Infos

Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Dichtung & Kunst.

September 2010
M D M D F S S
« Apr    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Archiv der Kategorie Dichtung & Kunst

schon die alten Römer sprachen von “befrieden” - mein Antikriegstagebuch

pace.jpg

Demonstration für den Frieden in Afghanistan

Man sollte nicht sagen, dass das Erlernen der Lateinischen Sprache sinnlos sei. Mir ist jedenfalls beim Lernen der Vokabeln vor einigen Jaharzehnten eine Kronleuchter aufgegangen - über ide alten Römer und ihre Weltherrschaft und überhaupt, über alle Völker, die etwas mit der Weltherrschaft am Hut haben:

da gibt es die Vokabel “pacare“. Das heißt “befrieden“, kommt von “pax”, “der Friede”. Also geht es darum, den Frieden zu bringen für das fremde Land, um das es dabei geht.

Aber da stand noch eine Bedeutung daneben, die mich anfangs sehr irritiert hat, weil ich nicht verstand, wieso das eine Wort diese beiden für mich widersprüchlichen Bedeutungen haben konnte.
Da stand nämlich auch noch : “unterwerfen“.

Bis ich begriff, dass es Menschen und Weltmächte gab und gibt, die andere unterwerfen und vom Frieden Bringen dabei reden.

leichter-panzer.jpg

Nicht nur die Freiheit, auch der Friede wird von den Menschen ausgelegt, wie es ihnen passt.

.

Pazifismus reaktionär? - mein Antikriegstagebuch

Das gestrige “Ossifizierungsthema”  hat noch etwas Unglaubliches für mich zu Tage gebracht:

Der Historiker Wolffsohn, der diesen Begriff in die Welt gesetzt hat,  bezeichnet es als ein gesellschaftliches Problem und als eine “reaktionäre Entwicklung”, dass es im Westen bei den Mittel- und Oberschichten noch immer zum “guten Ton” gehöre, zur Bundeswehr auf Distanz zu gehen.
Es ist in seinen Augen  “reaktionär”, die deutsche Militarisierung und Kriegsfreundlichkeit, die sich in unserer Gesellschaft immer mehr breit macht und für die in den Medien unermüdlich geworben wird (so auch mit Hilfe dieses Herren), nicht mit Begeisterung aufzugreifen.
Es ist mir klar, dass diese von ihm beschriebene “Distanz zur Bundeswehr” nicht gleichzusetzen ist mit einer Ablehnung des neuen militären   Selbstbewußtseins und Selbstverständnisses in Deutschland. Und dennoch ist es wenigstens ein Relikt, dass davon erzählt, dass es im Westen Deutschland in den Nachkriegsjahrzehnten eine mehr als begründete generelle Tendenz gab, von kriegersichen und militärischen Absichten im deutschen Land Abstand zu nehmen. Pazifismus war nicht unbedingt bei allen Leuten  gegeben, aber Pazifisten waren angesehen und akzeptiert und verkörperten das schlechte Gewissen der deutschen Nation. Nun ist er also nur noch eine Art schlechter Angewohnheit und “reaktionär”, was wohl heißen hier soll: eine Haltung, die das deutsche Volk in seiner Bedeutung und Wichtigkeit in dieser Welt behindert und einschränkt.

069927064322-render-y2-00.jpg

“Am deutschen Wesen soll die Welt genesen”, wo hab ich das zuletzt gehört? In einer Rede der Bundeskanzlerin, auch nein, nicht wörtlich, sie hat es ein bisschen anders ausgedrückt.

Ossifizierung? - mein Antikriegstagebuch

Wenn man eine Ablehnung für eine Arbeitsstelle erhält, die nachweislich darauf zurück zuführen ist, dass mann aus dem Osten Deutschlands kommt, kann man sich nicht dagegen wehren. Ossi zu sein ist kein ethnisches Merkmal. So.So.

