Anka und die Tierärzte

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Jeder, der Ankas Homepage kennt, weiß, dass Tierärzte und Tierarztpraxen zu Ankas persönlichen Feinden gehören.

Wie das kommt, ist mir eigentlich unklar. Es ist eigentlich nie etwas Einschneidendes passiert. Aber wenn Anka in einer Tierarztpraxis im Wartezimmer sitzen muss, zittert sie am ganzen Leib und würde, wenn man sie ließe, über alle Berge weglaufen.
Als wir Anka hier in unserer Streusandbüchse aufgenommen haben, war klar, dass eines Tages auch hier das Tierarztproblem auf der Tagesordnung stehen würde. Auf dem von meiner Tochter mitgelieferten Impfpass war ein Zettel befestigt, auf dem die bisherige Tierärztin vermerkt hatte: nächster Impftermin November 2007.

Zu unserem Glück siedelten sich gerade Mitte des Jahres 2007 ein Tierarztpaar hier im Dorf an, ganz in unserer Nähe, nur etwa 7 Minuten zu laufen. Das war natürlich attraktiv, weil wir Anka so nicht per Auto sonst wohin fahren müssen. Also war klar: Hier werden wir hingehen im November.

Meine Tochter hatte uns geraten, Anka rechtzeitig an die Tierarztpraxis zu gewöhnen, damit es im November nicht soo schwierig werden würde. Gesagt getan: Ich ging in die Praxis und fand zwei freundliche, hilfsbereite, kompetente Leute vor, die sich darauf einließen, dass wir mit Anka ab und an mal kurz zu Besuche kommen und dann ohne jede Behandlung wieder verschwinden könnten.

Beim ersten Mal ging Anka völlig entspannt und arglos in das leere Wartezimmer aber kaum hatte sie die Lage erkannt, zeigte sie heftigste Fluchtreflexe. Und selbst als wir mit den beiden Ärzten plaudernd und ohne weiter auf sie zu achten im Wartezimmer saßen und ihr die Ärztin ab und an Leckerlis zuwarf, lief sie wie ein eingesperrter Tiger durch den Raum und war hektisch, nervös,voller Panik. Das wiederholte sich für viele Wochen immer wieder. Verrückter Weise zeigte sie dabei sogar Neugier und sah sich freiwillig im Behandlungszimmer um. Aber wenn wir auf der Straße an dem Haus vorbei liefen oder auch nur auf ihrer „Kackwiese“ nicht die Richtung nach Hause sondern die ins Dorf einschlagen wollten, die uns in die Nähe der Arztpraxis geführt hätte, gebärdete sie sich wie toll, lief weg, versuchte uns mit allen Mitteln dazu zu überreden, doch in die andere Richtung zu gehen.

Trotz der vielen Bemühungen und Versuche und der geduldigen und liebevollen Behandlung durch die beiden Mediziner, es blieb dabei. Anka tat alles, um die Konfrontation zu vermeiden. Ein wirklicher Gewöhnungseffekt war nicht auszumachen.

Schließlich fuhren wir Anfang Dezember mit ihr auf den Parkplatz, Kranich schnappte sie sich und trug sie auf den Armen dirket ins Behandlungszimmer. Dort hielt er sie gut fest und sie stand da, ein wenig zitterig aber mit lang vorgestreckter, neugieriger Nase und ließ alles mit sich machen. Als die Sache vorbei war, war unsere Anka allerdings schneller wieder draußen, als man gucken konnte.

Und dann stellte sich heraus, dass wir zu spät zum Impfen gekommen waren. Der Zettel der früheren Tierärztin ist unerklärlich. Die Impfungen waren im Juni fällig.

Also heißt es nun Anfang Januar wieder: Auf zum Tierarzt. Kranich wird alleine und zu Fuß hingehen müssen, weil ich nicht da bin. Und Anka wird wieder wie ein Lamm, das zur Schlachtbank getragen wird, Herrchen ergeben alles über sich ergehen lassen. Wenn wir das alles im Juni gewusst hätten, wäre manches einfacher gewesen. Trotzdem, es war eine interessante Erfahrung.

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