unverschämte Lokführer?

30 % mehr Lohn. Das klingt vielleicht manchem unverschämt?

Als die Ärzte neulich für ihre Forderungen auf die Straße gingen, gab es da vielleicht mehr Verständnis in der Bevölkerung?

Ich habe noch nie einen Zug geführt, weiß nur, wie schwierig ich es mit frischem Führerschein anfangs fand, mit dem Auto fremde Personen mitzunehmen, Freunde meiner Kinder z.B. Die Verantwortung hat mich regelrecht geschlaucht.

Aber ich kannte mal einen Lokführer. Er war mein erster Schwiegervater, ein schweigsamer, fleißiger und beherrschter Mann. Er ist sein ganzes Leben Lokführer gewesen. Er wohnte in der Nähe der Bahngleise in Hamm und wenn er nachts die Züge rollen hörte, konnte er manchmal nicht wieder einschlafen. Das hat er mir einmal erzählt, damals, als er nach seinem Infarkt im Krankenhaus lag.

Er bekam genau eine Woche vor seiner Pensionierung einen Herzinfarkt. Er starb 14 Tage später an einem zweiten Infarkt.

Er hat sein ganzes Erwachsenenleben diese Verantwortung auf sich genommen, fremde Menschen herumzufahren, die sorglos im Zug sitzen und darauf warten konnten, dass er sie zu ihrem Zielpunkt brachte. Der nervenaufreibende Job hat sein Leben verbraucht. Dummerweise hat er seine Leistungsfähigkeit nicht ganz richtig aufgeteilt, sie reichte nicht ganz aus. Er musste tatsächlich eine Woche zu früh passen. Für ihn und seine Familie ist nichts mehr übrig geblieben von seiner Lebenskraft.

Er fällt mir ein, wenn ich die Forderung der GDL höre. Er war ein durch und durch bescheidener Mann. Ich glaube nicht, dass das Unternehmen Bahn oder auch die Gesellschaft auch nur annähernd an ihm gut gemacht haben, was er für sie geleistet hat.

 

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