Heute hören wir von einer Ossifizierung der Bundesewehreinsätze im Ausland. Wessis gibt es fünfmal so viele im Vaterland. Aber die im Ausland eingesetzten Soldaten sind zur Hälfte (erst hieß es 60%, in den nächsten Nachrichten war man auf “fast 50% runtergerudert)  aus dem Osten. “Mehr als jeder dritte der bislang 43 toten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stammte aus den neuen Ländern.”  Dabei ist der “Ost-Anteil vor allem bei den unteren Mannschaftsdienstgraden   (zwei Drittel) , während er bei den höheren Stabsoffizieren auf 16% sank. Was lehrt uns das?

cn_soldat_dw_politi_793688g.jpg

Handelt es sich bei unseren SoldatInnen vielleicht wirklich um “Arbeitslose in Uniform”, denn die Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit für junge Leute ist im Osten nach wie vor viel größer?
Die Bundeswehr stellt sich schließlich zunehmend als Arbeitsmarkt, als Ausbildungschance und als berufliche Chance dar. Eine elegante Lösung zweier Probleme mit einer Klappe.

Andererseits:
Dass Wort “Ossifizierung”, absulut reif für das schönste Wort des Jahres (aber wer weiß, was noch so kommt?),  scheint auch Bedenken und Befürchtungen auszudrücken: Können wir diesen Ossis unsere Freiheit und Sicherheit z.B. am Hindukusch überhaupt anvertrauen? Ist es nicht ein Problem, dass gerade solche Menschen für das deutsche Vaterland ihren Kopf hinhalten?
Aber vielleicht ist das ja gerade geschickt. Kanonenfutter kam schon immer aus den gesellschaftlich niedrigeren Schichten. Auch in der amerikanischen Armee schlagen sich eher die schwarzen GIs persönlich die Köpfe ein, während der weiße Soldat eher an Computern und in Kampfmaschinen sitzt, wo er sein kostbareres Leben besser geschützt glaubt. Und so hat dann wohl auch alles seine Richtigkeit.

Ich denke, wenn hier irgend eine “Fizierung” im Gange ist, dann eine Infizierung der Bevölkerung mit dem Virus der Akzeptanz fürs Kriege Führen.

wir sollen uns dran gewöhnen -mein Antikriegstagebuch


Es ist nicht zu fassen: Ich habe heute früh in den Nachrichten einmal ausgezählt, in wie vielen der Nachrichten Militär, Krieg, Soldaten, Waffen eine Rolle spielten: Es waren 50%! Wir sollen uns an die Allgegenwart dieses Themas, an seine Alltäglichkeit, „Natürlichkeit“, sein einfach Dazugehören“ gewöhnen.

Der Bericht über das Ausbildungslager der Bundeswehr, das unsere Landesmutter besucht hat, um ihre Unterstützung für unsere Soldaten zu demonstrieren.
Hier wird an echten Waffen geübt – freilich ohne Munition, erzählt der Sprecher. Dann kann man einen Stabsfeldwebel über „den Afgahnen an sich“, fachsimpeln hören. Unsere Soldaten scheinen ethnologische Fachkräfte zu werden, die kultursensibel mit einem fremden Volk verhandeln.
Und dann die Übung, von der berichtet wird: Taliban haben wieder mal einen Selbstmordanschlag ausgeübt. AmBoden liegt die zerfetzte Puppe des Attentäters. Uund nun geht es darum für die deutschen Soldaten darum, die verletzten Personen aus der Zivilbevölkerung zu retten. Nachtigall, ich hör dir trabsen!
Frage ich mich nur: Wenn sie nun keine Brunnen bauen, sondern in Wirklichkeit die Zivilbevölkerung nach Anschlägen ins Krankenhaus bringen – wozu üben sie dann an echten Waffen?

Brandenburg an der Havel - zwischen den Jahren

Unser diesjähriger kleiner Zwischenjahresurlaub (wir feiern so unseren Hochzeitstag) führte uns dieses Mal nach Brandenburg an der Havel.

