Meine Dachfirst-Figur

Wie kommt mein Dachfirst-Typ aufs Dach?

Nun habe ich ihn mit viel Liebe und Mühe fertiggebracht: den jungen Mann, der über die Dächer der Siedlung hinaus Ausschau halten soll vom First meines Daches.

Aber bisher habe ich keinen Dachdecker auftreiben können, der ihn da oben anbringen wollte.

Meine Kräfte reichen nur bis aufs Dach meiner Töpferwerkstatt. Damit wird er sich wohl bescheiden müssen.  

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Winterlinge

Immerhin, der Frühling hat keinen Lockdown.

Bei mir im Garten breiten sich die Winterlinge aus mit ihren kräftig gelben kleinen Blüten.

Sonst sind sie oft schon Ende Januar da, aber die vorübergehende Kälteperiode hielt sie noch zurück.
Als alte Jenserin sind Winterlinge für mich das Signal für das Winterende. Dort breiten sich auf den Kalkhängen von Jena-Closewitz gegen Ende Januar die Winterlinge über die bewaldeten Hänge und halb Jena defiliert dort wie bei einer Prozession um den Frühling zu begrüßen.

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Homeschooling:

keine „Wenigstens Etwas-Lösung“ – sondern eine falsche Lösung!

Ich frage mich, ich frage die Bundesregierung: Wie soll eine Mutter, die nach der 6. Klasse von der Schule abgegangen ist, ihrer Tochter das große Einmal Eins erklären – und das vielleicht in einer Wohnung mit nur drei Zimmern, während sie auch noch die beiden Jüngsten betreuen muss, weil der Kindergarten geschlossen hat?

Deutschland hat seit bei der PISA-Studie und auch noch viele Jahre danach die fragwürdige Berühmtheit erlangt, eines der Industrieländer der Welt zu sein, wo der Zusammenhang zwischen dem Bildungsgrad der Eltern und dem Erfolg der Kinder in der Schule am allergrößten ist. Ein wenig hatte sich die Lage inzwischen verbessert.

Aber jetzt wird alles dafür getan, dass wir in dieser Hinsicht endlich Weltmeister werden.

Ich habe viele Jahre als Erziehungsberaterin gearbeitet. Ich erinnere mich, dass ein großer Teil meiner schwierigsten Problemfälle solche Eltern waren, die mit ihren schulleistungsschwachen Kindern zu Hause Hausaufgaben machten oder mit ihnen übten (z.B. Diktate schrieben, weil das Kind mit der Rechtschreibung nicht zurechtkam.) Meist gingen diese Bemühungen der Eltern auf den Wunsch eines Lehrers oder der Lehrerin zurück, die meinten, das Kind bräuchte im Elternhaus mehr Unterstützung bzw. auch mehr Druck.

Bei diesen elterlichen Bemühungen kam dann allerdings meistens genau das Gegenteil von dem heraus, was beabsichtigt war:  Der Lerneifer der Kinder wurde noch geringer, als er schon war. Ihre Leistungen stagnierten oder nahmen noch weiter ab. Nicht selten gab es emotionale Beziehungsstörungen zwischen Kindern und Eltern, und das auch da, wo Eltern und Kinder bis dahin gut miteinander zurechtgekommen waren.

Bei den Versuchen, ihre Kinder zu unterstützen, waren diese Eltern oft ungeduldig, schimpften, ärgerten sich, hielten das Kind an, endlich aufzupassen und sich anzustrengen. Es gab nicht selten Tränen, manchmal auch bei verzweifelten Eltern, die doch nur das Beste für ihr Kind wollten. Und die Kinder hassten es, mit ihren Eltern zu üben.

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Systemrelvante Soziale Arbeit?

Seit Beginn der Corina-Krise wird innerhalb der Profession Soziale um die Anerkennung ihrer Systemrelevanz gekämpft.
Offiziell wurden, was die Jugendhilfe betrifft, nur die Kindertagesstätten und die stationären Jugendhilfeeinrichtungen als systemrelevant anerkannt (BMAS 2020 1). Böllert (2020 2) stellt fest, dass die Bildungs- und Freizeitangebote der Jugendhilfe dagegen nicht als systemrelevant eingeschätzt und folglich auch nicht weitergeführt wurden.

