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30.3.2008 von Mrs. Tapir.
Jena, vom Fuchsturm ins Ziegenhainer Tal … hier könnte Goethe die Zeilen erdacht haben.
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29.3.2008 von Mrs. Tapir.
Wie es so ist:
Erst wenn man es selber erlebt oder wenn es Menschen in nächster Nähe betrifft, wird man richtig wach.
Vorgestern wurde der Exfreund der Freundin meiner Tochter im Bus von 5 Neonazis provoziert, als schwul beschimpft und anschließend zusammengeschlagen. Keiner der im Bus Anwesenden griff ein. “Bei 5 Typen”, sagt meine Tochter, “was soll man denn da machen?” Sie verbreiten Angst.
Der jungen Mann konnte noch zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Mal sehen, ob die Polizei, unser Freund und Helfer sein Anliegen ernst nimmt …
Ich denke weniger, dass es für jeden möglich wäre, sich in solchen Situationen direkt einzumischen. Ich denke: Es ist die duldende Atmosphäre in unserer Bevölkerung, die diese Leute ermutigt, ihr aggressives Verhalten in aller Öffentlichkeit vorzuführen und ihr Rassen feindliches und Menschen verachtendes Denken zu entwickeln, ohne dabei auf eine für sie ernst zunehmende gesellschaftliche Grenze zu stoßen. Sie wissen, dass sie Sympathiesanten haben. Wie viele im Bus z.B. werden nicht ganz insgeheim gedacht haben: “Na ja, irgendwo haben sie ja Recht: Schwule sollten hier nicht im öffentlichen Bus mitfahren können und nehmen mir sitzen dürfen.” Ich wage keine Einschätzung, aber ich bin sicher, dass es mehr Menschen gibt - und keineswegs nur jungen Menschen! - , die ihre braunen Gedanken und Einstellungen fröhlich frei herauslassen würden, wenn die gesellschaftliche Ächtung noch ein wenig mehr abnehmen würde, als es schon jetzt der Fall ist.
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25.3.2008 von Mrs. Tapir.
Ganz so lange bin ich nicht dabei, aber ich kenne noch die Zeiten, wo wir dicht gedrängt standen, wo wir nicht schlichen, wie bei einer Fronleichnamsprozession, sondern wirklich ausgeschritten sind oder gar Arm in Arm rannten….
Ich kann mich an Antikriegs-Demos erinnern, wo wir uns zu stark gefühlt haben und voller Hoffnung.
In Berlin gingen heute zwar nicht zig Tausende auf die Straße wie vor 20 Jahren, aber es waren definitiv deutlich mehr, als die Polizei sich und der Öffentlich einreden will, wenn sie von 350 spricht.
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Nach meiner Schätzung waren es sicher an die 1000 Leute.
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Bei strahlendem, wenn auch kaltem Frühlingswetter zog ein bunter Menschenzug vom Adenauerplatz bis zum Breitscheidplatz. Überall Plakate, rote Fahnen und leuchtende blaue Luftballons mit der Friedenstaube.
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Es war ein buntes Volk, viele politische Splittergruppen, viele Individualisten, die ihren Demonstrationsspruch auf kleine und große Plakate geschrieben hatten : “Ich möchte nicht, dass man mich am Hindukusch verteidigt”, “Ich bin Irak”,”Soldaten raus aus Afganisthan”, “Krieg fängt mit üben an”.
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Vertreten war stark die Linke, auch Ver.di . Die Grünen, die lange Jahre mit dabei waren - wie vom Erdboden verschollen. Nur konsequent, immerhin.
Viele DemonstrationsteilnehmerInnen waren schon über 50, alle mit dem Bedauern im Blick, dass die Friedensbewegung nicht mehr das ist, was sie einmal war: eine wirkliche Massenbewegung. Ich habe aber auch eine ganze Menge junge Leute gesehen.
