wir sollen uns dran gewöhnen -mein Antikriegstagebuch

Es ist nicht zu fassen: Ich habe heute früh in den Nachrichten einmal ausgezählt, in wie vielen der Nachrichten Militär, Krieg, Soldaten, Waffen eine Rolle spielten: Es waren 50%! Wir sollen uns an die Allgegenwart dieses Themas, an seine Alltäglichkeit, „Natürlichkeit“, sein einfach Dazugehören“ gewöhnen.

Der Bericht über das Ausbildungslager der Bundeswehr, das unsere Landesmutter besucht hat, um ihre Unterstützung für unsere Soldaten zu demonstrieren.
Hier wird an echten Waffen geübt – freilich ohne Munition, erzählt der Sprecher. Dann kann man einen Stabsfeldwebel über „den Afgahnen an sich“, fachsimpeln hören. Unsere Soldaten scheinen ethnologische Fachkräfte zu werden, die kultursensibel mit einem fremden Volk verhandeln.
Und dann die Übung, von der berichtet wird: Taliban haben wieder mal einen Selbstmordanschlag ausgeübt. AmBoden liegt die zerfetzte Puppe des Attentäters. Uund nun geht es darum für die deutschen Soldaten darum, die verletzten Personen aus der Zivilbevölkerung zu retten. Nachtigall, ich hör dir trabsen!
Frage ich mich nur: Wenn sie nun keine Brunnen bauen, sondern in Wirklichkeit die Zivilbevölkerung nach Anschlägen ins Krankenhaus bringen – wozu üben sie dann an echten Waffen?

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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