Wozu Kriege gut sind – mein Antikriegstagebuch

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Die Ideologie der Stärkeren hat im Nachkriegsdeutschland zumindest lange nicht der offenen Kriegsideologie bedurft, um ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt zu sichern. Da gab es andere Wege.
Und solange der kalte Krieg dauerte, lebten wir in dem Bewusstsein einer grundsätzlichen vernichtenden Gefahr durch einen Atomkrieg, aber dennoch im stillen und immer stärker werdenden Vertrauen auf die Sicherheit, die durch die gegenseitige Abschreckung hervorgerufen wurde.

Im Rahmen meiner Dissertation stieß ich 1970 auf amerikanische Untersuchungen dieser Zeit, in denen die amerikanische Bevölkerung nach ihrer Bereitschaft zu Opfern gefragt wurde, die sie im Falle eines Krieges mit der Sowjetunion für das eigene Volk tolerieren würde: 2 Millionen Tote, 3 Millionen, 4 oder mehr. Was war dem Amerikaner die Überlegenheit der USA und der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus wert?

 

Dann war der kalte Krieg aus.

Pech für die Rüstungsindustrie. Pech für die ganze Militärblase. Da wurde dringend ein Ersatz gesucht. Und er lag auf der Hand.

Als ich in die 6. Klasse ging, wurden alle Schülerinnen eines Tages in die Aula gerufen. Der Unterricht fiel aus und wir sahen einen Film über die gelbe Gefahr. Chinesen wie Ameisen wurden uns gezeigt, die sich über unser Land ergießen könnten Freilich, China ist heute eine Großmacht und sich offen mit ihr anzulegen verbietet schon die globale wirtschaftliche Situation. Dennoch wird an dem latenten Feindbild der Chinesen fleißig weitergearbeitet). Und es war damals schon klar: Unsere westliche Welt, unsere Weltherrschaft würde es gelten zu verteidigen. Darauf schwor man uns ein. Sehr früh. Zu einem Zeitpunkt, wo der kalte Krieg noch für Jahrzehnte genügen würde.

Heute verteidigen wir ganz offen und voller Stolz unsere Freiheit und Sicherheit am Hindukusch. Na siehste.

Aber was heißt das: unsere Freiheit und Sicherheit? „Wer „die Passhöhen des Hindukusch“ beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen!“ Und nur dann haben wir Frieden und Sicherheit. So ist das halt.

 

Es gibt eine alte Tradition der Menschheitsgeschichte, von Frieden und Sicherheit für die eigene Sache und das eigene Land zu reden und damit  die Beherrschung der anderen und Gewalt an anderen zu meinen.

Mich erinnert das alles an die Eroberung der Indianergebiete in Amerika. Es gab auch da keine Frage, warum man dazu berechtigt war: man war überlegen und man war das überlegenere Volk. Und man brachte den anderen die Segnung der eigenen Zivilisation und wenn sie nicht recht wollten, wurden sie eben gezwungen, im Guten, also mit Glasperlenbestechung, wie im Schlechten, also mit blutigen Kämpfen. Und wenn Weiße von Einheimischen skalpiert wurden, nannte man das ebenfalls einen bösartigen kriegerischen Überfall, einen feigen dazu, gegen die gut meinenden und doch nur das Beste wollenden weißen Eroberer….. Und es gab sicher auch einheimische Häuptlinge, die die Gunst der Stunde nutzten und an der Seite der Weißen versuchten, für sich das Beste dabei herauszuholen und ihre eigen  Kultur und ihr Volk zu verkaufen.

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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