G 8 oder die Eliteschmiede

Ich fahre Autobahn, das Radio läuft, Deutschlandsender. Ich höre nur halb hin. Als der Begriff G8 fällt, stelle ich den Sender lauter.

Zu meiner Überraschung geht es nicht um die acht stärksten Wirtschaftländer und ihre Kumpanei sondern um das neue Gymnasiale Modell aus Hessen, das auch in Schleswigholstein diskutiert wird. Gymnasium in 8 Jahren. Die Gesamtschulen bzw. die neu eingeführten Stadtteilschulen bleiben bei 9 Jahren.

Ich staune, weniger darüber, dass sich Bildungspolitiker natürlich nicht von der geliebten Dreigliedrigkeit unseres Schulsystems trennen können und wollen und neben dem halbherzig integrierten Bildungsweg einer Gesamtschule mit Abiturmöglichkeit für die Elite das alte Gymnasium retten müssen….

Ich staune über die Kaltschnäuzigkeit, mit der der ja wohl konnotativ eindeutig belegte Begriff G8 in diesem Zusammenhang gebraucht wird. Das 8 Schuljahre umfassende Gymnasium ist der Bildungsweg, der auf kurzem und effektivem Wege in Richtung Elite und Führungskraft in der Wirtschaft und Politik führen soll.

Ich goggle nach G8 und finde, ein wenig einsam unter lauter Einträgen zu Heiligendamm und Nachfolgethemenn die G8-Schule aus Hessen. Und hier wird ganz klar gesagt, worum es dabei geht:

„Warum allgemeine Schulzeitverkürzung im gymnasialen Bildungsgang?
Um die Chancen der hessischen Jugendlichen im (inter)nationalen Vergleich zu verbessern, müssen die Ausbildungszeiten verkürzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland herrscht Konsens darüber, dass hierzu das Schulsystem auch seinen Beitrag leisten muss. Damit zieht Deutschland mit den meisten europäischen und sehr vielen außereuropäischen Ländern gleich.Einhergehend mit Reformen der Studiengänge wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulabsolventen erheblich gesteigert.“ Hessisches Kultusministerium

Eliteschmiede für eine moderne Welt, so ist das also.
Der Rest kann und muss sich mehr Zeit lassen.
Das geht in doppeltem Sinne auf Kosten unserer Kids:

Zum einen wird die Gesamtschule, wie auch immer sie sich nennen mag, dann eine „Restschule“ bleiben und von wirklichen Entwicklungen abgeschnitten bleiben, wenn es daneben – für die „Besseren“ noch immer und verstärkt die Alternative Gymnasium gibt (vgl. mein Beitrag vom 17.6.)

Zum anderen geht diese Auffassung von Eliteschule auf Kosten der betroffenen Kinder. Hier werden Kinder zu Managern abgerichtet. Ein interessanter Beitrag aus der FAZ (immerhin!)

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