Lyrika fiel mir ein, aber so heißt schon meine neue Tablette gegen Neuralgien. Also was anders. Mal sehen …

Meine schwierige helle, 30 Jahre alte Blockflöte werde ich nicht ausrangieren. Sie klingt eigentlich wunderbar. Ihre Schwierigkeiten – oder besser meine – beim hohen d, beim hohen cis, beim hohen f muss ich überwinden. Zwar könnte ich das Daumenloch überarbeiten lassen. Aber Frau S. hat mir erklärt, dass es lohnt, diese Töne aus ihr herauszulocken. Sie ist eben kein mechanisches, sondern ein eher lebendiges Instrument, mit dem man vorsichtig und behutsam aber deutlich umgehen muss, wie  mit einem Pferd, das man reitet.

 

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Flöten ist mir zur Leidenschaft geworden. Ich bin nicht besonders gut, obwohl A.  erstaunt war, wie gut ich nach 1 Jahr Unterricht spiele (obwohl ich saumäßig war beim Vorspielen). Aber ich habe bestimmt 6 Jahre mit großen Unterbrechungen vorher schon gespielt, autodidaktisch, weil meine Unterrichtskarriere mit 9 Jahre kläglich endete. Mein Lehrer hat mich damals aus dem Ensemble geworfen: die alte, geerbte Altblockflöte meines Vaters stimmte nicht zu den anderen Flöten und mein Vater sah nicht ein, dass er mir deshalb ein neues Instrument kaufen sollte.

20 Jahre später kaufte ich mir endlich dann selber eine neue, eigene Flöte, meine jetzige, helle Moeck. Die alte meines Vaters habe ich – heute bedauere ich es sehr – leichtsinnig und wahrscheinlich noch im Groll wegen der kindlichen Frustration erst vor wenigen Jahren im Rahmen eines Umzuges weggeworfen.

 

Seit ich  täglich eine Dreiviertel Stunde bis eine Stunde spiele, merke ich, dass ich nicht einfach Noten abspiele, sondern tatsächlich Musik mache. Das ist ein unglaubliches Gefühl, als hätte man Flügel, als eröffne sich eine neue Dimension des Lebens und Erlebens. Leute die wirklich Musik machen werden sicher über diese naive Aussage lächeln. Aber für mich, die ich musikalisch eigentlich eher unterbelichtet bin, ist es eine Offenbarung.

er kommt …


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Auszug aus meiner Trilogie:

Friedhofsgespräche - Teil II - Denkmal für meine Mutter

Du lebtest wieder in Dresden, als das erste Schuljahr langsam zu Ende ging. An einem blauen Märztag des Jahres 1927 hattest auf deinem Schulweg durch den Blüherpark die ersten Schneeglöckchen entdeckt. Der Lehrer kam an diesem Morgen in den Klassenraum, grüßte die Kinder stumm, schrieb mit großen, klaren Buchstaben an die Tafel: „Er kommt….“ und wandte sich dann mit fragendem Gesicht an die Klasse. Die Kinder schwiegen erst verwirrt, bis sie begriffen, was der Lehrer von ihnen wollte. Dann schnellten die Finger hoch. „Der Lehrer kommt“, posaunte stolz ein Junge heraus. „Nein“, der Lehrer schüttelte den Kopf. Diese Antworte wollte er nicht. „Der Vater kommt“, „die Mutter kommt“, „das Kind kommt“, „der Mann kommt“, „die Frau kommt“… Immer wieder schüttelte der Lehrer bestimmt und geheimnisvoll seinen Kopf und nahm das nächste Kind dran. Schließlich kamst du an die Reihe, die du vom ersten Moment die richtige Antwort gewusst hast. „Der Frühling kommt!“ jubeltest du in die Klasse. „Du“, sagte der Lehrer, „du kannst dich auf der Vogelwiese sehen lassen“.

 

P.S. Die Vogelwiese ist der  Jahrmarkt in Dresden , vermutlich heute noch?

 

 


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  Apfelbäume warten auf den Frühling

 

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 Vorfrühling am Bach

 

 

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 Der Frühling zieht in Jena ein

.

zwei oder drei Dinge

Jetzt mit 60 frage ich mich erneut, warum ich das hier eigentlich mache. Ich habe einige Monate gezögert, ob ich nicht jetzt aufhören soll. Aber es gibt noch immer ‘zwei oder drei Dinge, die ich von mir weiß’, und die ich auch anderen zur Kenntnis geben möchte. 

z.B. meinen Eindruck vom diesjährigen Frühlingsbeginn

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Usedom o9


frühlingsanfang

dass die kälte nicht weichen will!

tags täuscht die sonne frühling vor.

in der nacht aber schleicht der frost

über den kahlen boden.

was sich am tage an licht wagt,

erstarrt am abend wie wintertot.