Problematisch ist für mich, dass dieser Begriff „Systemrelevanz“ von vielen KollegInnen in diesem Kontext unreflektiert benutzt wird. Die Betonung der Systemrelevant legt die Vorstellung nahe, das Soziale Arbeit nur ein Mandat hätte, nämlich die Ausführung staatlicher Sorge- aber auch Kontrollmaßnahmen.
Ist Soziale Arbeit nicht mehr?
Anja Eichhorn hat zu dieser Thematik einen lesenswerten und nachdenkenswerten Artikel verfasst.

„Die Tatsache, dass Soziale Arbeit bzw. hier die Jugendhilfe nicht bzw. nur in wenigen Teilen als „systemrelevant“ eingestuft wurde, war von Beginn der Krise an für berufspolitische Verbände der Sozialen Arbeit, die Gewerkschaft ver.di, verschiedenen Hochschulen und z. B. für den Paritätischen Wohlfahrtsverband Anlass zu heftigen Protesten. Gefordert wurde, Soziale Arbeit und damit die Jugendhilfe in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und Systemrelevanz anzuerkennen. Sie sei generell für die Gesellschaft unverzichtbar und würde gerade in der Krise dringend gebraucht. Ihre Beschäftigten hätten also die gleiche ideelle und materielle Anerkennung verdient wie z. B. die Pflege-MitarbeiterInnen. Auch dieser gesellschaftliche Bereich müsse deswegen finanziell so ausgestattet werden, dass die hier anstehenden Aufgaben trotz der Krise erfüllt werden können.
Auch das Deutsche Jugendinstitut kritisiert in diesem Zusammenhang das Verhalten der Regierung gegenüber der Sozialen Arbeit: „Die flächendeckende Anerkennung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe als „systemrelevante“ Berufsgruppe und damit auch der Zugang zu Angeboten der Notbetreuung für die Kinder von Fachkräften wäre eine Maßnahme, die die Funktionsfähigkeit des Systems der Kinder- und Jugendhilfe stärken würde. Zudem wäre dies auch eine längst überfällige Geste der Anerkennung für Mitarbeitende der Kinder- und Jugendhilfe“ (DJI 2020, S. 72 4) 3.

Bis heute geht das Bestreben weiter, Soziale Arbeit als systemimmanat anzuerkennen (vgl. den Aufruf „dauerhaft systemrelevant“ vom 17.2.21, der sich an die ständige Impfkommission der RKI wendet.
Dies ist verständlich mit Blick auf die „Vorteile“, z.B. die Möglichkeit von MitarbeiterInnen, ihre Kinder im Kindergarten im Rahmen der Notbetreuung unterzubringen oder im Kontext der Impfstrategie bevorzugt zu werden.

Ich meine aber, „der verzweifelte Ruf vieler KollegInnen in der Corona-Krise, dass Soziale Arbeit und Jugendhilfe doch ebenso systemrelevant sein müssten wie z.B. das Gesundheitswesen und die Pflege, sollte uns nachdenklich stimmen.

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Kinder- und Jugendhilfestärkungsgesetz (KJSG) – wen stärkt es wirklich?

Es ist wieder soweit:
Der Bundestag wird demnächst über das Nachfolgegesetz zum KJHG (SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfegesetz) entscheiden. Das hat nun den schönen Namen „Kinder- und Jugendhilfestärkungsgesetz (KJSG)“. Wer die Entwicklung der Referentenentwürfe, der Diskussionen und Vorlagen aus den letzten Monaten verfolgt hat und sich vielleicht auch noch die Stellungnahme des Bundesrates angesehen hat, wird mir vielleicht zustimmen:
Als 2017 der damalige Referentenentwurf wegen des massiven Widerstandes der Fachverbände und Fachleute scheiterte, war abzusehen (und von der CDU bereits auf dem Jugendhilfetag in Düsseldorf angekündigt), dass in der nächsten Ligislaturperiode die angedachten Ziele unbeirrt weiterverfolgt werden.
Dies genau ist geschehen.

Und wie es aussieht, sind inzwischen die Verbände auch bereit, das neue Gesetz mitzutragen – und dass, obwohl der voher versprochene demokratische Diskussionsprozess mehr eine Farce war als Wirklichkeit.
Sie alle haben offenbar, wie Frau Conen es ausdrückt, ein kleines Tortenstückchen bekommen und sind so bereit, den Rest zu schlucken.