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Der Zug ging vorbei an der Gedächtniskirche. Wer denkt noch daran, woran sie erinnern soll?
Nichts vergessen Menschen so schnell wie etwas Schreckliches, das war. Aber noch weniger sind sie offenbar bereit, Gefahren und Schrecknisse, die auf sie zu kommen, zur Kenntnis zu nehmen. In diesem Sinne wurde Brecht zitiert bei der Abschlusskundgebung.
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Die dringende Sorge um Frieden bewegt Menschen in allen möglichen Lebenssituationen.
Leider nicht annähernd genug.
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Ich bin aufgewachsen in der Zeit des kalten Krieges, in der uns die Furcht vor einem neuen Krieg immer präsent war.
Und heute? Nimmt es überhaupt jemand zur Kenntnis, dass auf der Welt zur Zeit so viele Kriege blutig ausgetragen werden? Und wer es ist, der diese Art von Politik mit Schwung vorantreibt?
Findet jemand noch was dabei, dass die Deutschen mal wieder mitmischen im großen Verteilungskrieg, diesmal um Öl, unter dem Motto: “wir bringen denen die Freiheit und die Demokratie”.
Warum gewöhnen sich Menschen daran, dass Menschen sterben, bis heute 4000 amerikanische Soldaten und 80 000 irakische Zivilisten.
Krieg scheint wieder salonfähig, scheint wieder normal zu sein. Wir werden Stück für Stück wieder daran gewöhnt.
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Bei der Abschlusskundgebung sprach eine deutsche Soldatin, die zur Zeit aus Afganisthan nach Hause strafversetzt ist. Sie kannte den Krieg aus der unmittelbaren Nähe und nahm kein Blatt vor den Mund. Kompliment!
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23.3.2008 von Mrs. Tapir.
Im Spreewald wurde der Brauch vom Osterwasser wieder zum Leben erweckt.
Wie schön für die Touristen. Aber wer mal ein richtiges Osterwasser sehen möchte, kann zur Streusandbüchse nach O. kommen.
Wir haben seit Januar Hochwasser. Der Grundwasserspiegel, seit 30 Jahren in dieser Gegend maximal bei cm 60 cm, steht seit dem in Erdbodenhöhe, also bei Null.
Als die erste Januar-Katastrophe langsam abgeklungen schien, kam Emma und machte alles noch schlimmer. Seit dem steht das ganze Grundstück unter Wasser und nichts sickert ab.
Ein kleiner Badesee vor der Eingangstür … (Anfang März)
Land unter: Blick vom Balkon in den Garten (Anfang März)
Wir sind natürlich nicht alleine betroffen. Schätzungsweise 30 Grundstücke in unmittelbarer Nähe kämpfen mit dem Grundwasser. Beim Nachbarn steht ein mit Regenwasser angefüllter Swimmingpool, an dem das Wasser von außen schon zur Hälfte seiner Höhe angestiegen ist. Auf dem anderen Grundstück neben uns hat sich ein See etabliert, der schon Entengrütze ansetzt und sich heute, zu Ostern, romantisch als See in Schneelandschaft präsentiert.
Wie heimelig sich das kleine Haus im Wasser spiegelt ….
Wir haben in den letzten Wochen in Handarbeit den ganzen Garten um 20 erhöht.
Auf den Fotos sieht man, dass das Grund- und Regenwasser trotzdem bis zur neuen Gartenoberfläche steht.
Das Wasser der unbefestigten Straße (im Bürokratendeutsch: Kategorie 4; 5 und 6 gibts nicht!)
nichts geht mehr…
läuft und läuft auf unser Gelände und sammelt sich am Fuße unseres Holzhauses. Wir pumpen jeden Tag …. um das allerschlimmste zu verhindern.
Ansonsten hoffen wir auf einen trockenen Sommer und darauf, dass wir vielleicht doch noch das Herz der hiesigen Bürokratie berühren und die Kanalisation dieser tiefliegenden Ecke des Landes Brandenburg im Haushalt doch noch vor 2012 eingeplant wird.