1. Tag, Sonntag, den 27.12.2009

der-erste-blick-vor-unserer.jpg

Kaum am Ziel auf der Altstädtischen großen Heidestraße angekommen,  haben wir einen wunderschönen Blick auf ein Stück Havel in der Wintersonne - direkt vor unserer Tür.

stadt-im-wasser-und-am-wass.jpg

2. Tag, Montag, 28. 12. 2009

Bei schönem hellem und klarem Wetter machten wir uns auf einen Spaziergang durch die Altstadt und die Neustadt - beides sind Altstadtzentren. Brandenburg wurde vor längerer Zeit aus zwei eigenständigen Städten zusammen gelegt.

st-gothardt.jpg

Nur ein paar Schritte entfernt von unserer Pension die frühgotische Kirche Sant Gotthardt, die behäbig, freundlich und doch majäestatisch auf einem schönen, ruhigen Platz tront wie eine Glucke auf dem Nest.

gotische-kirchen-wo-man-hinsieht.jpg

Sie bleibt nicht das einzige Stück Backsteingotik, dass wir in dieser Stadt finden und bewundern.

die-steinschlaegerin15.jpg

In einer kleineren Parkanlage finden wir das Denkmal der Steinschlägerin , 1927 aus Bronze gegossen. Vor ein paar Tagen sah ich solche Frauen mit ihren kleinen Kindern noch in Ostafrika. Also mussten Frauenauch bei uns vor noch nicht langer Zeit unter solchen Bedingungen ihr Brot verdienen.

ruineam-muehlendamm.jpg

Viel ist in Brandenburg saniert, überall gibt es großzügige Park- und Uferanlagen. Die Stadt wirkt auf uns frisch und freundlich, aber keineswegs aus dem Ei gepellt und wie im Museum. Es gibt nach wie vor Ruinen aus dem 2. Weltkrieg und auch sehr viele leer stenede Häuser. Heute hat Brandenburg 77 000 Einwohner, es waren einmal fast 100 000.

wohnungen-mit-anlegestelle.jpg

Hier haben die Wohnungen ihre eigene Anlegestelle.

Diese Stadt lebt vom Wasser. Es ist allgegenwärtig und man stellt sich bei 2 Grad minus vor, wie schön es hier im Sommer sein muss!

Kleines Maleur am Rande: Kranich lehnt sich an eeeine Hauswand, um eine Kirche besser auf den Sucher zu bekommen - und oh Schreck, diese war ganz frisch gestrichen. Es fehlte jedes Hinweisschild. Aber die neue Jacke war auf der ganzen Seite mit weißer Faorbe verschmiert.  Einer netten Dame in einer Drogerie verdanken wir den Rat, zur Reinigung zu gehen und dort gaben wird ann die Corpus delicti auch ab - und konnten es am nächsten Tag sauber und von Farbspuren befreit wieder abholen.

die-freundliche-reinigung.jpg

Nur in Strickjacke war es nun freilich noch ein bischen kälter. Aber wir ließen uns die Laune nicht verderben.

blick-auf-die-havel43b.jpg

Ein einladender Blick von der Hauptstraße aus.

Nach 4 Stunden, leicht durchfroren aber voller Begeisterung machten wir uns bei Abendlicht auf dem Heimweg.

3. Tag, Dienstag, den  29.12.2009 (unser 5. Hochzeitstag, paierne Hochzeit, oder nicht?)

es-regenet-an-der-havel2b.jpg

Vom Morgen an regnete es leicht.  Mit Schirm war das aber gut zu ertragen.  Immer, wenn wir zu kalt waren, besuchten wir ein Café oder eine Kneipe, tranken Kaffee oder Kakao und wärmten uns auf. Die Stadt ist voller kleiner Gaststätten und Cafés.

hinter-dem-stadttor0021b.jpg

Hier am Stadttor fand ich auch den Rosenstrauch, der die Kälte der vergangenen Wochen überlebt hat und noch immer blühte!

spaete-rosen.jpg

das-rathaus-mit-roland.jpgHeute führte uns unser Spaziergang zum Rathaus, vor dem ein Roland aus dem 12. Jahrhundert steht.

Dort sollte jede Minute eine pompöse Hochzeit einlaufen. Wir machten uns schnell auf den Weg.

im-konsumtempel.jpg

Im Zentrum steht ein großens Warenhauscenter. Hier war es schön warm und außerdem gab es hier unserer Hochzeitsgeschenk, die neue Spiegelreflexdigitalkamera.