Aus dem guten alten soziapädagogisch orientierten Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz wird nun, wie zu erwarten war, ein neoliberales Gesetz,
– das viele Sparpotentiale bietet (nicht zuletzt in der ambulanten Jugendhilfe),
– dass die Rechte der Eltern einschränkt,
– dass die ambulante Hilfe nur noch in Ausnahmefällen und bei akuter Kindeswohlgefährdung ermöglicht,
– dass den Lebensweltansatz aufgegeben hat zugunsten einer pragmatischen und formal gehandhabten Sozialraumorientierung.
In diesen Punkten schließe ich mich der Einschätzung von Frau Conen an, die sie in einem Schreiben vom 17.2.2021 an ihren email-Verteiler geäußert hat:

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Anmerkung zum Rosenmontag

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Die Würde des Menschen trägt er auf dem Kopf

In einer am Freitag veröffentlichten Erhebung für die Funke-Mediengruppe durch das Unternehmen Civey gaben 70 Prozent an, die Öffnung unter Auflagen eindeutig oder eher richtig zu finden. Etwa jeder Fünfte lehnt die Öffnung ab.
Bei Männern ist die Zustimmung zur Lockerung für Friseure höher als bei Frauen. Rund 72 Prozent der Männer und 69 Prozent der Frauen befürworten die Entscheidung der Bund-Länder-Konferenz vom Mittwoch. Hohe Zustimmungswerte gibt es auch bei sehr jungen und sehr alten Menschen. Bei den über 65-Jährigen ist die Zustimmung mit rund 76 Prozent am höchsten.
Ich gebe zu, auch ich bin nicht unfroh darüber, denn meine Selbstversuche haben nicht ganz das gewünschte Ergebnis gezeigt. Und ich gönne es meiner Friseuse sehr, dass für sie die Kurzarbeit endlich wieder aufhört.

Hennis’s 4. Geburtstag verlief ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatte….

(wer Details dieses Ereignisses sehen will Bild einfach großklicken!)

Aber wenn ich eine Liste der wichtigen Bereiche aufstellen könnte, für die der Lockdown kreuzgefährliche Folgen haben wird, da kämen die Friseure ziemlich weit hinten. Denn was sind ein paar Haarzotteln gegen z.B. die massive Verschärfung der Bildungsungleichheit in diesem Land, die durch die Schulschließungen und die Verlegung der Beschulung in die Familien verursacht wurde und weiter wird. Wir erleben gerade so etwas wie eine Privatisierung der öffentlichen Aufgabe der Bildung. Die Chancen der Kinder, unbeschadet durch diese Situation zu kommen, sind für Kinder aus gebildeteren Schichten um ein Vielfaches größer als für die andern. Der unheilvolle, hoch-signifikante Zusammenhang zwischen Schulerfolg und Bildungsstatus des Elternhauses nahm laut PISA-Studie auch schon vor Corona im Ländevergleich eine peinlich-traurige Spitzenposition ein. Die werden wir nun toppen.
Es ist amüsant, welche Argumente plötzlich, nachdem Frau Merkel die allem anderen vorgezogene Öffnung der Friseursalons verkündet hatte, nur so aus den Medien herausprasseln! Sogar als mögliche Krebsvorsorge-Instanz werden die Friseusalons gelobt. Und dann ginge es, so las ich erstaunt, vor allem um die Würde der Menschen. Denn sie alle werden sich einfach gepflegter, sicherer und optimistischer fühlen, wenn die Frisur wieder sitzt. Davon geht unsere Landes-Mutti aus. Danke, Frau Merkel, dass sie an meine, an unsere Würde denken.
Allerdings mache ich die Würde von uns allen an anderen Faktoren fest: an den schon erwähnten gerechten Bildungs- und Entwicklungschancen, an der Möglichkeit, Beziehungen zu pflegen und Kontakte aufzunehmen, an der Chance, an kulturellen Erlebnissen teilhaben und sich erholen und entspannen zu können.
Wenn auch noch so viele Leute die Wiedereröffnung der Friseurläden begrüßen, damit hat sich die globale Entwürdigung, die uns seit einem Jahr zugemutet wird, in keiner Weise erledigt. Mit so einem kleinen Zuckerbrot werden wir uns nicht zufrieden geben.

