Infos

Sie befinden sich aktuell in den MEIN GLASHAUS Blog-Archiven für den folgenden Tag 17.12.2007.

Dezember 2007
M D M D F S S
« Nov   Jan »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Archive für 17.12.2007

Arme Kinder - arme Gesellschaft!

4kerzen.jpg

Mein Kollege erzählt, in Leipzig und Umland würden 33% aller Kinder von Hartz IV leben müssen. “In Gelsenkirchen sind es 40%”, sage ich und wir sehen beide betreten vor uns hin. Was ist das für eine Gesellschaft? Eine arme Gesellschaft? Wohl kaum. Arm ist sie höchstens in dem Sinne, dass sie einem Leid tun kann, dass so etwas möglich ist.

kinderfressersaule-klein.jpg

Kinderfresserin; Pestsäule aus einem Dorf im Weinviertel bei Wien ;
damals sicher ein Bild, das die überstandene Hungersnot anzeigte;
vielleicht ist es heute mehr als allegorische Darstellung zu sehen:
Gesellschaft frißt ihre Kinder

“In Leipzig gibt es eine Aktion “Weihnachtsgeschenke” für diese Kinder”, sagt mein Kollege wieter.”Tatsächlich müssen viele der betroffenen Eltern Weihnachten für ihre Kids einfach ausfallen lassen. Und wenn es im Januar dann heißt ‘Bringt euer schönstes Weihnachtsgeschenk mit in die Schule’, dann bleiben diese Kinder lieber mal zu Hause …. Irgendjemand hat deshalb diese Aktion gestartet: Wenn du in eins der Leipziger Warenhäuser gehst, kann du dir einen der Wunschzettel mit reinnehmen, die solche Kinder verfasst haben und die hier von Helfern an die Bevölkerung weitergegeben werden. Und du kannst dann neben deinen eigenen Einkäufen für einem dieser fremden, armen Kinder den Herzenswunsch erfüllen. 700 solche Weihnachtswunschzettel soll es bisher geben! Und die Leute machen gerne mit”.

Würde ich auch so einen Zettel mitnehmen? Ich denke schon. Warum ist mir dennoch mulmig, als ich diese Geschichte höre?
Weihnachten als Zeiten, wo wir - wenigstens einmal im Jahr - den guten Menschen in uns sprechen lassen? Weihnachten als Zeit, wo uns die Armen einfallen und wir bereit sind, Almosen zu spenden, damit wir ohne schlechtes Gewissen unser Fest feiern können? So was war mir immer verdächtig. Wie der Muttertag, wo die Kinder einmal im Jahr zu ihrem Müttern so sind, wie die sich ihre Kinder das ganze Jahr über wünschen würden?

Aber die Verlogenheit, die in dieser Aktion steckt, die ist es nicht, die mir Bauchweh bereitet.
Ich schäme mich vor allem dafür, in einer reichen Gesellschaft zu leben, die wieder auf das gute Herz der Wohlhabenden setzt statt dafür zu sorgen, dass alle mit guten Chancen heranwachsen und am Wohlstand unserer Gesellschaft teilhaben können.

|