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24.12.2007 von Mrs. Tapir.
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21.12.2007 von Mrs. Tapir.

Es ist mein letzter Arbeitstag vor der Weihnachtspause. Meine Motivation ist schon ziemlich abgesackt. Ich bin erstaunt, wie viele meiner Studenten so kurz vor Weihnachten noch kommen.
Es ist mein Seminar Familienkommunikation, in dem ich versuche, den Studierenden ganz konkret Möglichkeiten zu zeigen, wie sie als SozialpädagogInnen Kommunikationsprobleme in Familien bearbeiten können.
‘Heute geht es um das Phänomen, dass Menschen sich erbittert über Sachzusammenhänge streiten und eigentlich aber unausgesprochen dabei über ihre Beziehung sprechen und streiten. Ich ziehe mit der noch verbleibenden Energie ein möglichst zum letzten Seminartag vor Weihnachten passendes Beispiel aus der Tasche:
Mutter, frisch geschieden, alleine lebend mit dem 16jährigen Sohn, die beiden älteren Kinder sind aus dem Haus. Seit dem 1. Advent geht bei jedem Abendbrot der Streit los: sollen wir für uns beide dieses Jahr einen Tannenbaum zu Weihnachten kaufen oder nicht? Die Mutter führt alle Argumente der Welt dagegen an, die hohen Preise, die so schnell nadelnden Bäume, die fehlende Platz in der Wohnung usf. Der Sohn kämpft erbittert gegen seine Mutter an und führt die Tradition an und dass es doch immer so war, dass er gerne einen kleinen und billigen Baum akzeptieren will, dass Weihnachten ohne Tannenbaum einfach kein Weihnachten ist. ..
Ich für meinen Teil versuche, die eigentlichen Argumente anzusprechen und herauszuhören und die beiden Kampfhähne zumindest dazu zu bekommen, dass sie begreifen, worum es dem jeweils anderen wirklich geht:
Der Mutter geht es darum, dass sie einen Schlussstrich hinter das bisherige Familienleben ziehen kann, dass sie Weihnachten neu und unbefangen erleben kann, ohne traurig an die 10 schönen und ohne wütend und frustriert die folgenden, die 10 schrecklichen Jahre ihrer Ehe- und Familienzeit denken zu müssen ….
Der Sohn möchte ein Stück seiner verlorenen Familienkindheit zurück bekommen und er will glauben können, dass er für seine Mutter nicht lästiges Familienüberbleibsel sondern ihr geliebtes Kind ist , für den ein schöner Weihnachtsbaum genau so lohnt wie früher für alls Drei…..
Das Rollenspiel klappt prima und ich stoppe schließlich, als der Sohn zu seiner Mutter sagt: “Ich will dir was sagen, mit deiner Trennung von Papa bin ich überhaupt nie einverstanden gewesen!” und jetzt wirklich über die Beziehung Mutter-Sohn gesprochen werden würde….. Die Studenten sind zufrieden. Ich auch, aber gleichzeitig bin ich erschüttert
Was mich erschüttert, ist, dass diese kleine Szene bei fast allen Anwesenden zwischen 22 und 29 eine heftige Anteilnahme auslöste. Sie erhitzten sich für die Erhaltung der Weihnachtsbäume in ihrem Leben. Sollte die gesamte Situation für sie wiedererkennbar gewesen sein? Mit diesem kleinen Beispiel habe ich - ohne es zu ahnen - die Gemütslage meiner Studenten offenbar genau getroffen.
Ich fahre nachdenklich und irgendwie erschrocken nach Hause in meine Wohnung, wo dieses Jahr so gut wie nichts an Weihnachten erinnert.
Weihnachten steht für Familien und für glückliche Familie. Wir alle wissen, dass wir jedes Jahr an irgendeinem Punkt dieser rituaellen Geschichte enttäuscht werden von unseren Familien-Weihnachts-Feiern. Die Kinder haben sich ihre Geschenke anders vorgestellt. Die ersehnte Gemütlichkeit, das gemeinsame Erzählen über all das, was jedem im letzten Jahr passiert ist, bleiben auf der Strecke, weil die alten Streitereien und Empfindlichkeiten ausbrechen…
Aber die Sehnsucht bricht jedes Jahr wieder neu aus.
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19.12.2007 von Mrs. Tapir.