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Die Bundesregierung spricht mit der Jugend?

Zufällig traf ich eben im Netz auf ein Video vom 2.2.21:
Frau Bundesministerin Giffey spricht mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen über die aktuellen Corona-Herausforderungen,
Eine Handvoll ausgesuchter, politisch interessierter Jugendlicher waren dazu aufgerufen, ihre Lage in der Corona-Krise zu beschreiben und ihre Probleme bzw. die Probleme, die sie sehen, deutlich zu machen.
Frau Giffey hat sich die verschiedenen Statements angehört und sich Notizen gemacht. Danach erklärte sie ihr Bedauern und beteuerte, wie sehr ihr die Lage von Kinder und Jugendlichen am Herzen läge. Auf die beschriebenen Probleme ging sie nicht weiter ein. Es gab auch keine klare Bestätigung, wie massiv die Schädigungen und die Zumutungen in den verschiedenen Bereichen sind. Dafür aber forderte Frau Giffey ihre ZuhörerInnen auf, selbst Vorschläge zu machen, wie eine schrittweise „Normalisierung“ des Lebens der Kinder und Jugendlichen demnächst am besten wieder hergestellt werden könnte.

Am Schluss raffte sich eine der Teilnehmerinnen zu der mutigen Forderung auf, in die Kinder- und Jugendhilfe, die offene Jugendarbeit und den Bereich Kinder und Jugend insgesamt sofort und erst recht nach der Krise viel, viel Geld zu stecken, damit die entstandenen Schäden aufgefangen und nach der Krise so weit wie möglich bewältigt werden können. Lächelnd versprach Frau Giffey einen riesigen Batzen Geld sicherzustellen. Zur Zeit gelänge es für sämtliche Einrichtungen der offenen Jugendarbeit zwar nur, diese gerade eben am Leben zu erhalten. Aber danach müsse es wieder richtig gut weitergehen.

Am 11. März will sie ein großes Jugend-Hearing veranstalten, um noch mehr Betroffene zu Wort kommen zu lassen. Sie sieht in ihnen, wie sie sich ausdrückte, Politik-BeraterInnen.

Mich erinnert das Ganze fatal an das, was Frau Giffeys Ministerium derzeit mit dem Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz veranstaltet hat. Alle durften ihre Wünsche und Meinungen äußern. Viele, nicht alle, wurden gehört. Aber am Ende war es doch so, als hätten sie nur in taube Ohnen gesprochen. Das neue Gesetz wird kein demokratisch erarbeitetes Gesetz sein, wie es ehemals das KJHG war (an dem 30 Jahre lang gearbeitet wurde), sondern eines, dass die herrschende Politk zusammen mit gewissen Lobby-Gruppen ausgebrütet hat.

Zu dem Wunsch der jungen Kollegin muss man leider anmerken:
Hoffnungen auf eine finanzielle Stärkung der Bereiche Kinder- und Jugend zur Kompensation der entstandenen Kollateralschäden durch die Corona-Maßnahmen werden wohl kaum erfüllt werden. Klundt z.B. hält diesen Vorstellungen entgegen, „dass die Haushalte sowohl im Bund wie auch in Ländern und Kommunen unter enormen Einnahmeausfällen leiden und damit generell weniger Haushaltsmittel zur Verfügung stehen“ (Klundt 2020, S. 7). Da außerdem eine Übernahme der kommunalen Altschulden nicht geplant ist, erscheint diese Situation als bedenklich, denn schon in der Vergangenheit waren die Soziale Arbeit und insbesondere die Jugendhilfe Bereiche, in denen hohe Einsparpotenziale vermutet wurden (Klundt 2020; Meyer 2020).