Nachdem wir glücklich die Jacke abgeholt hatten, machten wir uns auf zum Archäologischen Museum im Pauli Kloster. Wir hatten am Tag zuvor gesehen, dass heute eine Führung zur Sonderausstellung: “Ackern, Jagen und Flössen” durchgeführt wurde.

Bei dieser Sonderausstellung ging es um die Frage, wie Archäologen anhand von Funden wie z.B. Pflanzenpollen oder Baumjahresringen Erkenntnisse über das Leben unserer Steinzeit-Vorfahren gewinnen können. Besucher durften selber etwas tun: Korn malen wie in der Steinzeit, Mikrospopieren, Felle befühlen…

mikroskopieren-im-museum05b.jpg

jahresringe2b.jpg

Beeindrucktend war der Klosterbau mit seinem großen Hallenkirchschiff und seinem doppelstöckigen Kreuzgang.

Die ständige Ausstellung, die wir im Anschluss an die Führung noch ausführlich besuchten, gefiel uns ausgezeichnet. Sie war sehr anschaulich und z.B. mit Lehrfilmenangereichert. Kraft und Atem hatten wir leider nur für die erste Abteilung, die Steinzeit. Hier lernten wir, dass über 10 000 Jahre hinweg die Neanderthaler und der Homo sapiens sapiens gleichzeitig die Erde und z.B. Europa bevölkerten.
Auf die Bronzezeit und das Mittelalter konnten wir nur noch einen flüchtigen Blick werfen. Aber es würde sich lohnen, wieder zu kommen.

im-kreuzgang7.jpg

Nach Hause kamen wir heute erst im Dunklen. Unser Weg führte uns wieder durch andere Ecken des alten Zentrums von Brandenburg und in viele der kleinen Läden, die an den Hauptstraßen geöffnet hatten.

letzter-blick-uebers-wasser.jpg

4. Tag und Abreise, 30.12.1009

Über Nacht hatte es richtig geschneit. Ich brauchte lange, um mein Auto zu befreien.

Mit dem Blick auf die Altstädtische Große Heidestraße im Schnee nahmen wir Abschied von dieser netten, freundlichen Stadt.

Wieder ein Ziel mehr für unsere Sommerpläne!


schnee-zum-abschied.jpg


Lyrica

So heißt nicht mein neuer Gedichtband und es ist auch nicht der Name einer Frauengestalt in einem romantischen Roman - es ist mein neues Medikament.
Ich staune über diesen Namen und wüßte ganz gerne, wie ein Medikament zu so einem Namen kommt. Drin ist vor allem ein Stoff namens Pregabalin, was ja nicht besonders lyrisch klingt.

blog0001.JPG
.

Es ist gegen Epilepsie und Neuralgien und anders mehr. Unter anderem gegen Restless legs, diese unglaubliche Krankheit, die einen mit ihren quälenden Mißempfindungen in die Hölle schicken kann. Da ich außer an restless legs auch unter Neuralgien leide, seit ich monatelang nur am PC gesessen habe, fand meine Neurologin es ein gute Idee, bei mir nun gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ich war einverstanden. Auch noch, als sie mir offenbarte, dass dieses schöne Medikament bei mehr als 1  von 10 Patienten zu Gewichtszunahme und gesteigertem Appetit sowie zu anfallsartigen Müdigkeitsattacken führt. Letztere würden sich mit der Zeit geben. Alkohol ist streng verboten!
Etwas ängstlich geworden, sah ich mir die Beipackung genauer an und gab danach Lyrica in Googel ein - und fiel voller Schreck unter eine chattende Gruppe Lyrica geschädigter ZeitgenossInnen: Die eine hatte schon 6 Kilo in einem halben Jahr zugenommen, ein anderer konnte vor Müdigkeit nicht mehr Autofahren, andere überlegten, ob sie ihrem Beruf noch weiter nachgehen konnten….
Mir wurde es unheimlich. Dennoch begann ich mit der Einnahme, lauschte in mich hinein, ob mich die Hungerattacke erreichte oder mich eine Müdigkeitswelle wegspülte…
Ich merkte von all dem nichts. Bis heute bekommt mir das Zeug bestens. Nur die Restless legs sind noch nicht so gut kontrolliert wie vorher unter Sifrol.
Als ich jetzt noch einmal in den Beipackzettel hineinsah, fand ich unter den Indikationen auch noch “chronische Besorgniszustände” und unter den Nebenwirkungen “Euphorie”. Deshalb also geht es mir seit 4 Wochen so locker gut und deshalb also habe ich derzeit durchgehend beste Laune. Nicht schlecht her Specht. Ist das jetzt die Nebenwirkung “Euphorie” oder die Wirkung bei der Indikation “chronische Besorgniszustände”?

