gewalt is up de straaten

Kurzgeschichte

Mechthild Seithe

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Alltag: Gewalt in den Schulen

Von der anderen Seite der Kreuzung her kann jeden Moment ihr Bus auftauchen.
Sie sind ihr sofort aufgefallen. Ein ganzes Stück weiter vorne liefen sie quer über die stark befahrene Straße.
Im Gehen knüpft sie den Mantel zu. Es ist doch kühl geworden heute Nachmittag, kühler als sie gedacht hat. Die blasse Bläue des aufgerissenen Oktoberhimmels, der durch die Doppelglasscheiben des Büros so freundlich aussah, hat sie getäuscht. Im Bus wird es wieder warm sein, warm und eng. Sie hat es eilig, die Haltestelle zu erreichen.

Dennoch sind sie ihr gleich aufgefallen. Und jetzt, auf der anderen Straßenseite, stößt sie fast mit ihnen zusammen. Der Kleinste der Drei rempelt sie an. Er schwankt auf sie zu, stößt sie fast um, ohne, dass sie den Grund für sein Verhalten erkennen kann. Für eine Sekunde, länger, als es nötig wäre, sieht sie in seine Augen, sieht in etwas Dunkles und bleibt daran hängen. Sie sieht ein Gespenst. Jemand stürzt auf sie zu, die geöffneten Arme greifen nach ihr. So sieht kein Mensch entgegenkommende Passanten an. Solchen Blicken begegnet man nur in Albträumen! Trotzdem geht sie einfach weiter. Es ist besser, jetzt weiter zu gehen.

Jemand lacht.

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Über Mrs. Tapir

Perspektive: ungewiss; meine älteste Verwandte wurde 104 Jahre alt, mein Großvater starb mit 54. Beruf: muss noch ein paar Jährchen, werde es aber kaum bis 67 aushalten; obwohl ich mir schon als Schülerin geschworen hatte, nie Lehrerin zu werden, bin ich schließlich doch hier an einer Hochschule gelandet Kinder: ganze drei habe ich groß gekriegt Partner, Liebhaber und Ehemänner; habe diverses hinter mir, zwei mal geschieden, nach Trennungen öfter traurig, noch öfter froh; seit 4 Jahren dritter und hoffentlich letzter Versuch einer glücklichen Ehe Themen: schon immer waren die wichtigsten Themen meines Lebens Literatur, Natur und Menschen. Und obowohl ich eigentlich ein unpolitischer Mensch sein möchte, gelingt mir das auch immer wieder nicht. Ansonsten: Tapire sind Einzelgänger, irgendetwas zwischen Pferd und Schwein, dickfellig aber sensibel, schön im Auge des begnadeten Betrachters, ihre vorn spitz zulaufende Schnauze ermöglicht es ihnen, sich schnell durch das Dickicht südamerikanischer Wälder zu bewegen.
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