Soziale Distanz – der neue Lebenstil

Körperliche Nähe wird zu einem Tabu

Social distancing ist zur neuen Pflicht geworden. Man könnte die Situation so beschreiben:
Wir halten Abstand und vermeiden jegliche Berührung aus Respekt und gegenseitiger Fürsorge. Obwohl wir gerade jetzt, um gemeinsam diese Krise leichter bewältigen zu können, dringend Nähe und Berührungen bräuchten, hilft uns nur soziale Distanz.“

 Was bedeutet Social Distancing
Die räumliche Distanzierung, auch räumliche Trennung oder physische Distanzierung  beinhaltet eine Reihe von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, die die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit stoppen oder verlangsamen sollen. Die Maßnahmen bezwecken, den Kontakt zwischen Menschen zu verringern und durch den Sicherheitsabstand die Anzahl von Infektionen, etwa durch Tröpfcheninfektionen, zu verringern.
Dazu zählen die Reduktion der räumlichen Nähe zu anderen Personen auf ein notwendiges Minimum, Mindestabstand in öffentlichen Räumen zu anderen von mindestens 1,50 Meter und der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur allein oder mit einer weiteren Person oder im Kreis der Personen des eigenen Hausstands. Darüber hinaus erließen einige Bundesländer Ausgangsbeschränkungen, die das Verlassen der eigenen Wohnung und das Betreten des öffentlichen Raums nur unter Vorliegen eines „triftigen“ Grunds erlauben. Ziel der bevölkerungsweiten Quarantänemaßnahmen ist die Verlangsamung der Ausbreitung von COVID-19. Eine Reduktion sozialer Kontakte, räumliche Distanzierung von anderen Menschen, die Vermeidung von Nähe und damit die Unmöglichkeit von Berührungen sind die praktischen und konkreten Aspekte der geforderten Social Distancing.


Betont wird immer wieder, dass der englische Begriff social distancing wörtlich ins Deutsche übersetzt als „soziale Distanzierung“ (Soziale Distanz) falsch, d.h. missverständlich ist, da dies impliziert, dass Personen gesellschaftlichen Abstand zueinander halten sollen. Es ginge keineswegs um eine soziale Isolation der Individuen, sondern um die räumliche Distanzierung von (möglicherweise) infizierten zu nicht infizierten Personen.
Vereinzelung und Isolierung wird also neuer Lebensstil gefordert, soziale Beziehungen sind möglichst nur noch virtuell zu pflegen oder im kleinen Familienkreis unter Quarantäne.

Aber was bedeutet social distancing konkret?

Die sozialen Fachkräfte sind sich weitgehend einig: Die Corona-Krise mit den staatlichen Regulierungen – zum einen die Schließung der Kindertagesstätten, Schulen und Freizeitzentren und zum anderen die massive Einschränkung des sozialen Kontaktes und Austausches (soziale Distanz, Vereinzelung, Maskenpflicht) – hat in hohem Maße vorhandene psychosoziale Probleme von Kindern, Familien, Jugendlichen verschärft und neue bedrohliche Krisen und benachteiligende Lebenslagen entstehen lassen. Klundt berichtet in seiner Text „Auswirkungen der Corona-Krise auf die Lebensbedingungen junger Menschen, dass Kinder über Einsamkeitserleben und Verluste der sozialen Netzwerkkontakte klagen. Soziale Kontakte sind speziell auch für ältere Menschen von ganz besonderer Bedeutung.

Warum brauchen Menschen soziale Kontakte?

Je länger die soziale Isolierung andauert, umso mehr sind Verkümmerungen von sozialen Fähigkeiten in direkten Begegnungen zu erwarten. Dieses Phänomen der Auswirkungen des Rückzugs ins virtuelle Leben war ja schon vor COVID-19 ein Thema. Ein Teil der Menschen kann der Isolierung Positives abgewinnen und sie teils auch als stressfreiere Zeit genießen, teils sogar als eine Art «Ferien». Viele aber werden vereinsamen, andere verzweifeln, in Familien oder Paaren kann sich die Spannung so aufladen, sodass häusliche Gewalt zunimmt oder auch der Alkoholismus. Internetsucht und exzessives Gamen werden vermutlich ebenfalls Folgen der durch die Regierung verordnete Isolierung sein. Menschen sind soziale Wesen. Sie brauchen direkte Kontakte mit anderen, sie brauchen auch «Auslauf» in Städten und Natur. Nimmt man ihnen das auf längere Zeit weg, wird das psychische Folgen haben.