Jedenfalls habe ich endlich auch einmal richtig  Glück im Leben : Ich gehöre zu den 7 oder 8 von 10 Leuten, denen, die die Nebenwirkungsschrecken des lyrischen Pulvers nicht abbekommen haben.

Palisanderprinzessin


Seit vorgestern weiss ich nun, dass ich wirklich eine Palisanderflöte gekauft habe und kein imitiertes Plastikteil.

 

bqip3dgmkkgrhgoh-duejlllzqhlbj3nsbghw_2.JPG

 

Sie hat eine wundervolle Maserung, ist natürlich dunkel und wird noch recht schnell heiser. Ich werde sie liebevoll einspielen, mit den alten, leichten, nicht hoch gesetzten Stücken.

Ich habe Sie für 124 Euro bei ebay erstanden, war ganz und gar scharf drauf. Aber als sie kam war sie so merkwürdig leicht und hatte kein Markenzeichen. Aber sie riecht nach Palisanderholz, süß-herb und die Maserung geht durch.

Meine  Flötenlehrerin meint, sie sei 100% echt und ihre Tonart eigne sich für melancholische Moll-Stücke besonders.

Ich möchte meiner brasilianischen Schönheit einen eigenen Namen geben, Lyrika fiel mir ein, aber so heißt schon meine neue Tablette gegen Neuralgien. Also was anders. Mal sehen …

Meine schwierige helle, 30 Jahre alte Blockflöte werde ich nicht ausrangieren. Sie klingt eigentlich wunderbar. Ihre Schwierigkeiten – oder besser meine – beim hohen d, beim hohen cis, beim hohen f muss ich überwinden. Zwar könnte ich das Daumenloch überarbeiten lassen. Aber Frau S. hat mir erklärt, dass es lohnt, diese Töne aus ihr herauszulocken. Sie ist eben kein mechanisches, sondern ein eher lebendiges Instrument, mit dem man vorsichtig und behutsam aber deutlich umgehen muss, wie  mit einem Pferd, das man reitet.

 

palisanderprinzessin.jpg

 

Flöten ist mir zur Leidenschaft geworden. Ich bin nicht besonders gut, obwohl A.  erstaunt war, wie gut ich nach 1 Jahr Unterricht spiele (obwohl ich saumäßig war beim Vorspielen). Aber ich habe bestimmt 6 Jahre mit großen Unterbrechungen vorher schon gespielt, autodidaktisch, weil meine Unterrichtskarriere mit 9 Jahre kläglich endete. Mein Lehrer hat mich damals aus dem Ensemble geworfen: die alte, geerbte Altblockflöte meines Vaters stimmte nicht zu den anderen Flöten und mein Vater sah nicht ein, dass er mir deshalb ein neues Instrument kaufen sollte.

20 Jahre später kaufte ich mir endlich dann selber eine neue, eigene Flöte, meine jetzige, helle Moeck. Die alte meines Vaters habe ich – heute bedauere ich es sehr – leichtsinnig und wahrscheinlich noch im Groll wegen der kindlichen Frustration erst vor wenigen Jahren im Rahmen eines Umzuges weggeworfen.