Literaturhinweise:
Klundt, M. : Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lebensbedingungen
junger Menschen. Studie für die Bundestagsfraktion DIE LINKE. In: Publikationen
der Fraktion.Beitrag vom 15.6.2020
www.linksfraktion.de/publikationen/broschuere/ 
(Abruf 4.10.20)

Meyer, N.: Verwerfung in der Sozialen Arbeit – Corona als Auslöser? In: Böhmer,
Anselm; Engelbracht, Mischa; Hünersdorf, Bettina; Kessl, Fabian; Täubig, Vicki
(Hrsg.): Soz Päd Corona. Der sozialpädagogische Blog rund um Corona. Beitrag
vom 30.6.2020
https://sozpaed-corona.de/verwerfung-in-der-sozialen-arbeit-corona-als-ausloeser/
(Abruf 7.10.20)

 

 

 

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Neben dem Lockdown auch noch der Flockdown

Zugegeben, hier um Oberhavel hat die Schneelawine einen Umweg gemacht. Draußen liegen erst seit gestern vielleicht 6 cm super-weißer Neuschnee und es ist kalt.
In anderen Teilen Deutschlands sieht es bedeutend dramatischer aus.

Aber selbst die Metereolgen betonen inzwischen, dass die Schneekatastrophe von 2021 nicht ansatzweise der von 1978 vergleichbar ist. Dennoch überschlugen sich die Medien im Vorfeld in Panikstimmung und Warnungen. Das scheint ihr Job zu sein.

Aber: Es ist einfach mal Winter. Wenn ich die Fotos aus dem Schnee geplagten Münster in Westfalen sehe, fallen mir meine eigenen Erlebnisse dort aus dem Jahr 1970 oder 1971 ein, wo wir wochenlang nicht aus dem Haus gingen, weil es einfach zu anstrengend war, sich durch die Schneeberge vorzuarbe5ten.
Ein Aufruf im Netz, die tollsten Fotos vom schneereichen Winter in Nordrhein-Westfalen einzusenden, zeigen durch die Band Laternen und Vogelhäuser mit übergroßen niedlichen Schneehüten. Eine Katastrophe sieht anders aus.

Aber schön, vielleicht gelingt es mir in diesem Jahr mal wieder, im Garten einen Schneemann aufzustellen. Denn im Februar ist das sicher ganz o.k. Ich erinnere mich, dass ich im Jahr 2006 Mitte März nach einem plötzlichen späten Wintereinbruch noch einen Schneemann gebaut habe voller Frust, weil ich eigentlich längst mit dem Frühlingsbeginn gerechnet hatte.

Mitte März 2006
Februar 2008
Februar 2009

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Die Corona-Pandemie als Erziehungsproblem?

Im Blog „Soz Päd Corona. Der sozialpädagogische Blog um Corona“ (hrsg. von Anselm Böhmer und anderen) setzt sich Arnd-Michael Nohl mit dem Phänomen der, wie er sie nennt , „Massenerziehung“ der Bevölkerung auseinander, die durch die herrschende Politik zum Zwecke der Durchsetzung der von ihr festgelegten Corona-Maßnahmen eingeleitet und bis heute und auf nicht absehbare Zeit aufrechterhalten wird.

Nohl zeigt auf, wie diese „Massenerziehung“ von oben – tatkräftig unterstützt von der Presse und den öffentlichen Medien – umschlägt in eine Erziehung der Menschen untereinander. Ziel sei es bei dieser Methode, die erforderlichen Maßnahmen nicht durch Zwang, sondern durch eine Gewöhnung der Menschen zu erreichen. Dabei wird dem Individuum nicht nur die Einhaltung der Regeln zugemutet, sondern die persönliche Verantwortung für den weiteren Verlauf der Pandemie zugeschoben.Das bedeutet, so Nohl, dass nun jeder, „, der die Corona-Regeln übertritt und insbesondere die Quarantäneauflagen nicht beachtet, fürchten müssen, an den öffentlichen Pranger gestellt zu werden.“
Außerdem werden inzwischen nicht nur die Einzelnen verantwortlich gemacht, sondern es werden ganze Gruppe, Stadtteile, Einrichtungen, Schulklassen in Sanktionen einbezogen. „Dass nicht mehr nur derdie Einzelne, sondern die ganze Gruppe (oder gar alle Bewohnerinnen eines Kreises) Nachteile erfahren, weil Einzelne sich nicht an die AHA-Regeln halten, lässt aus allen Mitmenschen potentielle Ko-Erziehende werden.“ Indem Menschen sich durch die „Unvorsichtigkeit“ anderer in ihren ureigensten Interessen bedroht sehen, übernehmen sie nun freiwillig selbst die vermeintliche Erziehungsaufgabe der Politik.