 

60mal schon ist auf den winter der frühling gefolgt.

warum also sollte er es dieses mal nicht auch tun?

 

März 09


meine Anka ist tot

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hier ist meine Anka noch vor

wenigen Tagen herumgestromert….

 

 für Anka

 

Die Sommerastern sind verblasst wie alte Bilder.
Oktober müde liegt das Feld.
In diesem Herbst kann ich
die Müdigkeit der Bäume fühlen
mit jedem Blatt,
das fällt.
Sanft kommt das Sterben,
still und blass.

 

Ich habe so oft über sie geschrieben. Ihr Tod kam erschütternd plötzlich. Unser Garten, unser Haus sind auf einmal leer. Meine Anka ist fort: ein lebendiges Wesen, dass sich immer wie verrückt gefreut hat, wenn ich kam, auch wenn ich nur kurz am Auto gewesen war, ein Wesen, dass uns mit ihrer Freundlichkeit und Zuversicht, mit ihrer intensiven Gegenwart und ihrer Fähigkeit, Glück zu finden in den winzigsten Kleinigkeiten ihres Lebens.

Wir werden lange brauchen, um nicht mehr mit Schmerz an sie zu denken. Vergessen werden wir sie wohl nie.

Pariser Sommerfest am Bassin

Das große Bassin, an der Metrostation “Stalingrad” gelegen, und durch den Canal Saint Martin gespeist, hatten wir schon in den ersten Tagen unserer Pariszeit entdeckt.

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Hier ist Paris nicht all zu sehr herausgeputzt. Hierher verirrt sich wohl auch nicht so oft ein Tourist. Dafür aber ist hier die Pariser Bevölkerung hier zu Hause.

An einem unserer letzten Tage gerieten wir zufällig mitten in ein Sommerfest, dass entlang der Ufer des großen Bassins gefeiert wurde.

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Entlang des Ufers waren große Sandkästen für die Kleinsten aufgeschüttet und mitten drin - bequeme Liegestühle für die Muttis und Vatis - ein super Idee, fanden wir.

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Am meisten aber hat uns der öffentliche Tanz beeindruckt: eine Tanzfläche, Musik vom Band, jede Menge begeistert  und ausdrucksstark tanzende Paare jeder Altersgruppe

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und rings herum Zuschauer, Leute, die gleich auch mittanzen würde, auf ihre tanzwütigen Mütter wartende Kids,

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und z.B. auch wir….

Da waren Leute einfach nur fröhlich und ungezwungen. So viel spontane Lockerheit und Lebensfreude und gleichzeitig so viel  Eleganz und Musikalität dürfte man in Deutschland vermutlich lange suchen.

Jardin du Luxembourg

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Den Jardin du Luxembourg kannte ich schon von meiner Primaner-Reise vor 40 Jahren. Besonders beeindruckt hatte mich damals ein kleines Karussell, eben das, welches Rilke in seinem berühmten Gedicht beschreiben hat.

Das Karussell

Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Ansonsten war dieser Park genau so, wie ich ihn in Erinnerung hatte: lichtdurchflutet, ganz im französischen Stil, voller Menschen, die plaudern, sich erholen, ausruhen wollen.

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Mein Karussell aber war nicht mehr zu finden.

Aber als wir kurz darauf am Eifelturm spazieren gingen, war es auf einmal da:

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Also doch: Und dann und wann ein weißer Elefant …nur war diesmal der Elefant blau.

Die Bettnachbarin

Erzählung

Mechthild Seithe

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the last rose

Irene beobachtet ihre ältere Mitpatientin, die wegen Brustkrebs nun schon zum dritten Mal eingeliefert wurde. Während sie noch über die Gemeinheit und Sinnlosigkeit des Lebens philosophiert, das ein so trauriges und hartes Schicksal zulässt, erlebt sie, wie für ihre Bettnachbarin - sozusagen im Angesichte ihres Todes - eine Liebesgeschichte beginnt. Hin und her gerissen zwischen Neid, Angewidertheit und Ärger ergreift sie schließlich für die Liebenden Partei und damit auch für sich selber..