Vor gut 80 Jahren schrieb Erich Kästner das folgende Weihnachtslied.
Er könnte es heute geschrieben haben, für alle Kinder, die von Hartz IV leben, und für die Weihnachten gezwungenermaßen ausfällt….
Erich Kästner
Weihnachtslied, chemisch gereinigt
Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.
Einmal kommt auch eure Zeit.
Morgen ist’s noch nicht soweit.
Doch ihr dürft nicht traurig werden.
Reiche haben Armut gern.
Gänsebraten macht Beschwerden.
Puppen sind nicht mehr modern.
Morgen kommt der Weihnachtsmann.
Allerdings nur nebenan.
Lauft ein bisschen durch die Straßen,
dort gibt’s Weihnachtsfest genug!
Christentum, vom Turm geblasen,
macht die kleinsten Kinder klug.
Kopf gut schütteln vor Gebrauch!
Ohne Christbaum geht es auch.
Tannengrün mit Osrambirnen -
lernt drauf pfeifen! Werdet stolz!
Reißt die Bretter von den Stirnen,
denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stille Nacht und heil’ge Nacht -
Weint, wenn’s geht, nicht! Sondern lacht!
Morgen, Kinder, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Geduld!
Morgen, Kinder, lernt für’s Leben!
Gott ist nicht allein dran schuld.
Gottes Güte reicht so weit …
Ach, du liebe Weihnachtszeit!….
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17.12.2007 von Mrs. Tapir.
Mein Kollege erzählt, in Leipzig und Umland würden 33% aller Kinder von Hartz IV leben müssen. “In Gelsenkirchen sind es 40%”, sage ich und wir sehen beide betreten vor uns hin. Was ist das für eine Gesellschaft? Eine arme Gesellschaft? Wohl kaum. Arm ist sie höchstens in dem Sinne, dass sie einem Leid tun kann, dass so etwas möglich ist.
Kinderfresserin; Pestsäule aus einem Dorf im Weinviertel bei Wien ;
damals sicher ein Bild, das die überstandene Hungersnot anzeigte;
vielleicht ist es heute mehr als allegorische Darstellung zu sehen:
Gesellschaft frißt ihre Kinder
“In Leipzig gibt es eine Aktion “Weihnachtsgeschenke” für diese Kinder”, sagt mein Kollege wieter.”Tatsächlich müssen viele der betroffenen Eltern Weihnachten für ihre Kids einfach ausfallen lassen. Und wenn es im Januar dann heißt ‘Bringt euer schönstes Weihnachtsgeschenk mit in die Schule’, dann bleiben diese Kinder lieber mal zu Hause …. Irgendjemand hat deshalb diese Aktion gestartet: Wenn du in eins der Leipziger Warenhäuser gehst, kann du dir einen der Wunschzettel mit reinnehmen, die solche Kinder verfasst haben und die hier von Helfern an die Bevölkerung weitergegeben werden. Und du kannst dann neben deinen eigenen Einkäufen für einem dieser fremden, armen Kinder den Herzenswunsch erfüllen. 700 solche Weihnachtswunschzettel soll es bisher geben! Und die Leute machen gerne mit”.
Würde ich auch so einen Zettel mitnehmen? Ich denke schon. Warum ist mir dennoch mulmig, als ich diese Geschichte höre?
Weihnachten als Zeiten, wo wir - wenigstens einmal im Jahr - den guten Menschen in uns sprechen lassen? Weihnachten als Zeit, wo uns die Armen einfallen und wir bereit sind, Almosen zu spenden, damit wir ohne schlechtes Gewissen unser Fest feiern können? So was war mir immer verdächtig. Wie der Muttertag, wo die Kinder einmal im Jahr zu ihrem Müttern so sind, wie die sich ihre Kinder das ganze Jahr über wünschen würden?
Aber die Verlogenheit, die in dieser Aktion steckt, die ist es nicht, die mir Bauchweh bereitet.
Ich schäme mich vor allem dafür, in einer reichen Gesellschaft zu leben, die wieder auf das gute Herz der Wohlhabenden setzt statt dafür zu sorgen, dass alle mit guten Chancen heranwachsen und am Wohlstand unserer Gesellschaft teilhaben können.
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11.12.2007 von Mrs. Tapir.
