Linkspartei – naive Intellektuelle?

Wer fühlt sich von der Linkspartei angesprochen? Wie ich neulich im Radio hörte sollen das vor allem die Ausgegrenzten, die Verlierer der Gesellschaft sein und auch einige naive Intellektuelle.

So. So. Ich vermute, es werden außer denjenigen, die sich schon als Verlierer der Gesellschaft empfinden müssen auch solche Menschen angesprochen fühlen, die nun endgültig kapiert haben, dass die SPD nicht mehr die Partei in Deutschland ist, die die Interessen derjenigen in der Gesellschaft vertritt, die nicht zu den herrschenden Schichten und den Aufstiegsgewinnern dieser Gesellschaft gehören.

Sehr schön übrigens nachzulesen im Kommentar von Franz Walter:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,489729,00.html

Und die naiven Intellektuellen? Altkommunisten und andere Gestrige, die immer noch nicht kapiert haben, dass die beherrschenden Götter dieser Zeit nun einmal allein die Wirtschaft und ihr Profit sind?

Ich für meinen Teil stelle fest, dass auch mich eine gewissen Naivität auszeichnet. So habe ich vor ein paar Jahren, als Hartz gerade über uns IV über uns hereinzubrechen drohte, eine Satire geschrieben, von der ich damals glaubte, sie habe science-fiction-Charakter, würde durch ihre Skurilität wirken. Inzwischen aber wurde sie von der Realität längst eingeholt, ja überholt ist. Habe die Geschwindigkeit des Turbokapitalismus glatt unterschätzt. Also doch zu naiv!

Hier die Satire:

Im Jahre 5 nach Hartz IV

plakat-in-der-post.jpg

Frau Steinbürger wirft einen prüfenden Blick auf ihre Tochter. Marietta sitzt am Küchenfenster und macht Schularbeiten. Dort ist es um diese Tageszeit noch hell genug.
Dann sieht sie auf die Uhr über dem Küchentisch. Für den Bruchteil einer Sekunde ist sie überrascht. 15 Uhr? Das kann doch gar nicht sein. Dann fällt es ihr wieder ein: Die Küchenuhr ist vor zwei Tagen stehen geblieben. Sie müßte neue Batterien kaufen. Vielleicht übermorgen, da hat sie den Auftrag von Familie Griebert, die geben immer großzügig Trinkgeld. Bis dahin wird es sicher auch mal so gehen. Die alte Armbanduhr ihrer Mutter, die sie noch gefunden hat, tut ja noch ganz zuverlässig ihren Dienst, wenn man es schafft, sie rechtzeitig aufzuziehen.
Es ist gleich sechs. Die Männer werden sicher bald kommen.
Frau Steinbürger deckt den Abendbrottisch. Gut, dass sie bei Aldi noch einige Packungen von dem billigen Vollkornbrot ergattert hat! Das schmeckt wenigstens einigermaßen. Wie gerne würde sie ihrer Familie mal wieder ein richtig leckeres Brot mit Sonnenblumenkernen kaufen. Aber das ist einfach nicht mehr erschwinglich heutzutage. Das gibt es nur in einem richtigen Bäckerladen und kostet unglaubliche 4 Euro 50 das Pfund!
Martina Steinbürger stellt ihre Abendbrotkostbarkeiten auf den Tisch. Wirklich ein Glück, dass es die Discounter gibt und dort die Sonderangebote mit den gerade abgelaufenen Lebensmitteln. So kann sie heute Abend sogar Edamer und Schinkenspeck auftischen! Auch Butter hat sie heruntergesetzt bekommen. Gerne hätte sie noch fünf oder auch sechs Stück dazu genommen und sie eingefroren. Aber seit vor zwei Jahren die Tiefkühltruhe kaputt gegangen ist, geht so etwas leider nicht mehr. Eine neue ist nicht drin. Vielleicht können sie sich eine Reparatur leisten, wenn Swen im nächsten Jahr wirklich die Stelle von Werner Hofmann bekommt. Das wäre wunderbar, denn lange können sie alle allein von ihrer Arbeitslosenhilfe und ihren Trinkgeldern, die sie für ihre Wochenendeinkäufe bekommt, nicht leben.
Mutter hat es damals ja gleich gesagt, als sie zum zweiten Mal schwanger geworden war: Zwei Kinder kann man sich einfach heute nicht mehr leisten, wenn man keine richtige Arbeit hat. Dabei hatte sie ja schließlich damals noch richtige Arbeit als Bibliothekarin in der Stadtbücherei. Aber Swen studierte noch. Wahrscheinlich hatte Mutter auch damals schon Recht. Und inzwischen ist ja auch alles noch sehr viel schwieriger geworden.
Es wird tatsächlich schwer werden, auch noch Marietta groß zu kriegen und ihr eine vernünftige Ausbildung zukommen zu lassen. Eine gute Ausbildung ist doch immer noch eine echte Chance. Natürlich ist sie keine Garantie. Ihr Mann Swen hat schließlich nach seinem Architekturstudium vor sieben Jahren bis heute keine entsprechende Stelle gefunden. Und an ein eigenes Büro ist nicht zu denken. Die Ich-AG damals war ein Reinfall. Sie sind da gerade mit einem blauen Auge wieder herausgekommen. Gegen die großen Haie in diesem Berufszweig kommt keiner an. Aber er gibt nicht auf, ihr Mann. Frau Steinbürger muß lächeln. Sie ist stolz auf Swen. Und gerade jetzt sieht es auch wirklich ganz gut aus, jetzt, nachdem das Bauamt seinen Antrag positiv beschieden hat und er ein weiteres Jahr ehrenamtlich dort arbeiten darf. So was zählt eben. Das wird anerkannt. Jetzt hat man ihm sogar einen eigenen Schreibtisch gegeben. Er zeigt aber auch wirklich guten Willen! Bestimmt werden sie ihm im nächsten Jahr die Stelle von Werner geben! Das wäre dann endlich ein Anfang. Immerhin läuft die Stelle zwei volle Jahre! …. Wer die Geschichte weiterlesen möchte: bitte schreiben Sie es im Beitrag an mich!


Dieser Beitrag wurde unter Leute & Geschichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.