Wir brauchen wieder Helden – mein Antikriegstagebuch

torso-von-zieten.jpg Herr von Zieten, zum Teil

 

Auf der Demonstration bleiben wir auf dem Zietenplatz stehen.

Das Denkmal für diesen „Volkshelden“ wurde 2003 errichtet, vom Lions Club gesponsert und gestaltet nun die Stadtlandschaft Berlins. Da wird ein Platz neu gestaltet und man stellt mitten darauf einen General, unter dem  tausende Menschen gestorben sind. Für das Vaterland selbstverständlich.

Man ist also wieder stolz auf seine militärische Vergangenheit und seine militärische Stäke und erfreut sich aufs Neue an solchen Helden. Das sind unsere Vorbilder : „Der Zieten aus dem Busch“. Selbst deutsche Dichter haben ihn besungen.

Solche Ideologie prägt also heute die öffentlichen Plätze: Gefeiert werden Menschen, die den Herrschenden ihre Macht gesichert haben, mit dem Blut der Soldaten. Sie hat das Volk zu verehren.

Wirkliche Freiheitshelden sind eher verpönt und peinlich. Nach Thomas Münzer wird heute kein Platz benannt. In Rostock und Dresden gibt es welche. Aber suchen Sie mal einen in der alten BRD!

Man huldigt vielmehr der historischen Macht und denen, die sie halfen zu erhalten. Warum? Weil „man“sich, über Jahrhunderte hinweg, mit den Mächtigen der Gesellschaft verbunden fühlt. Weil man heute zu denen gehört und gehören will, die die Macht haben. Und weil man sich – neuerdings offen – der erquickenden Unterstützung des Militarismus bei der Machterhaltung- und pflege erinnert.Und weil das das Volk kapieren soll und einstimmen soll in eine solche Heldenverehrung.

 

Ich warte nur auf das erste Mal, wo in den Medien die militärischen Strategien der deutschen Armee im von Deutschland angezettelten 2. Weltkrieg mit wohlwollender Genugtuung, mit Interesse und Verständnis, ja mit Bewunderung kommuniziert werden. (Gibt es das nicht schon?) Dann wäre es Zeit auszuwandern.

Bitte aber, wohin könnte man heute auswandern?

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Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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