Dass Soziale Kontakte für das psychsiche und körperliche Wohl von Menschen eine entscheidende Rolle spielen, kann man sogar in den Daten des Statistischen Bundesamtes nachlesen. Wissenschaftler stellten in verschiedenen empirischen Untersuchungen fest: Einsamkeit und ein Mangel an Freundschaften und sozialen Beziehungen haben einen stärkeren negativen Effekt auf die Gesundheit als klassische Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder Alkohol. Die positive Wirkung von Sozialkontakten ist sogar stärker als die negativen Folgen gesundheitlicher Risikofaktoren. Einsamkeit und soziale Isolation sind weit unterschätzte Risikofaktoren für Gesundheit und Lebenserwartung, die dem des Rauchens ebenbürtig ist.

Die WHO zeigte auf, dass psychische Probleme als Folgen einer Katastrophe von leichter Belastung bis zu sehr schweren psychischen Gesundheitsproblemen reichen. Auch bei Corvid-19 wird von einer deutlichen Zunahme der psychischen Störungen ausgegangen. Die Pan American Health Organization geht auf Grund bisheriger Erfahrungen bei der gegenwärtigen Corona-Krise von einer Verdoppelung sowohl der schweren als auch der mittelschweren psychischen Störungen (Psychosen, Depression, Angststörungen) aus. Die häufigsten Störungen sind: Anpassungsstörungen, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Angststörungen, emotionale Instabilitäten, unspezifische somatische Symptome, chronische Trauer, Drogenmissbrauch. Forscher gehen von 2153 bis 9570 zusätzlichen Suiziden weltweit im Rahmen der COVID-19-Pandemie aus[1]

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Was die Sivesterkracher mit dem Great Reset zu tun haben

Einen Tag nach Silvester…
Als ich am Tag nach Silvester mit dem Hund durch unser Dorf ging, kam ich mit einem Mann ist Gespräch. „Also wirklich, ich bin so froh gewesen! Die Knallerei war dieses Jahr endlich erträglich. Man hatte seine Freude an der einen oder anderen farbenfrohen Rakete, 10 Minuten hat es geknallt – dann war Ruhe und das neue Jahr fing in Frieden an. So habe ich mir das schon seit Jahren gewünscht.“

Ich sah ihn an und wartete auf die Fortsetzung dieser Geschichte. Und sie kam:
„Traurig ist nur, dass sowas erst mit Corona geht. Wir müssen offensichtlich dazu gezwungen werden, vernünftig zu sein!“
Ich lächelte und bemerkte, dass ich mich auch über die besänftigte Silvesterknallerei gefreut hätte – nicht zuletzt auch mein Hund.
Was hätte ich erwidern sollen? Er hat ja recht. Viele Menschen erleben die Corona Zeit als Entspannung, Entschleunigung und als Wiedergewinnung alter Werte. Diese Menschen blicken nach vorne in der Hoffnung, dass nach Corona alles besser sein wird, ja, dass Corona dazu beitragen könnte, das alte ungeliebte „Höher, Schneller, Weiter“ des Neoliberalismus zu überwinden …..
Der Glaube, dass Corona Schluss mache mit dem Irrsinn des „Höher, Schneller, Weiter“, wird auch medial stark unterstützt. Die Medien sind voll von Jubelberichten über solidarische Aktionen, Nachbarschaftshilfe und ein neues, wiedererwachtes Gemeinschaftsgefühl. Die durch die Corona-Maßnahmen aktuell bestehenden Chancen auf Entschleunigung, auf die Möglichkeit, wieder zu sich selbst zu kommen, die Solidarität wiederzuentdecken, sich wieder alten, aber inzwischen durch den Stress verdrängten Tätigkeiten und Hobbys zuzuwenden usf.  werden jedoch gegen die massiven Kollateralschäden ausgespielt.
Die aber sind beträchtlich: Ein anderer Teil der Bevölkerung, der medial allerdings mehr in den Hintergrund gedrängt wird, sind diejenigen, die durch Corona tief gefallen sind, deren Existenz bedroht ist, deren Psyche belastet ist, deren Bildung in Gefahr ist, die soziale, kulturelle Verluste erleben, die sich einsam und verlassen fühlen und an der Rauheit der sogenannten Schutzmaßnahmen leiden – und zwar gegen Achtsamkeit und Menschenwürde. Und dies Menschen sind nicht wenige.
Neulich hörte ich den 17jährigen Sohn einer Freundin stöhnen: „Corona raubt mir meine Jugend.“ Er sitzt den ganzen Tag am PC und vermisst die wirklichen Treffen und Gespräche mit seinen Freunden. Das sei doch etwas völlig anders, etwas Lebendiges, wo man spürt, dass die anderen da sind.
Laut Untersuchungen sind etwa die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen zurzeit mit ihrem Leben unzufrieden. Vor Corona waren 96 % mit ihrem Leben zufrieden.