Es wird Zeit, dass wir uns hier zusammentun und die Behörden auf Trab bringen, ehe wir ganz abgesoffen sind.
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9.3.2008 von Mrs. Tapir.
Meine Literaturhomepage Geschichtenwerkstatt ist beim glashaus ausgezogen. Ich habe jetzt dafür eine direkte Internet-Adresse:
www.poesieundtexte.de
Vorläufig bleiben beide Zugänge bestehen.
Hier eine Kostprobe neuer Gedichte:
Ankunft im Moor
Wir aber haben Zeit.
Im Hochmoor zählen nur die Jahrtausende.
Wassergraben im Moor
Zwischen rostrot eingesäumten Wassergräben
und blassgrünen Wiesen,
die erst am Horizont enden,
wird sich das Frühjahr ganz langsam entfalten.
Noch hält der Frost die Luft an.
Hohe Binsenrispen vom Vorjahr
glitzern wie blühendes Eis.

Binse im Moorsee
Kahle Erlen stehen mit geschlossenen Augen
in der Morgenhelle.
Die Stille wartet auf die ersten Lerchen.
Und voller Verheißung legt das warme Sonnenlicht
seine Hände auf unsere Wintergesichter.

Weg durchs Moor
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6.3.2008 von Mrs. Tapir.
Jetzt könnte es eigentlich richtig losgehen……
Vorfrühling auf Usedom
Das Haus ist nicht mehr so ganz frisch, aber das schert den Frühling nicht im geringsten….
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5.3.2008 von Mrs. Tapir.
Monate lang hat sie es ertragen ohne mit der Lefze zu zucken, wenn ich auf meiner Flöte spielte. Sie war geduldig auch da, wo ich an den sehr hohen Tönen feilen musste. Ich hatte mal einen Schäferhund, der versuchte sofort wegzulaufen, wenn in seiner Nähe irgendwer oder irgendwas Musik machte. Nicht so Anka.
Ich war deshalb stolz auf meine Anka. Auch meiner Tochter hat sie 4 Jahre bei Akkordeonspiel gelauscht.
Und nun plötzlich das: Mit einem Mal beginnt Anka zu fiepen und zu winseln, sobald ich oder kranich einen Ton spielen. Aber sie verkriecht sich nicht, um der Musik zu entgehen, sie stürzt sich auf den Spieler, springt zur Flöte hoch, beschnupert sie aufgeregt und stimmt ein unangenehmes Hundegejammer an. Dabei läuft sie aufgeregt herum, hechelt und ist aufgeregt.
Vor einigen Tagen habe ich eine Diplomarbeit gelesen, die sich mit tiergestützter Sozialarbeit, dem Verhältnis von Tier und Mensch, ihren Kommunikationsmöglichkeiten und Verständnisschwierigkeiten befasste.
Ach wäre ich doch eine Hundeflüstererin! Denn warum Anka sich so verhält, was eigentlich mit ihr los ist, ich kann es nur raten, es erschließt sich uns nicht. Ist sie unausgelastet, möchte sie mitmischen, kann sie plötzlich die hohen Töne nicht mehr ertragen, ist sie eifersüchtig auf die Flöte (zum ersten Mal trat das Verhalten auf, als wir im Duo spielten). Ich weiß es nicht.
Nun versuchen wir, uns von Anka nicht die Freude am Spielen verderben zu lassen und lassen sie vor der Tür liegen und leise jammern. Es geht, aber wir haben trotzdem unsere Spieldauer am Tage auf die Hälfte reduziert. Und das ärgert mich.
Hat jemand dazu was zu sagen? Was ist mit unserem Hund los?
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1.3.2008 von Mrs. Tapir.