22. September


Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass mein Leben nach all den Jahren in diesen vier kalkweißen Wänden verrinnt.
Nein, kalkweiß sind diese Wände nicht. Irgendjemand hat für einen faden Gelbton gesorgt. Damit die Patienten keine Depressionen bekommen. Wie mir scheint, reicht diese Maßnahme dafür absolut nicht aus.
Auch der handlich nah platzierte Knopf zur Auslösung des Fernsehprogramms hilft da wenig. Besser ist schon die Kastanie im Innenhof der Klinik. Auch wenn ich liege, sehe ich noch ihre obersten Äste. Und wenn ich am Fenster stehe was ich wieder kann und was ich mir ein, zwei Mal am Tag leiste – können meine Augen in ihrer Krone herumklettern wie kleine Affen. Diese Kastanie gibt mir eineindeutige Informationen über die gerade aktuelle Jahreszeit. Sie wandelt sich mehr als alles andere hier. Selbst die Monatsblätter des Kalenders, den eine Schwester freundlicherweise über dem kleinen Besuchertisch in unserem Zimmer aufgehängt hat, zeigt jeden Monat bunte, glänzende Autos, die durch Traumlandschaften fahren, in denen ewiger Sommer zu sein scheint.
Die Kastanie ist noch immer grün. Aber sie hat schon seit ein paar Wochen gelbgeränderten Blätter. Als ich herkam, war die Baumkrone kahl und durchsichtig. Ich habe lange dieses Gewirr aus verschlungenen Linien und Gittern angeschaut in den ersten Tagen. Dann, Wochen später leuchtete der Baum grün in mein Zimmer. Und irgendwann danach explodierte die Krone über Nacht in einen über und über mit weißen Kerzen geschmückten Frühlingstraum.
Aber die Blüten vergingen. Mit dem Mai ging auch meine Hoffnung, dieses Haus verlassen zu können, bevor der Baum wieder kahl dastehen wird.
Onkologie. Wer hier landet ist in d er Regel gerade seinem Schicksal begegnet. Ab da tickt die Uhr.

Ich gehöre inzwischen zum fast Inventar. Ich kenne den Dienstplan der Schwestern vermutlich besser als der Oberarzt und weiß auch von dem Kummer der Stationshilfe mit ihrer alten Mutter. Weniger bleibend sind die Eindrücke, die die anderen Patientinnen bei mir hinterlassen, die nacheinander das andere Bett in diesem Zimmer bewohnt, belegen, bekleckert, besabbert, beweint haben.
Die anderen waren fast alle älter als ich. Ja, ich weiß, es gibt manchmal auch Jüngere. Aber ich selber bin , weiß der Himmel, auch noch zu jung, für diese Scheiß Diagnose. Es ist ungerecht. Es ist zum Kotzen ungerecht.

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Was ich liebe - Unterm Strich - XIII.

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Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht
sie säuseln und wehen Tag und Nacht.
Sie schaffen an allen Enden.
Oh frischer Duft, oh neuer Klang,
nun armes Herze sei nicht bang,
nun muss sich alles, alles wenden.

 

Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch werden mag,
das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal.
Nun armes Herz, vergiss der Qual.
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland

 

 

Und dann ist noch all das da, was ich liebe, was ich erleben und erlauschen will, solange meine Augen, meine Ohren mitmachen.

 

Da ist mein Garten im Verlaufe der Jahreszeiten, die flirrenden Birkenblätter vor dem tiefblauen Himmel über meiner Hängematte, das Leuchten der Blüten vor dem satten Grün, der junge Specht, der sich zu uns verirrt, die ersten Keimlinge im April, die ich vor Elstern und Schnecken verteidigen muss, die Schatten- und die Sonnenplätze, der Kaffee im Schutz der Bäume, ….

 

Und da ist der Wald, der Wald in dem ich die ersten Schritte gemacht habe, der hohe Hildesheimer Wald und all die anderen Wälder, die im Sommer nach Harz riechen und im Winter nach Eicheln, wo auf Moospolstern mitten zwischen dichten Bäumen die Sonne eine kleine Waldlichtung mit Wärme tränkt, wo ich im Gras liege und in den Himmel blicke hinter den leicht wogenden Kiefern. Der Wald war mir stets ein Ort des Friedens, ein Ort, wo ich alle meine Sorgen und Ängste weglegen konnte. Hier war ich Mensch aber umgeben von Natur, von einer Welt, die mich als Gast duldete aber zärtlich und nachsichtig mit mir war.

Das Meer kenne ich erst seit meinem 18. Lebensjahr, aber ich meinte sofort damals, es schon immer gekannt zu haben: den weiten Horizont, den endlosen Blick in den Dunst an der Wassergrenze, das Rauschen, das sich einen Dreck schert um alles, was am Strand los ist, das immer weiter rauscht und keinen Menschen zu brauchen scheint. “In allen Lebenslagen”, so heißt ein Spruch, den ich immer beherzigt habe, “hilft Salzwasser: Tränen, Schweiß oder das Meer”. So ist es.

