Vorsicht Abzocke!

Wie ich danach dann im Netz nachlesen konnte, bin ich weder die erste noch die einzige, die mit dieser „Firma Spielfox“ Ärger bekommen hat.  Im Nachhinein kann ich nur staunen über solch eine unverfrorene, gemeine Abzocke! Es hat mich noch bestimmt eine Stunde richtig aufgeregt und ich musste mir anschließend den Escher ansehen, damit ich wieder an das Gute im Menschen glauben konnte 🙂

Ich sitze am PC, ins Arbeiten vertieft. Als das Telefon klingelt, denke ich: „Na, wieder die Tochter? Oder ein Kollege? Es meldet sich nach einer kleinen mir sehr bekannten typischen Pause eine junge Männerstimme, die sofort auf mich einredet, ob ich Frau Soundso sei. Den Namen und seine „Firma“ hat er so dahin geschnoddert, dass ich nichts wirklich verstanden habe. Dennoch bin ich sicher, dass es irgend eine Werbeattacke ist, habe noch die Nachrichten im Ohr, das sowas für die Werbebelästiger in Zukunft bis zu 50 000Euro kosten kann. Fast überkommt mich Mitleid mit dem armen Schlucker, der dafür bezahlt wird, dass er andere Menschen überfahren und über den Tisch ziehen soll.
Vielleicht habe ich deshalb nicht sofort aufgelegt. Vielleicht aber auch, weil er es schaffte, mich mit wenigen Worten irgendwie zu beunruhigen. Er fragt, ob ich ein Spiele-Abo weiter verlängern will oder ob ich es kündigen möchte. Welches Abo?
Ja, erklärt er mir ohne zu Zögern, da hätte ich wohl unbewusst (Junge, was weißt du von meinem Unterbewusstsein?) irgendwas angeklickt oder eine 09er Nummer gewählt oder so. Jedenfalls läge ihm meine Beitrittserklärung vor. Die ersten 3 Monate sei meine Mitgliedschaft umsonst gewesen, ich sei also kostenlos in den Genuss irgendwelcher Spielaktionen gekommen. Nun hätte ich die Kündigungsfrist versäumt und sie müssten mir ab sofort im Monat 55 Euro von meinem Konto abbuchen. Wenn ich jetzt kündigen wolle, könne er mir -falls ich in diesem Zeitraum nichts gewinnen würde – eine Rückgabegarantie der eingezahlten Gelder versprechen, als kleines Dankeschön so zu sagen.

Es erscheint mir unmöglich, sowas „aus Versehen“ veranlasst zu haben. Es scheint mir unmöglich, dass auf eine solche Weise Verträge zustande gekommen sein können. Sein selbstverständlicher, routinemäßiger, halb genuschelter Tonfall macht es mir dennoch schwer, auf die Alarmglocken in mir zu hören.
Ich frage nach der Firma, die nennt mir er. Einen Vertrag kann er mir nicht zuschicken. Er kann auch nicht mehr recherchieren, wie dieser angebliche Vertrage zustande gekommen sein soll. Aber er hat ja meinen richtigen Namen, meine Adresse. Das irritiert, macht seine Aussagen im ersten Moment glaubwürdig. Um zu sehen, ob ich auch wirklich die Richtige bin, und damit er die Kündigung dann richtig weiter leiten kann, muss er die Daten abgleichen. Mein Geburtsdatum bekommt er auf diese Weise noch aus mir heraus.  Aber ich erkläre ihm, dass ich nichts kündigen werde, wo ich nicht einmal einen Vertrag vorgelegt bekomme, den ich angeblich unterschrieben habe. Dann müssen wir eben weitere 12 Monate bei Ihnen abbuchen, es sei meine eigene Schuld, erklärt er mir dreist.
Ich werde allmählich wach, frage nach seinem Namen, verlange eine Telefonnummer seines direkten Vorgesetzten,  eines Geschäftsführers. Er verweigert und wird immer pampiger. Ich spreche von Erpressung. Er sagt, dass er nicht so viel Zeit habe und schließlich schon 11 Minuten mit mir reden würde und er es auch nicht zum Spaß mache.
Dann verlangt er meine Bankleitzahl, fordert sie richtig, als sei ich ihm was schuldig. Ich begreife endlich, dass er nichts vergleicht, sondern schlicht Informationen aus mir herausholen will.  Ich drohe mit dem Anwalt, ärgere mich gleichzeitig, dass ich ja nichts Direktes in der Hand habe. Mitten im Satz legt er auf.