Dennoch. Corona hat auch Positives gebracht: Weniger Verkehrsunfälle, sauberere Luft, mehr Zeit für die Familie, Stop der umweltzerstörenden Tourismusströme usw. Und wie der Mann, der sich über das besänftige Silvestergeknalle gfreut hat, müssen feststellen, dass es scheinbar nötig ist, die Menschen mit Verordnungen und Strafandrohung zu zwingen, vom „Höher, Schneller, Weiter“ abzulassen, sie also zu ihrem Glück zu zwingen. Alleine kriegen sie es offenbar ja nicht hin.

Bedeutet progressiver Neoliberalismus Humanismus?

Mich erinnert das an die schon vor Corona erlebte Tendenz des progressiven Neoliberalismus und grünen Kapitalismus. Laut Nany Fraser stehen im seit etwa 30 Jahren existierenden progressiven Neoliberalismus „progressive Kräfte faktisch im Bündnis mit den Kräften des kognitiven Kapitals, insbesondere der Finanzialisierung. Erstere borgen dabei, ob unbewusst oder auch nicht, den Letzteren ihr Charisma… Somit verbindet der progressive Neoliberalismus verkürzte Emanzipationsideale mit gefährlichen Formen der Finanzialisierung.“
In der Zeit vor Corona konnten wir zum Beispiel erleben, wie sich die Mächtigen und ein Teil der Wirtschaftskräfte mit einem Mal auf die unbedingte Förderung des Umweltschutzes orientierten.  War Greta in Davos nicht genau das, was Nacy Fraser beschreibt? Im Sommer wird es in diesem Sinne in Davos weitergehen.
Ich aber bin verwundert und frage mich, warum sie das tun. Sind sie nicht mehr an ihrem Profit, sondern neuerdings am Glück der Menschheit interessiert? Oder wollen sie an dieser Entwicklung doch nur schlicht Geld verdienen? Tatsächlich gibt es doch weiterhin bei denen, die das große Geld haben, Interesse an Profit, an Warenabsatz, an endlosen Neuproduktionen, an ständigem Wachstum, an der immer weiter getriebenen Steigerung von Entwicklung und Leistung. Man denke an den Versuch von Politik und Industrie,mit aller Macht die E-Mobilität durchzusetzen. Man kann kaum glauben, dass es hier nur um Umweltschutz geht. Hier soll ein neuer Markt für die Autoindustrie eröffnet werden.
Und doch ist die Tendenz gerade der herrschenden Kreise, das „Höher, Schneller, Weiter“, tatsächlich zu bremsen, unüberhörbar. Ich denke nur an die Geschichte vom Great Reset.
Gibt es also vielleicht noch einen anderen, elementareren Grund dafür, dass sich plötzlich die herrschenden Kräfte im Kapitalismus (zumindest ein Teil von ihnen) die Verantwortung für die Ressourcen der Welt selbst auf die Fahnen schreiben?

Dass es mit dem grenzenlosen Wachstum nicht ewig gut gehen würde, ist für denkende Menschen schon lange klar. Der Glaube an „Höher, Schneller, Weiter“ liegt keineswegs in der Natur der Menschen. Er wurde ihnen durch die neoliberale Wirtschaft und Ideologie seit Jahrzehnten eingebläut und ihnen als die große Freiheit verkauft.
Und jetzt zieht also plötzlich die Seite, die bis dato die Menschheit zu dieser neoliberalen Ideologie und Lebenspraxis gezwungen hat, selbst die Reißleine? Wollen sie ihrerseits nun selbst verhindern, dass unsere schöne Welt vor die Hunde geht?
Inzwischen singen die Spatzen das Lied vom „Great Reset“ von den Dächern. Manche werfen dem Vater des Great Rest, Herrn Schwab, sogar vor, einen sozialisitischen Kapitalismus“ einführen zu wollen. Handelt es sich hier etwa um eine Verschwörungstheorie? Keineswegs, denn sie wird offen vorgestellt und diskutiert. Und viele sehen darin eine große Chance. Die kapitalistische Welt soll umgebaut werden: ressourcenfreundlicher, umweltfreundlicher, sozialer, … und vor allem digitaler….
Was also ist da los? Sollen wir froh darüber sein?
Ist der Kapitalismus auf einmal humanistisch geworden? Jedenfalls wäre das doch eine erfreuliche Interessengleichheit zwischen Kapital und Menschen (genau, wie sie der progressive Neoliberalismus verspricht).