 

Ich liebe die Natur zu allen Jahreszeiten. Früher liebte ich am meisten den Herbst. Je älter ich werde, desto mehr warte ich auf den Frühling. Es tut gut, sich, wenn man selber nicht mehr im Frühling steht, zu vergewissern, dass die Erde nicht alt wird und sich ständig erneuert. Wenn Äste, die vorher wie totes Holz im kalten Februar standen und im Regen glänzten wie Metall, wenn die auf einmal zu leben beginnen, wenn sie grün schimmern und dann das Chlorophyll aus ihnen hervorbricht, wenn nackte Felder und gelbgraue trockenstarre Wiesen vom Vorjahr mit einem Mal vor Grün und Kraft strotzen, dann erlebe ich so etwas wie die Erneuerung meines Glaubens an die Kraft der Natur. Und ich bin stolz, in diesen Kreis hineinzugehören. Ich könnte meine Jahre nach Frühlingen zählen.

Und die Sterne, die Blüten, die kalten kristallklaren Seen in Brandenburg, die Bäche und Flussläufe, das Feuer. Das habe ich noch vergessen. Ich möchte noch oft im Garten oder im Zimmer sitzen und in die Flammen schauen, in diese vernichtende Lebendigkeit und Hitze, ich möchte die Funken sprühen sehen, zuschauen, wie dicke Holzscheite sich durch die Flammen verwandeln in verkohlte Pflanzen, wie plötzlich Wachstumsstrukturen wieder sichtbar werden und Zellverbände, Jahresringe. Und ich möchte dabei sein, wenn das Feuer am Ende sich als glühende Asche bescheiden und vertraulich zurücknimmt und schließlich erlischt.

 

Aber nicht nur die Natur berührt mich mit ihrer Schönheit. Auch die Schönheit, die Menschen geschaffen haben, erreicht mich, zumindest da, wo sie nicht aufgepeppt, in Plastik verpackt und schrill auf mich zu kommt. Alte Städte, Gebäude, in denen die Steine die Gewölbe noch tragen, Brücken, denen man ihre Aufgabe noch ansehen kann, Plätze, auf denen Menschen sich treffen, Straßen, die eine Landschaft durcheilen wie ein Strom aber auch die Via Appia, die Kilometer lang gesäumt ist von riesigen wilden Oleanderbüschen, all das erzeugt Lust und Freude bei mir. Und natürlich Musik, die bescheidene erst einmal, die ich selber machen kann und die große, die ich nur anhöre: Barock, Schubert, Beethoven, Lieder aus Irland, meine Beatles, so viele alte Popsongs, die meine Jugend und mein späteres Leben begleitet haben und mir Heimat sind. Kunst liebe ich auch, wenn sie nicht als Massenprodukt oder als etwas auf mich zukommt, was ich zu kennen habe, was man gesehen haben muss. Ich liebe den Tanz, das Verschmelzen des menschlichen Körpers mit der Musik. Und vor allem liebte und liebe ich die Dichtung, die Sprache, die sich wie ein Vogel von der Erde abheben kann und dann viel mehr ist als ein Mittel zur Verständigung, die zu schimmern beginnt, zu leuchten, zu summen, die Versprechungen macht, Visionen eröffnet, die ans Herz greift und die mich hinweg trägt aus der Wirklichkeit ohne die Wirklichkeit zu vertuschen. Ich liebe die Dichtung genau so wie die Wirklichkeit, manchmal mehr.

Und - zugegeben- , ich liebe das Autofahren, meinen PC und das Fotografieren.

 

Menschen liebe ich auch, nein nicht alle. Ich bin kein Philantrop, kein Menschenfreund, keiner der immer unter Menschen zu Hause sein kann und auch dort sein muss, einfach weil es Menschen sind. Ich achte sie, ich bestehe auf ihrer Würde und auf ihrer Gleichwertigkeit, egal wo sie herkommen und was sie sind und haben. Aber lieben kann ich nur wenige von ihnen.

Etwas anders ist aber das: ich brauche sie. Natürlich brauche ich sie und vielleicht brauchte ich sie immer mehr, als ich sie bekommen habe. Das sind alte Wunden. Möglicherweise liegt es an mir selber, dass die Menschen für mich nicht das waren, was sie hätten sein können, meine Menschen. Ich bin misstrausch und ängstlich gewesen vor ihnen. Vielleicht hätte ich mich selber mehr um Menschen kümmern müssen.

Doch ja, das werde ich vielleicht auch noch tun: mich mehr um andere Menschen kümmern.

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