Das Leben geht weiter

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So eine persönlich Trauerphase im Leben nimmt einem erst mal alle Kraft und Lust.

Die ersten Tage nach dem Tod unserer geliebten Anka war mir eigentlich alles egal, selbst die derzeitige Bank- und Wirtschaftskrise, mein Kuscheltierforschungsprojekt, der leuchtende Herbst, das Buch über die Folgen von neoliberaler Ideologie und Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit, das ich schreibe… alles war weit weg und ließ mich völlig kalt.

Die Gegenwart ist weiter beeinträchtigt von den immer wieder aufflammenden traurigen Gedanken an Anka und den Gefühlen des Verlustes.
Vor meinem Fenster läuft eine Frau durch den Regen an unserem Haus vorbei, einen kleinen Hund an er Leine, der klatschnass wird, daran aber offenbar keinen Anstoß nimmt. Wenn Anka noch wäre, würde sich jetzt am Zaun eine heftige Revierverteidigungs-Szene abspielen. So aber geht alles lautlos vorüber.

Aber es geht weiter.
Allmählich tauche ich wieder auf und richte mich auf die Zukunft aus.
Ich habe die Empfindungen und Sitten von Menschen, die nach einer Beerdigung und einer tiefen Trauerphase plötzlich anfangen, zu tanzen und ihr Leben zu feiern, immer bewundert. Heute fällt mir eine solche Haltung schwer. Aber sie kann einen retten und wäre sicher immer auch im Sinne derer, die wir betrauern.

Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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