Die Ankündigungen der Tagesordnung in Davos im Sommer, machen klar, dass sie sich tatsächlich als die treibenden Kräfte einer solchen Erneuerung betrachten. Es sieht so aus, als wollten sie die Verantwortung für die Weltbevölkerung und die Welt übernehmen, d.h., die Menschen dazu zwingen, wieder Haus zu halten mit ihren Ressourcen etc.
Aber warum? Trauen die Herrschenden jetzt, nachdem selbst sie offenbar sehen, wohin dieser Neoliberalismus die Menschheit führt, der Bevölkerung, den Menschen, der Demokratie nicht zu, vernünftig zu sein? Und streben sie deshalb etwas an wie einen „Reset von oben“ an, eine Diktatur der herrschenden wirtschaftlichen Kräfte, aber eben gleichzeitig eine von oben gesteuerte Diktatur der Vernunft, eine Diktatur des wie auch immer aussehenden Humanismus? Meinen sie also, die Menschen in ihrem eigenen Interesse zwingen zu müssen zu ihrem Glück?
Und daran schließt sich für mich die Frage an: Ist das alles, was wir in dieser Richtung erleben, also nur ein Erziehungsprogramm?

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Bin wieder zurück – Corona machte es möglich.

ohne Worte

Corona hält uns nun schon fast ein ganzes Jahr im Griff.

Als Rentnerin, die mit Garten, Schreiben,Töpfern und Zeichnen ziemlich ausgelastet ist, bin ich persönlich nicht sehr stark betroffen. Dennoch holt mich dieses Thema immerwieder, täglich, oft stündlich ein. Ich muss nur das Radio anschalten, und das 2. Wort spätestens heißt „Corona“. Tatsächlich hat Corona mein soziales Leben verändert. Um meine Enkeltochter anders als über Video zu sehen, muss ich nach Hamburg reisen, kann da aber nicht ins Hotel und müsste der kleinen Familie in ihrer 2-Zimmer-Wohung bei Homeoffice-Bedingungen auf die Füße treten… Aber noch mehr beeinträchtigt mich die Tatsache, dass mich plötzlich Menschen schief und schiefer ansehen, mit denen ich seit vielen Jahren, manchmal Jahrzehnten befreundet war.

Am 13. März habe ich für mich selbst eine Art Corona-Tagebuch begonnen und es bis Mitte April geführt. Dann habe ich damit aufgehört, einen Buchbeitrag geschrieben zum Thema Corona und Soziale Arbeit, die öffentlichen Medienbeiträge verfolgt, mich häufig geärgert und mit einigen meiner engsten Freunden zerstritten, weil wir die Lage sehr unterschiedlich sehen. Ich habe wochenlang die „inneren“ Seiten beim Robert Koch Institut studiert und mich bei anderen Statistik-Autoritäten umgesehen. Darüber hinaus habe ich versucht, mich über die Argumente der Kritiker der Corona-Maßnahmen genauer zu informieren, weil ich den ständigen medialen Dreckschleuder-Berichten über diese Leute einfach nicht traute. Schließlich, nun schon während des 2. Lockdowns, bin über einen Artikel in der von mir eigentlich sehr geschätzten Sozialarbeiter-Zeitschrift „Forum Sozial“ gestolpert, bei der ich in der Vergangenheit zum engen Kreis der AutorInnen gehört habe. Bei der Lektüre dieses Textes standen mir die Haare zu Berge standen (Forum Sozial, Heft 3/20, Soziale Arbeit und die Ideologien der Ungleichwertigkeit in Zeiten der Corona-Krise). Mein Artikel mit einer Gegendarstellung (Titel: „Wenn professionelle Diskriminierungsgegner selbst diskriminieren“) wurde vom Redakteur abgelehnt.