Dieser Schritt hat mich nicht überrascht. Unsere Gesellschaft reagiert auf die Gewalt, die sie selber ständig produziert schlicht mit Gegengewalt oder drohender Gegengewalt.
Von der Effektivität her ist dieser Ansatz mit einem medizinischen Konzept vergleichbar, das bei einer ausgebrochenen Volksseuche den Abtransport der Leichen gut organisiert und vielleicht auch noch die Betroffenen effektiv isoliert, aber nichts investiert, um die Ursachen der Seuche zu ergründen und zu beseitigen.
Die Ursachen für die Gewalt in unseren Schulen sind vielfältig, sie haben mit dem Schulsystem und mit der Verrohung unserer Gesellschaft zu tun, mit der Unfähigkeit vieler Jugendlicher, Konflikt anders beizulegen und zu lösen als mit verbaler oder nonverbaler Gewalt. Hier könnten z.B. Sozialarbeiter wesentlich tiefer greifen und präventiv wirken.
Vor allem aber hat diese Gewalt damit zu tun, dass diese Gesellschaft für viele auch und gerade junge Menschen, allen voran für Migrantenkinder, keine Perspektiven mehr zu bieten hat und es auch nicht versucht, sie zu bieten, gleichzeitig aber Konsum, Geld und absolute Selbstverwirklichung als Kriterien für Erfüllung und Glück bestimmt hat und dann behauptet, jeder könne in dieser Gesellschaft ganz nach oben kommen, wenn er nur flexibel genug ist und sich selber ausreichend bemüht.
Auch der Hinweis in der Presse, Wachmänner seien viel billiger als SozialarbeiterInnen, hat mich nicht überrascht. Auf diese Weise werden Aufgaben der Sozialen Arbeit immer mehr von unausgebildeten Kräften übernommen und damit werden ihre Fachlichkeit, ihr professioneller Ansatz und ihr Menschenbild einfach ausgekippt und als überflüssig erklärt. An die Stelle einer sekundären Integration, die versucht Menschen so in die Gesellschaft zu integrieren, dass sie dabei als Personen und als Menschen mit Rückgrad nicht auf der Strecke bleiben, wird einfach mit Sanktionen, Drohungen und Zuckerbrot und Peitsche gearbeitet.
Überrascht hat mich höchstens, wieso Wachmänner so viel weniger verdienen sollen als SozialarbeiterInnen. Wenn das so ist, dann fallen die Wachmänner ganz klar in den Bereich, wo dringend ein Mindestlohn ansteht. Denn SozialarbeiterInnen verdienen selber so wenig, dass mancher Mann sich dieses Studium verkneift, weil er von den Einkünften keine Familie ernähren kann. Das war eigentlich nie anders, hat sich aber in den letzten 10,15 Jahren dramatisiert. So etwas wie Tariflohn, unbefristete Stellen, nur soviel Arbeit, wie auch bezahlt wird…. als das gehört der Vergangenheit an. Auch deshalb ist es ein fast reiner Frauenberuf geblieben. Unter unseren Studierenden sind knapp 10% Männer!
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9.12.2007 von Mrs. Tapir.
Durch die ständige Nässe und weil ich wegen einer heftigen Rippenprellung außerstande war, im Garten die notwendigen Herbstarbeiten zu erledigen, sieht es auf meinen Beeten zur Zeit ziemlich trübe und novembrig aus.
Ich hoffe auf einen frühen und angenehmen Frühling, damit ich da einiges wieder wettmachen kann.
Das Laub der großen Birken, durch die man jetzt in den dunklen Dezemberhimmel schauen kann, liegt auf meinen Blumenbeeten. Alles ist dunkelbraun und nass…..
Dennoch,
geschützt an der Hausecke hat sich eine kleine Ringelblume entschlossen, trotz der düsteren Stimmung gerade jetzt noch zu blühen.
In anderen Jahren sah das bei mir schon Ende Oktober ganz anders aus:
mein garten, bereit für den winterschlaf
karg ist es geworden
auf den beeten
in meinem lustgärtchen.
niemand zeigt mehr blatt.
gräulich das grün und
welk die letzten farben
der astern.
ich habe euch alle
rechtzeitig zu bett gebracht.
die kälte beißt um sich
aber sie kann euch nichts
mehr tun.
ihr habt alle träume
zu euren wurzeln genommen.
haltet sie warm
und laßt sie erst heraus
wenn ihr sicher seid,
daß der weiße tau sie nicht fressen kann
in den eisigen morgenstunden.
ich wache
in der kalten sonne
über eure ruhe,
trotze den stürmen
und erzähle den meisen
vom letzen sommer.
wir warten.