Leider bleibt es bei der Feststellung und diffenzierten Darlegung der Phänomene selbst. Nohl drückt sich – wie fast alle WissnschaftlerInnen es zu tun pflegen – um eine wirklich klare Stellungnahme und politische Einschätzungen, sowie um Forderungen herum. Er wählt mit dem Ausdruck „Massenerziehung“ einen vorsichtigen, fast pädagogisch wirkenden Begriff für das, was er sehr treffend beschreibt. So entsteht allerdings der Eindruck, dass es sich hier tatsächlich um eine Form pädagogischen Wirkens handeln könnte. Er spricht nicht aus, dass diese Form einer Massenerziehung nichts mit den pädagigischen Vorstellungen humanistischer Pädagogik zu tun hat, sondern schlicht ein Beispiel von autoritärer Politik ist. Er spricht nicht von autoritärer Erziehung, von Manipulation, von Mißachtung der Eigenverantwortung der Menschen, nicht von Aufforderung zur Denunziation und auch nur sehr indirekt von Panikmache. Diese Begriffe überlässt er offenbar lieber den KritikerInnen der Maßnahmen.

Immerhin fragt sich Nohl am Ende seiner Ausführungen, ob diese Massenerziehung ein Dauerzustand sein darf. „Dass alle alle potentiell erziehen dürfen und die Politik dies unterstützt, muss man nicht gutheißen … Erziehung wird zum Gebot der Stunde. Die zentrale Frage aber ist: Wird sich die Bevölkerung daran gewöhnen, (politisch) erzogen zu werden und sogar selbst zu erziehen, und lässt sie dies auch nach dem Abebben der Pandemie zu? Oder bleibt die „gesellschaftsweite Erziehung“ ein Phänomen des Ausnahmezustandes, dessen Ende von allen herbeigesehnt wird?“
Nohl warnt davor, dass durch das Verhalten der Regierung den KritikerInnen der Maßnahmen, die hier von Bevormundung der Bevölkerung sprechen, Argumente geliefert werden. Und er schlägt eine öffentliche Diskussion zu Grenzen und Notwendigkeiten von Massenerziehung vor.

Es ist zu befürchten, dass es diese öffentliche Diskussion nicht geben wird. Schließlich diskutiert ein autoritärer Erzieher seine Methode nicht zunächst mit seinen Zöglingen, und er wird auch keine Rechenschaft vor ihnen ablegen. In einer Demokratie hat eine solche „Massenerziehung“ überhaupt keinen Platz. Hier wird über die Bürger eines demokratischen Staates von oben beschieden wie über unmündige Kleinkinder, statt sie in die Entscheidungen einzubeziehen und ihre Mitbestimmung zu sichern.

Schließlich gibt es ja auch keine offene Diskussion über die Notwendigkeit der gesetzten Maßnahmen, die von anfang an als alternativlose Wahrheit hingestellt wurde, begründet mit dem Verweis auf regierungsnahe wissenschaftliche Berater. Dabei zeigen die Regierung und deren WissenschaftlerInnen nicht die geringste Bereitschaft, diese „Wahrheit“, wie es in der Wissenschaft selbstverständlich sein sollte, mit den anders lautenden Erkenntnissen zahlreicher profilierten WissenschaftlerInnen über die Größenordnung der Gefahr des Corona-Virus zu konfrontieren und im Dialog mit ihnen zu gemeinsamen Einschätzungen zu kommen.

Das zurzeit praktizierte autoritäre, demokratie-ferne Verhalten der Regierung wäre allerhöchstens durch eine existentielle Notlage der gesamten Gesellschaft gerechtfertigt, wie sie früher etwa mit der Pest über die Menschen hereingebrochen ist, die drohte, mehr als die Hälfte der Bevökerung umzubringen.
Es drängt sich die Frage auf, warum die Regierung diese „Pestszenerie“ hervorgerufen hat und unbedingt aufrechterhalten will. Ist der Massenerziehungsversuch vielleicht nicht nur der Pandemie eines besonders für alte Menschen gefährlichen Virus geschuldet, sondern eine Einübung in nicht-demokratische Zukunftsperspektiven?

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