All das hat mich dazu bewogen, hier im Blog wieder die Chance zu nutzen, meine Meinung frei zu sagen. Denn das zu tun, ist inzwischen schwierig geworden.

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Altwerden

M. Seithe
Ton, 2017

Eine Sendung im Rundfunk zum Thema Alt sein: Dazugeschaltete Menschen ab 70 werden befragt, wie sie das Alter meistern.
Voller Stauen höre ich Frauen wie Männer die Vorzüge des Alters preisen und sich rühmen, trotz ihres Alters noch die Welt auf den Kopf zu stellen. Die eine macht Reisen rund um den Globus, der andere hat sich an der Universität eingeschrieben, um Biologie zu studieren, die nächste schwärmt von der Lebens weckenden Kraft, die das Großeltern-Dasein mit sich bringe. Alle finden es wunderbar, endlich tun und lassen zu können, was sie wollen. Untersuchungen hätten gezeigt, so die Moderatorin, dass 70% aller alten Menschen ihr Leben positiv sehen und es genießen.
Empfehlungen für ein glückliches Alter werden den Hörern und Hörerinnen ans Herz gelegt: Tanzen, im Chor singen, etwa ganz Neues lernen, ein Ehrenamt übernehmen …
Nur einmal meint einer der am Tisch Diskutierenden schüchtern, es gäbe ja wohl auch sowas wie Altersarmut, und Krankheiten, Einsamkeit, … Ja, sicher, ein wenig Geld bräuchte man schon. Aber wer einsam sei, der wäre selbst schuld, antworten die zugeschalteten Personen unisono.

Ich glaube, meine Ärzte lächeln insgeheim über mich. Wieso die Alte noch immer glaubt, sie könnte wieder so jung und gesund werden, wie sie früher war. Ab 70 kann man keinen Arzt mehr dazu bringen, ernsthaft darüber nachzudenken, was einem fehlt. Man ist halt alt. „Rückenschmerzen haben wir doch alle“ , sagte neulich meine Orthopädin.
An meinem 70. Geburtstag kam ein Brief von der Mammografie-Stelle. Man machte mich auf mein Recht aufmerksam, jährlich an einer Mammografie-Untersuchung teilzunehmen. Diese Recht stehe mir zu bis zum 70. Geburtstag.

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Skulpturen in Kleinformat

aus Ton, aus Pappmachéé und anderen Werkstoffen
symbolische Szenen, Alltagsszenen

Seit einigen Jahren arbeite ich mit Ton. Angangs habe ich alles gemacht, was mir einfiel: Köpfe, Gartenfiguren, Tiere, …

Seit einiger Zeit schaffe ich aus Ton kleine Szenen, also bewegte Bilder, die etwas über Menschen und Menschliches erzählen. Es sind oft Momentaufnahmen von Erlebnissen, die ich hatte. Manchmal sind es Phantasien, besonders dann, wenn die kleine Szene etwas Symbolische ausdrücken will.

Hier ein Beispiel:
Gestresste Mutter mit Handy in der Hand, Baby auf dem Arm, mit Einkaufstasche und Kind, dass hinter ihr läuft… wie soll sie das alles gleichzeitig bewältigen? Sie rennt außer Atem, aber ihre Beine sind bleischwer.
Eigentlich wollte ich ihr drei Arme machen, das ist aber aus technischen Gründen nicht gelungen.

Stress
Mechthild Seithe
Ton auf Beton, Juli 2019

mehr Arbeiten von mir.

Inzwischen bin ich auf Ausstellungen und im Netz auf andere Künstler gestoßen, die ebenfalls kleine, bewegte Skulpturen gestalten. Zum Beispiel die Skulptur von Ronald Lindner aus dem Jahre 2015 mit dem Titel: „Das ist mein Stuhl“:

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Gedanken zur anti-rechten Bewegung „unteilbar“

27.10.18

Die starke bürgerliche und linksorientierte Bewegung gegen Rechts (z.B. „unteilbar“), die parallel zur Erstarkung rechter Positionen aufgekommen ist, wird in der Diskussion um die Flüchtlings- und Migranten-Frage von den Herrschenden instrumentalisiert, um von der eigenen fatalen Flüchtlings- und Migrations-Politik  abzulenken und um ganze Gruppen der Bevölkerung, nämlich die Unzufriedenen, ins rechte Lager zu drängen und sie für die anderen zu Feinden zu stempeln. Weiterlesen

