unser robustes Mandat – mein Antikriegstagebuch

Als unser Von und Zu jüngst das Wort „Krieg“ für salonfähig erklärte – zumindest im umgangssprachlichen Sinn (!) – hoffte mancher, dass nun eine Diskussion losbrechen würde darüber, dass das bestehende Mandat einen Kriegseinsatz nicht abdeckt.

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Aber wir haben es gestern ja gehört: Das bestehende Mandat für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan muss laut Merkel nicht verändert oder erneuert werden. Die Soldaten haben  nach wie vor die Aufgabe, vor allem Brunnen zu bauen und den Afghanen zu zeigen, wie man Krieg macht.
Das haben unsere lieben Politiker gestern ganz schnell hinter sich gebracht. Die SPD hat ihre Argumentation, dass die Bundeswehr gar kein Kriegsmandat hat,  fallen gelassen, Steinmeier war sowieso anderer Meinung als Gabriel. Trittin bezweifelte, dass unsere Soldaten nur in der Defensive bleiben können. Aber ansonsten ist alles in Ordnung. Außer von den LINKEN kein Versuch, diesen unverantwortlichen Kriegseinsatz infrage zu stellen.

Und Frau Merkel erklärte, dass es gerade jetzt, nach den 7 (also nach dem  37., 38., 39., 40., 41., 42., 43.) Toten verantwortungslos sei, sich aus Afghanistan zurückzuziehen. Wem gegenüber eigentlich?
Und schließlich, nachdem jetzt klar ist, dass wir Krieg führen, darf ja schließlich auch auf Zivilisten geschossen werden. Dieser Oberst Klein hat es vorgemacht und er hat Recht bekommen. Er hat alles richtig gemacht. Schließlich ist ja Krieg.
Zugegeben, das ist  alles ziemlich hart für unsere Jungs und Mädels. Sie brauchen natürlich unsere Unterstützung. Es ist deshalb so wichtig, dass sich die Gesellschaft für die traumatisierten Soldaten nach ihrem Afghanistaneinsatz  engagiert, mit psychologischr Hilfe z.B. Sowas braucht man dann eben. Ist ja kein Zuckerschlecken da in Afghanistan. Wir sollten den Jungen, die sich dafür freiwillig gemeldet haben, dankbar sein, dass die das für uns alle tun, nicht wahr! Der Soldat generiert wieder ein Mal zum Helden.
Tatsächlich: Militär, Soldaten, Krieg, das alles wird wieder Normalität, jeden Tag ein bisschen mehr. Gestern Abend gab es einen Tatort, bei dem ganz zufällig ein netter Feldwebel die Rolle des Guten hatte. Soldat sein ist eben ein ganz normaler  Beruf wie andere auch, ein durchaus ehrenvoller. Wir sollten stolz auf diese Männer und Frauen sein.

70% der Bevölkerung wollen zwar ein Ende des Kriegseinsatzes, aber Mutti erklärt ihnen geduldig, dass man nicht einfach so kopflos, so würdelos abhauen darf. Unerledigte Sachen kann man nicht einfach hinwerfen. Es gilt, jetzt durchzuhalten und zusammen zu stehen. „Ihr müsst ihn einfach wollen, diesen absolut notwendigen Krieg!“
Die Rechnung von Frau Merkel scheint aufzugehen. Die Bevölkerung gewöhnt sich daran, wieder mal einer Kriegsnation anzugehören. Das gibt es scheinbar Sachzwänge, die man nicht ändern kann. Oder ist es nicht sogar natürlich, dass wir unsere Interessen mit Waffengewalt am Hindukusch verteidigen, sozusagen ein Naturrecht der Stärkeren? Und schließlich müssen die vielen Waffen, die hergestellt werden, auch mal genutzt und verschlissen werden, nicht wahr!?
Und so denkt nach der Mandatsdebatte gestern mancher dieser 70%, dass er zwar ein Ende des Kriegseinsatzes will, aber dass er da selber vielleicht zu naiv oder auch zu egoistisch an die Sache herangeht. Denn was würde werden, wenn wir dort nicht mehr für Ordnung sorgen? Dann kämen die Talibans und machten uns alle platt.
Also müssen wir sie eben vorher platt machen:
In der sogenannten Taschenkarte der Soldaten, die jeder bei sich trägt,  ist das aktuelle Mandat am Hindukusch  konkret erklärt. Und die Regelungen sind schon im letzten Juni verschärft worden: Die Bundeswehr ist nach eigenen Angaben nun „nicht nur auf die Abwehr eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs beschränkt“. Vielmehr kann sie „im Vorfeld geeignete Maßnahmen ergreifen, um es dazu erst gar nicht kommen zu lassen.

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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