stell dir vor, es gäbe Krieg, und keiner ginge hin…

Heute muss man träumen: ‘Stell dir vor, es gibt eine Demo gegen den Afghanistankrieg und alle kommen….’

3 Tausend sollen es gestern in Berlin gewesen sein. Auf dem August Bebel Platz wäre Platz für die 10fache Menge Menschen gewesen….

leerer-platz-klein-2.jpgda hätten noch massenhaft Demonstranten Platz gehabt…

Mit der großen Menschenkette eine Woche früher in Dresden gegen die Nazis ist das alleine nicht zu erklären. Es ist anders: Keiner interessiert sich dafür, keiner hält es für seine Sache.

am-rande-der-demoklein.jpg

Am Rande der Demo: Berlin kehrt den Winter raus und kümmert sich einen Dreck für den Krieg in Afghanistan

Überall kann man es hören, sogar in unserem Radio: der militärische Einsatz behindert die  humanitären Hilfseinsätze in Afghanistan. Aber das kümmert die offizielle Politik der USA und auch unserer schwarz-gelb gestreiften Regierung samt SPD und Grüne nicht im Geringsten. 40% der von westlichen Soldaten ausgebildeten afghanischen Soldaten desertieren. Na so was? Wollen die vielleicht gar nicht, was der Westen für sie vorgesehen hat? Die Informationen über Afganistan waren umwerfend, allein wegen des Geldes, das im Spiel ist. Der Krieg kostet soviel, dass von diesem Geld locker die Gesundheitsreform in den USA bezahlt werden könnte, dazu die Slums der Welt zu anständigen Wohnorten umgebaut werden könnten,  von einer Verbesserung der deutschen Bildungslandschaft und einer Sicherung der Mindestlöhne und einer Steigerung der Sozialhilfesätze im Sinne des Bundesverfassungsgerichtes ganz zu schweigen.
Aber die Kassen sind bekanntlich leer. Die Soziale Arbeit kämpft um jeden Cent, das Sozialsystem, auch im heutigen maroden Zustand, gilt als unbezahlbar. Ei, wo ist das ganze Geld denn hin? Alles in die Schweiz abgewandert, der Rest verzockt auf höchster Ebene der Finanzwelt? Nein, es ist noch immer viel Geld da, aber es wurde einfach mal anders verteilt. Der Bundeswehrhaushalt ist größer als je zuvor, viel größer, als zu Zeiten des kalten Krieges.

studentische-rednerin-klein.jpg

Studentin aus Berlin zog Verbindungen zwischen dem Bildungsstreik und dem Krieg in Afghanistan

Aber es scheint niemanden weiter aufzuregen. So wie es eben in der Sozialen Arbeit auch niemanden weiter aufzuregen scheint, wenn wir auf einmal Menschen an den Rand drängen sollen, wenn wir nur noch für die Zeit und Geld bekommen, die sich lohnen? Ein merkwürdiger Fatalismus hat sich in diesem Land ausgebreitet. “So ist es eben. Man kann doch nichts machen ….”

Der letzte Redner auf dem Bebelplatz, Herr Dr. Drewermann
rednerklein.jpg

deutliche Worte kamen von Dr. Drewermann

zitierte Wolfgang Borcherts Appell gegen den Krieg, den er 1946 – tot krank –  unter dem Eindruck des zerstörten Deutschland und der Verbrechen und des Elends des 2. Weltkrieges geschrieben hat:
“Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst kleine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins: Sag  NEIN!! ” ….

images14.jpg

Borchert zählt hier alle möglichen Berufe und gesellschaftliche Stellungen auf. Alle beschwört er, nein zu sagen. Hinzufügen sollte man auch:
“Sozialarbeitende, wenn es heißt, erzieht die Menschen zu solchen, die, allein gelassen, für sich selber verantwortlich sind und zu solchen, die nicht mehr danach fragen (dürfen und können), woher die Probleme kommen, unter denen sie zu leiden haben und zu solchen, die bereit sind, die  Interessen der sie am Leben erhaltenden Wirtschaft und der Mächtigen dieser Gesellschaft am Hindukusch zu verteidigen, sagt nein!”

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
Dieser Beitrag wurde unter Politik, Soziale Arbeit, Turbokapitalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlassen Sie eine Antwort