Der Blick in Google beruhigt mich. Es ist unglaublich, wie geschickt die es schaffen, einen doch beinah über den Tisch zu ziehen. Es ist empörend,  anderen ausgesetzt zu sein, die so skrupelos vorgehen. Ich habe gerade noch so die Kurve gekriegt. Und ich frage mich, was unbedarfte junge Leute tun würden, alte Menschen, Hartz IV Empfänger?
Das Schärfste dabei war, er gab sich ja keineswegs seriös. Er outete sich als Abzocker, auf den ich leider nun mal hereingefallen sei und rechnete damit, dass ich von den unsäglichen Geschichten weiß, wo Anwälte aus Menschen Geld erpressen für die irrsten Sachen, die sie nicht haben machen wollen. Er gab zu, dass getrixst worden sei, dass dieser angebliche Vertrag  wohl nicht auf  ganz saubere Weise zustande gekommen sein wird. Aber das sei mein Pech und das hätte ich nun auszulöffeln.

Erst jetzt wird mir klar, dass ich, auch wenn ich ausversehen was angeklickt hätte oder irgendwo mit meinem Namen Werbematerial angefordert hätte oder so etwas, ich mit absoluter Sicherheit dabei nicht auch noch meine Bankverbindung dazu geschrieben hätte.  Ich hätte also doch gleich, schon nach der bekannten kleinen Pause am Anfang desGespräche, wo vermutlich irgendetwas erst durchgeschaltet wird, auflegen sollen. Hätte mir viel Ärger und Aufregung aber auch eine neue Erfahrung erspart.

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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Ein Kommentar zu Vorsicht Abzocke!