Beim Frühstück bleibt mir fast das Brötchen im Hals stecken:
Die Reporterin stellt gerade mal so nebenbei fest, dass es immer noch Menschen gebe, die noch nicht begriffen hätten, das die alte Volksweisheit nicht mehr stimme, dass es nämlich den Menschen gut gehe, wenn es den Unternehmern gut geht.
Bisher brachte man eben manches Opfer, damit die Wirtschaft floriert und schnallte bereitwillig die Gürtel enger, wenn es eine Wirtschaftsflaute gab. Dass wir alle vom Wirtschaftsgott und von seinen schwarzen Zahlen abhängen, das war ja lange schon klar. Aber jetzt machen die Unternehmen kräftig Kasse - aber denkste, das heißt noch lange nicht, dass sie deswegen automatisch auch was vom Kuchen abkriegen müssen. Verarscht!
Es wird Zeit, so meint die Reporterin, dass wir uns verarschen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken:
Siemens, Nokia,
Und Herr Lafontaine hätte deshalb etwas dramatisch das Wort Raubtierkapitalismus gebraucht., dieser Populist…
Ich möchte mich verwahren gegen diesen Vergleich. Als Tierliebhaberin kann ich ihn nicht einfach so hinnehmen:
Kein Raubtier frisst weiter, wenn es satt ist, es jagt keine Beute, wenn es für sich genug hat, es tötet nichts und niemand, wenn es das nicht muss, weil sein Magen knurrt. Es nimmt einem anderen Tier nur dann was weg, wenn es selber Hunger hat.
Aber: Obwohl man selber wunderbare Profite macht, einfach so, trotzdem oder vielleicht ja auch gerade deshalb, immer noch höhere machen wollen und dabei über andere Menschen einfach hinweggehen, über ihr Leid, ihre Bedrohung, über ihre Sorgen und Nöte, sie in die Arbeitslosigkeit entlassen, der möglichen Armut aussetzen, ihre Biografien brechen,
- sowas bringen nur Menschen fertig.
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1.3.2008 von Mrs. Tapir.
Vor 24 Jahren lag ich in der Frauenklinik und hatte um Mittag herum meinen Sohn geboren.
Es war ein großes Ereignis für die Klinik, denn er war das einzige Kind damals, das am 29. 2. 1984 in Wiesbaden geboren wurde. Er tat seinen ersten Schrei im Mittagsmagazin, die Belegschaft des Krankenhauses schenkte mir einen Riesenblumenstrauss, weil mein Sohn offenbar zum Erhalt der Kinderklinik Paulinenstift beitrug (es war damals in der Diskussion, sie zu schließen), eine Reporterin vom Wiesbadener Tageblatt besuchte uns und überhäufte meinen Sohn mit Geschenken….
Im Großen und Ganzen hat sich die astronomische Besonderheit im Leben meines Sohnes bisher nicht negativ ausgewirkt.
Aber er war immer mächtig stolz auf sein Geburtsdatum.
mein Schaltjahrkind mit großer Schwester lange vor seinem “1.” Geburtstag.
Heute erzählt mir derselbe Sohn am Telefon, dass es in Wiesbaden derzeit 186 Menschen gibt, die an diesem Tag Geburtstag haben.
Vier Jahre später, während der Sohnemann seinen Geburtstag feierte, sass ich zwischen 8 kleinen Jungs und zählte meine Wehen. Wir hatten es nicht darauf angelegt. Aber es wäre ja eigentlich ne tolle Sache gewesen.
Aber meine Jüngste entschied sich dafür, am 2. März zu kommen mit dem klaren Anspruch auf einen eigenen Geburtstagstermin.
Den Platz im Guinnes-Buch der Rekorde glaubte ich nur ganz knapp verpasst zu haben: Beinah wäre ich Mutter von zwei Schaltjahrkindern geworden, die keine Zwillinge sind. Heute höre ich von einer Frau, die drei Kinder an diesem Tag geboren hat. Na dann ist ja gut, dass ich es nicht noch einmal versucht habe.
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