Feierabend

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Damit meine drei Bandscheibenvorfälle nicht ständig damit drohen können, angesichts meiner Tragelasten in Richtung Ischias zu löcken und mich und meine Arbeitskraft im wahrsten Sinne des Wortes lahm zu legen, bezahlt mir das Amt für Integration  eine „Hilfe zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben“, eine tolle Sache! Ich bin den Mitarbeiterinnen in Gera sehr dankbar. Ein großes Stück Lebensqualität ist wieder gewonnen: Da ist jemand, der mir als Assistenzkraft meine schweren Büchertaschen samt Notebook morgens die Treppen herunter ins Auto schleppt und am Arbeitsplatz dann wieder rauf  bis auf meinen Büroschreibtisch. Und abends dann das gleiche umgekehrt…Ich stehe dann abends in meinen Räumen, überrascht, wie wenig erledigt ich bin, weil mir das allabendliche Geschleppe erspart blieb und tauche gerade zu rüstig in den verdienten und herbeigesehnten Feierabend ein.

In diesem Sommersemester sah es erst ganz so aus, als wäre keiner der über 700 Studierenden unseres Fachbereiches bereit oder in der Lage, diesen Job zu übernehmen, da dieses Mal meine Arbeitszeiten ziemlich unfreundlich gestaltet sind. Aber siehe da, es fand sich doch einer. Seit Montag habe ich endlich jemanden gefunden, der bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen. Es ist ein niederländischer Student, der dieses Semester bei uns studiert und im Unterschied zu all den anderen am Ende des Sommersemsters keine großen Prüfungen abzuleisten hat, weil er seinen Bachelor in Holland schon absolviert hat. Deshalb hat er mehr Zeit…
Er trägt also meine schweren Taschen, läuft leichtfüßig Treppen und ansteigende Bürgersteige hinauf, sitzt dann neben mir in meinem kleinen Auto und versucht, dort seine langen Beine einigermaßen unterzubringen und wir unterhalten uns.
Und so habe ich erfahren, dass es im Niederländischen kein Wort für „Feierabend“ gibt. Ist das möglich? Für eine so wichtige und wunderbare Sache kein eigener Begriff? Ob es in anderen Sprachen dafür auch keine eigene Bezeichnung gibt? Ich muss direkt mal nachschlagen! Vielleicht haben die Deutschen ja zu diesem Ereignis ein ganz besonders gutes  Verhältnis? Aber eigentlich sieht das den Deutschen doch gar nicht so besonders ähnlich, ich hätte da eher auf andere getippt. So kann man sich irren im eigenen Volk und in der eigenen Sprache.


Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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