  1. Der Paderborer sagt:

    Ich hab eben deinen Beitrag über Spielfox gelesen und hab mir gedacht, ich schreib dir mal was ich alles über den Laden weiß. Also als erstes heißen die jetzt nicht mehr Spielfox sondern Sunnytipp, weil das ganze Prinzip auf Dauer nicht funktioniert. Die Firma hat Ihren Sitz in Paderborn (genaue Adresse kommt noch) am Eingang (zweite Etage in einem Bürogebäude etwas außerhalb Paderborns) steht der Name Novamedia, die man mit dem Code 3333# öffnen kann (der Code wird eh immer geändert). Es werden grungsätzlich alle Jobinteressenten angenommen, egal wie alt und welche Vorkenntnisse man hat. Der Jüngste war glaube ich 15 oder 16, jeden falls sah er auf keinen Fall älter aus. Im Durchschnitt sind aber alle zwischen 18 und 28. Ausserdem ist auffallend, das dort hauptsächlich nur gut ausehende, junge Mädchen arbeiten, ich denke das liegt am Talent und vor allem am Charrakter und am Chef, denen wird da halt der Arsch gezuckert. Einer vom oberen Personal (ist son bisschen dicker, nicht gerade attraktiv, charakterlich etwas missbraucht und hat früher viel in seiner jugend verpasst) denkt, das die alle so nett zu ihm sind (die Mädchen), weil er so „cool“ ist. Mann bekommt einen Leitfaden in die Hand gedrückt und wird an ein Telefon gesetzt, an dem ein erfahrener Agent sitzt geschickt und hört sich erstmal ca. 1 Std. den Scheiß an. Ganz schön erschreckend, wenn man Menschen sieht, die von grund auf Arschlöcher sind und wie Broker am Telefon hänge, mit eiskalter Rutiene die „Kunden“ verarschen und sich gegenseitig zurufen, wieviele Kontonummern sie schon abgezockt haben. Erst ist die Sache ja vielleicht noch lustig, wenn man dann so jemanden in aktion sieht und sich die Geschichten anhört und man nocht nicht wirklich weiß, worum es eigentlich geht, aber spätestens nach ein paar Tagen wird es echt unangenehm. Wenn einen die Leute schon fast um Hilfe anflehen, da sie aus Ahnugslosigkeit und Unwissenheit, nicht mehr wissen was sie jetzt machen sollen um, ohne monatliche Kosten, da sie sowiso am Ende ihrer finanziellen Mittel stehen, aus der Geschichte wieder raus zu kommen.  „Ich kann Ihre Lage ja verstehen FrauXXX, aber Sie haben sich nunmal bei unserem Gewinnspieleintragsservice angemeldet, das einzige was ich Ihnen anbieten kann ist, und das mache Ich jetzt weil Ich Ihnen helfen will, eine Geld-zurück-Garantie. Sollten Sie in den kommenden drei Monaten keine Gewinne erziehlen, bekommen Sie ihre 55,- Euro Spieleinsatz zurückerstattet und haben keinerlei Verluste.“ natürlich greifen diese Persohnen nach einem solchen Strohalm. Dann werden noch eben die Kontodaten abgeglichen, die ja eh schon hinterlegt wurden, aus datenschutzrechlichen Gründen allerdings geschwärzt sind, so das der „Kunde“ diese ansagen muss (nicht wie die restlichen, für 10 Cent bis angeblich 10 Euro das Stück, gekauften Daten wie Telefonummer, Adresse und Geburtsdatum) und dann kommt 2-3 Tage später der „Kontrollanruf“, in dem die gaze Geschichte dann rechtlich noch abgesichert wird.
     
    „Quallicall“- 2. Teil der Verarsche (mit extra geschultem Personal, fast nur Mädchen, wegen Multitask und so, können auch besser reden wie ein Maschienengewehr):
    Der „Kunde“ wird erneut angerufen (Band läuft wissend mit) und der „Kunde“ wird dann unter Zeitdruck von 1 Minute (ist natürlich nur Psychologie, das Band läuft so lange der Agent nunmal braucht, aber sehr zügieg) dazu gebracht, bestimmte Frage mit Ja oder Nein zu beantworten. So das am Ende, der Kunde 3 Monate mit 55,- Euro monatlichen Spieleisatz, die er natürlich nicht zurück erhält, weil er ja schon etwas gewinnt (keine Ahnung was, aber kann nicht viel sein), weniger in der Tasche abgezockt wurde.
    Mein Tipp, wenn es schon soweit gekomme ist, das jemand den „Kontrollanruf“ durchlaufen ist (heißt richtig Quallicall) und wohlmöglich schon zahlt, einfach die Zahlung einstellen! Das Unternehmen lebt von der Masse und spart sich problematische Gerichtverfahren.
    Ich hoffe Ich konnte ein wenig zur Aufklärung über dieses Unternehmen beitragen und appeliere hiermit an den Verstand aller die ihre Kontodaten am Telefon weitegeben würden.
    Man kann sich eine Menge Ärger ersparen, in dem man einfach mit ganz ruhiger Stimme sagt:“ Es tut mir leid, aber der HerrXXX/ die FrauXXX ist leider verstorben.“ Der Agent drückt dann am Computer auf „verstorben“ und der Dialer wählt sie nie wieder an.
    Und nicht vergessen, Spelfox ist jetzt Sunnytipp!!!!!!!!!!!!!!!
     
    Mit freundlichen Grüßen
    Der Paderborner
     
    P.S.: Ich erkundige mich nach genauen Daten wie Firmenadresse, Adresse von Chefs und die die mal welche werden wollen (Achtung, keine Selbstjustiz!!!) und versuche euch auf dem Laufenden, wegen dem Wechsel der Spielnamen zu halten.

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