Afghanistan -raus oder endlich richtig rein? – mein Antikriegstagebuch

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Heute spricht eine Zeitung von dem wachsenden Mangel an Konsens in der Bevölkerung bezüglich der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit des Einsatzes deutscher Soldaten in A.  Schön wärs, denke ich. Oder stimmt das wirklich? Und warum passiert dann nichts? Warum sind wir auf dem Ostermarsch so alleine: bundesweit Tausende, was ist das schon?

Und was sind das für Zweifel in der Bevölkerung?

Es gibt einige Leute, die sagen, „Raus da, wir erreichen nichts, wir verheizen nur unsere Leute. Wir können das Ziel gar nicht mehr erreichen.“  Sie sind weit davon entfernt, den Sinn und die Rechtfertigung dieses Einsatzes infrage zu stellen. Sie sind nur pragmatisch und ziehen es vor, dem Ganzen ein Ende zu bereiten, wenn es doch nicht klappt. So vermutet z. B. eine Pressestimme, dass Merkel nur die Einsicht verdrängen und verschleiern will, dass der Einsatz unserer Soldaten „am Rande des Scheitern“ steht.

 

Ich fürchte, selbst diese eigentlich völlig kriegsloyalen Leute werden von Medien und Bundesregierung und dem braven medienbespielten Volk zunehmend als Landesverräter und Nestbeschmutzer angesehen werden, nach dem Motto: „Sollen wir uns etwa zurückziehen, ohne das Ziel erreicht zu haben? Kapitulation? Nein das kann ja wohl nicht sein. Afghanistan ist eben doch nicht oder noch nicht Vietnam.“

Die Diskussion hat offenbar jetzt in eine ganz andere Richtung zu gehen: „Wenn wir am Rande des Scheiterns stehen, dann müssen wir eben etwas für unseren Sieg tun. Die Soldaten sind nicht gut genug ausgerüstet, nicht gut genug ausgebildet, die medizinische und psychologische Versorgung ist zu schlecht, die Jungen und Mädels werden emotional von der Heimat (Front??) nicht genug unterstützt. Der Herr von und zu hat es gestern ja gesagt.
Jetzt wird die Effektivität und Effizienz der Bundeswehr überprüft  (nicht etwa, um zu sparen oder hinter die überflüssigen Kosten zu kommen, so wie man die Effizienzprüfung z.B. im Sozialen Bereich zu verstehen und anzuwenden pflegt.)  Hier wird mit Sicherheit dafür gesorgt, dass nach Aufdeckung von Mängeln, Defiziten, veralteneten Strukturen und veraltetem Material für die Brüder und Schwestern der Truppe genug Geld da ist, damit sie wirklich effektiv wird, damit sie endlich optimal zuschlagen kann. Klar, das wird letztlich noch teuerer. Aber man muss eben Prioritäten setzen.

Wir haben doch schließlich bessere Waffen! Dann eben hinein damit nach Afghanistan!

Wir könnten doch viel besser sein! Wenn wir endlich zeigen, was wir haben und können, ist sehr bald Ruhe im Land. Nicht wahr?“

Es gilt also, besser, schlagkräftiger zuzuschlagen als bisher. Und dann – nach dem Sieg – nach Hause zu gehen. Aber erst dann.

 

Im Verlaufe des heutigen Nachmittags haben sich die traurigen Nachrichten vom Karfreitag erneuert. 43 tote deutsche Soldaten sind es bisher gewesen. Das sind genau 43 zuviel! Natürlich werden die Frauen und Mütter weinen. Natürlich gilt ihnen Mitgefühl. Aber warum weinen sie erst jetzt? Warum haben sie nicht „nein“ gerufen, warum haben sie diesen Krieg hingenommen als selbstverständlich, als angeblich notwendig?

 

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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