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Das Land der Menschenrechte und Menschenwürde?

     aus: Eulenspiegel

Ein Freund von mir sprach in seinem Uni-Seminar das Thema Menschenwürde an.
Da waren die Studierenden sofort dabei: „China“, sagten sie und „die Türkei“,  und sie nannten so allerhand andere Länder, in denen unser Deutschland unterwegs ist, um den dort Lebenden die Menschenrechte beizubringen.
„Wie sieht es denn bei uns aus mit Menschenrechten und Menschenwürde?“
Den Studierenden fiel dazu nicht viel ein.

Mein Freund erzählte Beispiele aus den Jobcentern. Die Studierenden staunten. Einige beschlossen, sich einmal dort umzusehen.

„Und was ist mit Ausländern, Flüchtlingen, Obdachlosen, Hartz IV Empfängerinnen? Wie sieht es denn da aus mit ihrer Menschenwürde?“, fragte mein Freund. „Vorgestern stand es in der Zeitung“, erzählte er, „In einer Berliner Bank bricht ein Rentner, nachdem er sein Geld geholt hat, im Vorraum der Bank zusammen. Weiterlesen

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meine Fragen an unsere PolitikerInnen

Es fallen mir so viele  Fragen ein, zu denen ich Antworten und Stellungnahmen von unseren Politikern haben möchte.
Das würde ich fragen:

Thema Bundeswehr und Militarisierung

Was halten Sie von folgenden Aussagen und Fakten?

  • Die Bundeswehr führt eigene Kindergärten oder kauft sich Plätze in bestehenden Kindergärten und sie macht Freizeitangebote für Kinder
  • Finden Sie es gut und angemessen, dass Deutschland nach so vielen Jahren der militärischen Zurückhaltung wieder eine wichtige militärische Rolle in der Welt spielt.
  • Finden Sie es richtig, dass Deutschland Auslandseinsätze durchführt?
  • Die Militarisierung der Gesellschaft in Deutschland  ist eine notwendige Entwicklung gewesen.
  • Was halten sie von der folgenden Aussage: „Pazifisten sind Träumer“?
  • Deutschland gibt für die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen derzeit etwa 3 Milliarden im Jahr aus. Das ist mehr als bisher (!) für die Bundeswehr. Was sagen sie dazu?
  • Die Jugendhilfe darf nicht wichtiger sein als unsere Verteidigungskraft und unsere Bundeswehr.

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Soziale Arbeit und Sozialstaat

Widersprüchliche Antwort auf die Soziale Frage

Soziale Arbeit ist immer eine gesellschaftliche Antwort auf die „Soziale Frage“, in ihren Anfängen in der Zeit der Industrialisierung bis heute.
Soziale Arbeit ist s keine revolutionäre Antwort auf diese Frage. Soziale Arbeit ist  historisch ein Kind der Sozialdemokratie und bildete sozusagen den Gegenpol zur damaligen politischen und sozialistischen (auf Abschaffung der kapitalistischen Gesellschaft orientierten) Arbeiterbewegung.

Ihr Bemühen, die sozialen Probleme der Bevölkerung zu lösen, entwickelte sich  immer im Spannungsfeld und im Widerspruch zwischen Anpassen und Wachrütteln, zwischen Helfen und stark Machen, zwischen dem Versuch, die Menschen mit der Gesellschaft zu versöhnen und dem Wunsch, sie mit den Betroffenen zusammen zu verändern.
Dies zeigt sich an sehr vielen Praxis -Beispielen der Vergangenheit und Gegenwart: Weiterlesen

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Neue Schöne Welt – aus dem Glashaus betrachtet

Schöne neue Welt – Der Name meines Blogs verweist auf einen alten Sciencefiction Roman, den Aldous Huxley 1932 geschrieben hat.
In den 90 Jahren spielte dieser Roman in einer anhaltenden und viele Menschen mitreißenden Diskussion deutscher Philosophen und Sozialwissenschaftler eine große Rolle.
Das Werk gehört zu den einflussreichsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Es inspirierte Autoren aller Generationen zu eigenen Zukunftsvisionen.

