Anmerkungen zur Kleinkinderbetreuung II

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Gestern pfui heute begehrt!

Über die allgemein übliche Krippenerziehung in der DDR haben Wessis vor und nach 1990 noch lange kräftig die Nase gerümpft.
In der allerjüngsten Zeit hat sich da nun etwas bewegt:

  • Die Einsicht darein, dass eine öffentliche Erziehung und Betreuung von Kleinkindern in einer Zeit, in der Frauen arbeiten gehen, notwendig ist, damit junge Leute überhaupt bereit sind, Nachwuchs zu bekommen, hat sich inzwischen doch herumgesprochen.
  • In der PISA-Studie wurde unmissverständlich deutlich, dass es mit dem Bildungsstand unserer Jugend nicht zum Besten steht. Angestoßen durch die Ergebnisse der PISA-Studie setzt sich endlich auch die Erkenntnis durch, dass in unserem Land das Bemühen um Bildung viel zu spät einsetzt. Die Notwendigkeit, mit Bildung und Förderung möglichst früh, noch lange vor der Schule, sozusagen im richtigen „Zeitfenster“ damit anzufangen, wird inzwischen zunehmend akzeptiert.

Als meine Mutter ihre Erzieherinnenausbildung machte, fühlte sie sich als pädagogische Pionierin. Sie studierte am damals einzigen nicht nationalsozialistischen, katholischen Kindergärtnerinnenseminar in Freiburg im Breisgau. Damals war der Begriff Kindergärtnerin relativ neu. Die Studentinnen sahen sich als Vorkämpferinnen einer frühpädagogischen Konzeption, die die alte Kinderbewahranstalt ablösen und aufheben sollte. Der Name Kindergarten (im Englischen interessanterweise „kindergarten“) sollte zum Ausdruck bringen, dass es hier ums Wachsen, Entwickeln von Kindern in einer freundlichen, sorgenden und fördernden Umgebung gehen sollte.
Mütter, die ihre Kinder in den Kindergarten schickten wurden zur damaligen Zeit aber auch noch nach dem Krieg im Westen immer ein wenig schief angesehen. Entweder hatte die Frau es nötig, weil sie arbeiten gehen musste und ihr Mann eben nicht genug verdiente oder aber „es war für die Kinder besser so“.
Heute sind diese Vorbehalte gegenüber der Einrichtung Kindergarten nicht mehr nachvollziehbar. Jeder weiß, dass eine Kindergartenzeit für Vorschulkinder wichtige Impulse für ihre Entwicklung liefert und auf die Schule und ihre kognitiven und sozialen Aufgaben vorbereitet.

Es ist anzunehmen, dass auch die Krippenerziehung eine ähnliche gesellschaftliche Anerkennung erfährt. Es will ja schon jetzt keiner mehr wissen:

Gestern indiskutabel, heute ein Muss.


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2 Antworten zu Anmerkungen zur Kleinkinderbetreuung II

  1. kranich05 sagt:

    Weil hier die DDR erwähnt wird:
    Ganz typisch finde ich es, daß offiziell ein Bezug zur DDR NICHT hergestellt wird. Oder hab ich das übersehen? „Unrechtsstaat“ und basta! Und gleichzeitig klammheimlich 30 Jahre später etwas Ähnliches machen. Es gibt weitere solche Beispiele; ich sage nur Polikliniken – Ärztehäuser.
    Eine Scheinheiligkeit, widerwärtig, die deutsche und ganz besonders bundesdeutsche Tradition ist!

    Der schöne Begriff „Kindergarten“, geht der nicht schon auf Friedrich Fröbel zurück?

  2. Mrs. Tapir sagt:

    Hast Recht. Den Namen hat Fröbel kreiert. Die übrigens in Preußen verboten wurden…
    Auf Fröbel wurde sich immer wieder berufen. Dennoch gab es in den nächsten Jahrzehnten noch lange auch den Begriff Kinderbewahranstalt. Um die Jahrhundertwende und in der Weimarer Republik gab es etwa für 13% der Kinder in Deutschland Kindergartenplätze. In den 30er Jahren besann sich die kath. Fachschule für Kindergärtnerinnen in Freiburg i. B. auf Fröbel und sich mit ihrer Frühpädagogik präzise an ihm orientiert.

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