Kreuzfahrt, die 8. – Station Stockholm

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Unser letzter Landausflug nach Stockholm.

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Noch vor dem Frühstück konnte ich vom Promenadendeck aus beobachten, wie sich die Arielle allmählich Stockhom näherte. Das Schiff war in eine längliche Bucht eingebogen, rechts und links zogen sich begrünte Hänge hin, das Grün immer wieder von kleineren aber auch größeren Gebäuden unterbrochen. Und vor uns lag im leuchtenden Morgenlicht die Skyline von Stockholm, eine farbenfrohe Häuserzeile der Altstadt am Ufer der Bucht, und dahinter das Häusermeer von Stockholm….

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Der erste Ausflug gleich nach dem Frühstück ähnelte noch denen der Vortage: Rein in den Bus, Busfahrt entlang des Kais, an dem inzwischen noch mehr Kreuzfahrtschiffe lagen, die meisten größer, moderner aber auch kastiger als unsere Arielle. Dann eine kleine Stadtrundfahrt, vorbei an der Häuserzeile, die uns schon seit dem frühen Morgen so angelockt hatte, ein Stückchen durch die Altstadt, dann im großstädtischen Verkehrsgewühle bis zum Rathaus, Parkplatzsuche, alles aussteigen…

Die Besichtigung des Rathauses, in dem die Nobelpreisverleihungen stattfinden, war noch einmal ein echtes Massentourismuserlebnis. Aber inzwischen nahmen wir es gelassen und schauten uns, am Rande der ganzen Szene stehend, die große Vorhalle und dann den Festsaal an. Das Gebäude stammt aus den Anfangsjahren des letzten Jahrhundert, ist groß, luftig, kühn und auf eine nicht fröstelige Art auch kühl und nüchtern. Gut gefallen hat mir die Art, wie die nackten Ziegelwände durch einfache, glatte Strukturelemente an Eleganz und Ästhetik gewonnen haben.

Im Festsaal war übrigens etwa genauso viel Blattgold für die Wände verarbeitet worden wie in der Isaak-Kathedrale, die wir zwei Tage zuvor in St. Petersburg bestaunt hatten. Aber hier wirkte dieser Reichtum und diese Kostbarkeit nicht erschlagend in ihrer Pracht sondern auf ein menschliches Maß reduziert. Dieses Kultgebäude dient weder Göttern noch Fürsten sondern ist für Menschen gebaut worden, zur Ehrung solcher Menschen, die sich um die Menschheit verdient gemacht haben.

Auf dem Rückweg stiegen wir wie viele, inzwischen klug gewordene Mitreisende, während der Fahrt zurück zum Schiff auf halber Strecke aus dem Bus aus und verbrachten den Mittag und Nachmittag auf eigene Faust in Stockholm: Ein Bummel durch die lebhafte Innenstadt, ein Zug durch die Fußgängerzone mit ihren endlosen Geschäften und Souvenierläden aller Größenordnungen und aller Geschmacksrichtungen.

Wieder bei der Altstadt angekommen, hoben wir 300 Kronen ab, denn unsere letzten Euros waren bei dem Bummel durch Stockholms Straßen schneller dahin geschmolzen, als wir hatten gucken können. Eigentlich hatten wir vor, gemütlich essen zu gehen. Aber da lockte uns eine Pferdekutsche , die vor dem Königspalast auf Fuhrgäste wartete. Wir leisteten uns das, was ich früher mit drei kleinen Kindern nie gemacht habe, obwohl alle drei wie ein Mann darum bettelten: Wir stiegen ein und ließen uns von zwei Pferdestärken durch die Altstadt gondeln, auch wenn uns das mit einem Schlag um unsere ganze neue Barschaft an schwedischen Kronen brachte.

Durch die engsten Gässchen und durch den lebhaftesten Verkehr zogen uns die Pferde, von einer geduldigen jungen Kutscherin gelenkt. Wir genossen in aller Ruhe den Anblick der alten Häuschen, die Szene von Stockholm, viele Durchblicke auf die Bucht und über das Wasser. Die Reisegeschwindigkeit einer Fahrt mit Pferdestärken ist wirklich höchst angenehm. Auge und Ohr, Nase und Kopf, alle konnten bei dieser Fahrt mit dem Tempo mithalten. Von den Erläuterungen und Anekdoten des jungen Mannes, der neben der Kutscherin auf dem Bock saß und uns in Englisch durch die Sehenswürdigkeiten und Schönheiten von Stockholms Altstadt führte, habe ich mehr mitbekommen als bei mancher unserer Busfahrten, einfach, weil ich es auch wirklich verarbeiten konnte und meine Augen das sahen, was er beschrieb.

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Auch hier in Stockholm gab es viele Paläste und viel Königliches. Aber es war angenehm zu hören, wie souverän unser Reiseführer über die Königliche Familie sprach: „Hier arbeitet die Königliche Familie. Sie arbeiten alle hart und machen ihre Sache wirklich gut.“ Er sagte das wie ein Kunde, der sich mit der königlichen Familie einen Luxus geleistet hat, einen teueren Luxus, aber es hat sich gelohnt. Die Königliche Familie mache ihre Arbeit, nämlich das schwedische Volk zu repräsentieren, bestens und erfülle die Erwartungen des Volkes zu seiner vollsten Zufriedenheit.

Der Besuch in Stockholm war viel zu kurz. Beide wären wir gerne noch geblieben. Die Atmosphäre, das intensive Licht, die Lebendigkeit und gleichzeitig die Frische, die diese Stadt für mich ausstrahlten, ließen mich daran denken, dass ein guter alter Freund von mir vor sehr vielen Jahren, als er ganze 16 Lenze zählte, in diese Stadt gereist war und sich hier so glücklich fühlte, wie nie zuvor. Ich habe noch das Foto vor Augen, wie er auf der Freitreppe einer Kirche oder eines Palastes steht, über das ganze Gesicht strahlend, die Arme hochgeworfen, als wolle er rufen: „Leute, hier ist es schön, hier kann man leben, hier möchte bleiben!“
Ich habe mich immer gefragt, ob dieses Glücksgefühl damals wirklich der Stadt Stockholm gegolten hat. Jetzt kann ich mir das sehr gut vorstellen.

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Am Abend müssen wir Abschied nehmen, lange konnte man die Stadt noch sehen…


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