Kurz zum Inhalt:
Mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten sowie der anschließenden mentalen Indoktrinierung der Kleinkinder werden die Menschen gemäß der jeweiligen gesellschaftlichen Kaste geprägt, der sie angehören sollen. Die Gesellschaft verfügt über Menschen der Kaste  „Alpha-Plus“ (Führungspositionen) und über Menschen der Kaste „Epsilon-Minus“, die in der Gesellschaft die einfachsten Tätigkeiten verrichten. Dazwischen liegen abgestuft die anderen Kasten.

Huxley schuf eine technisch und psychologisch durchstrukturierte Welt, in der die Menschen über genetische Maßnahmen und Verhaltenstraining in 5 unterschiedliche Kasten eingeteilt werden, die sie weder verlassen wollen noch können.
Es herrscht sozialer Frieden, weil jede Kaste auf ihre Weise befriedigt wird und ein Wunsch, mehr zu sein und anders zu sein, den Menschen gleich nach der Geburt drastisch und für ihr ganzes Leben ausgetrieben wird.
Der Friede wird damit erkauft durch ein System, das nicht nur Ungleichheit und Unrecht duldet, sondern selbst systematisch herstellt.
Es herrscht Wohlergehen und Reichtum in den beiden oberen Klassen, der Rest lebt wesentlich einfacher, ist aber zufrieden.Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt. Die Regierung jener Welt bilden KontrolleureAlpha-Plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden.
1932 konnte Huxley die heute bestehenden genetischen Möglichkeiten der Manipulation von Menschen nicht voraussehen. Er griff nach den Erkenntnissen und Möglichkeiten seiner Zeit.

Das Besondere und für unsere heutige Welt verblüffend Bekannte:
Das Unterdrückungssystem wird nicht per Zwang und körperlicher Gewalt, sondern durch gezielte Manipulation durchgesetzt. Der Totalitarismus der schönen neuen Welt“arbeitet“ nicht mit niederknüppelnder Macht, sondern weit effizienter. Er bringt vielmehr das Volk mittels Propaganda, Medien und manipulativer Erziehung dazu, seine  seine eigene Versklavung zu lieben.
Besonders wirksam dabei sei es, so die Ideologen dieser Schönen neuen Welt, gezielt Informationen zu verbergen: „groß ist die Wahrheit, aber größer, vom praktischen Gesichtspunkt, ist das Verschweigen der Wahrheit“.
Voraussetzung für das Gelingen dieses Verschweigens ist wirtschaftliche Sicherheit, die aufrechtzuerhalten erste Priorität des totalitären Staates ist.

Die typischen Verhaltensmerkmale der Menschen in der Schönen Neuen Welt kommen einem beinahe so vertraut vor, als spiele der Roman in unserer Gesellschaft:

  • Die gesellschaftlichen Normen fordern von den Bürgern zahlreiche sexuelle Kontakte mit kontinuierlich wechselnden Partnern  die ausschließlich dem Vergnügen dienen sollen. Liebe und emotionale Leidenschaft gefährden nach Meinung der Weltregierung die Stabilität.
  • Kunst und Literatur sind durch das „Fühlkino“ (im Original: Feelies) ersetzt, in dem auch körperliches Empfinden dem Zuschauer physiologisch übertragen wird. Der Handlungsverlauf der gezeigten Stücke ist dabei ohne tiefere Bedeutung, da aufgrund der emotionalen Verarmung der Menschen die Grundlage für einen anspruchsvollen Inhalt fehlt. Die Geschichten sind trivial und gleichförmig auf Action und Erotik ausgelegt.
  • Um größere Gefühlsschwankungen zu vermeiden, die zu negativen Verstimmungen führen können, nehmen die Menschen regelmäßig Soma ein, eine Droge, die stimmungsaufhellend und anregend wirkt und auch als Aphrodisiakum verwendet wird. Anders als Alkohol hat es bei üblicher Dosierung keine Nebenwirkungen und wird synthetisch hergestellt.
  • Bildung beschränkt sich auf eine pragmatische, für die Gemeinschaft nützliche Wissensvermittlung. Humanistische Bildung ist gesellschaftlich nicht gewünscht, da sie den Menschen zum Nachdenken anregt und ihm eine kritischere Sicht auf die Welt ermöglicht. Da es nicht im Interesse der Allgemeinheit ist, den Menschen für die Defekte dieser Gesellschaft zu sensibilisieren, wird jede Bildung, die sich auf kulturelle Überlieferung stützt, unterdrückt. „Geschichte ist Mumpitz“.

 

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