Vielleicht wird ja bald der Schnee alles bedecken wie in den letzten Wintern. Mal sehen….
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6.12.2007 von Mrs. Tapir.
Ich muss gestehen, dass ich in diesem Jahr eigentlich vorhabe, Weihnachten ganz ausfallen zu lassen: Die Kinder sind in der Adventszeit im Ausland, Heilig Abend feiern sie mit ihrem Vater, auf das Spielen von Weihnachtsliedern im Flötenunterricht habe ich dankend verzichtet, in meiner Wohnung gibt es nichts, was an Weihnachten erinnert… Es ist fast so, wie in meiner Studienzeit und den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit. Pure Erholung sozusagen von den weihnachtlichen Zwangsriten!
Als dann das erste Kind kam, kam auch die ganze Weihnachtsromantik mit voller Härte und voller Freude über uns. Fast 10 Jahre habe ich in der Adventszeit für drei Kinder Adventsbriefchen gebastelt…..
Meine Tochter aber ist zur Zeit in Irland als Aupair und klagt am Telefon , dort wisse man überhaupt nicht, was Weihnachten sei. Es gäbe in ganz Dublin keinen anständigen Adventskalender, keinen Adventskranz und auch keinen Weihnachtsmarkt mit Glühwein. Alles sei nur schrille, bunte Werbung und Weihnachten ein einziges Konsumfest.
So,so! Ich hätte das eigentlich auch für uns so ähnlich beschrieben. Aber in den Augen einer gerade der Kinderzeit Entwachsenen erscheint unsere deutsche Weihnacht immer noch als die heimelige, wunderbare Zeit, voller Kerzen und voll feierlicher Stimmung.
Wie gut, dass ich meiner Tochter im Nikolausbrief einen der alten, mit Silberglimmer besetzten Adventskalender geschickt habe!
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3.12.2007 von Mrs. Tapir.
Alle sind sich so schön einig, sozusagen von links bis rechts….
Natürlich ist dieser Schritt mehr als überfällig. Eine Orientierung des Grundgesetzes an den Kinderrechten der UNESCO steht seit langem in Deutschland aus.
Die Frage allerdings ist, wie wird dann in der real existierenden Gesellschaft mit Kinderrechten umgegangen? Es ist ja nicht so, als gäbe es nicht längst gesetzlich verbriefte Rechtsansprüche.
Zum Beispiel im Kinder- und Jugendhilfgesetz. Dort stehen sehr interessante Sachen:
Fakt ist, dass heute dieser Rechtsanspruch sehr häufig äußerst defensiv und restriktiv gehandhabt wird.
Wohlgemerkt, es handelt sich hier um einen einklagbaren Rechtsanspruch, der zunehmend ausgehöhlt, unterlaufen wird. Wird daran die Grundgesetzänderung etwas ändern?
Der Geist des KJHG, rechtzeitig Hilfe zur Verfügung zu stellen und sie nicht als Druckmittel zu verwenden oder so, dass sie für Eltern als Eingriffe und Zwangsmaßnahmen erlebt werden, wird zunehmend negiert - mit Blick auf die “leeren Kassen” der Sozialverwaltungen aber auch im Rahmen einer neuen Ideologie, die wieder, wie schon in den alten Zeiten der Fürsorge, auf Kontrolle, Druck und Sanktionen setzt.
Die Skandale von Kindesvernachlässigung, die wir zur Zeit fast täglich in den Medien präsentiert bekommen, lösen in der Politik und in der Öffentlichkeit den Ruf nach Strafe und Vergeltung aus. Man glaubt, mit wasserdichter Kontrolle und mit härterem Durchgreifen, diese Problematik in den Griff zu bekommen. Dazu ist Folgendes zu sagen:
Es hat Versuche dieser Art gegeben. Die mutigen Jugendamtsleiter haben ihre Posten verloren. MitarbeiterInnen, die es nicht mehr ertragen können, ihren sozialpädagogischen Beruf eingezwängt zwischen Kontrollaufgaben und Sparmaßnahmen auszuüben, schweigen, weil sie um ihren Arbeitsplatz fürchten.
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