 

Seit ich  täglich eine Dreiviertel Stunde bis eine Stunde spiele, merke ich, dass ich nicht einfach Noten abspiele, sondern tatsächlich Musik mache. Das ist ein unglaubliches Gefühl, als hätte man Flügel, als eröffne sich eine neue Dimension des Lebens und Erlebens. Leute die wirklich Musik machen werden sicher über diese naive Aussage lächeln. Aber für mich, die ich musikalisch eigentlich eher unterbelichtet bin, ist es eine Offenbarung.

er kommt …


fruhjahr.JPG

 

Auszug aus meiner Trilogie:

Friedhofsgespräche - Teil II - Denkmal für meine Mutter

Du lebtest wieder in Dresden, als das erste Schuljahr langsam zu Ende ging. An einem blauen Märztag des Jahres 1927 hattest auf deinem Schulweg durch den Blüherpark die ersten Schneeglöckchen entdeckt. Der Lehrer kam an diesem Morgen in den Klassenraum, grüßte die Kinder stumm, schrieb mit großen, klaren Buchstaben an die Tafel: „Er kommt….“ und wandte sich dann mit fragendem Gesicht an die Klasse. Die Kinder schwiegen erst verwirrt, bis sie begriffen, was der Lehrer von ihnen wollte. Dann schnellten die Finger hoch. „Der Lehrer kommt“, posaunte stolz ein Junge heraus. „Nein“, der Lehrer schüttelte den Kopf. Diese Antworte wollte er nicht. „Der Vater kommt“, „die Mutter kommt“, „das Kind kommt“, „der Mann kommt“, „die Frau kommt“… Immer wieder schüttelte der Lehrer bestimmt und geheimnisvoll seinen Kopf und nahm das nächste Kind dran. Schließlich kamst du an die Reihe, die du vom ersten Moment die richtige Antwort gewusst hast. „Der Frühling kommt!“ jubeltest du in die Klasse. „Du“, sagte der Lehrer, „du kannst dich auf der Vogelwiese sehen lassen“.

 

P.S. Die Vogelwiese ist der  Jahrmarkt in Dresden , vermutlich heute noch?

 

 


baume-im-vorfruhling.jpg

  Apfelbäume warten auf den Frühling

 

vorfruhling-am-bach.jpg

 Vorfrühling am Bach

 

 

der-fruhling-zieht-in-jena-ein.jpg

 Der Frühling zieht in Jena ein

.

zwei oder drei Dinge

Jetzt mit 60 frage ich mich erneut, warum ich das hier eigentlich mache. Ich habe einige Monate gezögert, ob ich nicht jetzt aufhören soll. Aber es gibt noch immer ‘zwei oder drei Dinge, die ich von mir weiß’, und die ich auch anderen zur Kenntnis geben möchte. 

z.B. meinen Eindruck vom diesjährigen Frühlingsbeginn

kahles-land-vor-dem-fruhling.jpg

Usedom o9


frühlingsanfang

dass die kälte nicht weichen will!

tags täuscht die sonne frühling vor.

in der nacht aber schleicht der frost

über den kahlen boden.

was sich am tage an licht wagt,

erstarrt am abend wie wintertot.

 

60mal schon ist auf den winter der frühling gefolgt.

warum also sollte er es dieses mal nicht auch tun?

 

März 09


meine Anka ist tot

anka-08.jpg

 

herbstbaum.jpg

hier ist meine Anka noch vor

wenigen Tagen herumgestromert….

 

 für Anka

 

Die Sommerastern sind verblasst wie alte Bilder.
Oktober müde liegt das Feld.
In diesem Herbst kann ich
die Müdigkeit der Bäume fühlen
mit jedem Blatt,
das fällt.
Sanft kommt das Sterben,
still und blass.

 

Ich habe so oft über sie geschrieben. Ihr Tod kam erschütternd plötzlich. Unser Garten, unser Haus sind auf einmal leer. Meine Anka ist fort: ein lebendiges Wesen, dass sich immer wie verrückt gefreut hat, wenn ich kam, auch wenn ich nur kurz am Auto gewesen war, ein Wesen, dass uns mit ihrer Freundlichkeit und Zuversicht, mit ihrer intensiven Gegenwart und ihrer Fähigkeit, Glück zu finden in den winzigsten Kleinigkeiten ihres Lebens.

Wir werden lange brauchen, um nicht mehr mit Schmerz an sie zu denken. Vergessen werden wir sie wohl nie.